
Klaus Heribert Farin (* 20. April 1958 in Gelsenkirchen-Buer) ist ein deutscher Autor und Verleger des Hirnkost-Verlags.
Klaus Farin gab bereits im Alter von 15 Jahren seine erste Zeitschrift in seinem Gelsenkirchener Gymnasium heraus. Sein erstes Buch veröffentlichte er mit 20 Jahren, das Vorwort schrieb Günter Wallraff. 1980 war er Mitbegründer des Klaus Farin & Hans-Jürgen Zwingmann-Verlags in Gelsenkirchen. Die beiden Jungverleger hatten zuvor das Know-how durch ihre Tätigkeit im Landesvorstand der Jungen Presse Nordrhein-Westfalen erworben. Im selben Jahr zog Farin vor allem wegen der lebendigen Jugendszene nach West-Berlin. 1981 wurde er auf Empfehlung des Vorsitzenden Bernt Engelmann in den Verband deutscher Schriftsteller (VS) aufgenommen.
Farin gründete 1997 mit den Journalisten und Wissenschaftlern Joachim Kersten, Gabriele Rohmann, Ansgar Klein und Eberhard Seidel (mit dem er mindestens seit 1991 zusammen Bücher veröffentlicht) das Archiv der Jugendkulturen als Verein, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Zeugnisse aus und über Jugendkulturen zu sammeln, auszuwerten und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Er war bis 2011 ehrenamtlich Leiter und Vorstandsvorsitzender des Vereins.
2003 startete das Archiv der Jugendkulturen zur Publizierung seiner Forschungsergebnisse, aber auch von Selbstzeugnissen junger Menschen, einen gleichnamigen Verlag, den Klaus Farin ebenfalls ehrenamtlich als Geschäftsführer leitet. 2016 wurde der Verlag in „Hirnkost Verlag“ umbenannt. Er ist im Besitz von Vereinsmitgliedern, Autoren des Verlags und der Stiftung Respekt!. Diese entstand 2011 ebenfalls aus dem Archiv der Jugendkulturen heraus. Ihr Vorstand besteht aus ehemaligen Vorstandsmitgliedern des Archiv der Jugendkulturen e. V., Vorsitzender ist Klaus Farin.
Farin ist Beisitzer im Vorstand des Vereins Aktion Courage e. V., dem Träger von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, bei dem sein Freund und Co-Autor Eberhard Seidel Geschäftsführer ist. Zudem ist er Mitgründer des PEN Berlin.
2021 und 2022 wurde Hirnkost mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.
Farin arbeitet seit den 1980er Jahren freiberuflich als politischer Bildner und unternimmt regelmäßig Vortragsreisen im deutschsprachigen Raum. Er lebt seit 1980 in Berlin-Neukölln.
Farin beschäftigt sich in seinen Werken hauptsächlich mit jugendlichen Subkulturen.
Zusammen mit Eberhard Seidel-Pielen verfasste Farin 1991 den Band Krieg in den Städten, welcher den Ansatzes verfolgte, die Jugendlichen selbst zu Wort kommen zu lassen. Aus dieser Arbeit heraus ergab sich eine längere Beschäftigung mit dem Themenkreis Rechtsradikale Jugendliche/Neonazis sowie Skinheads, welcher Publikationen zu anderen Jugendkulturen folgten.
Eine von Farin am 1. Dezember 2005 veröffentlichte Studie mit der These, „die rechte Szene im Osten sei out“, führte zu breiter Kritik auch von seinen Kollegen aus dem Archiv der Jugendkulturen.
2011 erregte Farin als Vorsitzender des Archiv der Jugendkulturen Aufsehen, als er ein Forschungsprojekt des Archivs über „Die Autonomen“, aus dem 2015 das gleichnamige Buch hervorging, aus dem Linksextremismus-Fördertopf des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördern ließ und nach Zustellung des Bewilligungsbescheides öffentlich dem Verfassungsschutz Hausverbot im Archiv erteilte.
Sein in Katalogform mit vielen Bildern erschienenes Buch Frei.Wild: Südtirols konservative Antifaschisten über die Band Frei.Wild stieß auf Kritik. Wie der Journalist Andreas Speit in der TAZ berichtet, wurde das umstrittene Buch von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SOR) beworben, in dessen Trägerverein Farin sitzt. SOR wird von Farins Freund und Co-Autor Eberhard Seidel als Geschäftsführer geleitet. Mehrere Tageszeitungen gaben Farin daraufhin die Möglichkeit, in ausführlichen Interviews Stellung zu beziehen. Farin ging bei dem Buch ähnlich vor wie bei seinem Bestseller über die Band Böhse Onkelz, indem er insgesamt 4.206 Fans interviewte.
Bis heute hat Farin 30 Bücher mit einer Gesamtauflage von über 300.000 Exemplaren veröffentlicht. Neben seinen Arbeitsschwerpunkten Jugendkulturen und Migration/Flucht umfasst sein Werk auch literarische Biographien zu Karl May und Hans Fallada. Auszüge seiner Veröffentlichungen erschienen in über 60 Schulbüchern. Er war Mitarbeiter und Herausgeber mehrerer Zeitschriften, drehte Filme und produzierte Radio-Hörspiele und -Features.
2010 wurde Klaus Farin für das Archiv der Jugendkulturen mit dem Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft ausgezeichnet. Am 15. Januar 2019 erhielt er für seine „Verdienste um die Kinder- und Jugendkultur im deutschsprachigen Raum“ das Bundesverdienstkreuz am Bande des Bundespräsidenten.
Farin war bis 2018 insgesamt 20 Jahre Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen, wovon ihn damals sein Anwalt Christian Ströbele überzeugte. 2021 war er Mitgründer und im ersten Bundesvorstand der Klimaliste Berlin, für die er auch kandidierte. Anschließend führte die Klimaliste Berlin Fusionsverhandlungen mit der Tierschutzpartei mit dem Ergebnis, dass mehrere Personen der Klimaliste für die Tierschutzpartei als Kandidaten antreten, darunter Farin bei der Bundestagswahl 2025 als Direktkandidat in Berlin-Neukölln. Auch bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 ist Farin wieder Kandidat der Tierschutzpartei.
„Wer sich auf die Realität einlässt, muss die beruhigende Eindeutigkeit aufgeben.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Farin, Klaus |
| ALTERNATIVNAMEN | Farin, Klaus Heribert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Sachbuchautor |
| GEBURTSDATUM | 20. April 1958 |
| GEBURTSORT | Gelsenkirchen |