Kero Fichter

Kero Fichter, 2026

Kero Fichter ist ein in Wien lebender Kunsthistoriker und Autor. Seine Arbeit konzentriert sich auf queere Lesarten westlicher visueller Kultur, insbesondere der Kunst der Renaissance und der Frühen Neuzeit. Fichters öffentliche und kuratorische Arbeit behandelt Sexualität, Geschlechterverhältnisse, Körperbilder und die Sichtbarkeit queeren Begehrens in historischer Kunst und musealer Vermittlung.

Ausbildung und beruflicher Werdegang

Fichter studierte an der University of Glasgow und an der Universität Wien. 2021 schloss Fichter an der Universität Wien eine Masterarbeit mit dem Titel Two contour copies after Hans Baldung Grien and the sexualisation of the Fall of Man in the German Renaissance ab; betreut wurde die Arbeit von Werner Telesko.

Von 2021 bis 2023 arbeitete Fichter für die Hessen Kassel Heritage.

Queere Kunstgeschichte und Museumsarbeit

Fichters Arbeit befasst sich mit queeren Interpretationen historischer visueller Kultur sowie mit der Frage, wie Museen, Kataloge und Archive die Sichtbarkeit von Geschlecht, Sexualität und Begehren prägen. Seine kunsthistorische Arbeit wurde als Form queerer Medienarchäologie beschrieben, die untersucht, wie Körper, Begehren und Geschlecht innerhalb historischer visueller Ordnungen lesbar werden. Fichter hält regelmäßig öffentliche Vorträge und gestaltet museale Formate zu Kunstgeschichte, Geschlecht, Sexualität und queeren Lesarten historischer visueller Kultur.

Bei Hessen Kassel Heritage wirkte Fichter an Alte Meister que(e)r gelesen / Old Masters – A Queer Reading mit, einer Ausstellung im Schloss Wilhelmshöhe, die Werke der Sammlung Alte Meister unter Fragestellungen von Sexualität, Geschlechtsausdruck und Körperbildern präsentierte. Die Ausstellung wurde unter anderem von der taz besprochen. Diese beschrieb sie als Zusammenstellung von Werken von der Antike bis um 1800, anhand derer gefragt werde, wie Geschlecht in der vormodernen Kunst dargestellt wurde und wie fluide solche Darstellungen erscheinen konnten. Auch queer.de diskutierte den begleitenden Katalog als Beispiel für selbstbewusstes Queer Reading historischer Kunst.

Fichter kokuratierte gemeinsam mit Florian Aschka und Eugenia Seleznova die Vortragsreihe What’s Missing? des Queer Museum Vienna. Die Reihe behandelte queere Sichtbarkeit in Museen und Archiven in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten. Fichters Vortrag in der Reihe, Where Have All the Lesbians Gone?, untersuchte Darstellungen weiblichen gleichgeschlechtlichen Begehrens und des Male Gaze in der Kunst der Renaissance und des Barock.

Fichter nahm außerdem am Programm Queering the Belvedere des Belvedere teil, unter anderem mit einer öffentlichen Veranstaltung zu Isabella von Parma gemeinsam mit Francesca Liva.

Im März 2025 hielt Fichter bei Arse Elektronika 2025: Plug & Play! in Wien den Vortrag The Love of Statues: The Beginnings of Objectophilia in Western Art. Der Vortrag behandelte die Geschichte der Anziehung zu Statuen und künstlichen humanoiden Figuren in der westlichen Kunst von der Antike bis zur modernen Robotik.

Rezeption

Im Juni 2026 porträtierte die österreichische Tageszeitung Der Standard Fichter im Zusammenhang mit dem Belvedere-Programm Queering the Belvedere und thematisierte Fichters Arbeit zu queeren Lesarten historischer Kunst und musealer Vermittlung.

Fichters Arbeit wurde auch in kulturellen, kunstkritischen und aktivistischen Kontexten diskutiert, darunter in einem 2026 bei paraflows erschienenen Essay, der sie als Beispiel für queere Zugänge zu Kunstgeschichte, visueller Kultur und institutioneller Kritik beschreibt. Kommentatoren wie Johannes Grenzfurthner und Benno Hilgers haben diesen Ansatz mit Fragen von Archiven, Sichtbarkeit, visueller Ambiguität und den historischen Bedingungen verbunden, unter denen Körper und Begehren lesbar werden.

Der Katalog von Alte Meister que(e)r gelesen wurde auch außerhalb des musealen Kontextes rezipiert. Eine 2024 veröffentlichte Arbeitshilfe der Gleichstellungsstelle der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zitierte Fichters Katalogbeitrag „Bromance or Romance?“ im Zusammenhang mit queersensibler Kultur- und Bildungsarbeit.

Ausgewählte Schriften

Commons: Kero Fichter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Kero Fichters Arbeit als queerende Medienarchäologie visueller Kultur. In: paraflows. Februar 2026, abgerufen am 6. Juni 2026.
  2. 1 2 Hallo, was lesen Sie, Kero Fichter. In: Der Standard. Abgerufen am 6. Juni 2026.
  3. ↑ Kero Fichter. In: DailyArt Magazine. Abgerufen am 12. Mai 2026.
  4. 1 2 Two contour copies after Hans Baldung Grien and the sexualisation of the Fall of Man in the German Renaissance. Universität Wien, 2021 (univie.ac.at [abgerufen am 12. Mai 2026]).
  5. ↑ Akademische Schriften 2021. Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien, 2021, abgerufen am 12. Mai 2026.
  6. 1 2 Arse Elektronika 2025 Biographies. monochrom, abgerufen am 12. Mai 2026.
  7. ↑ Queering the Belvedere 2026. In: Falter. Abgerufen am 6. Juni 2026.
  8. ↑ Tönende Tasten und übernatürliche Überraschungen. In: Salto.bz. 8. September 2016, abgerufen am 6. Juni 2026.
  9. ↑ Jahrbuch Sexualitäten 2024. Wallstein Verlag, 2024, ISBN 978-3-8353-5725-9 (wallstein-verlag.de [abgerufen am 6. Juni 2026]).
  10. ↑ Paula Kehl: Gender und die Kunst der Vormoderne: Ob der Bart wohl männlich ist. In: taz. 15. Februar 2024, abgerufen am 6. Juni 2026.
  11. ↑ Selbstbewusstes Queer-Reading historischer Kunst. In: queer.de. 2. März 2024, abgerufen am 6. Juni 2026.
  12. ↑ What's Missing? Queer Museum Vienna, abgerufen am 12. Mai 2026.
  13. ↑ Where Have All The Lesbians Gone? Weibliche Sexualität für den Male Gaze. Queer Museum Vienna, abgerufen am 12. Mai 2026.
  14. ↑ Queering the Belvedere. Belvedere Museum, abgerufen am 12. Mai 2026.
  15. ↑ Queering the Belvedere: Lesbia contra Motor. In: eSeL.at. Abgerufen am 12. Mai 2026.
  16. ↑ Arse Elektronika 2025 Abstracts. monochrom, abgerufen am 12. Mai 2026.
  17. ↑ Maria Neufeld: queer-feminist activism beyond borders. In: Journal VBKÖ. Wien Februar 2024, S. 32 (englisch).
  18. ↑ Johannes Grenzfurthner: Kero Fichter und der queere Blick auf die Alten Meister. In: Zebrabutter. 5. Juni 2026, abgerufen am 6. Juni 2026.
  19. ↑ Benno Hilgers: Queer Art History as Institutional Critique: On Kero Fichter’s work as a practice of queer interpretation, public pedagogy, and institutional critique. In: Queering Activism. monochrom, 2026, abgerufen am 6. Juni 2026.
  20. ↑ QAK (Queer Art Kollektiv): Seeing What Was Always There: Why Art History Needs a Queer Lens. In: Common Enemy: The Aesthetics of Queer Resistance. Hedonistika, 2026, abgerufen am 8. Juni 2026.
  21. ↑ Ich möchte einfach Mensch sein: Arbeitshilfe queerfreundliche christliche Praxis. Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, 2024, abgerufen am 6. Juni 2026.
  22. ↑ Autorenverzeichnis 1947–2024. Bundesdenkmalamt, 2024, abgerufen am 12. Mai 2026.
  23. ↑ Kero Fichter: Historische Perspektiven. In: Offerus Ablinger. 2020, abgerufen am 7. Juni 2026.
  24. 1 2 3 Alte Meister que(e)r gelesen – Inhaltsverzeichnis. Hugendubel / Michael Imhof Verlag, abgerufen am 12. Mai 2026.
  25. ↑ Breaking the Canon – Wie man die Kunst der Renaissance und des Barocks queert. In: Kunst und Kaviar. 2023, abgerufen am 6. Juni 2026.
  26. ↑ Plug & Play. monochrom, abgerufen am 6. Juni 2026.
Personendaten
NAME Fichter, Kero
KURZBESCHREIBUNG in Wien lebender Kunsthistoriker und Autor
GEBURTSDATUM 20. Jahrhundert