Karl Heinz Witte (* 26. Mai 1936 in Hagen) ist ein deutscher Psychoanalytiker und Germanist sowie Meister-Eckhart-Forscher.
Karl Heinz Witte studierte in Münster und Würzburg, vor allem bei Hans Wagner, Alfons Auer und Kurt Ruh, Philosophie, katholische Theologie und Germanistik. 1989 wurde er an der Universität München bei Ernst Hellgardt promoviert. In seiner Dissertation über den „Meister des Lehrgesprächs“ machte er erstmals darauf aufmerksam, dass in spekulativ-mystischen Traktaten des 14. Jahrhunderts die Theologen des Augustinerordens einen wichtigen Beitrag leisteten.
Von 1964 bis 1986 arbeitete er in München als Gymnasiallehrer. Von 1974 bis 1986 erhielt er am Alfred-Adler-Institut für Individualpsychologie in München die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie zum Psychoanalytiker (DGIP). Von 1986 bis 2004 war er als Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis niedergelassen und arbeitete als Dozent und Lehranalytiker am Alfred-Adler-Institut München. In dieser Tätigkeit setzte er sich in Vorträgen und Aufsätzen für eine eigenständige psychoanalytische Ausrichtung der Psychotherapie in der Individualpsychologie Alfred Adlers ein. Zusammen mit Almuth Bruder-Bezzel und Rolf Kühn gab er Alfred Adlers Schriften heraus und dokumentierte die Entwicklung seiner Lehre. 2006 gründete er mit Rolf Kühn das Periodikum „Psycho–Logik. Jahrbuch für Psychotherapie, Philosophie und Kultur“. Witte stellte heraus, dass die Individualpsychologische Psychotherapie im Sinne Alfred Adlers streng individualisierend ist, „dass es Symptome, die das Gleiche bedeuten, nicht gibt“.
Nach Beendigung seiner Tätigkeit als Psychotherapeut wandte er sich wieder dem Studium Meister Eckharts und besonders der Erforschung der Eckhartrezeption im 14. Jahrhundert zu. 2004 gründete er zusammen mit Georg Steer die Meister-Eckhart-Gesellschaft. In seinen Untersuchungen zu Meister Eckhart betonte er, dass in der Forschung Eckharts Intention, die biblischen Wahrheiten durch philosophische Prinzipien zu erklären einseitig beachtet worden sei. Er interpretierte vor allem die zweite Intention Eckharts, mithilfe der biblischen Prinzipien, besonders der Gottesgeburt, die Eigenarten der Natur und Kunst auszulegen. In seiner Studie (2024) über Johannes Hiltalingen von Basel begründete er die These, dass dieser Magister des Augustinerordens auch der „Meister des Lehrgesprächs“ (mit vier spekulativen Traktaten in mittelhochdeutscher Sprache) ist.
| Personendaten | |
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| NAME | Witte, Karl Heinz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Germanist und Psychoanalytiker |
| GEBURTSDATUM | 26. Mai 1936 |
| GEBURTSORT | Hagen, Deutschland |