
Kegelschnitte sind spezielle Kurven, die durch den Schnitt der Mantelfläche eines geraden Kreiskegels mit einer Ebene entstehen. Die wichtigsten Kegelschnittarten (reguläre oder nicht ausgeartete Kegelschnitte) sind die Ellipse (mit dem Kreis als Sonderfall), die Parabel und die Hyperbel. Diese drei Haupttypen ergeben sich dann, wenn die Schnittebene nicht durch die Spitze des Kegels geht. Verläuft sie hingegen durch die Kegelspitze, so spricht man von ausgearteten Kegelschnitten.
Kegelschnitte haben viele charakteristische Eigenschaften, die als alternative Definitionen herangezogen werden können. Insbesondere werden Ellipse, Parabel und Hyperbel häufig in der zweidimensionalen Ebene ohne Rückgriff auf einen Kegel als Ortskurven definiert, die gewisse Bedingungen für die Abstände der Kurvenpunkte von Brennpunkten und Leitlinien erfüllen. Der Nachweis, dass diese Bedingungen bei regulären Kegelschnitten (im Sinne von Schnittkurven) tatsächlich gelten, lässt sich ohne Rechnung mithilfe der Dandelinschen Kugeln führen.
Ein Kegelschnitt kann als Spezialfall einer Quadrik angesehen werden, nämlich als Quadrik im zweidimensionalen Raum (in der Ebene). Er lässt sich also durch eine quadratische Gleichung mit zwei Variablen beschreiben, das heißt durch eine Gleichung des Typs
Diese Gleichung wird deshalb auch als allgemeine Kegelschnitt(s)gleichung bezeichnet.
Bei der Definition eines Kegelschnitts wird meist ein Doppelkegel vorausgesetzt. Als Mantellinien bezeichnet man die Geraden auf dem Doppelkegel, sie gehen alle durch die gemeinsame Spitze. Unter dem Öffnungswinkel des Doppelkegels versteht man den maximalen Winkel zwischen zwei Mantellinien.
Von Bedeutung sind die Kegelschnitte, bei denen die Ebene nicht durch die gemeinsame Spitze des Doppelkegels geht. Über den Typ des Kegelschnitts entscheidet der Vergleich zweier Winkel:
Ist der Schnittwinkel zwischen Ebene und Drehachse größer als der halbe Öffnungswinkel (), so entsteht eine Ellipse. Eine Ellipse ist eine geschlossene Kurve (ein Oval). Sie besitzt zwei zueinander senkrechte Symmetrieachsen und ein Symmetriezentrum (den Mittelpunkt der Ellipse).
Wichtiger Spezialfall: Bei einem Schnittwinkel von ist die Ellipse ein Kreis.
Sind die beiden genannten Winkel gleich groß (), so ist die Schnittkurve eine Parabel. Im Gegensatz zur Ellipse erstreckt sich eine Parabel ins Unendliche. Sie besitzt nur eine Symmetrieachse und kein Symmetriezentrum.
Ist der Schnittwinkel zwischen Ebene und Drehachse kleiner als der halbe Öffnungswinkel (), so entsteht eine Hyperbel. Eine Hyperbel besteht aus zwei Teilen (den Hyperbelästen), die sich ins Unendliche erstrecken. Wie die Ellipse hat die Hyperbel zwei zueinander senkrechte Symmetrieachsen und ein Symmetriezentrum (den Mittelpunkt der Hyperbel). Hyperbeln besitzen Asymptoten, salopp gesprochen „Tangenten im Unendlichen“.

Geht die Ebene durch die gemeinsame Spitze des Doppelkegels, so können mehrere Sonderfälle auftreten, die man als ausgeartete oder zerfallende Kegelschnitte bezeichnet.
Bemerkung: In der höheren Geometrie (nämlich der projektiven Geometrie) gelten parallele Linien als Geraden, die sich in einem unendlich fernen Punkt schneiden. Fasst man diesen Punkt als Kegelspitze auf, wird der Zylinder zu einem Spezialfall des Kegels.
Die regulären Kegelschnitte lassen sich auch als Ortskurven (geometrische Örter) beschreiben, also als Mengen von Punkten der Ebene mit bestimmten Eigenschaften.
Ellipse und Hyperbel können mithilfe spezieller Punkte, der sogenannten Brennpunkte (hier mit und bezeichnet), definiert werden.
Die Punkte einer Ellipse sind dadurch gekennzeichnet, dass für sie die Abstandssumme konstant ist.
Entsprechend sind die Punkte einer Hyperbel durch eine konstante Abstandsdifferenz bestimmt.
ist dabei der Abstand eines Hauptscheitels vom Mittelpunkt (siehe Zeichnungen).
Bei einer weiteren Definition werden ein Punkt (Brennpunkt) und eine Gerade (Leitlinie oder Direktrix) als gegeben betrachtet. Die Punkte eines Kegelschnitts sind dadurch gekennzeichnet, dass für sie das Verhältnis zwischen dem Brennpunktsabstand und dem Leitlinienabstand gleich einem konstanten Wert ist.
Für ergibt sich eine Ellipse, für eine Parabel und für eine Hyperbel. Der Kreis () ist bei dieser Definition ein Grenzfall, mit Leitlinie im Unendlichen. Die geometrische Bedeutung von (numerische Exzentrizität) wird in den Artikeln zur Ellipse und zur Hyperbel erläutert.
Der Beweis, dass die Ortskurven (im Sinne von Schnittkurven zwischen Doppelkegel und Ebene) über die Abstände der Kurvenpunkte von Brennpunkten und Leitlinien beschrieben werden können, wird meist mit den Dandelinschen Kugeln geführt. Diese Kugeln haben ihren Mittelpunkt auf der Kegelachse und berühren sowohl den Doppelkegel als auch die Ebene, sind also einbeschriebene Kugeln. Die Punkte, in denen sich die Kugeln und die Ebene berühren, sind die Brennpunkte des Kegelschnitts. Die Schnittlinien zwischen der Schnittebene und den Ebenen mit dem Berührungskreis des Kegels sind die Leitlinien. Bedeutsam für die Beweisführung ist die Tatsache, dass für einen Punkt außerhalb einer Kugel alle Tangentenabschnitte (zwischen dem Punkt und dem Berührpunkt) gleich lang sind.
Wenn man Gleichungen von Kegelschnitten in kartesischen Koordinaten aufstellen will, ist es sinnvoll, die Symmetrieeigenschaften auszunutzen, um einfache Gleichungen zu erhalten. Das Koordinatensystem wird so gelegt, dass die Symmetrieachsen mit Koordinatenachsen übereinstimmen. Für Ellipse und Hyperbel folgt daraus, dass der Mittelpunkt mit dem Ursprung zusammenfällt. Bei Parabeln wird die Gleichung am einfachsten, wenn der Scheitel als Ursprung genommen wird. Die folgende Auflistung enthält für die verschiedenen Typen solche Gleichungen (hier als Normalformen bezeichnet). Wegen ihrer Einfachheit eignen sich die Normalformen besonders gut für rechnerische Beweise von Kegelschnitteigenschaften.
Der Faktor ist gegeben durch , wobei den Abstand zwischen Scheitel und Brennpunkt bezeichnet.
Zur Herleitung der genannten Gleichungen werden meist die Abstandsbedingungen verwendet. Im Falle einer Ellipse sind die beiden Brennpunkte durch und gegeben, wobei für die lineare Exzentrizität, also den Abstand zwischen Mittelpunkt und Brennpunkt steht. Ein beliebiger Punkt der Ellipse wird durch ausgedrückt. Mithilfe des Satzes von Pythagoras lassen sich für die Brennpunktabstände folgende Rechenausdrücke angeben:
Setzt man diese Terme in die Abstandsbedingung
ein, so erhält man durch beidseitiges Quadrieren und weitere algebraische Umformungen die Gleichung
Durch Berücksichtigung der Beziehung (Pythagoras) ergibt sich, wie behauptet,
Die Herleitung der Hyperbelgleichung erfolgt ganz entsprechend. Allerdings muss hier statt der Abstandssumme die Abstandsdifferenz verwendet werden. Außerdem gilt für die Hyperbel .
Bei der Herleitung der Parabelgleichung wird der Brennpunkt auf der y-Achse vorausgesetzt. ist dabei der Abstand zwischen Brennpunkt und Scheitel. Die Leitlinie (parallel zur x-Achse) hat dann die Gleichung .
Gemäß der Leitlinieneigenschaft müssen die Abstände
gleich sein. Durch beidseitiges Quadrieren entsteht die Parabelgleichung
Geht man von einer der beschriebenen Normalformen einer Kegelschnittgleichung aus, so entsteht nach beliebigen Parallelverschiebungen und Drehungen des Koordinatensystems immer eine Gleichung des Typs
Alle Arten von Kegelschnitten, auch die ausgearteten, lassen sich durch eine solche Gleichung beschreiben. Ist mindestens einer der Koeffizienten , und verschieden von 0, so handelt es sich hier um eine Gleichung 2. Grades mit 2 Variablen. Umgekehrt beschreibt eine solche Gleichung immer einen Kegelschnitt. Daher nennt man diese Gleichung die allgemeine Kegelschnittgleichung.
Aus der allgemeinen Kegelschnittgleichung lässt sich mithilfe der Invarianten
ermitteln, welcher Typ eines Kegelschnitts vorliegt. Dabei sind die Rechenausdrücke für und Determinanten. Die Bezeichnung Invarianten weist darauf hin, dass sich die Werte nicht ändern, wenn das Koordinatensystem verschoben oder gedreht wird.
Kegelschnitte mit sind immer ausgeartet. Ist bekannt, dass eine gegebene Gleichung einen nicht ausgearteten Kegelschnitt beschreibt, so kann man an der Determinante schon erkennen, ob es sich um eine Ellipse (), eine Hyperbel () oder eine Parabel () handelt.
Die allgemeine Gleichung für Kegelschnitte lautet
Es wird angenommen, dass es sich um eine Gleichung 2. Grades handelt. Damit ist der Fall ausgeschlossen, in dem die Gleichung eine Gerade oder die ganze euklidische Ebene oder die leere Menge beschreiben würde.

Im Folgenden soll gezeigt werden, wie eine beliebige Gleichung dieses Typs in eine der oben angegebenen Normalformen umgewandelt werden kann. Dieses Ziel lässt sich durch die sogenannte Hauptachsentransformation erreichen. Sie besteht aus zwei einzelnen Transformationen:
Auch die umgekehrte Reihenfolge ist möglich.
Falls gilt, wird das Koordinatensystem um einen Winkel gedreht. Der Ursprung ändert sich in diesem Schritt nicht. Die Drehung lässt sich beschreiben durch die Koordinatentransformation
Die Forderung, dass das gemischte Glied wegfallen soll, führt zur Bedingung
für den Drehwinkel . Im Spezialfall ist die rechte Seite der Gleichung nicht definiert; dann ist zu setzen.
Die Gleichung des Kegelschnitts hat nun die Form
Eigentlich wären hier neue Bezeichnungen für Koeffizienten und Koordinaten nötig; aus Gründen der Einfachheit wird darauf verzichtet.
Das Koordinatensystem wird so verschoben, dass eine möglichst einfache Gleichung entsteht.
Nach diesen beiden Schritten enthält die Kegelschnittgleichung ( und werden wieder durch ersetzt) nur noch maximal drei Summanden:
Aus der Gleichung ist sofort die Zentralsymmetrie zu erkennen. Folgende Kegelschnitte sind möglich:
Im Fall 2 gibt es die folgenden Möglichkeiten:
Da die 6 Koeffizienten der allgemeinen Kegelschnittgleichung nur bis auf einen Faktor eindeutig bestimmt sind, benötigt man für die Berechnung der Koeffizienten im Allgemeinen 5 Punkte bzw. 5 Gleichungen. Allerdings existiert nicht für jede Wahl der 5 Punkte ein entsprechender Kegelschnitt (Gegenbeispiel: 4 Punkte auf einer Geraden, 1 Punkt nicht auf der Geraden). Ein regulärer Kegelschnitt (Ellipse, Parabel, Hyperbel) ist durch 5 Punkte eindeutig bestimmt, falls keine 3 dieser Punkte auf einer Geraden liegen. Eine elegante Formel dazu verwendet eine 6×6-Determinante:

Dabei sind die vorgegebenen Punkte.
Beispiel: Der Kegelschnitt durch die 5 Punkte hat nach Ausrechnen obiger Determinante die Gleichung oder nach Vereinfachung . Die Hauptachsentransformation erfolgt mit einer Drehung um . Eine Verschiebung ist nicht nötig. Der Kegelschnitt hat die transformierte Gleichung und ist eine Ellipse mit den Halbachsen und .
Ein Kreis ist schon durch 3 Punkte (nicht auf einer Geraden) eindeutig bestimmt. Die Gleichung erhält man durch die 4×4-Determinante

Ein regulärer Kegelschnitt, der zur -Achse symmetrisch ist und im Punkt einen Scheitel hat, lässt sich durch die Gleichung
beschreiben (zum Beweis siehe Leitlinieneigenschaft der Ellipse bzw. der Hyperbel).
ist dabei die Weite des Kegelschnitts, gemessen am Brennpunkt senkrecht zur -Achse. ist der Halbparameter, zugleich der Krümmungskreisradius im Scheitel . bezeichnet die numerische Exzentrizität.
Für erhält man einen Kreis, für eine Ellipse, für eine Parabel und für eine Hyperbel.
Für Ellipsen und Hyperbeln gilt , wobei die große Halbachse bzw. die halbe Hauptachse bezeichnet und die lineare Exzentrizität. Im Fall einer Ellipse ist der Mittelpunkt und ein Brennpunkt. Im Fall einer Hyperbel ist der Mittelpunkt und ein Brennpunkt. Im Fall einer Parabel ist der Brennpunkt. Für den Kreis (mit ) liegt der Mittelpunkt bei und der Radius ist .
Die Scheitelgleichung eines Kegelschnitts kann auch direkt hergeleitet werden. Der (Doppel-)Kegel sei durch den Ortsvektor der Spitze, den Achseneinheitsvektor und den halben Öffnungswinkel gegeben. Der Winkel zwischen der Ebene des Kegelschnitts und der Kegelachse sei mit bezeichnet, der Abstand zwischen Kegelspitze und Ebene mit . Im Falle eines regulären Kegelschnitts gilt .

Bezeichnet man den Ortsvektor eines Punktes auf dem einfachen Kegel mit , so lässt sich mithilfe des Skalarprodukts die folgende Bedingung aufstellen.
Die entsprechende Bedingung für Punkte auf dem Doppelkegel folgt durch beidseitiges Quadrieren:
Das räumliche Koordinatensystem wird so festgelegt, dass die xy-Ebene mit der gegebenen Ebene übereinstimmt. Als vorläufiger Ursprung () dient der Fußpunkt des Lotes von der Kegelspitze auf die Ebene. Es wird angenommen, dass auf der positiven z-Achse liegt und die Kegelachse in der xz-Ebene. Die Vektoren und , die in der letzten Gleichung vorkommen, sind in diesem gedrehten Koordinatensystem gegeben durch
Weil der Punkt nicht nur auf dem Doppelkegel, sondern auch in der Schnittebene (Gleichung ) liegen soll, gilt außerdem der Ansatz
Einsetzen in die obige Bedingung ergibt:
Um die x-Koordinaten der Hauptscheitel zu erhalten, setzt man die rechte Seite gleich null und löst nach auf. Im Falle einer Ellipse oder Hyperbel () ergibt sich eine quadratische Gleichung mit den Lösungen
Im Falle einer Parabel () ist die Gleichung linear mit der Lösung
Mithilfe der Koordinatentransformation (Ellipse/Hyperbel) beziehungsweise (Parabel) vereinfacht sich die letzte Gleichung zu
Die Transformation entspricht einer Verschiebung des Ursprungs in x-Richtung. In der Zeichnung ist der neue Ursprung mit bezeichnet.
Division durch liefert
Setzt man hier und , so ergibt sich die Scheitelgleichung
ist die numerische Exzentrizität des Kegelschnitts, der Halbparameter.
Weitere Kegelschnittgleichungen erhält man durch algebraische Umformungen.


Durch die Leitlinieneigenschaft (siehe oben) lassen sich die regulären Kegelschnitte, also Ellipse, Parabel und Hyperbel, auf einheitliche Weise beschreiben:
Hier steht für einen beliebigen Punkt des Kegelschnitts, für einen (bzw. den) Brennpunkt und für eine (bzw. die) Leitlinie (Direktrix). ist die numerische Exzentrizität. Die angegebene Bedingung drückt aus, dass für die Punkte des Kegelschnitts das Verhältnis von Brennpunktabstand und Leitlinienabstand konstant ist, nämlich gleich .
Die Leitlinieneigenschaft soll in Polarkoordinaten ausgedrückt werden. Als Pol (Ursprung) wird der Brennpunkt genommen, als Polarachse die positive x-Achse. Aus der Abbildung ist zu erkennen:
Auflösen nach liefert zunächst . Mit erhält man die Polargleichung eines Kegelschnitts:
Durch Einsetzen von erhält man . Dies zeigt, dass der Halbparameter des Kegelschnitts ist, also die halbe Breite des Kegelschnitts am Brennpunkt.
Wählt man den Halbparameter fest, so ergeben sich Kegelschnitte mit dem Nullpunkt als gemeinsamem Brennpunkt, und zwar
Sind die Gleichungen zweier Kegelschnitte gegeben, so lassen sich durch die Linearkombination
der Gleichungen neue Kegelschnitte erzeugen. Da proportionale Paare und äquivalente Gleichungen ergeben und daher zum selben Kegelschnitt gehören, schreibt man die Linearkombination oft so:



Diese Gleichung beschreibt in eindeutiger Weise durch den Parameter jeweils einen Kegelschnitt.
Beispiel Kreisbüschel:
Für die zwei Kreisgleichungen
beschreibt mit ein Büschel von Kreisen (s. Bild). Für heben sich die quadratischen Terme auf und es ergibt sich die Gerade .
Beispiel Kegelschnittbüschel durch 2 Punkte mit vorgegebenen Tangenten:
Das folgende Beispiel baut aus drei Geraden ein Büschel von Kegelschnitten auf. Es sei:
Dann beschreibt die Gleichung
mit dem Scharparameter ein Büschel von Kegelschnitten durch die beiden Schnittpunkte (Schnitt von und ) und (Schnitt von und ). Jeder Kegelschnitt berührt die beiden Geraden in diesen Punkten. Das Kegelschnittbüschel ist also durch die beiden Punkte und die beiden Tangenten in diesen Punkten bestimmt (ein Kegelschnitt ist immer durch 5 Vorgaben eindeutig bestimmt!). Beide Kegelschnitte, aus denen die Linearkombination gebildet wird, sind ausgeartete Kegelschnitte ( ist ein Geradenpaar und ist eine Doppelgerade).
Beispiel Kegelschnittbüschel durch 4 Punkte:
In diesem Fall ist das Büschel eine Linearkombination zweier paralleler Geradenpaare, die sich in den 4 Punkten schneiden (siehe Bild):
Durch jeden Punkt der Ebene, der von den Grundpunkten des Büschels verschieden ist, geht genau ein (eventuell ausgearteter) Kegelschnitt des Büschels. Beispielsweise erhält man zum Nullpunkt für das Geradenpaar .
Kegelschnittbüschel werden in der Literatur ausführlich untersucht.
Für die Bilder von Kegelschnitten bezüglich affiner Abbildungen gilt:
Es ist aber beispielsweise nicht möglich, eine Ellipse mit einer affinen Abbildung auf eine Parabel abzubilden.
Ergänzt man die affine Koordinatenebene zu einer projektiven Ebene und fügt einer Parabel den Fernpunkt ihrer Achse hinzu, so lässt sich eine Ellipse mit einer projektiven Abbildung auf eine so erweiterte Parabel abbilden. Entsprechendes gilt für eine um die zwei Fernpunkte ihrer Asymptoten ergänzte Hyperbel.
Beispiele:
Quadriken sind Verallgemeinerungen der Kegelschnitte. Sie sind definiert als Punktmengen im -dimensionalen reellen Koordinatenraum , die durch Gleichungen 2. Grades mit Variablen festgelegt sind. Im dreidimensionalen Raum fallen zum Beispiel Ellipsoid, Hyperboloid (ein- oder zweischalig) und Paraboloid (elliptisch oder hyperbolisch) unter diesen Begriff. Speziellere Beispiele für Quadriken im sind die Rotationsflächen, die durch Rotation von Ellipse, Parabel und Hyperbel um ihre Symmetrieachsen entstehen (Drehquadriken), also Rotationsellipsoid, Rotationsparaboloid und Rotationshyperboloid (ein- oder zweischalig). Zu den dreidimensionalen Quadriken zählen als ausgeartete Quadriken auch der gerade Kreiskegel und der gerade Kreiszylinder.
In der projektiven Geometrie wird die euklidische Ebene durch Hinzunahme von Fernpunkten zur projektiven Ebene ergänzt. Dadurch wird aus einem Kegelschnitt im Sinne der euklidischen Geometrie ein projektiver Kegelschnitt. Die Anzahl der zusätzlichen Punkte ist bei einer Ellipse 0, bei einer Parabel 1 und bei einer Hyperbel 2. Alle projektiven Kegelschnitte sind zueinander äquivalent, d. h. sie lassen sich durch geradentreue Abbildungen ineinander überführen.
Kegelschnitte lassen sich auch über beliebigen Körpern definieren. Es bleiben dabei erstaunlich viele Inzidenz- und Symmetrieeigenschaften erhalten. Siehe Weblink Projektive Geometrie, projektiver Kegelschnitt und für Kegelschnitte über endlichen Körpern den Artikel Quadratische Menge.
Kegelschnitte spielen bei den Benz-Ebenen, das sind Möbius-Ebenen (Geometrie der Kreise), Laguerre-Ebenen (Geometrie der Parabeln) und Minkowski-Ebenen (Geometrie der Hyperbeln), eine wichtige Rolle.


Die beim Zweikörperproblem der Himmelsmechanik betrachteten Bahnen (Keplerbahnen) der Himmelskörper sind Kegelschnitte.
Das Bild der Tagesbahn der Sonne auf dem Zifferblatt einer Sonnenuhr ist ein Kegelschnitt (meistens eine Hyperbel).
Im Bauwesen werden als Rotationsellipsoide, Paraboloide oder Hyperboloide geformte Bauteile (Dächer, Säulen und anderes) verwendet.
Lichtreflektoren in Scheinwerfern und Teleskopen werden als Rotationsellipsoide (für Autoscheinwerfer), als Paraboloide und als Hyperboloide (für Spiegelteleskope) geformt.
In der Darstellenden Geometrie treten Kegelschnitte als Bilder von Kreisen bei Parallel- und Zentralprojektionen auf. Siehe Ellipse (Darstellende Geometrie).
Es wird angenommen, dass die erste Definition eines Kegelschnitts von Menaichmos (gest. um 320 v. Chr.) gegeben wurde, als Teil seiner Lösung des Delischen Problems (der Würfelverdoppelung). Nach Plutarch wurde diese Lösung von Platon zurückgewiesen, weil sie nicht mit Zirkel und Lineal durchgeführt wurde. Das Werk von Menaichmos ist ebenso wenig überliefert wie seine Bezeichnungen für diese Kurven und nur durch spätere Erwähnungen bekannt. Die damals benutzte Definition weicht von der heute üblichen Definition ab. Ein Kegel wurde definiert durch die Rotation eines rechtwinkligen Dreiecks um eine der beiden Katheten, sodass die Hypotenuse die Mantelfläche des Kegels erzeugte (eine solche Linie wird Erzeugende genannt). Drei Arten von Kegeln wurden nach ihrem Öffnungswinkel unterschieden (also dem verdoppelten Winkel zwischen der Hypotenuse und der nicht mitrotierenden Kathete des gegebenen rechtwinkligen Dreiecks). Der Kegelschnitt ergab sich nun durch den Schnitt mit einer Ebene senkrecht zu einer Erzeugenden (Mantellinie). Die Art des Kegelschnitts ergab sich also aus dem Öffnungswinkel des Kegels. Im Falle eines spitzen Öffnungswinkels ist der Kegelschnitt eine Ellipse, im Falle eines Öffnungswinkels von eine Parabel und im Falle eines stumpfen Öffnungswinkels eine Hyperbel (allerdings nur ein Hyperbelast).
Etwas später (etwa 330 v. Chr.) studierte auch Aristaios von Samos die Schnittfiguren von Kegeln und Ebenen. Euklid soll (etwa 300 v. Chr.) vier Bücher über Kegelschnitte verfasst haben (Konika), die allerdings ebenfalls verloren gingen. Von Archimedes (gest. 212 v. Chr.) ist bekannt, dass er Kegelschnitte studierte, wobei er in Quadratur der Parabel den Inhalt der Fläche zwischen einer Parabel und einer Parabelsehne bestimmte. Sein Hauptinteresse galt der Flächen- und Volumenberechnung für Figuren im Zusammenhang mit den Kegelschnitten. Ein Teil seines Werks hat sich in seinem Buch über Rotationskörper von Kegelschnitten (Über Konoide und Sphäroide) erhalten.

Der größte Fortschritt beim Studium der Kegelschnitte durch die alten Griechen ist Apollonios von Perge (gest. etwa 190 v. Chr.) zu verdanken, dessen achtbändiges Werk Konika (Über Kegelschnitte) das vorhandene Wissen zusammenfasste und deutlich erweiterte. Unter anderem befasste sich Apollonios mit der Erzeugung von Kegelschnitten (Buch I) und mit deren Brennpunkten (Buch III).
Die Erkenntnisse von Apollonios über die Eigenschaften dieser Kurven machten es möglich zu zeigen, dass jede Ebene, die einen gegebenen Doppelkegel schneidet, zu einem Kegelschnitt im Sinne der früheren Definition (Menaichmos) führt – unabhängig vom Winkel. Dies entspricht der heute üblichen Definition. Auch Kreise, die mit der früheren Methode nicht konstruierbar waren, konnte man auf diese Weise erhalten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass Apollonios Kreise als vierten Typ von Kegelschnitten auffasste, während heute der Kreis als Spezialfall der Ellipse betrachtet wird. Apollonios verwendete die Bezeichnungen Ellipse, Parabel und Hyperbel für die regulären Kegelschnitte. Diese Terminologie übernahm er von einer früheren Arbeit der Pythagoreer über Flächen.
Pappos von Alexandria (gest. etwa 350 n. Chr.) wird die Erläuterung der Begriffe „Brennpunkt“ und „Leitlinie“ zugeschrieben, auch für den Fall der Parabel, der in den bekannten Werken des Apollonios fehlt.
Das Werk von Apollonios wurde ins Arabische übersetzt, und ein großer Teil davon wurde nur durch die arabische Version überliefert. Islamische Mathematiker fanden Anwendungsmöglichkeiten der Theorie, vor allem der persische Mathematiker und Dichter Omar Chayyām, der eine geometrische Methode zur Lösung kubischer Gleichungen mithilfe von Kegelschnitten entwickelte.
Schon ein Jahrhundert vor dem bekannteren Werk von Chayyām hatte Abu al-Jud Kegelschnitte verwendet, um quartische und kubische Gleichungen zu lösen. Allerdings umfasste seine Lösung nicht alle Fälle.
Ein Gerät zum Zeichnen von Kegelschnitten wurde im Jahre 1000 von Al-Kuhi beschrieben.

Johannes Kepler erkannte bei der Analyse von Beobachtungsdaten zur Marsbahn, dass die Planeten sich auf Ellipsen bewegen, wobei die Sonne in einem der beiden Brennpunkte ruht.
Gérard Desargues und Blaise Pascal entwickelten eine Theorie der Kegelschnitte, wobei sie eine frühe Form der projektiven Geometrie benutzten. Ihre Erkenntnisse gaben Anstoß zum Studium dieses neuen Gebiets. Insbesondere fand Pascal einen Satz über Sehnensechsecke in Kegelschnitten (Satz von Pascal), der auch als hexagrammum mysticum bekannt ist. Aus diesem Satz können viele weitere Eigenschaften von Kegelschnitten hergeleitet werden.
René Descartes und Pierre de Fermat wandten die neu entwickelte analytische Geometrie zur Untersuchung der Kegelschnitte an. Das hatte den Effekt, dass geometrische Probleme im Zusammenhang mit Kegelschnitten auf algebraische Probleme zurückgeführt wurden. Es war jedoch John Wallis in seiner Abhandlung Tractatus de sectionibus conicis von 1655, der zuerst die Kegelschnitte als Lösungen von Gleichungen 2. Grades definierte.
Johan de Witts Elementa curvarum linearum, früher geschrieben, aber später veröffentlicht, beginnt mit Keplers kinematischer Konstruktion der Kegelschnitte und entwickelt dann deren algebraische Gleichungen. Diese Arbeit, die Fermats Methodik und Descartes’ Schreibweise verwendet, gilt als erstes Lehrbuch zum Thema „Kegelschnitte“. Der Begriff Direktrix (Leitlinie) wurde von de Witt eingeführt.