Klein Wasserburg

Klein Wasserburg
Gemeinde Münchehofe
Koordinaten: 52° 6′ N, 13° 50′ OKoordinaten: 52° 5′ 40″ N, 13° 49′ 40″ O
Höhe: 46 m
Postleitzahl: 15748
Vorwahl: 033760

Klein Wasserburg ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Münchehofe (Landkreis Dahme-Spreewald) mit ca. 15 Einwohnern.

Der Ortsteil gehörte wie folgt zu den Kreisen:

Lage, Geologie und Bebauung

Die Ortschaft liegt ostsüdöstlich von Märkisch Buchholz, wenige Hundert Meter südlich der Bundesstraße 179 am Nordwestrand des Biosphärenreservats Spreewald. Während das Gebiet südlich von Klein Wasserburg landwirtschaftlich genutzt wird, befinden sich nördlich des Ortes ausgedehnte Waldflächen, welche überwiegend durch Kiefern bewaldet sind. Die Zuwegung, welche von Osten nach Westen über das Forstamt läuft, ist von einer Allee bestehend aus preußischen Friedenseichen gesäumt.

Klein Wasserburg liegt, geologisch betrachtet, am Übergang einer Endmoräne zum Sander. So ist beispielsweise das Forsthaus auf der letzten, der Endmoräne zuzuordnenden Erhebung von dem sich südlich anschließenden Feld gebaut, sodass sich vom Forsthaus ein weiter Blick über das Feld bis auf den in der Ferne liegenden Wehlaberg ergibt. Das Feld, welches unter der Bezeichnung Birkholzer Wiesen bekannt ist, ist Teil des Sanders.

Postkarte (gelaufen 1903) vom Schloss-Gut Klein Wasserburg

Die heutige Bebauung ist historisch gewachsen und wurde seit der politischen Wende nicht mehr verändert. Das markanteste Gebäude ist das Hauptgebäude des ehemaligen Preußischen Forstamtes Klein Wasserburg, in welchem sich heute der Bundesforstbetrieb Havel-Oder-Spree des Geschäftsbereichs Bundesforst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben befindet. In der preußischen Zeit wurde das Forstgebäude auch als Schloss-Gut Klein Wasserburg bezeichnet. Ab 1983 wurde das Forstamt, welches zu DDR-Zeiten als Hotel umfunktioniert wurde, umfangreich rekonstruiert und der östliche als auch westliche Teil des Gebäudes wurden vollständig neu errichtet. Zum Bundesforstbetrieb gehören zudem zwei weitere Nebengebäude. In Klein Wasserburg stehen außerdem sechs Wohngebäude und fünf Ferienhäuser. Südlich liegen zwei Hofstellen, wovon eine inmitten der Birkholzer Wiese und eine andere am Dahme-Umflutkanal liegt. Süd-östlich liegt der Schießplatz des Jagdverbandes Königs Wusterhausen e. V.

Geschichte

Die Geschichte des Orts ist stark durch die Forstwirtschaft geprägt.

1745–1900

Die Oberförsterei Klein Wasserburg gehörte zum Hoffideikommiss des Königs (königliche Hofkammer-Privatbesitz).

1918–1946

  1. Forstamtsgebäude mit massivem Nebengebäude (Stall/Scheune), Wagenremise, Scheune, Hühnerstall, Eiskeller, Holzschuppen und weitere
  2. Revierförsterei mit Nebengebäude
  3. Forstsekretärsgehöft (östlich Straße) mit Scheune
  4. Kutscherkate östlich Sekretärsgehöft
  5. Weiterhin befanden sich im direkten Umfeld drei Bauernstellen in der süd- und südöstlichen Umgebung (am jetzigen Standort Schießplatz; direkt ... südlich des Forstamtsgebäudes [zwei Haupthäuser, heute eines Ruine]; und am Kanal).

Für die restliche Geschichte, siehe den folgenden Abschnitt.

Naherholungszentrum Klein Wasserburg

Mit der steigenden internationalen Anerkennung der DDR wurde die Ortschaft als Naherholungszentrum bzw. Naherholungsobjekt für Diplomaten in der DDR schrittweise ausgebaut. Klein Wasserburg lag im Herzen des Staatsdiplomatenjagdgebietes Märkisch Buchholz, welches akkreditierten Diplomaten ab den 1960er Jahren zum Jagen und Angeln diente und vom Dienstleistungsamt für Ausländische Vertretungen in der DDR (kurz: DAV) betreut wurde. Das DAV war Teil des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und stellte u. a. die Unterbringung von Diplomaten in der DDR sicher.

Wichtiges Standbein des Naherholungszentrums war auch Neu-Köthen, ein Wohnplatz des Dorfes Köthen, welcher nur ca. 2 km und wenige Reitminuten von Klein Wasserburg entfernt liegt. In Neu-Köthen wurden Bedienstete des Naherholungszentrums untergebracht, Pferde für Ausritte und Kutschfahrten bereitgehalten und weitere Ferienhäuser (insbesondere für Mitarbeitende des Außenministeriums) gebaut. Bei Köthen selbst lag ein weiteres Reitgut, welches vom DDR-Olympiasieger und Stasi-Mitarbeiter Uwe Plank betreut wurde und auf welchem praktischerweise das Wochenendhaus des DDR-Außenministers Oskar Fischer lag.

Klein Wasserburg hatte eine strategisch günstige Lage, sodass die Diplomaten, als auch z. T. hochrangige SED Politiker wie Erich Honecker, vor Ort ungestört residieren und jagen konnten. Die Diplomaten verbrachten abgeschottet von der restlichen Bevölkerung eine für sozialistische Verhältnisse untypisch luxuriöse Auszeit, wobei sie u. a. durch die Staatssicherheit installierte Wanzen und Telefonüberwachung (im Keller des Forsthauses/Hotels) regelmäßig überwacht wurden. Südlich des Dorfes lag ein großes militärisches Sperrgebiet rund um den sowjetischen Militärflughafen Brand, nordwestlich lag ebenfalls ein militärisches Sperrgebiet der NVA bei Hermsdorf Mühle, sodass die dünn besiedelte Umgebung ohnehin bereits von Sperrgebieten dominiert wurde. Der Dahme-Umflutkanal sorgte zudem dafür, dass durch die wenigen Brücken keine ungewollten Passanten zum Objekt aus Richtung Süden gelangten, welches im Übrigen auch zu großen Teilen umzäunt war.

Historie

Aufenthalte bedeutender Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesforstbetrieb Havel-Oder-Spree (Memento des Originals vom 11. Oktober 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. ↑ Schießplatz. Archiviert vom Original am 1. Dezember 2024; abgerufen am 7. Februar 2025 (deutsch).
  3. ↑ Joachim Schölzel: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam). Band 25, Teil IX (Beeskow-Storkow).
  4. ↑ Feindliche Luftangriffe.- Lagemeldungen: Bd. 1, R 58/3578, S. 680 - Bundesarchiv. Abgerufen am 23. April 2025.
  5. ↑ Gestütsgeschichte. In: Gestüt am PIchersee, Köthen. Abgerufen am 28. Juni 2025.
  6. ↑ Archivportal-D - "Rechtsträgerwechsel auf Grund des Kaufvertrages - Objekt Klein Wasserburg.- Eigentümer Deutsche Reichsbahn.- Käufer Dienstleistungsamt für ausländische Vertretungen in der DDR". Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen im November 2020.
  7. ↑ Ministerium für Staatssicherheit, Hauptabteilung II/10: Liste OibE der Hauptabteilung II/10 vom 23.11.1984. BStU, ZA. MfS – HA II Nr. 23607.
  8. ↑ Jochen Staadt: Dienst am Diplomaten - Die Überwachung von „bevorrechteten Personen“ in der DDR und das Dienstleistungsamt für Ausländische Vertretungen (DAV). Hrsg.: Freie Universität Berlin.
  9. ↑ Archivportal-D - "3. Tagung des ZK, 20.-21. Nov. 1986". Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen im November 2021.
  10. ↑ Märkische Allgemeine Zeitung: Aus für Erdgasprojekt in Märkisch Buchholz. 17. April 2018, abgerufen am 23. Januar 2024.
  11. ↑ Silke Benders: Verfüllung ehemaliger Erdgassonden im Feld Märkisch Buchholz. In: Neptune Energy Deutschland. 8. August 2019, abgerufen am 23. Januar 2024 (deutsch).
  12. ↑ Politisches Archiv - Invenio, Aktenzeichen: M 1-C/7281. Abgerufen am 21. Juli 2025.
  13. ↑ Politisches Archiv - invenio, Aktenzeichen: M 1-C/4943. Abgerufen am 21. Juli 2025.
  14. ↑ Politisches Archiv - Invenio, Aktenzeichen: M 1-C/7517. Abgerufen am 21. Juli 2025.
  15. ↑ Politisches Archiv - Invenio, Aktenzeichen: M 1-C/4947. Abgerufen am 24. Juli 2025.