
Verbreitung der Kaftari-Keramik, Stand 2018 |

Die Kaftari-Zeit bezeichnet eine archäologische Periode in der iranischen Provinz Fars. Sie wird über eine spezifische Keramik definiert, die im Rahmen von Surveys in der Kur-Ebene sowie bei Ausgrabungen in Tall-e Malyan nachgewiesen wurde. Die Periode dauerte von 2200 bis 1600 v. Chr. und fällt in die Zeit der eigentlichen politischen Souveränität der Elamer.
Die Keramik wurde von Louis Vanden Berghe in den frühen 1950er-Jahren auf der Basis von Surveys und Sondierungen in der Ebene von Marvdascht charakterisiert. Er nannte sie Kaftari-Keramik nach dem namensgebenden Fundort Tall-i Kaftari. In den späten 1960er-Jahren führte William M. Sumner umfangreiche Surveys in einem größeren Gebiet in der Kur-Ebene durch und beschrieb die Keramik noch genauer. Die Identifizierung der Ausgrabungsstätte Tall-e Malyan mit der über Inschriften überlieferten Stadt Anschan in den 1970er-Jahren führte in der Folge zu Ausgrabungen in verschiedenen Gebieten. Diese konnten mehrere Kaftari–Fundstätten identifizieren und etablierten eine absolute Chronologie der Kaftari-Zeit von ungefähr 2200 bis 1600 v. Chr.
Louis Vanden Berghe benutzte in den 1950er-Jahren den Begriff Kaftari-Kultur für die Gesamtheit der Keramikfunde aus der Kaftari-Zeit. Abgesehen von dieser kulturanthropologischen Einordnung ist der Begriff Kaftari bis heute in Gebrauch. Keramikfunde außerhalb der Kur-Ebene, die Parallelen zur Keramik in Tall-e Malyan aufweisen, werden ebenfalls zur Kaftari-Keramik gezählt. Deren Herkunft bzw. Produktionsstätte ist jedoch weiterhin unklar. Es wäre deshalb präziser, sie als „mit Kaftari in Zusammenhang stehend“ (englisch Kaftari-related) oder als „Kaftari-verwandt“ zu bezeichnen.
Die Kaftari-Zeit liegt zwischen den archäologischen Perioden Banesh und Qaleh. Sie wurde von William M. Sumner auf 2200–1600 v. Chr. datiert. Er unterscheidet eine frühe (2200–1900 v. Chr.), eine mittlere (1900–1800 v. Chr.) und eine späte (1800–1600 v. Chr.) Kaftari-Periode. Spätere Messungen mittels der Radiokarbonmethode bestätigten diese Chronologie, die heute allgemein anerkannt ist.
Das Auftreten der Kaftari-Keramik fällt zeitlich mit der Ur-III-Zeit, der Isin-Larsa-Zeit und der altbabylonischen Zeit in Mesopotamien sowie der Herrschaft der Schimaschki und Sukkalmah in Elam zusammen. In die Herrschaftszeit der Sukkalmah, somit in die mittlere bis späte Kaftari-Zeit, wird auch das Relief von Kurangun im heutigen Bezirk Mamasani datiert. Es befindet sich westlich von Tall-e Malyan am Verbindungsweg von der Kur-Ebene nach Susa. Zusammen mit den archäologischen Perioden Qaleh und Shogha/Teimuran fällt die Kaftari-Zeit in die Zeit der tatsächlichen politischen Souveränität der Elamer.
| Zeitspanne (v. Chr.) | Archäologische Perioden | Historische Phasen | |
|---|---|---|---|
| Fars | Chuzestan | ||
| ca. 2900–2600 | Späte Banesh | Susa III C | |
| ca. 2600–2200 | Übergang Banesh Kaftari | Susa IVA–B | |
| ca. 2200–1900 | Frühe Kaftari | Susa V | Altelamisch/Schimaschki |
| ca. 1900–1800 | Mittlere Kaftari | Susa V | Altelamisch/Sukkalmah |
| ca. 1800–1600/1500 | Späte Kaftari | Susa VI | Altelamisch/Sukkalmah |
| ca. 1600/1500–1300 | Qaleh | Susa VII– | Mittelelamisch I |
| ca. 1300–1000 | Qaleh/Mittelelamisch/Shogha-Teimuran | Susa VIII– | Mittelelamisch II–III |
Die Keramik der Kaftari-Zeit besteht aus einem körnigen, pflanzlich gemagerten, hellbraunen Material (grainy vegetal-tempered buff ware). Zudem kommt sie als mineralisch gemagerte, rot überzogene Variante (grit-tempered red-slipped ware) vor. In der frühen Kaftari-Zeit hatte die rot beschichtete Keramik gegenüber der hellbraunen Keramik einen höheren Anteil. In der späten Kaftari-Zeit änderte sich das Verhältnis zugunsten der hellbraunen Keramik. Eine Reihe von Formen findet sich zudem in einer grauen Keramik (grey ware), die vorwiegend als Kochgeschirr benutzt wurde. Beide Varianten der hellbraunen und rot überzogenen Keramik treten bemalt (painted) oder unbemalt (plain) auf. Die Verzierungen der bemalten Keramik sind vielfältig und bestehen aus regelmäßigen Reihen feiner paralleler brauner Bänder, die durch einzelne Wellenlinien, Register mit komplexeren Verzierungen oder Kombinationen aus beidem voneinander getrennt sein können. Das markanteste Motiv auf der bemalten Keramik der Kaftari-Zeit in der Kur-Ebene ist die Darstellung eines Vogels in verschiedenen Formen, der durchgehend nach links blickt.
In den 1970er-Jahren wurden in einem Survey 77 Standorte mit Kaftari-Keramik in der Kur-Ebene entdeckt. Allein auf dem Gelände von Tall-e Malyan wurden über 1500 Scherben dieser Art gefunden. In der Zwischenzeit fand man die Keramik in Susa, Mamasani, Fasa und in Liyan. Vor dem Hintergrund des seit dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesenen Handels zwischen Mesopotamien, dem Südwesten Irans und dem Persischen Golf wurde Kaftari-verwandte Keramik im gesamten Golfraum entdeckt – insbesondere in Dilmun (dem heutigen Bahrain) und Magan (dem heutigen Oman). Im Persischen Golf ist die Keramik auf die Zeitspanne von ungefähr 2100 bis 1900 v. Chr. belegt.