Kleisterpapier (englisch paste paper) ist eine Untergruppe von Buntpapier. Unter Kleisterpapier (veraltete Termini sind z. B. Kleistermarmor, Wolkenkleister, Wolkenmarmor) versteht man ein Papier, dessen Oberfläche mit Hilfe von gefärbtem Kleister veredelt wurde. Die Kleisterpapier-Technik ist eine äußerst vielseitige Methode zum Dekorieren von Papieren und zählt zu den elementaren Techniken der Buntpapierherstellung. Ihren Ursprung hat sie in Deutschland und erfuhr hier auch ihre größte Verbreitung. Die Bearbeitung findet im Gegensatz zu auf Wasser oder Schleimgrund marmoriertem Papier (Marmorpapier) immer direkt auf der Papieroberfläche statt. Bei der Gestaltung einer Papieroberfläche mittels eingefärbten Kleisters wird zunächst meist die gesamte Fläche mit einem eingefärbten Kleisterauftrag versehen – dazu werden Pinsel, Schwämme oder Bürsten verwendet. Das Ergebnis mit den stets sichtbaren senkrechten, waagerechten oder diagonalen Pinselstrichen kann für sich stehen oder aber weiter bearbeitet werden, wobei mittels verschiedener Werkzeuge (z. B. Stempeln, Rollen, Musterwalzen und Kämmen) Dekore in die feuchte Kleisterschicht gebracht werden. Die Dekore entstehen durch die bleibende Verformung oder Verdrängung der Kleistermasse auf der Oberfläche. Das wesentliche Merkmal des Kleisterpapiers ist die stets erkennbare Textur. Der verwendete Kleister besteht in der Regel aus Stärken und/oder Cellulosen. In den ganz frühen Anfängen wurden auch Leime als Farbträger benutzt. Die Abriebfestigkeit von Kleisterpapier kann u. a. durch den Auftrag einer Schutzschicht aus z. B. Schellacklösung, Wachsen oder Gelatinen erhöht werden.
Christian Friedrich Gottlieb Thon fasste 1826 die Anforderungen an das Trägermaterial Papier so zusammen:
„Der Papierfärber, für den dieses Fabrikat, nebst den Farben, das Hauptmaterial ist, kann nur ein weißes, mehr oder weniger feines, starkes, gleichförmig geschöpftes, gut und egal geleimtes Papier, welches weder Wolken, Flecken, noch Unreinigkeiten und schadhafte Stellen hat, gebrauchen.“
Als Farbmittel für einfarbige Kleisterpapiere (hier auch „Kleistermarmorpapiere oder Herrnhuterpapiere“ genannt) gibt dieselbe Quelle folgende an:
„Insbesondere nimmt man zu Blau: Indigolack, Berlinerblau, Kobaltblau u. f.; zu Roth: Carmoisinlack, Kugellack u. a. rothe Lackfarben; zu Grün: Braunschweigergrün, Berlinerblau in Vermischung einer gelben Farbe u. f.; zu Braun: gebrannten Umbraun, braunen Ocher u. f.; zu Schwarz: ausgeglühten Kienrauch u. f.“
Lack bedeutete damals in der Färbersprache den Niederschlag eines Farbstoffs auf Tonerde. Heute wird ein breites Sortiment von handelsüblichen Farbzubereitungen benannt, die nach dem Erkalten in den sämigen Kleister eingerührt werden: „Wasserlösliche Farben, Pigmente, Gouache, Tempera, Tusche, Beize u. a. m.“ Gabriele Grünebaum verweist auf die „große Leuchtkraft und Ausgiebigkeit“ von Holzbeizen. Es werden auch Acrylfarben empfohlen, weil diese „wisch- und wasserfest trocknen“.
„Kein anderes Buntpapier – nicht einmal das attraktive Marmorpapier – kann so vielfältig gestaltet werden wie das Kleisterpapier, und nirgends werden der Phantasie und der Experimentierfreude so wenig Grenzen gesetzt wie hier.“
„Die Gestaltungsmöglichkeit von Kleisterpapier ist unerschöpflich. Unter Einsatz geringster Mittel erreicht man eine unendliche Anzahl von Mustern.“
Grundtechniken:

Da die verschiedenen Gestaltungstechniken oft miteinander kombiniert werden, lassen sich Kleisterpapiere nicht immer eindeutig einer bestimmten Technik zuordnen. Man benutzt dann den Oberbegriff „Kleisterpapier“ mit einer erläuternden Beschreibung.