Kim-Spiel

Unter dem Begriff Kim-Spiel, auch Kimspiel, versteht man ein Spiel, bei dem es vor allem auf die Merkfähigkeit des Gedächtnisses oder die Feinabstimmung der Sinnesorgane ankommt.

Ursprung und Name

Die Namensgebung beruht auf den Schilderungen in Rudyard Kiplings (1865–1936) Roman Kim (1901), in dem ein Junge namens Kim auf seine Spionagetätigkeit hin ausgebildet und trainiert wird: Kipling beschreibt hier das Leben des Straßenjungen Kim, der ohne Eltern in Indien aufwächst. Mit dreizehn Jahren geht er bei einem Händler (Mr. Lurgan) in die Lehre. Dort begegnet Kim einem jüngeren Hindujungen, der auf Kim eifersüchtig ist. Um die Überheblichkeit des älteren Kim zu dämpfen und das Selbstbewusstsein des Hindujungen zu stärken, greift der Händler zur Spieltherapie. Er nimmt dabei Spiele aus dem Bereich der Wahrnehmung. Der Hindujunge gewinnt dabei jedes Spiel – seine Wahrnehmung und sein Gedächtnis sind schärfer und besser geschult. Zum Schluss fragt Kim fassungslos, wie es gemacht wird. Der Hindujunge antwortet ihm, dass man es solange macht, bis man es gut macht. Der Kernsatz lautet: „Es ist wert, es zu lernen.“

Kim hat Probleme mit der Wahrnehmung, im Denken, im Tasten und im Sehen. Damit kann er das Spiel nicht gewinnen. Er muss lernen, alle Sinne einzusetzen. Kim-Spiele können auch mit dem Begriff sinnliches Lernen beschrieben werden und sind altersunabhängig, können also vom Dreijährigen bis zum Erwachsenen eingesetzt werden.

Unterteilungen

Die verschiedenen Formen der Kim-Spiele können nach den Arten der Wahrnehmung unterteilt werden:

Neben den fünf „traditionellen“ Sinnen gibt es auch noch andere Wahrnehmungen wie:

sowie weitere Wahrnehmungsspiele, die sich auf die kognitive Wahrnehmung und das Enttarnen von Sinnestäuschungen oder die soziale Wahrnehmung mit dem Einfühlen in Partner und Gruppenprozesse beziehen. Durch die Versprachlichung des z. B. Gefühlten werden die Begriffe bei Kindern gefestigt. Dadurch kann die Sprachförderung gesteigert werden.

Beispiele

Literatur

Wiktionary: Kimspiel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Rudyard Kipling: Kim. Macmillan, London 1901. (Erstausgabe)
  2. ↑ Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Kim-Spiele. In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 5. aktualisierte Auflage, Baltmannsweiler 2021, S. 52
  3. ↑ Siegbert A. Warwitz: Die Wahrnehmungsfunktionen des Kindes, In: Ders.: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln, Verlag Schneider, 6. Auflage, Baltmannsweiler 2009, ISBN 978-3-8340-0563-2, S. 37–49.
  4. ↑ Ingrid Gnettner: Wahrnehmungsspiele für alle Sinne, Don Bosco, München 2012, ISBN 978-3-7698-1905-2.