Katholischer Deutscher Frauenbund

Katholischer Deutscher Frauenbund
(KDFB)
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1903 in Köln
Sitz Köln
Mitglieder 180.000
Website www.frauenbund.de

Der Katholische Deutsche Frauenbund (kurz: KDFB) ist ein eingetragener Verein römisch-katholisch und ökumenisch engagierter Frauen mit deutschlandweit rund 130.000 Mitgliedern in 1.200 Zweigvereinen verteilt auf 20 Diözesen. Ziel des Vereins ist es, am Aufbau einer Gesellschaft und Kirche mitzuwirken, in der Frauen und Männer partnerschaftlich zusammenleben und gemeinsam Verantwortung tragen für die Zukunft in einer friedlichen, gerechten und für alle lebenswerten Welt. Dazu bringt sich der KDFB regelmäßig in die aktuellen politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Diskussionen ein.

Gründung

Der KDFB wurde am 16. November 1903 in Köln als Teil der damaligen Frauenbewegung gegründet. Gründungsvorsitzende von 1903 bis 1912 war Emilie Hopmann. Mitbegründerinnen und zweite Vorsitzende waren Minna Bachem-Sieger (1903–1919) und Hedwig Dransfeld (1912–1925), die 1919 als eine der ersten Frauen in den Reichstag einzog.

Dransfeld arbeitete eng mit der schwedisch-deutschen Frauenrechtlerin Ellen Ammann zusammen. Ammann gründete 1904 (im selben Jahr wie Emy Gordon in Würzburg) den Zweigverein des Katholischen Frauenbundes in München. Auf ihre Initiative hin und mit Unterstützung vieler anderer Frauen wie Marie Zettler und Gräfin Pauline von Montgelas schlossen sich am 6. Dezember 1911 alle bestehenden bayerischen Zweigvereine zum „Bayerischen Landesverband des Katholischen Frauenbundes“ zusammen.

Der Katholische Frauenbund nahm früh Kontakte zu internationalen Verbänden auf und wurde 1910 Gründungsmitglied der Internationalen Liga, heute Weltunion Katholischer Frauenorganisationen (WUCWO/UMOFC). 1951 war er Gründungsmitglied des „Informationsdiensts für Frauenfragen e.V.“, aus dem sich der Deutsche Frauenrat entwickelte. Er wurde im Jahr 2006 Gründungsmitglied des europäischen Frauennetzwerkes ANDANTE. In diesem Netzwerk sind 19 katholische Frauenverbände in 12 europäischen Ländern organisiert, welche insgesamt etwa 1,2 Millionen Frauen vertreten.

Namensveränderungen

1903–1916: Katholischer Frauenbund (KFB), 1916–1921: Katholischer Frauenbund Deutschlands (KFD), 1921–1983: Katholischer Deutscher Frauenbund (KDF), seither als KDFB abgekürzt.

Aktivitäten

Fahnenabordnung bei Fronleichnamsprozession

Der Katholische Deutsche Frauenbund hat bundesweit ca. 130.000 Mitglieder in über 1200 Zweigvereinen verteilt auf 20 Diözesen. Der Frauenbund bietet ein Bildungsprogramm, das auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist. Auch Informationen und Austausch in wichtigen Fragen der Gesellschaft, der Politik und der Kirche gibt es, denn der Katholische Deutsche Frauenbund bietet entsprechende Seminare an. Außerdem wird praktische Unterstützung und konkrete Hilfe in schwierigen Lebenslagen angeboten. Frauen des KDFB gestalten Gottesdienste, Andachten und Wallfahrten. Außerdem beteiligen sie sich jedes Jahr am Weltgebetstag der Frauen.

Nachdem im November 1918 in Deutschland das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt wurde, zog Ellen Ammann, die 1904 den Münchner Zweigverein des Katholischen Frauenbundes gründete und 1911 den Bayerischen Landesverband des Katholischen Frauenbundes ins Leben rief, als eine der ersten weiblichen Abgeordneten in den Bayerischen Landtag ein. KDFB-Frauen wirken bis heute nicht nur in Landtagen, sondern auch im Bundestag, in Bezirkstagen, Kreistagen sowie als Stadt- bzw. Gemeinderätinnen.

In Berlin wird ein Mehrgenerationenhaus für allein stehende Frauen jeden Alters, wie Studentinnen, Berufstätige und Seniorinnen betrieben.

Solibrot-Aktion

Seit 2013 engagieren sich zahlreiche KDFB-Frauen für die jährliche Solibrot-Aktion, initiiert von Misereor unter dem Motto „Backen. Teilen. Gutes tun.“ Durch den Verkauf von vielen Hunderttausenden Solibroten konnte der KDFB insgesamt über 1 Million Euro an Misereor spenden.

Diakonat der Frau / Tag der Diakonin

Seit 1998 veranstaltet der KDFB am 29. April, dem Gedenktag der Heiligen Katharina von Siena, den „Tag der Diakonin“, seit 2024 den „Tag der Diakonin +plus“. Damit setzt sich der Verband für die Öffnung aller Dienste und Ämter der katholischen Kirche für alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, ein. Gemeinsam mit Partnerverbänden lädt der KDFB jährlich zu einer zentralen Veranstaltung am 29. April ein.

Ziele und Forderungen

Ein wichtiges Ziel des Katholischen Deutschen Frauenbundes ist, Frauen ein politisches Grundwissen zu vermitteln. Sie machen mit aktuellen politischen und sozialen Themen und Entwicklungen vertraut zu machen und ihre Argumentations- und Diskussionsfähigkeit zu trainieren. Gesellschaftspolitische Bildungsarbeit soll darüber hinaus dazu beitragen, dass sich Frauen ihrer sozialen und politischen Verantwortung als Christinnen bewusst werden und sie motivieren, sich aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben zu beteiligen. Im Rahmen seiner gesellschaftspolitischen Bildungsarbeit bezieht der Frauenbund regelmäßig öffentlich Stellung zu aktuellen, frauenpolitisch relevanten Fragestellungen.

Der Katholische Deutscher Frauenbund fordert die Ermöglichung der Frauenordination in der römisch-katholischen Kirche und fordert eine Reform der römisch-katholischen Sexualmorallehre.

Der Verband setzt sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare innerhalb der Katholischen Kirche ein.

Der Verband setzt sich außerdem unter anderem für Equal Pay, Equal Care und Parität in den Parlamenten ein.

Bildungsangebote

Der Frauenbund bietet für Frauen ein breitgefächertes Bildungsprogramm, zum Beispiel

Weiterbildung in den Bereichen

Hilfe in schwierigen Lebenssituationen

Der Frauenbund kümmert sich auch um Menschen, die in einer schwierigen Lebenssituation sind. Der KDFB bietet z. B.:

Das Familienpflegewerk des KDFB (Bayern) hilft Familien in kritischen Situationen. Die Familienpflegerinnen betreuen die Kinder und erledigen den Haushalt, etwa

Vernetzung

Der KDFB vertritt die Interessen von Frauen in zahlreichen Gremien:

Auf internationaler Ebene ist der Frauenbund Gründungsmitglied der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO). Er entsendet auch eine Vertreterin in den Europarat und arbeitet unter anderem mit den Hilfsorganisationen Misereor, missio, Adveniat, Päpstliches Missionswerk der Frauen und Renovabis zusammen.

Konkret unterstützt der Frauenbund zum Beispiel

Außerdem trägt der Frauenbund die Kampagne für „saubere Kleidung“ mit, die weltweit eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie erreichen will. Mitglieder des Frauenbunds engagieren sich mit Solwodi gegen Frauenhandel und Sextourismus. Sie unterstützen Al Tufula, ein Friedensprojekt für palästinensische Frauen in Israel.

Bekannte KDFB-Frauen

Medien

Literatur

Commons: Katholischer Deutscher Frauenbund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Bundesverband: Wir über uns. Katholischer Deutscher Frauenbund, 2026, abgerufen am 8. April 2026.
  2. ↑ Gisela Muschiol (Hg.): Katholikinnen und Moderne. Katholische Frauenbewegung zwischen Tradition und Emanzipation. Aschendorff Verlag, Münster 2003, S. V (Vorwort) ISBN 3-402-03432-8
  3. ↑ Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247, hier: S. 1235.
  4. ↑ Unser Netzwerk. In: KDFB. Abgerufen am 8. April 2026.
  5. ↑ Unser Netzwerk. In: KDFB. Abgerufen am 8. April 2026.
  6. ↑ 70 Jahre Deutscher Frauenrat - Geschichte. Abgerufen am 8. April 2026.
  7. ↑ Unser Netzwerk. In: KDFB. Abgerufen am 8. April 2026.
  8. ↑ Über uns. In: KDFB. Abgerufen am 8. April 2026.
  9. ↑ KDFB Berlin | Mehrgenerationenwohnhaus Helene Weber. In: www.kdfb-berlin.de. Abgerufen am 4. Juli 2017.
  10. ↑ Eva Brahimi: Solibrot – Backen. Teilen. Gutes tun. In: KDFB. 24. Oktober 2025, abgerufen am 11. Mai 2026.
  11. ↑ Eva Brahimi: Tag der Diakonin +plus. In: KDFB. 6. Februar 2026, abgerufen am 8. April 2026.
  12. ↑ kirche-und-leben.de: Katholischer Frauenbund in Münster blickt auf Synodalen Weg, 28. November 2019.
  13. ↑ Frauenbund.de: Debatte um „Ehe für alle“ (Memento vom 6. Januar 2018 im Internet Archive)
  14. ↑ Beschlüsse und Veröffentlichungen. In: KDFB. Abgerufen am 8. April 2026.
  15. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Katholischer Deutscher Frauenbund | Verantwortung für Demokratie übernehmen. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. November 2017; abgerufen am 14. November 2017.