Klein-Eichen Stadt Grünberg | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 35′ N, 9° 3′ O |
| Höhe: | 279 m ü. NHN |
| Fläche: | 2,13 km² |
| Einwohner: | 235 (31. Dez. 2020) |
| Bevölkerungsdichte: | 110 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 31. Dezember 1970 |
| Postleitzahl: | 35305 |
| Vorwahl: | 06400 |
Stadtteile von Grünberg | |
Klein-Eichen ist der nach Einwohnerzahl kleinste Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen. Der Ort liegt 8 km östlich der Kernstadt am Lardenbach im Vorderen Vogelsberg. Die Bebauungen von Klein-Eichen und Lardenbach gehen ineinander über.

Der Mainzer Erzbischof Erkanbald, der im April 1011 sein Pontifikat antrat und am 17. August des Jahres 1021 verstarb, muss im Laufe seiner Amtszeit eine Kapelle "ad Quercus" („zu/bei den Eichen“) geweiht und nach der Weihe auch die zugehörigen Grenzen des Gebietes festgesetzt haben. Mit der Kapelle „bei den Eichen“ ist die Siedlung „Eichen“ erstmals urkundlich erwähnt.
Die kleine Siedlung Weniger Eichen (auch als Wingereichen bezeichnet), befand sich nördlich des heutigen Groß-Eichen in Richtung Ruppertenrod. Vermutlich hatte man von Groß-Eichen aus die Tochtersiedlung gegründet. Weniger Eichen wird erstmals 1446 als „Wenigeneychin“ in einer Urkunde genannt und ist längst nicht mehr vorhanden.
Der Siedlungsname verrät die enge Verbindung Klein-Eichens mit Groß-Eichen und Weniger Eichen. Die Siedlung wird erstmals 1563 in einer Urkunde als „Klein Aychen“ genannt. Von Beginn an waren „Klein-Eichen“ und „Weniger Eichen“ mit der Pfarrei Groß-Eichen verbunden. Der Name bedeutet „bei den Eichen“. Klein meint ursprünglich im Mittelhochdeutschen „schwach“ oder „gering“ und wurde erst im Neuhochdeutschen zum Gegensatz groß - klein. Mit diesen Adjektiven wurden topographisch klar zu unterscheidende Orte benannt.
Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges lag Klein-Eichen auf einer Anhöhe ca. 1 km weiter nördlich, wovon Mauerreste und Grabsteine bis heute zeugen. Erst danach siedelten die Bewohner um ans nördliche Ufer des Larbachs. 1738 kauften die Einwohner die Fachwerkkirche aus Unter-Seibertenrod und bauten sie in mehrjähriger Arbeit aus. Bis 1978 war der Ort Teil des Kirchspiels Groß-Eichen und wurde vom dortigen Pfarrer mitbetreut. Die evangelische Kirche Klein-Eichen besteht noch heute.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Klein-Eichen:
„Kleineichen (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt im Vogelsberg 1½ St. von Grünberg und gehört dem Freiherrn von Riedesel. Der Ort hat 1 Kirche, 30 Häuser und 164 Einwohner, die bis auf 2 Katholiken evangelisch sind. Die Einwohner beschäftigen sich auch stark mit der Spinnerei und Leineweberei.“
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde im benachbarten Lardenbach in einem Bergwerk Eisenerz abgebaut. Einige Klein-Eichener verdienten sich dort ein Zubrot. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden über Jahre mehrere Kleinstbetriebe, vornehmlich des textilverarbeitenden Gewerbes, in denen vorwiegend Frauen eine Beschäftigung fanden. Ab 1970 erlebte der Ort einen Strukturwandel. Landwirtschaft wurde zunehmend im Nebenerwerb betrieben. Mit Beginn der 90er Jahre schlossen mehr und mehr Betriebe. 2020 existiert nur mehr ein einziger Landwirt im Dorf.
Das ehemalige Backhaus wird heute für Versammlungen und Veranstaltungen benutzt.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Klein-Eichen zum 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Grünberg eingemeindet. Für Klein-Eichen sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Grünberg und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Klein-Eichen angehört(e):
In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Klein-Eichen das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Ober-Ohmen zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. 1821 traten die Freiherren Riedesel zu Eisenbach ihre Rechte am Gericht Ober-Ohmen an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Klein-Eichen zuständig war. Infolge der Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853 wurde Klein-Eichen dem Sprengel des Landgerichts Laubach zugewiesen.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Laubach“.
Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts und Klein-Eichen wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt. Vom 1. Januar 1977 bis zum 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, das dann mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Klein-Eichen 252 Einwohner. Darunter waren 3 (1,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 39 Einwohner unter 18 Jahren, 105 zwischen 18 und 49, 60 zwischen 50 und 64 und 48 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 108 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 36 Paare ohne Kinder und 36 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 75 Haushaltungen lebten keine Senioren.
| • 1577: | 12 Hausgesesse |
| • 1742: | 33 Untertanen, 5 Junge Mannschaften, keine Beisassen/Juden |
| • 1806: | 148 Einwohner, 26 Häuser |
| • 1829: | 164 Einwohner, 30 Häuser |
| • 1867: | 159 Einwohner, 29 bewohnte Gebäude |
| • 1875: | 154 Einwohner, 29 bewohnte Gebäude |
| Klein-Eichen: Einwohnerzahlen von 1800 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1800 | 160 | |||
| 1806 | 148 | |||
| 1829 | 164 | |||
| 1834 | 170 | |||
| 1840 | 162 | |||
| 1846 | 168 | |||
| 1852 | 167 | |||
| 1858 | 173 | |||
| 1864 | 161 | |||
| 1871 | 156 | |||
| 1875 | 154 | |||
| 1885 | 150 | |||
| 1895 | 147 | |||
| 1905 | 149 | |||
| 1910 | 174 | |||
| 1925 | 181 | |||
| 1939 | 166 | |||
| 1946 | 226 | |||
| 1950 | 231 | |||
| 1956 | 179 | |||
| 1961 | 172 | |||
| 1967 | 173 | |||
| 1970 | 201 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1987 | 208 | |||
| 2003 | 247 | |||
| 2011 | 252 | |||
| 2016 | 237 | |||
| 2020 | 235 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS; Ab 1970: Stadt Grünberg:; Zensus 2011 | ||||
| • 1829: | 162 evangelische, zwei katholische Einwohner |
| • 1961: | 148 evangelische (= 86,05 %), 24 römisch-katholische (= 13,95 %) Einwohner |
| • 1961: | Erwerbspersonen: 74 Land- und Forstwirtschaft, 17 Prod. Gewerbe, 4 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 8 Dienstleistungen und Sonstige. |
Für den Stadtteil Klein-Eichen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Klein-Eichen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 57,77 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Klein-Eichen“ an. Der Ortsbeirat wählte Werner Zimmer zum Ortsvorsteher.
Mehrere Vereine bestimmen das kulturelle Dorfleben, nämlich die Freiwillige Feuerwehr Lardenbach/Klein-Eichen, der Gesangverein „Eintracht“ Lardenbach/Klein-Eichen und der „K-E V“ (Klein-Eichener Verein).
Im Jahr 1989 gründete sich der „Klein-Eichener Arbeitskreis zur Rettung der Lebensfreude e. V.“, der bis ins 21. Jahrhundert hinein Konzerte, Dorffeste und Informationsabende zur Dorfgeschichte (z. B. zum Thema „Spinnstube“) veranstaltete.
Anmerkungen
Einzelnachweise