Klasse 212 CD

Klasse 212 CD p1
Schiffsdaten
Land Deutschland Deutschland: 6 bestellt
Norwegen Norwegen: 6 bestellt
Kanada Kanada: 12 geplant
Schiffsart U-Boot
Bauwerft TKMS, Kiel und Wismar
Bauzeitraum seit 2023
Gebaute Einheiten 24 (geplant)
Schiffsmaße und Besatzung
Länge ca. 73 m (Lüa)
Breite ca. 10 m
Verdrängung aufgetaucht: ca. 2500 t
ca. getaucht: 2800 t
Maschinenanlage
Maschine 2 × Dieselelektrisch MTU 4000
Brennstoffzelle
384 Lithium-Ionen-Akkumulatormodule mit einer elektrischen Energie von 14,5 MWh als Fahrbatterie
Einsatzdaten U-Boot
Bewaffnung

Die U-Boote der Klasse 212 CD sind ein gemeinsames Beschaffungsprogramm der norwegischen und der Deutschen Marine. Die Buchstaben „CD“ stehen dabei für Common Design. Die U-Boote der Klasse 212 CD werden mit einer Länge von rund 73 m und einer Verdrängung von rund 2500 t wesentlich größer sein als die Boote der Klasse 212 A, auf der sie basieren.

Deutsch-norwegische Kooperation

Die norwegische Regierung beschloss 2017, Deutschland als Partner für die Beschaffung neuer U-Boote auszuwählen, die die Boote der Ula-Klasse ablösen sollen. Sie knüpft damit an frühere U-Boot-Beschaffungen aus Deutschland an. Die Entscheidung geht mit der Vereinbarung einer weiterreichenden Verteidigungszusammenarbeit einher. Diese soll neben den neuen U-Booten den Bau von Seezielflugkörpern, Meeresforschung, technologische Entwicklung, Ausbildung, Ersatzteilbewirtschaftung und Wartung der neuen U-Boote einschließen. Sie betrifft damit die industrielle Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der norwegischen Rüstungsindustrie insgesamt.

Zu diesem Zweck wird in Kiel ein gemeinsames deutsch-norwegisches Programmbüro (Joint Program Building Office) aufgestellt, das die Herstellung und Lieferung aller U-Boote eng begleiten soll. Zu einem späteren Zeitpunkt soll ein Lifetime Management Program Office in Haakonsvern in Norwegen eröffnet werden. Beide Büros werden gemischt besetzt und abwechselnd von Vertretern beider Nationen geleitet.

Beschaffung

Die Ursprungsplanung sah den Bau von vier Einheiten für die Norwegische und zwei für die Deutsche Marine vor. In Deutschland erfolgte die Genehmigung des Programms durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags am 23. Juni 2021. Der Finanzbedarf für zwei für Deutschland zu beschaffende Boote wurde mit 2,79 Mrd. Euro veranschlagt, während Norwegen für seine vier Boote etwa 4,5 Mrd. Euro eingeplant hatte.

Sowohl in Norwegen als auch in Deutschland besteht Bedarf für weitere U-Boote über die ursprünglich bestellten hinaus.

Im Juni 2024 wurde die geplante Erweiterung der norwegischen Bestellung um zwei Einheiten bekannt. Im Dezember 2025 wurde die Erweiterung beschlossen, womit Norwegen insgesamt sechs Boote erhalten wird. Der Auftragswert für Norwegen liegt damit bei 8,6 Mrd. Euro.

Im Juli 2024 verkündete der deutsche Verteidigungsminister, dass auch Deutschland vier weitere Boote beschaffen wolle, womit sich die Gesamtzahl für die Bundeswehr ebenfalls auf sechs erhöhen würde. Im November 2024 wurden Kosten für 4 Boote von 4,7 Mrd. Euro plus Änderungswünsche des Ministeriums von 2,44 Mrd. Euro genannt. Geänderte Pläne der NATO (5 U-Boote von Deutschland ab 2031) machen diese Anschaffung „unabweisbar“. Im Dezember desselben Jahres bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Beschaffung der vier weiteren U-Boote; somit ist die Beschaffung von sechs U212 CD für die deutsche Marine bewilligt.

Entwicklung und Bau

Für Norwegen war es wichtig, auf ein bereits bestehendes U-Boot-Konzept zurückgreifen zu können, um die Unsicherheiten und Kosten einer Neuentwicklung zu vermeiden. Ein weiterer Faktor war die Auswahl von ThyssenKrupp Marine Systems als einer im U-Boot-Bau erfahrenen Werft. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr unterzeichnete mit dieser Werft am 8. Juli 2021 den Bauvertrag mit einem Volumen von 5,5 Mrd. Euro. Bis auf kleine, national geforderte Details werden die Boote beider Staaten identisch sein. Bei dem Projekt soll bewährte Technik der Typen U-212 A, U-214 und U-218 mit Weiterentwicklungen, insbesondere im Bereich Sensortechnik, kombiniert werden. Weitere neue Merkmale sind die gesteigerte Reichweite, das neuartige Führungsmittel- und Waffeneinsatzsystem ORCCA und ein gegen Aufklärung geschütztes Design, das es den Booten ermöglichen soll, sich auch bei verbesserten Ortungsverfahren der Entdeckung zu entziehen. Jeweils sechs U-Boote sollen auf den TKMS-Werften in Kiel und Wismar entstehen.

Technik und Bewaffnung

Wie die Vorgänger-Klassen werden die Boote aus nicht magnetisierbarem Stahl gebaut sein und über eine außenluftunabhängige Antriebsanlage auf Basis einer Brennstoffzelle verfügen. Die geforderten Veränderungen bedingen allerdings beim Rumpf und beim Antrieb Anpassungen gegenüber der Klasse 212 A. Der Bootskörper wird eine neuartige Form erhalten, die im Querschnitt einem geschliffenen Diamanten ähnelt, um die Signatur um 60 Prozent gegenüber dem 2. Los von U212 A zu reduzieren. Als Folge wird davon ausgegangen, dass die Verdrängung auf etwa 2800 Tonnen anwachsen wird. Für die neue Antriebsanlage hat ThyssenKrupp Marine Systems am 9. Juli 2021 parallel zum Vertragsabschluss eine Studie übernommen, bei der eine Lithium-Ionen-Fahrbatterie untersucht wird. Als Dieselmotoren sind zwei Aggregate aus der Serie MTU 4000 vorgesehen.

Anstelle des Periskops sind Optronik-Mastsysteme von Hensoldt vorgesehen, so dass der Druckkörper für diesen Sensor nur noch für die Kabel durchbrochen werden muss. Die Systeme bestehen aus je einem Optronik-Mastsystem OMS 150, einem OMS 300 und einem Panorama-Überwachungssystem i360°OS. Das OMS 150 werde in seiner multispektralen Ausführung als Such- und Überwachungs-Optronikmast eingesetzt und verfügt im stabilisierten Kopf über eine hochauflösende Tag-/Nachtsichtkamera, eine IR-Kamera, einen Laser-Entfernungsmesser, Radargerät und Antennen. Der Stealth-Optronikmast OMS 300 übernehme die so genannte „Attack“-Funktion und ist visuell und über Radar schwer detektierbar, was die Sicherheit der Besatzungen deutlich erhöhe.

Die deutschen Boote werden mit dem neuen Schwergewichtstorpedo DM2A5 (Weiterentwicklung des DM2A4) und dem Flugkörpersystem IDAS ausgestattet.

Einheiten

Baunr.StaatKennungName1. StahlschnittStapellaufIndienststellungEinheitVerbleib
1NorwegenÆger12. September 20232029 (geplant)in Bau
2NorwegenOdingeplant
3Deutschland2032 (geplant)geplant
4NorwegenTorgeplant
5Deutschland2034 (geplant)geplant
6NorwegenBaldergeplant
74× Deutschland,
2× Norwegen
geplant
8geplant
9geplant
10geplant
11geplant
12geplant

Weitere Nutzerstaaten

Im Juli 2026 entschied sich Kanada für die Beschaffung von zwölf U-Booten der Klasse 212 CD im Rahmen des Canadian Patrol Submarine Project. Die ersten Boote sollen bis 2035 in Dienst gestellt werden. Sie sollen in Kiel und in Wismar gebaut werden und dort bis zu 1500 neue Arbeitsplätze schaffen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Rekordauftrag – thyssenkrupp Marine Systems erhält Auftragserweiterung im 212CD-Programm – Pressemeldung. In: thyssenkrupp.com/. Thyssenkrupp AG, 19. Dezember 2024, abgerufen am 9. Juli 2026.
  2. ↑ Andreas Grunicke: FICCI Conference, New Delhi – Technology Development – New Technologies. (PDF; 6,6 MB) In: ficci.in. ThyssenKrupp Marine Systems GmbH, 18. April 2016, S. 16, abgerufen am 9. Juli 2026 (englisch).
  3. ↑ Lars Hoffmann: Beschaffung von vier neuen U-Booten 212 CD für die Marine wird konkret. In: hartpunkt.de. hartpunkt GmbH, 30. November 2024, abgerufen am 9. Juli 2026.
  4. ↑ Harrison Kass: Type 212CD: Germany and Norway Have Big Plans for a New Submarine. In: nationalinterest.org. 29. November 2023, abgerufen am 9. Juli 2026 (englisch).
  5. ↑ Giacomo Cavanna: Siluro pesante italiano Black Shark Advanced per gli U212CD. In: AresDifesa.it. 26. März 2025, abgerufen am 1. Juli 2026 (italienisch).
  6. ↑ Type 212CD Submarine Programme Expands with new Weapons. In: DefenseArchives.com. 28. März 2025, abgerufen am 1. Juli 2026 (englisch).
  7. ↑ Neue U-Boote und Seeziel-Flugkörper für die Marine. In: bundeswehr.de. Bundesministerium der Verteidigung, 9. Juli 2021, abgerufen am 21. Juli 2021.
  8. 1 2 Jutta Falkner: Im Fokus: Deutsch-Norwegische Kooperation – Das U-Boot-Projekt. (PDF; 1,0 MB) In: businessportal-norwegen.com. Falkner Business Publishing GmbH, 1. Juni 2019, abgerufen am 30. Juli 2021.
  9. 1 2 Rüstungskooperation zwischen Deutschland und Norwegen – Beschaffung zweier U-Boote für die Bundeswehr unter Vertrag. Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. In: presseportal.de. news aktuell GmbH, 8. Juli 2021, abgerufen am 9. Juli 2021.
  10. 1 2 3 Hans Uwe Mergener: Nächster Schritt auf dem Weg zum deutsch-norwegischen U-Boot U212CD. In: ESuT.de. Mittler Report Verlag GmbH, 9. Juli 2021, abgerufen am 20. Januar 2022.
  11. ↑ Thomas Wiegold: Bundestag gibt fast 20 Mrd Euro für Rüstungsprojekte frei – Auflagen unter anderem für FCAS und Puma-Schützenpanzer. In: augengeradeaus.net. Augen geradeaus!, 21. Juni 2021, abgerufen am 26. Juni 2021.
  12. ↑ Milliarden-Auftrag für Kieler Werft TKMS. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 23. März 2021, abgerufen am 30. Juli 2021.
  13. ↑ Hans Uwe Mergener: Produktionsstart der U-Boote der City-Klasse – Nächster Schritt auf dem Weg zum deutsch-norwegischen U-Boot U212CD. In: ESuT.de. 12. September 2023, abgerufen am 5. Juli 2024.
  14. ↑ Norwegen erweitert U-Boot-Bestellung bei TKMS in Kiel. In: NDR.de. 5. Juni 2024, abgerufen am 5. Juli 2024.
  15. ↑ Hans Uwe Mergener: Norwegen zieht Option: Sechs statt vier U212CD-U-Boote. In: ESuT.de. 5. Dezember 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  16. ↑ Dorothee Frank: Verhandlungen: Mehr U-Boote U 212CD für Deutschland. In: Defence-Network.com. CPM Verlag, 26. August 2024, abgerufen am 26. August 2024.
  17. ↑ Deutschland will vier neue U-Boote kaufen. In: orf.at. 29. November 2024, abgerufen am 29. November 2024.
  18. ↑ Bundeswehr: Milliardenprojekte bestätigt – Marine bekommt neue U-Boote. In: Der Spiegel. 18. Dezember 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 18. Dezember 2024]).
  19. ↑ Boris Pistorius besucht Werft: In Wismar werden neue U-Boote produziert. 17. Januar 2025, abgerufen am 4. Juli 2025.
  20. ↑ Riko Wetendorf: Phantom der Meere: Warum das U-Boot 212CD für Feinde zu leise ist. In: Berliner Morgenpost. 8. Juli 2026, abgerufen am 8. Juli 2026.
  21. ↑ Optronikmastsysteme OMS 150 und 300 für das deutsch-norwegische U-Boot-Projekt. In: ESuT.de. Mittler Report Verlag GmbH, 14. Januar 2022, abgerufen am 22. Januar 2022.
  22. ↑ TKMS: Torpedo-Auftrag für DDM2A5 stärkt deutsche U-Boot-Flotte. In: Defence Network. 21. Dezember 2025, abgerufen am 16. Januar 2026.
  23. ↑ deutschlandfunk.de: Kanadas Premier Carney bestätigt: Deutsches Rüstungsunternehmen TKMS erhält Großauftrag zum Bau von U-Booten. 6. Juli 2026, abgerufen am 6. Juli 2026.
  24. ↑ TKMS: Kooperation & Kampagne für kanadisches U-Boot-Programm. In: Defence Network. 13. Januar 2026, abgerufen am 13. Januar 2026.