Kanzashi

Dezember-Kanzashi mit Mochi-Blüten und Namensschildchen

Kanzashi (jap. 簪) ist ein Haarschmuck, der in der traditionellen japanischen Frisur der Frauen getragen wird.

Kanzashi werden aus einer Vielzahl von Materialien hergestellt wie lackiertem Holz, vergoldetem und versilbertem Metall, Gold, Schildpatt, Seide und neuerdings auch Kunststoff. Frühe Bakelit-Kanzashi sind heute als Sammelobjekte sehr begehrt.

Es gibt verschiedene Arten Kanzashi zu tragen. Bei einer Geisha deutet sowohl das Material als auch die Tragweise auf ihren Status hin. Maikos tragen mehr und aufwendigere Kanzashi als ältere Geishas, wobei für jede Frisur die Kanzashi in einem bestimmten Muster gesteckt werden müssen. Sie sollen teilweise im Notfall auch zur Selbstverteidigung gedient haben.

Herkunft

Das Wort kanzashi kommt vermutlich von kamizashi (髪刺), was „Haarnadel“ bedeutet. Ihr Ursprung lässt sich bis in die Jōmon-Zeit verfolgen, als die Menschen sich dünne Stäbchen in das Haar steckten, um Flüchen entgegenzuwirken; diese dienten später allgemein als Glücksbringer.

In der Heian-Zeit (8. bis 12. Jahrhundert) setzte sich die Taregami-Frisuren durch, bei denen die Haare lang und glatt getragen wurden, sodass Haarornamente außer Gebrauch gerieten. In der Azuchi-Momoyama-Zeit und der beginnenden Edo-Zeit (Ende 16./Anfang 17. Jahrhundert) wurden das Gesicht verhüllende Kleidungsstücke wie auch Hüte verboten, so dass sich wieder Haar- als Kopfschmuck durchzusetzen begann. In den adligen Gesellschaftsschichten entwickelten sich in der Mitte der Edo-Zeit für die Frauen aufwendige Frisuren, wie der Nihongami-Stil, und Kunsthandwerker produzierten ebenso aufwendigen Haarschmuck.

Heutzutage werden Kanzashi fast nur noch von Bräuten benutzt oder wenn besonderen Wert auf Tradition gelegt werden soll, wie bei Maikos, Geishas, in der Japanischen Teezeremonie und im Ikebana, früher auch bei Tayū/Oiran und Yūjo. Unter jungen Frauen herrscht jedoch auch ein Trend zur Wiederbelebung der Kanzashi, die eine gewisse Eleganz ausstrahlen sollen.

Arten

Es gibt verschiedene grundlegende Kanzashi-Stile sowie komplexe Blumen- und Jahreszeitenarrangements.

Unter Kanzashi im weiteren Sinne fallen auch, oft aber auch von diesen als separat betrachtet, folgendes:

Blumen-Kanzashi

Blumen-Kanzashi sind die langen, flatternden Blumen der Maiko. Sie werden von Kunsthandwerkern aus Seidenquadraten mit einer als Tsumami bekannten Technik hergestellt. Jedes Quadrat wird mit Hilfe von Zangen mehrfach gefaltet und zu einer einzigen Blüte geschnitten. Danach werden sie entweder an eine Metallstütze befestigt, um ganze Blumen herzustellen, oder mit Seidenfäden zu einer Blütenkette verbunden. Häufig werden auch Schmetterlinge und Vögel hergestellt. Zusätzliche Details wie Staubblätter werden durch Mizuhiki (水引) gestaltet. Dabei wird ein starker, dünner Bindfaden aus Japanpapier benutzt, der dekorativ angemalt wird.

Geisha tragen abhängig vom Monat oder Feiertagen andere Blumen-Kanzashi. In den Sommermonaten Juni bis September werden weiße oder silberfarbene und während der Wintermonate Oktober bis Mai Schildpatt und Koralle verwendet.

Jahreszeiten-Kanzashi

Die Jahreszeiten bestimmen, welche Kanzashi, vor allem Blumen-Kanzashi, getragen werden:

Januar-Kanzashi mit Shōchikubai, d. h. Kiefer-, Bambus- und Ume-Blüten
Commons: Kanzashi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ 簪. In: 世界大百科事典 第2版 bei kotobank.jp. Abgerufen am 2. Februar 2013 (japanisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Chiho Inaba, Yukari Maruoka: Kanzashi. In: Learning About Kyoto. Fremdsprachenuniversität Kyōto, 2009, archiviert vom Original am 23. Juli 2013; abgerufen am 6. März 2023 (englisch).
  3. ↑ 松葉簪. In: デジタル大辞泉 bei kotobank.jp. Abgerufen am 2. Februar 2013 (japanisch).
  4. ↑ 頭物. In: デジタル大辞泉 bei kotobank.jp. Abgerufen am 2. Februar 2013 (japanisch).
  5. ↑ Kanzashi-Kalender. In: hanamachi.de. Archiviert vom Original am 1. Oktober 2007; abgerufen am 6. März 2023.