Kirche Putzar

Kirche Putzar.

Die Kirche Putzar ist ein Kirchengebäude aus dem 16. Jahrhundert im Ortsteil Putzar der Gemeinde Boldekow im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehört zur Kirchengemeinde Boldekow-Wusseken in der Propstei Pasewalk des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Geschichte

Die Kirche wurde 1560 unter Ulrich von Schwerin gebaut, der auch das ältere der beiden Gebäude des benachbarten Schlosses Putzar errichten ließ. Am 17. Juli 1636 brannten die Kirche und andere Gebäude des Dorfes nieder. Den Brand hatte ein Bauernknecht mit einer Schlüsselbüchse verursacht. Erst 1653 wurde die Kirche wieder aufgebaut.

Dettlof von Schwerin ließ die Kirche 1705 für 2000 Taler umbauen und neu ausstatten. Sie erhielt ihren Turm und den größten Teil der bis in die Gegenwart erhaltenen Innenausstattung. 1721 ließ der Landjägermeister Hans Bogislav von Schwerin die Orgelempore, die Patronatsloge und das Gestühl einbauen.

Bis 1739 war die Putzarer Kirchengemeinde eigenständig, dann siedelte der Pfarrer in ein neues Pfarrhaus nach Boldekow über. Putzar wurde zur Nebengemeinde von Boldekow erklärt, wobei sie ihre Rechte als Mutterkirche behielt. Das Kirchenpatronat war bis 1945 bei den Gutsbesitzern von Putzar, der Familie von Schwerin.

Nach Restaurierungsarbeiten zwischen 1956 und 1963 wurde die Kirche zwischen 1993 und 2000 umfassend instand gesetzt. Die Finanzierung wurde durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Pommersche Evangelische Kirche, das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Kirchengemeinde Putzar realisiert.

Gebäude

Die Saalkirche wurde auf rechteckigem Grundriss mit 24 Meter Länge und 13 Meter Breite aus Feldstein errichtet. Die Wände sind 1,4 m stark. Das rundbogige Westportal hat ein profiliertes Kämpfergesims. Gleichartig aufgebaut ist das in der südlichen Langseite gelegene Portal mit zugemauerter Pforte. In den beiden Langseiten befinden sich je drei, in der Ostwand zwei breite rundbogige Fenster mit Putzfaschen. Im westlichen Dachgiebel befinden sich zwei rundbogige Luken, deren Laden je einen rautenförmigen Ausschnitt als Symbol der Familie von Schwerin besitzen. Das Dach ist nach Osten als Walmdach ausgeführt.

Der rechteckige westliche Dachturm wurde 1705 aus Backstein aufgebaut und durch Putz dem Gebäude angeglichen. Auf jeder der vier Seiten befinden sich zwei schmale rundbogige Schallöffnungen mit Putzfaschen. Mit Ausnahme der auf der Ostseite gelegenen ist unter jeder Schallöffnung eine weitere, deutlich kleinere angeordnet. Der schlanke achteckige Turmhelm ist mit Schindeln gedeckt.

Posaunenengel und Putte.
Zwei der vier Mohren unter der Orgelempore.

Ausstattung

Grabplatte für Jürgen Christoph von Schwerin.
Mörser und Kanone als Reste des Epitaphs für Detlof von Schwerin.

Grabplatten und Gedenktafeln

Erbbegräbnisstelle derer v. Schwerin.

Friedhof und Begräbnisstätten

Unterhalb der Kirche befindet sich eine Gruft, die von 1665 bis 1945 als Erbbegräbnis für die Familie von Schwerin diente. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs plünderten Soldaten der Roten Armee in der Gruft. 1991 wurden die Gebeine aus der Gruft auf dem Friedhof beigesetzt. Der Prunksarg des Detlof von Schwerin befindet sich noch in der Gruft.

Mehrere Grabplatten für Angehörige der Familie von Schwerin befinden sich am westlichen zum Gutspark gelegenen Rand des Friedhofs. Hier liegen der preußische Minister Maximilian von Schwerin-Putzar und sein Sohn Heinrich begraben. Vom Park aus zugänglich befindet sich vor der Kirche eine unterirdische Begräbnisstätte, in der bis in die DDR-Zeit Carl Wilhelm Ludwig Heinrich Graf von Schwerin-Putzar-Schwerinsburg (1776–1839), Landrat des Kreises Ankam bis 1834, und seine Frau Charlotte Friederike Luise, geborene von Berg, bestattet waren.

Literatur

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Einzelnachweise

  1. ↑ Pfarramt Spantekow. In: Kirche-MV.de. Abgerufen am 6. März 2023.
  2. ↑ Hans Moderow: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil I: Der Regierungsbezirk Stettin. Stettin 1903, S. 20–23.
  3. ↑ Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. 2. Teil, Band 1. W. Dietze, Anklam 1865, S. 346.
  4. ↑ Putzar, ev. Kirche. Abgerufen am 31. März 2013.
  5. 1 2 Informationsblatt in der Kirche.
  6. ↑ Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. 2. Teil, Band 1. W. Dietze, Anklam 1865, S. 292.
  7. ↑ Putzar, Kirche, evangelisch. In: Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern. Abgerufen am 1. April 2013.
  8. ↑ Zeno.org.: Pro aris et focis., In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 1. Auflage. Band 3: M–R. Brockhaus, Leipzig 1839, S. 578.
  9. ↑ Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. 2. Teil, Band 1. W. Dietze, Anklam / Berlin 1865, S. 344–349.
  10. 1 2 Eckhard Oberdörfer: Ostvorpommern. Vom Amazonas des Nordens zu den Kaiserbädern – ein Reise- und Lesebuch. Edition Temmen, Bremen 2006, ISBN 3-86108-917-3, S. 55–56.

Koordinaten: 53° 42′ 44,7″ N, 13° 39′ 24,5″ O