Karl Maxstadt

Karl Emil Maxstadt (* 1. September 1853 in Lahr/Schwarzwald; † 14. Januar 1930 in München) war ein deutscher Unterhaltungskünstler (Volkssänger).

Leben

Karl Maxstadt wurde in eine Künstlerfamilie geboren. Er war der Sohn des Theaterdirektors und Volkssängers Karl Ignaz Maxstadt und seiner Frau Josephine, geborene Schwendtner, die ebenfalls als Volkssängerin arbeitete und sich daneben schriftstellerisch betätigte. Auch seine Schwester Klara Maxstadt trat als Sängerin auf.

In den Programmen der Zeit wurde er als Volkssänger, Komiker oder Alleinunterhalter angekündigt; er selbst bezeichnete sich als Gesangshumorist. Er trat zwischen 1878 und 1924 auf, zunächst in Singspielhallen und auf Kleinkunstbühnen in München und Garmisch-Partenkirchen, mit selbstverfassten Vorträgen, Soloszenen und Couplets, von denen er über 600 im Repertoire hatte. Sie erschienen im Verlag von Franz Dietrich in Leipzig. Wollten andere Varietékünstler sie nachsingen, mussten sie die „patentierten“ Noten erwerben und Lizenzgebühr entrichten.

Obwohl Maxstadt gerne als „Altmeister der Münchner Gesangshumoristen“ bezeichnet wird, war er in den Singspielhallen Münchens nie fest engagiert, sondern zog Auftritte an internationalen Varietés vor. Gastspielreisen führten Maxstadt durch das ganze Reich. Er trat auch im Ruhrgebiet, in Berlin und Hamburg auf. Weitere führten ihn an die Varietèbühnen der anliegenden europäischen Staaten.

Man lobte sein brillantes Gedächtnis, seine Mimik und seine große Verwandlungsfähigkeit, die auch die Beherrschung vieler deutscher Dialekte einschloss. Er gilt als der Erfinder des Typus „Salon-Humorist“, der im Gehrock, mit Fliege und weißen Handschuhen aufzutreten pflegte, während bis dahin die Humoristen in den Varietés „bunt“, d. h. in Kostüm und mit angeklebter komischer Nase arbeiteten. Kostümiert trat er nur in seinen Soloszenen auf die Bühne.

Darin brachte er Berufstypen wie Dorfbarbiere, Hausknechte oder Handlungscommis und Charaktere wie den „alten Schwerenöter“, den “armen Teufel” oder das “Landstraßen-Gigerl” auf die Bühne, stellte aber auch wie in “Früher und heut’” vergleichende Zeitbetrachtungen an. Solche Gegenüberstellungen finden sich auch in seinen Original-Couplets, einem Genre, das sich besonders gut dazu eignet, über das Zeitgeschehen zu raisonnieren. Das geschieht in Couplets, die z. B. Warenhäuser, Fremdwörter oder “Die koschere Nation” thematisieren. Über die Zukunft macht sich – im Jahr 1910 – sein Couplet “In 25 Jahren” Gedanken. Mundartparodistischer Natur sind die Humoristischen Vorträge, die „hochkulturelle“ literarische Vorlagen wie “Faust”, “Lohengrin” und “Wilhelm Tell” auf Sächsisch oder Bairisch abhandeln.

Obwohl Maxstadt bis 1930 lebte und damit die Möglichkeit gehabt hätte, seine Kunst mittels der technischen Medien Film und Grammophon in Bild und Ton festzuhalten, hat er davon nie Gebrauch gemacht. Es gibt zwar von seinen Couplets und Vorträgen Grammophonaufnahmen verschiedener Künstler, aber keine von ihm selbst.

Maxstadt wurde für den Münchener Sprachkünstler Karl Valentin zum großen Vorbild. Der, so will es die Legende, setzte aus Verehrung für den Meister den Künstlernamen seiner langjährigen Partnerin Liesl Karlstadt, gebürtige Elisabeth Wellano, aus dem Vornamen Karl (von Karl [Valentin?/Maxstadt?]) und -stadt (von Maxstadt) zusammen.

In seiner Glanzzeit verdiente Maxstadt monatlich bis zu viertausend Goldmark. 1924 zwangen ihn gesundheitliche Beeinträchtigungen von weiteren Auftritte abzusehen. Er verarmte und starb mittellos.

Werke (Auswahl)

Soloszenen

Original-Couplets

Humoristische Vorträge

Sammelausgaben

Tondokumente (Auswahl)

europäische Aufnahmen:

amerikanische Aufnahmen:

Literatur

Die BSB München besitzt einen Sammelband mit dem Titel-Etikett „Couplet-Texte von Ed. Merkt, Bacchus Jacoby, Josef Hornig, Karl Wilhelm, Karl Maxstadt und Jakob (Papa) Geis. 1893–1905“. Er enthält von Maxstadt.

Original-Couplets

Soloszenen

Einzelnachweise

  1. ↑ Pemsel S. 109.
  2. ↑ Karl Maxstadt im Bayerischen Musiker-Lexikon Online (BMLO)
  3. ↑ Alfons Schweiggert: Münchner Blut, über die Renaissance des Couplets. In: Bayerische Staatszeitung, 11. Juni 2004, Nr. 24, Umschau. Goessel S. 45, dort auch ein Photo von Maxstadt mit hsl. Widmung.
  4. ↑ „Die Originalvorträge des Herrn Maxstadt sind an der Garderobenkasse zu haben. Oeffentlicher Vortrag der Original-Couplets, im Ganzen oder theilweise, ist unbedingt untersagt.“, vgl. Goessel S. 45.
  5. ↑ wie dem „Colosseum“ des Festwirts Karl Hundeshagen, vgl. Photo der Lokalität bei Goessel S. 28.
  6. ↑ „Er war der erste und größte Gesangshumorist und Vortragskünstler des deutschsprachigen Varietès vor, um und nach 1900 (1878–1924) und trat - stets erfolggekrönt - an den großen deutschen und internationalen Varietèbühnen der anliegenden europäischen Staaten auf, wie Österreich, Schweiz, Ungarn, Tschechoslowakei, Dänemark, Holland, Schweden, Litauen, Rumänien, Rußland.“ steht bei Maxstadt’s and friends zu lesen.
  7. ↑ Mathilde Jamin (Autor), Lisa Kosok (Hrsg.): Viel Vergnügen: Öffentliche Lustbarkeiten im Ruhrgebiet der Jahrhundertwende. Verlag Ruhrlandmuseum, 1992, ISBN 3-89355-077-1, S. 180 und 193
  8. ↑ eine Grußpostkarte (Memento des Originals vom 25. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. vom Gastspiel im Hansa-Theater (Hamburg) 1898 zeigt den ‘Meister-Humorist Maxstadt als »Bettelbua«’. Im Hamburger Fremden-Blatt vom 13. März 1901 wird sein Auftreten an diesem Hause wie folgt angekündigt: „Wie nicht anders zu erwarten war, findet das diesmonatliche besonders reichhaltige Programm ausserordentlich grossen Zuspruch. Lina Abarbanell, der ‚star‘ des Programms, findet für ihre liebenswürdigen Darbietungen stets rauschenden Applaus, desgleichen Karl Maxstadt, der famose Humorist mit seiner neuen Soloscene ‚Ein Karlsbader Curgast‘.“ GECD #1578 (Memento des Originals vom 25. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. ↑ Forcht S. 22 f., Spengler S. 218, Lutz S. 30.
  10. ↑ The Salonhumoristen were more up-market, performing in a better class of venue and in formal dress. Barker, Trussler, Shevtsova, S. 204; „Karl Maxstadt war es, der den ‚Komiker im Frack‘ auf der Varietèbühne kreierte. In seinen großen Soloszenen trat er in ‚Maske‘ auf.“ Maxstadt’s and friends. maxstaedtische-kunstwerkstaetten.de
  11. ↑ mit „Kittneese“, als „Kittneesenkomiker“. Rohr S. 69.
  12. ↑ Kostüm-Couplets für Herren No. 7. ebay.co.uk abgerufen am 22. Juli 2015.
  13. ↑ z. B. in “Fein und grob”, “Stadt und Land”, “Berlinerisch und Sächsisch”, wo er sich auch über die Dialekte Gedanken machte.
  14. ↑ definiert als “Wortlaut und Tonweise von Karl Maxstadt”, wie auf den Notentiteln angegeben.
  15. ↑ wie die Aufnahmen auf Edison-Cylindern und Schallplatten der Victor Co. in Camden, N.J. belegen, waren seine Lieder auch in den Vereinigten Staaten beliebt
  16. ↑ in seinem Nachlasse befinden sich Umschläge mit den Bezeichnungen „Maxstadt Material“, „Nachlass Maxstadt 1930“, „Nachlass-Maxstadt 1930 Briefe an M.“ und „Zur Maxstadt Sammlung“ u. a. mit Fotos, Paß, Korrespondenz und Zeitungsausschnitten des Münchner Gesangshumoristen Karl Maxstadt; daneben 6 handschriftliche Couplethefte von Maxstadt (alle mit blauem Umschlag). Deutsches Theatermuseum und karl-valentin.de „… der berühmte Musikkomiker Karl Maxstadt, dessen Darbietungen den jungen Schreinerlehrling Karl Valentin so faszinieren, dass er beschliesst, sein Glück ebenfalls auf der Bühne zu suchen.“ Und Rudolf Hartbrunner schreibt in seinen Zeitensprüngen: „1896 – Valentin Ludwig Feys Zitherlehrer, Ignaz Hepper, nimmt seinen ‚Zögling‘ mit in das ‚Kolosseum‘, wo der ‚Gesangshumorist‘ Karl Maxstadt auftritt. Das war Valentins ‚Erweckungserlebnis‘.“ Später schrieb er: „Ich wollte Varieté-Humorist werden wie Karl Maxstadt.“
  17. ↑ Volkssängerei.de Rolf Badenhausen: Karlstadt, Liesl. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 11. Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 276–277 (deutsche-biographie.de).
  18. ↑ Michael Schulte: Karl Valentin. Droemer Verlagsanstalt Th. Knaur, Knaur Taschenbuch Nr. 2339, München 1982, ISBN 3-426-02339-3, S. 30.
  19. ↑ Stieler, Max: Ein blauer Teufel. Oder: „Altbayer und Picarde“. / Genrebild mit Gesang als Gegen-Scene zu „Kurmärker und Picarde“ von Max Stieler. München 1881. Umfang: 16 S., aufgef. Raimundtheater 1894, vgl. NÖ Reg. Präs Theater TB K 582/12. Dat./Laufzeit: 1881–1894, noela.findbuch (Memento des Originals vom 25. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  20. ↑ Notentitelblatt. (Memento des Originals vom 26. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. dreiraaben.de
  21. ↑ Notentitelblatt mit Bild von Maxstadt. albis-international.de; abgerufen am 22. Juli 2015.
  22. ↑ Notentitelblatt mit Bild von Maxstadt. antikbuch24.de; abgerufen am 22. Juli 2015.
  23. ↑ digitale-sammlungen.de
  24. ↑ Notentitelblatt mit Porträt von Maxstadt in verschiedenen Masken bei Goessel S. 44.
  25. ↑ Digitalisat. (Memento des Originals vom 25. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Herzogin Anna Amalia Bibliothek
  26. ↑ Das war eine von den Autoren Gustav und Paul Schumann um 1870 erfundene Kunstfigur, die zunächst in der Zeitschrift Puck, seit 1878 aber in selbständigen Schriften erschien. Darin wurden humoristische Geschichten in sächsischem Dialekt durch einen Ich-Erzähler namens Fritz Bliemchen kolportiert, der über die Gedankenverbindung zum Bliemchenkaffee bald ein Eigenleben als Symbolfigur für den „Kaffeesachsen“ gewann. Schramm, S. 93 f.
  27. ↑ Digitalisat. (Memento des Originals vom 25. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Herzogin Anna Amalia Bibliothek
  28. ↑   Karl Maxstadt in der Deutschen Digitalen Bibliothek Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.
  29. ↑ Etikett. dismarc.org; anzuhören bei gramofononline.hu
  30. ↑ DAHR Discography of American Historical Recordings
  31. ↑ Volkssängerei.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) University of Santa Barbara, Calif. (USA), anzuhören bei jukebox (Aufnahme von Victor-Platte 68288 (Matrix Number C-10085/1) vom selben Jahre)
  32. ↑ Volkssängerei.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) University of Santa Barbara, Calif. (USA), anzuhören bei cylinders library
  33. ↑ couplet-ag (Memento des Originals vom 25. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  34. ↑ Landesbibliographie Baden-Württemberg
  35. ↑ mit einer antisemitischen Strophe über die Angehörigen der „koscheren Nation“!