Karl Clemens Nossent (* 12. Dezember 1914 in Glain, Belgien; † 17. Juni 1996) war ein belgischer NS-Kollaborateur, der 1942 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat und als Gestapo-Beamter und stellvertretender Leiter der Sicherheitspolizei (SiPo) in Liège/Lüttich maßgeblich an der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Raum Lüttich sowie von Mitgliedern der belgischen Résistance beteiligt war, wofür er 1948 zum Tod verurteilt wurde.
Nossent wurde in Glain geboren – heute ein Stadtteil von Lüttich. Er studierte an der dortigen Universität Geschichte.
Er war Mitglied der AGRA (Amis du Grand Reich Allemand/Freunde des Großdeutschen Reichs), einer extrem kollaborierenden nationalsozialistischen Organisation im besetzten Belgien, die am 13. März 1941 in Lüttich gegründet wurde. Ihr Ziel war die Errichtung eines faschistischen Regimes in der Wallonie als Teil eines „großdeutschen Raumes“. Sie lehnte demokratische Strukturen ab und vertrat eine aggressiv antisemitische und antikommunistische Haltung.
Nossent, der 1942 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, war als Gestapo-Beamter im nationalsozialistisch besetzten Belgien stellvertretender Leiter der Sicherheitspolizei (SiPo) in Lüttich, die zusammen mit dem Sicherheitsdienst (SD) ab 1940 als nationalsozialistische Terror- und Überwachungsbehörde aktiv war. In dieser Position zeichnete er sich durch besondere Brutalität und Eifer bei der Aufspürung, Festnahme und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Raum Lüttich aus. Ebenso gegen Mitglieder der belgischen Résistance, von denen jeder 10. seinen Einsatz mit dem Leben bezahlte.
SiPO und SD unterstanden dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin und waren maßgeblich für die Verfolgung von Widerstandskämpfern, politischen Gegnern und für die Deportation der jüdischen Bevölkerung verantwortlich. Auch die Sipo-SD in Lüttich konzentrierte sich auf die Verfolgung der Juden und den Kampf gegen die sogenannten „Reichsfeinde“. Von den ca. 2.500 Jüdinnen und Juden im Großraum Lüttich wurden mehr als ein Drittel in die Vernichtungslager deportiert.
Am 3. September 1944 wurde Belgien von der deutschen Besatzung befreit. Es folgten juristische Untersuchungen gegen ca. 100.000 Personen, die für die Kollaboration verantwortlich gemacht wurden. 53.000 Beschuldigte wurden durch die Militärgerichte zumeist mit Freiheitsentzug, Geldbußen, Beschlagnahmungen und Schadenersatz zur Rechenschaft gezogen – in einigen Fällen wegen der Beteiligung an zahlreichen Tötungsdelikten auch mit der Todesstrafe, die in 242 Fällen vollstreckt wurde.
Nossent soll sich während seines Prozesses als äußerst geschickter Manipulator erwiesen haben, dennoch wurde er am 30. Januar 1948 in Lüttich zum Tode verurteilt. Belgien beschloss 1950, keine Hinrichtungen mehr durchzuführen; die letzte Hinrichtung (Philipp Schmitt) fand am 9. August 1950 statt. So wurde selbst in den schwersten Fällen das Todesurteil in eine Freiheitsstrafe umgewandelt. Nossents Todesurteil wurde infolgedessen am 12. Oktober 1950 in lebenslange Haft umgewandelt, die er im Zuchthaus St. Gilles bei Brüssel zu verbüßen hatte.
Der Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands bat am 15. Dezember 1960 in einem Glückwunschtelegramm anlässlich der Vermählung des belgischen Königs Baudouin (Belgien) um Freilassung von vier deutschen Kriegsverbrechern, darunter auch Nossent. Er wurde nach 1961 vom belgischen König begnadigt, ohne dass die strafrechtliche Schuld damit aufgehoben wurde. Dieser königliche Gnadenerlass änderte nichts am Urteil über die Schwere der Schuld und betraf ausschließlich die Vollstreckung der verhängten Strafe.
Nossent wurde in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben und arbeitete bis 1979 als Bibliotheksangestellter in der Abteilung Geschichte bei der Stadtbibliothek Bremen. Am 28. Dezember 1967 heiratete Nossent in Bremen Jenny Joseph Louise Tetaert.
| Personendaten | |
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| NAME | Nossent, Karl |
| ALTERNATIVNAMEN | Nossent, Karl Clemens |
| KURZBESCHREIBUNG | belgischer NS-Kollaborateur |
| GEBURTSDATUM | 12. Dezember 1914 |
| GEBURTSORT | Lüttich |
| STERBEDATUM | 2. Juli 1996 |