Julius Sperber

Julius Sperber, Pseudonym Julianus de Campis (* um 1540 in Seebergen; † 1616 in Dessau, Anhalt), war fürstlich anhaltischer Rat des Fürsten Christian von Anhalt zu Dessau, mystischer Schriftsteller, Kabbalist und Alchemist. Er gilt als Mitbegründer des Rosenkreuzer-Ordens. Nach Zedlers Lexikon war er Arzt, manche bezeichnen ihn als Leibarzt des Fürsten.

Wirken

Sein berühmtestes Werk ist das Echo der von Gott hocherleuchteten Fraternitet des Lobl. Ordens R. C., publiziert in Danzig 1615 (und 1620), eine der wichtigsten und einflussreichsten frühen Schriften der Rosenkreuzer. Darin schreibt er, der Rosenkreuzerorden sei keine neue Gründung, sondern Bewahrer sehr alten Wissens, dessen erster Träger der Urvater Adam war, und von Generation zu Generation durch die Chaldäer und Ägypter weitergegeben wurde, und dann den Christen über den Heiligen Johannes und den Heiligen Bernhard überliefert. Er nennt als eingeweihte Wissende auch Guillaume Postel, Pico della Mirandola, Johannes Reuchlin und Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim. (Siehe dazu auch den Eintrag Philosophia perennis).

Sperber, offenbar ein Anhänger des Paracelsus’, gehört zu den frühesten rosenkreuzerischen Autoren. In seinen Werken spricht er von einer aktiven Gemeinschaft von Rosenkreuzern, dennoch bleibt umstritten, zu welchem Zeitpunkt sich der Orden wirklich formierte (manche meinen, dass dies erst 1616 erfolgte, andere datieren die Gründung auf das Erscheinen der Fama Fraternitas des Christian Rosencreutz von 1614).

Nach dem Werk The Book of Rosicruciæ (Clymer 1946, I, xxiii–xxvi), wurden die Rosenkreuzer von John Valentine Andreæ, John Baptista van Helmont, Heinrich Khunrath, Julius Sperber, Berigard von Pisa, Jean D’Aspagnet und Henricus Madathanas begründet. Michael Maier wurde der erste Oberste Hochmeister des Ordens.

Im alchemistischen Sammelwerk Deutsches Theatrum Chemicum schreibt Sperber: „… Die von Gott anfänglich geschaffene Erde (= Synonym für Adam) war ganz vollkommen und perfekt und auch der Natur und Tugend des philosophischen Steins (= Stein der Weisen) gleich gewesen. Als der Mensch fiel, ward Gott zornig und verfluchte die „rote Erde“ (= allegorische Bezeichnung für Adam als perfekt geschaffener Mensch), er zerstörte ihre eingeborene Proportion, verkehrte die Homogenität in Heterogenität und veränderte sie durch Verrückung der Elemente (und so auch der Planetenwellen, die die Elemente erst erzeugen, und deren Resonanz zu den Charkas) in einen unflätigen Zusammenlauf der Materie: Davon die Corruption und der Tod erfolget.“

In seinem Buch der Wunder von etwa 1600 schreibt er von seinem Traum, ein neues Zeitalter (das Dritte Zeitalter, das Zeitalter des Neuen Jerusalem, ein Zeitalter der Gleichheit der Menschen nach der Epoche der Fürsten) werde prophezeit und breche jetzt an – ein Bezug auf Joachim von Fiore und dessen Millenarismus.

Julius Sperber beschäftigte sich neben der Kabbala und Alchemie auch mit „göttlicher Magie“. Er unterscheidet eine göttliche, eine menschliche und eine abergläubische (oder teuflische) Magie. Meist für erlaubt betrachtet wurde die magia naturalis, der die Magia innaturalis, diabolica, prohibita oder illicita gegenübergestellt wurde. Diese wird im üblichen Sprachgebrauch oft mit dem abwertend gemeinten Begriff der Zauberei bezeichnet.

Die Rosenkreuzer-Tradition sieht Sperber als „philosophischen Initiierten“ an, der der ersten harmonischen, geheimen Gemeinschaft der Initiierten des weltweiten Rosenkreuzer-Ordens angehört habe.

Von Bedeutung für die Fortentwicklung der Rosenkreuzer im 18. Jahrhundert war die Neuauflage seiner Schriften in den USA 1770–1777 in Philadelphia. In Philadelphia fand 1772 der erste „American Great Council of the August Fraternity“ statt. Die Gründungsväter der Fraternity Rosae Crucis wie Benjamin Franklin spielten später zum Teil eine bedeutende Rolle in der amerikanischen Revolution.

Seine Schriften beschäftigen mystische Schriftsteller bis in die Moderne. Julius Sperber wird in der Freimaurerliteratur genannt, ebenso wie in Schriften aus dem Bereich des New Age (er wird auch als eine der Quellen für die richtige Handhabung von Magie gelesen) und in neuesten Schriften zur sogenannten „Prieuré de Sion“.

Familie

Julius Sperber war der siebte Sohn des Thüringer evangelischen Superintendenten Valentinus Sperber in Seebergen, der früher katholischer Geistlicher gewesen und von Philipp Melanchthon in der Reformationszeit mit der Nonne Euphrosyne von Borsdorf aus Borna verheiratet worden war. Sein ältester Bruder war der ostpreußische streitbare Theologe Erhard Sperber in Wehlau (zeitweise auch Danzig). Er hatte mindestens fünf weitere Brüder, die Pfarrer wurden. Deren Großvater soll der katholische Geistliche Johannes Sperber gewesen sein, der mit seiner Konkubine zusammenlebte und trotz des Zölibats Kinder zeugte. Er stammte aus der bedeutenden Reutlinger Bürgerfamilie Sperber (frühere Sperber von Sperberseck aus einer der ältesten Familien Schwabens, die verwandtschaftlich mit dem Heiligen Ulrich von Augsburg verbunden war).

Werke

Literatur

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. ↑ rose-croix.org: Histoire du Rosicrucianisme: La rose fleurissant (Memento vom 30. August 2013 im Internet Archive); (Video nicht abspielbar.)
  2. ↑ Carl Edwin Lindgren: The Rose Cross – A Historical and Philosophical View (Memento vom 8. November 2012 im Internet Archive).
  3. ↑ Ulrich Arndt: Verbunden mit dem Puls der Sterne, Die Kräfte der Planeten beeinflussen alles Leben auf Erde. In: Zeitschrift Paracelsus, Heft Januar 2005, Seite 12–17.
  4. ↑ The History of the Fraternitas Rosæ Crucis. In: soul.org. The Beverly Hall Corporation, abgerufen am 23. August 2017 (englisch): „Philosophical Initiates who were interested in the consolidation of the Initiates of all the Arcane Schools into one supreme unit became members of the “World Council” of the Confederation of Initiates. Initiates of all schools in all countries belonged to this loosely joined Confederation and included such names as Aegidius Gutmann, Valentin Weigel, Simon Studion, Jean Braccesco, Dennis Zachaire, Thomac Charnock, John Fountaine, Alexander von Suchten, Nicholas Bernaud, Julius Sperber, and Henry Khunrath“
  5. ↑ Bernhard Möller: Thüringer Pfarrerbuch, Band 1; Herzogtum Gotha
  6. ↑ levity.com: Ara Foederis Theraphici
  7. ↑ „JULIUS SPERBER (17. Jh.) unterscheidet eine göttliche Magie – MAGIA DIVINA (Magia coelestis) - »das ist die himmlische oder göttliche Weisheit«, eine menschliche Magie, »welche mit Ceremonien und allerhand Mißbräuchen dermassen vermischet, und dadurch verdunckelt worden, daß sie billich den vorigen Namen verlohren«, und eine ABERGLÄUBISCHE oder TEUFLISCHE MAGIE“