
Kamel Daoud (arabisch كمال داود, DMG Kamāl Dāwud; * 17. Juni 1970 in Mesra, Wilaya Mostaganem, Algerien) ist ein algerisch-französischer Journalist und Autor, der in französischer Sprache schreibt. Bekannt wurde er in Algerien mit seiner Kolumne „Raïna Raïkoum“ („Unsere Meinung, eure Meinung“) im Le Quotidien d’Oran und schreibt zudem eine regelmäßige Kolumne für das französische Magazin Le Point. Für seinen Roman Houris erhielt er am 4. November 2024 den Prix Goncourt; er war damit der erste Algerier, dem diese Auszeichnung zuerkannt wurde. 2020 wurde er als französischer Staatsbürger eingebürgert. 2024 führte ihn das Magazin New African in seiner Liste der „100 Most Influential Africans“.
Daoud ist der Sohn eines Polizisten und hat als einziges Kind der Familie studiert. Nach dem Studium der Mathematik studierte er Literatur an der Universität Oran. 1994 ging er zur französischsprachigen Tageszeitung Le Quotidien d’Oran, wo er später acht Jahre lang Chefredakteur war. In dieser Zeit schrieb er sein erstes Buch Raina raïkoum (Unsere Meinung, eure Meinung). Er entwickelte sich und seine Meinungen von „konservativ“ zu „bissig“, besonders gegenüber den algerischen Machthabern unter Abdelaziz Bouteflika. Seine Artikel erschienen unzensiert auf Facebook, des Weiteren schrieb er für die elektronische Zeitschrift Algérie-focus und für Slate Afrique. Daoud lebt und arbeitet in Oran; seit den 2010er Jahren lebt und arbeitet er zeitweise auch in Frankreich. Er hat zwei Kinder und ist geschieden.
International bekannt wurde Daoud mit dem Debütroman Meursault, contre-enquête (Barzakh 2013; Actes Sud 2014), einer postkolonialen Gegenlektüre zu Albert Camus’ Der Fremde. Der Roman polarisierte: Tobias Lehmkuhl kritisierte in der Süddeutschen Zeitung die Sprache und die Gegengeschichte als monologisierendes Gerede, während Dirk Fuhrig im Deutschlandradio Kultur den Roman als „einer der anregendsten und wichtigsten … über das Verhältnis des Westens zur arabischen Welt“ lobte. Meursault, contre-enquête stand 2014 in der Endauswahl für den Prix Goncourt und wurde 2015 mit dem Goncourt du premier roman ausgezeichnet.
Mit Houris (Gallimard, 2024; dt. Huris, Matthes & Seitz Berlin, 2025) literarisierte Daoud die algerische „décennie noire“ (Bürgerkrieg 1992–2002) und thematisierte die bis heute strittige Aufarbeitung dieser Zeit; das Buch wurde in Algerien verboten. Für Houris erhielt er 2024 den Prix Goncourt. In den Büchern Meine Nacht im Picasso-Museum (2018/2020) und Houris thematisiert Daoud zudem das Verhältnis des Islams zu Körperlichkeit und zur Situation der Frau. Houris sind die Jungfrauen, die nach der religiösen Vorstellung mancher Menschen im Jenseits die Märtyrer erwarten sollen.
Neben der Kolumne im Quotidien d’Oran veröffentlichte Daoud seine journalistischen Texte u. a. gesammelt in Mes indépendances : Chroniques 2010–2016 (Actes Sud, 2017). Er schreibt zudem eine regelmäßige Kolumne für Le Point.
Daoud äußerte sich in Le Monde kritisch zu den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln durch maghrebinische Migranten und beklagte eine Naivität des Westens, der die Gegensätze zwischen westlicher und islamischer Kultur herunterspiele. Er wurde daraufhin von einer Gruppe von neunzehn französischen Intellektuellen angeklagt, Islamophobie zu schüren und Pegida zu unterstützen; bereits vorher wegen Kommentare im Quotidien d'Oran mit einer Fatwa belegt, kündigte Daoud an, sich aus dem Journalismus zurückzuziehen.
2014 rief der salafistische Prediger Abdelfattah Hamadache nach einem TV-Auftritt Daouds öffentlich zu dessen Hinrichtung auf. Daoud verklagte ihn deswegen; im März 2016 gewann Daoud den Prozess in Oran, bevor die Berufungsinstanz im Juni 2016 das Urteil wegen Unzuständigkeit aufhob. 2025 wurde Daoud in Frankreich wegen Houris zivilrechtlich verklagt; parallel meldeten algerische Behörden internationale Haftbefehle gegen ihn. Im April 2026 wurde er wegen seines preisgekrönten Romans Houris – der in Algerien nicht veröffentlicht werden kann, da ein Gesetz Veröffentlichungen über den Bürgerkrieg verbietet – in Abwesenheit von einem algerischen Gericht zu drei Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Gegen Daoud läuft auch ein Verfahren vor einem französischen Gericht wegen Verletzung der Privatsphäre.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Daoud, Kamel |
| KURZBESCHREIBUNG | algerisch-französischer Journalist und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 17. Juni 1970 |
| GEBURTSORT | Mesra (Mostaganem), Algerien |