
Lee Jung-jin (koreanisch 이정진; auch Jungjin Lee; * 1961 in Südkorea) ist eine südkoreanische Fotografin und Künstlerin.
Lee erhielt als Kind Unterricht in traditioneller Kalligrafie und studierte sodann Keramik an der Hongik University in Seoul. Während ihres Studiums wandte sie sich der Fotografie zu, arbeitete zwei Jahre lang als Dokumentarfotografin in Korea und ging anschließend nach New York, wo sie Fotografie an der New York University studierte. Ende der 1980er-Jahre fotografierte sie einen alten Mann auf einer abgelegenen koreanischen Insel bei dessen jahrelanger Suche nach wildem Ginseng; dieses Projekt bestärkte sie darin, sich nicht als klassische Dokumentarfotografin zu verstehen. In New York arbeitete sie zeitweise als Assistentin von Robert Frank, dessen Haltung zum intuitiven Fotografieren einen Einfluss auf sie ausübte. Seit mehreren Jahrzehnten arbeitet sie abwechselnd in Korea und den Vereinigten Staaten, wobei New York zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden ist.
Lee ist für schwarzweiße, oft großformatige Landschafts- und Objektfotografien bekannt, in denen sie fotografische Verfahren sowie handwerklichen und malerischen Arbeitsweisen einsetzt. Seit 1989 entwickelt sie ein Verfahren, bei dem sie Fotografien auf Hanji, traditionelles koreanisches Maulbeerpapier, überträgt und so eine Textur erzeugt, die ihre Bilder in die Nähe von Tuschemalerei, Zeichnung und Objektkunst rückt. Ihre Retrospektive Echo im Nationalmuseum für moderne und zeitgenössische Kunst in Gwacheon zeigte 2018 elf analoge Werkserien, darunter American Desert, Wind und Pagoda, und stellte ihre seit mehr als drei Jahrzehnten entstandenen Hanji-Arbeiten heraus. Für die internationale Fotografie-Ausstellung This Place arbeitete Lee zwischen 2009 und 2012 in Israel und dem Westjordanland; das Brooklyn Museum zeigte 2016 aus diesem Projekt mehr als 600 Fotografien von zwölf Beteiligten, darunter Lee, Frédéric Brenner, Wendy Ewald, Josef Koudelka, Gilles Peress, Stephen Shore, Thomas Struth und Jeff Wall. Ihr daraus hervorgegangener Werkkomplex Unnamed Road kann verhalf Lee auch international zu Sichtbarkeit und wurde 2023 in einer Retrospektive im Goeun-Museum für Fotografie in Busan neuerlich vorgestellt. This Place war als Ausstellung über Israel und das Westjordanland angelegt, deren zwölf internationale Fotografen keine Nachrichtenfotografie, sondern engagierte und zugleich stilistisch unterschiedliche Bildsprachen einsetzten. Im Jahr 2020 zeigte sie in der Ausstellung Voice in der PKM Gallery in Seoul 25 schwarzweiße Hanji-Fotografien, deren Motive sie selbst eher als Verse eines abstrakten Gedichts denn als Abbild konkreter Orte verstand. 2025 war Unseen in der Huxley-Parlour Gallery in London ihre erste Einzelausstellung im Vereinigten Königreich; die dort gezeigten isländischen Landschaften waren großformatige, schwarzweiße Arbeiten, deren Wirkung stark von Lees kalligrafischer und keramischer Ausbildung beeinflusst sind. 2026 zeigte die PKM Gallery in Seoul die Ausstellung Unseen/Thing, in der neue Island-Arbeiten der Serie Unseen mit Werken der Serie Thing aus den Jahren 2003 bis 2007 kombiniert wurden. Zu ihren Auszeichnungen gehören der Dong Gang Photography Award 2013, der Anonymous Was A Woman Award 2011 und der Photography Award des Camera Club of New York 1990.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lee, Jung-jin |
| KURZBESCHREIBUNG | südkoreanische Fotografin und Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1961 |
| GEBURTSORT | Südkorea |