Karl Dienstbach

Karl Dienstbach (* 6. Oktober 1900 in Frankfurt am Main; † 30. Juli 1977 in Ost-Berlin) war ein deutscher kommunistischer Politiker, Gewerkschaftsfunktionär, Interbrigadist und später Offizier bei der Volkspolizei (VP) der DDR.

Leben

Karl Dienstbach wuchs in Sindlingen auf, das damals noch ein Vorort von Frankfurt am Main war und 1928 eingemeindet wurde. Nach der Volksschule machte er zunächst 1914/15 eine Lehre in einem metallverarbeitenden Betrieb in Höchst, arbeitete dann als Hilfskoch bei den Farbwerken Hoechst und anschließend als Revolverdreher und Einrichter bei verschiedenen Firmen in Frankfurt am Main und Württemberg. Er schloss sich früh der Arbeiterbewegung an, bereits 1916 wurde er Gewerkschaftsmitglied im Fabrikarbeiterverband. Von 1918 bis 1921 arbeitete Dienstbach als Heizer bei der Deutschen Reichsbahn, danach als Maschinist (Chemiearbeiter) bei den Farbwerken Hoechst.

Seit 1925 war er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er war in der KPD-nahen Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) aktiv, die sich Ende der 1920er-Jahre vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund abspaltete. Dienstbach war Mitglied des Betriebs- und Arbeiterrats bei den Farbwerken Hoechst. Von 1930 bis 1932 gehörte er als Frankfurter KPD-Abgeordneter dem Nassauischen Kommunallandtag (Regierungsbezirk Wiesbaden) und dem Provinziallandtag der preußischen Provinz Hessen-Nassau an. Nach Auseinandersetzungen mit der Firmenleitung entließen ihn die Farbwerke Hoechst Ende 1930.

Im März 1931 wurde Dienstbach gemeinsam mit Erich Steffen (einem Mitglied der RGO-Reichsleitung) in Ludwigshafen am Rhein unter dem Verdacht festgenommen, Industriespionage in den I.G. Farbenwerken für die Sowjetunion zu betreiben. In einem Prozess vor dem Landgericht Frankenthal (Pfalz) wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Vor Antritt der Haftstrafe gelang ihm 1932 die Flucht in die Sowjetunion. Dort war Dienstbach bis 1935 Referent und Konstrukteur bei der Roten Gewerkschafts-Internationale. Er besuchte 1934/35 Abendkurse an der Internationalen Lenin-Schule und erhielt 1936/37 eine militärische Ausbildung an der Panzerschule der Roten Armee in Gorki. Während des Spanischen Bürgerkriegs kämpfte er auf Seiten der Republik in den Internationalen Brigaden als Kommandeur in einer Panzerbrigade.

Nach dem Sieg der Nationalisten im Spanischen Bürgerkrieg 1939 hielt sich Dienstbach in der Schweiz und Frankreich auf, wo er zeitweise interniert wurde. Im März 1941 kehrte er in die Sowjetunion zurück, wo er als Chefkoch beim Volkskommissar/Ministerium für Verbindungswesen in Frunse (Kirgisien) arbeitete. Nach dem Überfall Deutschlands auf die UdSSR wirkte er von September 1942 bis Sommer 1946 als Politinstrukteur für das Nationalkomitee Freies Deutschland in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern im Ural, unter anderem im Kriegsgefangenenlager Nr. 68 in Tscheljabinsk.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Dienstbach im Herbst 1946 nach Deutschland zurück, ließ sich im sowjetischen Sektor von Berlin nieder und wurde SED-Mitglied. Zunächst war er Referent beim FDGB-Bundesvorstand, ab 1947 Vorsitzender des FDGB-Bezirksausschusses Berlin-Mitte. Er absolvierte 1949/50 ein Studium an der Parteihochschule „Karl Marx“ in Kleinmachnow und wurde 2. SED-Parteisekretär im Polizeipräsidium Berlin. 1950 wurde er zum Oberst der Deutschen Volkspolizei (VP) und Leiter der VP-Bezirksverwaltung Potsdam ernannt. 1955/56 war er Volkspolizei-Inspekteur und Leiter der Abteilung Kriminalpolizei in Potsdam. 1959 trat er in den Ruhestand.

Familie

Grabstätte

Karl Dienstbach heiratete 1928 in Höchst die Schneiderin Elisabeth (genannt Betty) Appel, von der er sich 1941 scheiden ließ.

Seine zweite Ehe schloss er im Frühjahr 1942 in Frunse mit Minna (Mia) Niederkirchner (1911–1982), der Tochter des kommunistischen Gewerkschaftsfunktionärs Michael Niederkirchner (1882–1949). Die Familie Niederkirchner war ebenfalls aus politischen Gründen in die Sowjetunion emigriert. Dienstbach war somit der Schwager der antifaschistischen Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner (1909–1944). Die spätere Volkskammerabgeordnete Käte Niederkirchner (1944–2019) war seine Tochter.

Die Urnen Karl Dienstbachs und seiner Ehefrau Mia Niederkirchner wurden in der Gräberanlage „Pergolenweg“ des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt.

Auszeichnungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Meldung im Sozialdemokratischen Pressedienst, Berlin, 14. April 1931, S. 5–6.
  2. ↑ Helmut Lüders u. a.: Vaterländische Schriften. Band 1 – Band 3, S. 148, Mannheim, 2004, ISBN 3-938164-00-X.
  3. ↑ Eintrag Karl Dienstbach bei: Nassauische Parlamentarier. Ein biographisches Handbuch, Teil 2.
  4. ↑ Günter Koch: Bewährung am Ebro, Berliner Zeitung, 18. April 1971, S. 8.
  5. ↑ Neues Deutschland vom 5. Dezember 1967.
  6. ↑ Neues Deutschland vom 1. Dezember 1970
  7. ↑ Hohe Auszeichnungen zum Nationalfeiertag der DDR, Neues Deutschland, 2. Oktober 1975, S. 3
Personendaten
NAME Dienstbach, Karl
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kommunist, DDR-Funktionär und Volkspolizist
GEBURTSDATUM 6. Oktober 1900
GEBURTSORT Frankfurt am Main, Deutsches Kaiserreich
STERBEDATUM 30. Juli 1977
STERBEORT Ost-Berlin, Deutsche Demokratische Republik