Karl Gaugele

Karl Gaugele (* 25. Dezember 1878 in Winzingen; † 2. April 1942 in Zwickau) war ein deutscher Orthopäde und Sanitätsrat. Er gilt als einer der prägenden Orthopäden Sachsens im frühen 20. Jahrhundert und baute in Zwickau eine bedeutende Einrichtung für Orthopädie und Unfallchirurgie auf.

Leben

Karl Gaugele war Sohn des Lehrers und Heimatforschers Bernhard Gaugele (1833–1916) und dessen zweiter Ehefrau Maria Josepha, geborene Schützle (* 1844). Nach seinem Abitur am Konvikt Rottweil, das er ab 1893 als Lateinschüler besuchte, begann er zum Wintersemester 1897 ein Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort wurde er 1902 mit seiner Dissertationsschrift Ein Fall von Polyneuritis alcoholica combiniert mit Hysterie zum Dr. med. promoviert. Bevor er sich auf die Orthopädie spezialisierte, war er zunächst kurzzeitig als Allgemeinmediziner tätig.

Seine fachliche Ausbildung erhielt er an der Universitäts-Kinderklinik München unter Wilhelm Herzog und an der Orthopädischen Universitäts-Poliklinik bei Fritz Lange. Weitere Stationen waren die Chirurgische Universitäts-Klinik Breslau unter Johann von Mikulicz-Radecki und im Speziellen die Orthopädische Abteilung unter Leitung von Karl Ludloff, wo er sich in Techniken der orthopädischen Chirurgie vertiefte.

1909 übernahm Gaugele die kleine orthopädische Anstalt des Sanitätsrats, und späteren Professoren, Paul Köhler (1864–1940) in Zwickau. Er entwickelte diese Einrichtung durch einen umfassenden Neubau zu einer modernen Klinik für Orthopädie und Unfallheilkunde mit über 100 Betten, die bald zu den größeren Fachkliniken Deutschlands gehörte. Parallel leitete er das Krüppelheim Zwickau-Marienthal, das er zu einer beispielhaften Einrichtung für die Behandlung und berufliche Rehabilitation körperbehinderter Kinder und Jugendlicher ausbaute.

Zwickau Privatklinik von Gaugele

Werk und Bedeutung

Karl Gaugele veröffentlichte eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten. Seine Schwerpunkte lagen auf der Behandlung von Skoliosen, angeborenen Hüftluxationen, Deformitäten sowie der orthopädischen Chirurgie bei Lähmungen. Er beschäftigte sich auch eingehend mit der medizinischen Begutachtung und der Unfallchirurgie, etwa zu Wirbelsäulenverletzungen, Meniskusschäden und den Zusammenhängen zwischen Verletzungen und degenerativen Veränderungen wie der Spondylosis deformans.

Wichtige Felder seiner Tätigkeit betrafen die Verbindung von klinischer Arbeit und technisch-praktischer Innovation. Er entwickelte orthopädische Hilfsmittel wie Bandagen, Apparaturen zur Behandlung von Klumpfuß und Hüftverrenkung sowie Prothesen für Amputierte.

Die ehem. Privatklinik Dr. Gaugele heute

Neben Fachaufsätzen schrieb Gaugele Beiträge in Standardwerken, etwa im Lehrbuch der Orthopädie (hrsg. von Fritz Lange, 1914). Seine beiden Monographien Zwanzig Jahre Orthopädie in Zwickau (1925) und Rückblick auf 25 Jahre Orthopädie in Zwickau (1930) dokumentieren den Aufbau der von ihm geschaffenen Einrichtungen.

Ein Geburtstagsartikel von Max Brandes (1938) würdigte Gaugele anlässlich seines 60. Geburtstages als Arzt, der operative Technik, organisatorisches Talent und wissenschaftliche Reflexion verband und damit maßgeblich zur Entwicklung der Orthopädie in Sachsen beitrug.

Privatleben

Karl Gaugele verheirate sich am 7. August 1908 in Schedewitz mit Anna Margarete Dautzenberg (1883–1953). Das Paar hatte zwei Kinder: Karl Gottfried (1923–1944) und Elisabeth. Über die Familie Dautzenberg war er zeitweise im Aufsichtsrat der Kammgarnspinnerei Schedewitz AG vertreten.

Publikationen (Auswahl)

Weitere Aufsätze (1904–1924) behandeln u. a. Versorgung von Hüftverrenkungen, Klumpfuß, Prothesenbau, Muskelrheumatismus und Nervenerkrankungen, postoperative Komplikationen sowie orthopädische Lehr- und Hilfsmittel.

Würdigungen

Zu seinen Ehren wurden sowohl in seinem Geburtsort Winzingen (Dr.-Gaugele-Straße) als auch in seiner langjährigen Wirkungsstätte Zwickau (Karl-Gaugele-Straße) Straßen nach ihm benannt. Im Dezember 1926 erhielt er die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatgemeinde.

Außerdem stehen seine Erbbegräbnisstätte auf dem Hauptfriedhof in Zwickau als auch das Gebäude der ehemaligen orthopädischen Heilanstalt in der Crimmitschauer Straße 2 unter Denkmalschutz.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bernhard Gaugele: Meiner Heimat Täler und Höhen. Donzdorf 1910 (eine zweite, von Karl Gaugele bearbeitete Auflage erschien in Donzdorf 1940) (Digitalisat).
  2. ↑ Bernardin Schellenberger: Die Geschichte von Winzingen und Umgebung: So lebten unsere Vorfahren Teil II. Anton H. Konrad, Weißenhorn 2010, ISBN 978-3-87437-549-8, S. 270.
  3. ↑ Deutsches Zeitungsportal: Schwäbische Kronik vom 24. Juli 1893, S. 13. Abgerufen am 10. September 2025.
  4. ↑ Ludwig-Maximilians-Universität München (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Lehrer, Beamten und Studierenden an der Königlich-Bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Wintersemester 1897/98. München 1897, S. 60 (Digitalisat).
  5. ↑ Ludwig-Maximilians-Universität München (Hrsg.): Chronik der Ludwig-Maximilians-Universität München für das Jahr 1902/1903. Vom 26. Juni 1902 bis 26. Juni 1903. München 1903, S. 21 (Digistalisat).
  6. ↑ Karl Gaugele: Zwanzig Jahre Orthopädie in Zwickau/Sa. Ferdinand Enke, Stuttgart 1925, S. 7 (Digitalisat).
  7. ↑ Werner Genzmer: 100 Jahre Kammgarnspinnerei Schedewitz 1835–1935. Silberstraße 1935, S. 64 (Digitalisat).
  8. ↑ Deutsches Zeitungsportal: Schussen-Bote vom 21. Dezember 1926, S. 5. Abgerufen am 10. September 2025.
  9. ↑ Denkmaldokument Hauptfriedhof Zwickau
  10. ↑ Denkmaldokument Orthopädische Heilanstalt Dr. med. Karl Gaugele (ehem.)
Personendaten
NAME Gaugele, Karl
KURZBESCHREIBUNG deutscher Orthopäde und Sanitätsrat
GEBURTSDATUM 25. Dezember 1878
GEBURTSORT Winzingen
STERBEDATUM 2. April 1942
STERBEORT Zwickau