Als Buntpapier wird Papier bezeichnet, das mittels unterschiedlicher Techniken manuell oder maschinell bearbeitet wurde. Der englische Fachbegriff lautet decorated paper. Der Begriff wird darüber hinaus umgangssprachlich für industriell hergestelltes einfarbiges Bastelpapier verwendet. Buntpapier dient zum Umhüllen, Bekleben und Auskleiden von Gegenständen und Verpackungen oder als künstlerischer Bedarf. Nicht als Buntpapier gelten Tonpapier und Tonkarton, die aus direkt in der Masse gefärbtem Stoff hergestellt werden. Albert Haemmerle, dem Doyen der deutschsprachigen Buntpapiergeschichtsforschung, verdankt sich eine 1970 publizierte begriffliche Abgrenzung:
„Buntpapier als terminus technicus ist ein Sammelbegriff für alle Sorten von Papier, deren Oberfläche gefärbt, farbig getränkt, mit Farbstoffen bedeckt, bedruckt oder geprägt ist, angefangen bei den einfarbigen gestrichenen, matten oder hochglänzenden Papieren bis zu den mit Metallfolien bedeckten Papieren, einschließlich der mannigfaltigen Imitationspapiere – der Holzimitationen oder Fladerpapiere, der Stoffimitationen wie Velour papiere, Moirépapiere, Kambrikpapiere, der Lederimitationen wie Saffianpapiere, Maroquinpapiere, Chagrinpapiere und dergleichen mehr. Dagegen zählen in der Papiermasse durch Farbzusatz gefärbte Papiere im handelsüblichen Sinne nicht zu den Buntpapieren, soweit sie nicht durch zusätzliche Weiterverarbeitung zu Buntpapieren werden. Diese durchgefärbten Papiere heißen farbige Papiere.“
Japanisches Suminagashi-Papier aus der Heian-Zeit (794–1185) ist das älteste überlieferte Beispiel für Buntpapierherstellung. Auf verziertem Papier wurden Gedichte niedergeschrieben. Auch in Persien wurde Marmorpapier für kalligrafische Arbeiten verwendet. Das älteste bekannte deutsche Buntpapier (ein einfarbig gestrichenes Papier) wird auf ca. 1430 datiert. Marmoriertes Papier lernte Europa um 1600 über die Türkei kennen, wo man es „Ebru“ nannte. In Europa hieß dieses Buntpapier nach seiner Einführung noch häufig „türkisch Marmor“ oder „türkisch Papier“.
Beim Dekorieren von Papier können eine Reihe von Techniken eingesetzt und auch miteinander kombiniert werden. Die Sortenbezeichnungen spiegeln zum Teil diese Techniken wider (z. B. „Modeldruckpapier“, „Walzendruckpapier“, „Schablonenspritzpapier“), zum Teil benennen sie die Erscheinungsform der Oberflächen bzw. des Dekors (z. B. „Holzmaserpapier“, „Moirépapier“, „Kalbslederpapier“) oder beziehen sich auf Rohstoffe und Pigmente („Metallpapier“, „Glimmerpapier“, „Wollvelourspapier“). Immer wieder wird versucht, das Erscheinungsbild historischer Techniken durch andere, oft preisgünstigere Verfahren zu imitieren.
Die Farbe kann sowohl manuell als auch maschinell aufgebracht sein, Werkzeugspuren sind nicht sichtbar. In der industriellen Buntpapierfabrikation erhält die Gestaltung der Papieroberfläche einen hervorgehobenen Stellenwert. Einfarbiges Glanz- und Glacépapier sind Buntpapiersorten, deren Oberfläche durch Kalandrieren, Bürsten oder Bearbeiten mit dem Achatstein geglättet werden. Diese Oberflächen werden häufig mit Prägeplatten und Prägewalzen weiter zu reliefiertem Papier veredelt.
Farbe wird vollflächig mit dem Pinsel aufgetragen. Die Spuren der Pinselborsten sind erkennbar.
Bei Kleisterpapier werden Kleisterfarben aus Stärkekleister und aus in Wasser löslichen Farbmitteln hergestellt und erlauben gezielte Abstufungen der Farbintensität. Zum Auftragen der Farbe werden vor allem Bürsten, Pinsel und Schwämme verwendet. Geädertes Kleisterpapier entsteht beispielsweise durch das sogenannte Abzugverfahren, aber auch mit verschiedenen Tupftechniken. Mit Stempeln, Rollen, Walzen, Holzstäben, Kämmen oder auch Fingern können in die noch feuchte Farbe Muster eingedrückt werden (Kleisterpapier mit Verdrängungsdekor, manchmal auch „Papier nach Herrnhuter Art“ oder Herrnhuter Kleisterpapier genannt).
Bei Rieselpapier wird aufgesprenkelte oder aufgetropfte gefärbte oder ungefärbte Flüssigkeit über die Papieroberfläche fließen gelassen. Dabei werden auf der Oberfläche deutlich sichtbare Rieselspuren hinterlassen. Der Effekt kann mechanisch, durch Zusatz von Chemikalien zur Rieselflüssigkeit oder durch eine Kombination aus beidem erzielt werden.
Bei marmoriertem Papier oder Marmorpapier (historische Benennungen: „Tunkpapier“, „türkisch Papier“) wird die Farbe zunächst auf die Oberfläche von Wasser oder einem beispielsweise aus Carrageen oder Traganth hergestellten Schleimgrund durch Spritzen oder Tropfen aufgebracht und mittels die Oberflächenspannung beeinflussender Treibmittel sowie unter Zuhilfenahme mechanischer Mittel (Stäbchen, Kämme etc.) in der gewünschten Form verteilt. Der so entstandene Farbenteppich wird anschließend mit einem Papierbogen komplett abgehoben, wodurch das Muster seitenverkehrt auf den Bogen übertragen wird. Beim japanischen Suminagashi-Papier wird Tusche auf Wasser verteilt, wobei Kieferharzöl als Treibmittel eingesetzt wird. Bei europäischem Marmorpapier wird häufig Ochsengalle als Treibmittel eingesetzt. Bei Marmorpapier unterscheidet man eine Vielzahl von Mustern, die nur zum Teil nach den Formen („Steinmarmor'“, „Adermarmor“, „Schneckenmarmor“, „Bukettmarmor“, „Wellenmarmor“, „Tigeraugenmarmor“) benannt werden; andere Sortenbezeichnungen sind „Antikmarmor“, „Wandamarmor“ etc. Der Begriff „Marmor“ wird dabei nicht nur auf Sorten angewandt, die im Marmorierverfahren hergestellt wurden. Das ist historisch belegt und hat sich auch international durchgesetzt.
Alle Techniken des Druckens können grundsätzlich auch zum Veredeln von Papier verwendet werden.
Erhabene Druckformen kommen beim Hochdruckverfahren, so unter anderem bei Stempeldruckpapier, bei Bronzefirnispapier, bei Modeldruckpapier und bei Walzendruckpapier mit erhabener Druckform zur Anwendung. Der Künstler Otto Hupp verwendete das typografische Material (Ornamente) der Schriftgießerei E. J. Genzsch in München zur Gestaltung von Vorsatzpapieren.
Modeldruckpapiere werden unter Verwendung von als Model bezeichneten Druckstöcken hergestellt. „Die Arbeiten der Modelstecherei bezwecken die Darstellung erhaben ausgeschnittener Zeichnungen auf hölzernen Stöcken oder Tafeln, um damit Abdrücke in beliebigen Farben auf Papier und Zeugen aller Art darzustellen.“ Die historische Benennung „Kattunpapier“ geht auf die Verwendung ähnlicher Model beim Bedrucken leichter Baumwollstoffe zurück.
„Zumeist aus einfachen, geometrisierenden kleinteiligen Motiven entwickelt, spiegeln viele der schlichten Muster der Modeldruckpapiere aus dem 18. und beginnenden 19. Jahrhundert die formale Strenge des Klassizismus und des Biedermeiers. Großflächigere Muster mit Ranken-, Blumen- und Vogelmotiven gehören zum Formenrepertoire der Kattunpapiere.
Papiere beider Arten lassen nur ausnahmsweise genaue Datierungen zu, da dieselben Model über lange Zeitspannen hinweg unverändert benutzt wurden. Das war nicht zuletzt deshalb möglich, weil auf die höIzernen Druckstöcke aufmontierte Metallstege und -stempel größere Haltbarkeit und außerdem präzise Druckbilder mit sich brachten. Gedruckt wurden Kattunpapiere, ähnlich wie Japan-Holzschnitte, von Hand ohne Hilfe einer Presse. Der Papierbogen wurde auf den eingefärbten Druckstock gelegt und rückseitig mit einem Holzklöppel bearbeitet, so daß sich die Farbe auf das Papier übertrug.“
„Dominotier-Papier“ (frz. papier dominoté) bezeichnet einen einfarbigen Modeldruck, der mit schablonierten, handgemalten oder handkolorierten Elementen ergänzt wurde. Als „Rizzi-Papier“ wird Modeldruckpapier bezeichnet, das etwa ab 1904 von Giuseppe Rizzi in Varese nach älteren italienischen Vorbildern hergestellt wurde.
Als „Japanisches Figurenpapier“ wurden dünne japanische Seidenpapiere (Tengujo) bezeichnet, die als Schutz- und Trennpapier Verwendung fanden und z. B. in den 21 zwischen 1895 und 1900 publizierten Heften der Zeitschrift PAN vor den originalgrafischen Blättern eingebunden waren. Die nur 11,5 Gramm pro Quadratmeter flächenbezogene Masse aufweisenden Papiere zeigten die charakteristische Struktur des aus Bambusstäbchen gebildeten flexiblen Schöpfsiebs und waren mit Ornamenten in weißer Farbe bedruckt.
Im Tiefdruckverfahren wurde Buntpapier als Kupferstich oder als Walzendruckpapier mit gravierten Walzen produziert.
Die Lithografie erlangte unter den Flachdruckverfahren mit lithografiertem Papier die größte Bedeutung für die Buntpapierfabrikation des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
„Die Lithographie, der Steindruck, gewann 1885 für die Buntpapier-Herstellung an Bedeutung, als die lithographische Schnelldruckpresse aufkam. Der mit einer Zeichnung versehene Stein mußte nun nicht mehr vor jedem Druckvorgang per Hand angefeuchtet und gefärbt werden. Die lithographische Schnelldruckpresse, die automatisch feuchtet und einfärbt, arbeitet schneller und erreicht wesentlich höhere Auflagen.“
Mittels Schablonen gefärbtes Schabloniertes Papier wird historisch auch als „patroniertes Papier“ bezeichnet. Mit Schablonen wurden unter anderem Brokatpapiere und Dominotierpapiere zusätzlich koloriert.
Das Siebdruckverfahren, bei dem Seidengaze als Schablonenträger verwendet wurde, kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA auf. Es erlaubt einen dicken Farbauftrag, zudem können helle Farben auf dunklem Untergrund gedruckt werden. Es wird sowohl im Handsiebdruck als auch im industriellen Maßstab vornehmlich in Asien eingesetzt.
Muster, die früher häufig mittels Schablonen auf das Papier übertragen wurden, werden heute oft im Siebdruckverfahren hergestellt. Dies gilt z. B. für die japanischen Chiyogami-Papiere, die häufig für Origami Verwendung finden. Muster aus der Produktion der Chang Chuen Cotton Mill Pu-Li, Taiwan finden sich bei Fred Siegenthaler.
Ein Relief im Papier wird durch Prägung erzeugt, es erfolgt mittels einer Matrize eine Verformung des Papiers. Eine Patrize wird vor allem bei moderneren Prägeverfahren angewendet. Weiterhin kann eine Beschichtung mit Edelmetall oder (häufiger) einem Schlagmetall erfolgen. Zu dieser Gruppe gehört das Brokatpapier. Dieses konnte auf einfarbigem oder mehrfarbigem Papier geprägt werden. Mehrfarbige Papiere wurden mit Schablonen (hist. „Patronen“) gestaltet.
Weitere typische Beispiele Geprägter Papiere sind Moirémuster oder spezielle Lederimitationen, bei denen die Prägematrizen durch Abgüsse von originalen Ledermustern gewonnen werden.
Sprenkelpapier ist der Oberbegriff für Papier, das ganz mit meist gleichmäßig verteilten Sprenkeln ähnlicher Größe bedeckt ist. Kleine (meist schwarze, selten braune) Farbspritzer auf beige gestrichenem Grund sind charakteristisch für „Kiebitzpapier“, da ihr Aussehen an die Eier des Vogels erinnert. Die Kombination hell- und dunkelgrauer Farbtöne ergibt „Granitpapier“. Deckt man einen Teil des Grunds beim Aufsprühen oder Aufspritzen der Farbe mit entsprechend konturierten Schablonen ab, so lässt sich „Schablonenspritzpapier“ mit charakteristischen Farbverläufen herstellen.
Bei Batikpapier wird die Musterung auf indirektem Weg (Reservetechnik) erzeugt. Durch Wachsauftrag werden die Stellen abgedeckt, an denen keine Farbe aufgenommen werden soll. Nach Eintauchen in ein Farbbad und anschließendem Trocknen wird das Wachs durch Hitze entfernt. Wie beim Batiken von Textilien lassen sich Muster auch durch Abbinden („Plangi“) erzielen. Auch einige Varianten der japanischen Textilfärbetechnik Shibori lassen sich auf geeignetem Papier durchführen.
Viele der handwerklichen Buntpapiermacher in der Frühen Neuzeit sind namentlich nicht bekannt. Allerdings haben viele Verleger von Brokatpapier ihre Erzeugnisse mit Herkunftsangabe und Bestellnummer versehen. Unter den Brokatpapierverlegern sind vor allem Firmen in Augsburg (Johann Georg Eder, Johann Christoph Ledergerber, Johann Christian Leopold, Abraham Mieser, Johann Carl Munck, Johann Michael Munck, Georg Christoph Stoy), Nürnberg (Georg Reimund, Georg Daniel Reimund, Johann Michael Reimund, Paul Reimund, Georg Nikolaus Renner) und Fürth (Johann Köchel) hervorzuheben. Auch bei Modeldruckpapier, so z. B. französischem und italienischem Dominotier-Papier, ist oft Herkunftsangabe und Bestellnummer eingedruckt. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhunderts sind eine Vielzahl künstlerisch oder auch traditionell-handwerklich in Serienfertigung arbeitender Buntpapiermacher bekannt. Auch im 21. Jahrhundert werden Buntpapiere in Handarbeit gefertigt, zum Beispiel von Gisela Reschke und Nedim Sönmez einerseits mit künstlerischem Anspruch, andrerseits werden handgefertigte Buntpapiere weiterverarbeitet, unter anderem beim Buchbinden.
Die Bezeichnung „Buntpapierfabrik“ findet sich bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts. So ist 1802 in einer Anzeige neuer Erfindungen davon die Rede, dass „Herr Heinrich Gräff in Leipzig […] in der von ihm seit einigen Jahren etablirten Buntpapierfabrik“ Schreibpapier-Makulatur verarbeite.
Erste Ansätze zur Buntpapierfabrikation in industriellem Maßstab unternahm 1805 Gottfried Heinrich Wilisch (1771–1837) in Schneeberg. In Aschaffenburg entstand aus der 1810 konzessionierten Werkstatt des aus Neuwied stammenden Buchbinders Johann Daniel Knode 1811 die Buntpapierfabrik des Handelsmanns und Bankiers Alois Dessauer (1763–1850). Eine rasch wachsende Belegschaft – 50 (1815), 140 (1826), 200 (1832) – arbeitete anfänglich noch ausschließlich in Handarbeit. Der Verkauf erfolgte nicht nur innerhalb von Europa, sondern auch nach Süd- und Nordamerika und nach Australien. Seit 1843 konnten nicht nur Bogen verarbeitet werden, sondern auch Papier in Rollenform. Walzendruckpapier wurde sowohl im Hochdruck als auch im Tiefdruck als billige Massenware produziert. Seit 1856 dienten Bürstenstreichmaschinen zur Herstellung einfarbig gestrichenen Glacé- und Chromopapiers.
Die Fortschritte der industriellen Fertigung führten dazu, dass in den Buchbindereibetrieben in der Regel auf eine Eigenfertigung verzichtet wurde, weil jetzt auf ein breites Sortiment von Erzeugnissen der Buntpapierfabriken zurückgegriffen werden konnte. Ein bedeutendes Handbuch für Buchbinder („Die Kunst Bücher zu binden, oder die Buchbinderkunst auf ihrem neuesten Standpuncte“) formulierte es 1856 so: „Von einem specielleren Eingehen auf die Buntpapierfabrication in’sbesondere, muß hier um so mehr abgesehen werden, da es wohl Niemand einfallen wird, bei den jetzigen billigen Preisen dieser Artikel und der Leichtigkeit, mit welcher sie bezogen werden können, sich seinen Bedarf selbst anzufertigen.“ Stattdessen druckte man ein umfangreiches Verzeichnis ab, das auf Basis der Erzeugnisse von Alois Dessauer in Aschaffenburg die Vielfalt der Sorten, Formate, Gewichte und Preise auflistete.
Für die Sortenentwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden folgende Angaben gemacht:
„Die Entdeckung des Anilins 1843 und die rasante Entwicklung der Teerfarbstoffe in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts haben auch die gesamte Farbstoffchemie der Buntpapierer umgestaltet. Der Betrieb der Farbküchen und die Bereitung der ungezählten Rezepte für die Marmorierer, die Streicher von Glanz-Glacé-, weiß- und farbigem Chromopapier, von Maroquin und Cambricpapieren waren – und sind – das eigentliche Geheimnis der Buntpapierindustrie. Auch die Bereitung des Leimes zum Binden der Farben und Farbpigmente auf der Papieroberfläche war so wichtig, daß viele Betriebe, wie z. B. Aschaffenburg, ihre eigene Leimfabrikation betrieben.“
In Augsburg war mit der Kathan’schen Buntpapierfabrik eine Metallschlägerei verbunden.
Paul Kersten beschrieb 1938 den Abnehmerkreis der industriell gefertigten Buntpapiere so: „Den weitaus größten Teil verbrauchen naturgemäß die Kartonagenfabriken, Buchbindereien und Buch- und Steindruckereien. Dazu kommen die Fabrikanten von Alben, Bilderrahmen, Schreibwaren, künstlichen Blumen, Christbaumschmuck, Kotillonartikeln, Zigarettenkisten und -spitzen, Etuis, Fahnen, Spielwaren; Nadeln, Hüten und Mützen, Koffern, Leder- und Korbwaren, Kinderwagen, Musikwerken, Plakaten, Knöpfen, Tüten, Spielkarten, Federhaltern, Griffeln; ferner die Spinnereien, Seifen- und Parfümfabriken, Schuhfabriken, Samen- und Teehandlungen, chemischen Fabriken und noch viele andere.“
Als sich Heinz Barthel 1941 mit „Absatzbedingungen, Absatzorganisation und Absatzwege[n] der deutschen Buntpapierindustrie“ befasste, ordnete er die in Frage kommenden Abnehmer nach der Bedeutung für deren Gesamtumsatz:
Zu den Anwendungsgebieten von Buntpapier gehören
Am Buch wird Buntpapier als Vorsatzpapier bzw. Einbandspiegel
und als Einbandbezugspapier verwendet.
Marmoriertechniken können zudem zur Verzierung des Buchschnitts eingesetzt werden.
„Die Buntpapiere finden Verwendung als Dekorationspapiere, als bessere oder Geschenk-Einschlagpapiere, als Überzugpapiere für Kartonagen und Etuis, als Kofferfutter, für Bucheinbände und für viele andere Zwecke. Infolge Wechsel des Geschmacks, der Verpackungsmethoden und neuer Herstellungsverfahren haben viele früher beliebte Buntpapiersorten an Bedeutung verloren oder sind ganz aus dem Verkehr gekommen.“
Es wurden Verfahren entwickelt und durch Patente gesichert, Papier unmittelbar auf der Papiermaschine während der Blattbildung zu färben. Über den Papierfabrikanten Felix Günther, der seit 1902 Alleininhaber Papierfabrik Otto Günther in Greiz war, wird berichtet: „Er setzte jetzt den Schwerpunkt auf die Herstellung marmorierter, gewölkter und gemusterter Phantasie- und Effektpapiere. In Zusammenarbeit mit den „Farbwerken Höchst“ entwickelte er zahlreiche Varianten, die unter selbst erfundenen Namen auf den Markt gebracht wurden“. Der Buntpapierindustrie wurden so viele Aufträge aus den Händen genommen:
„Man veredelte die Papiere und Kartons durch Pressen, Prägen und Streichen, durch Färben, Tauchen und Imprägnieren, durch Bedrucken und durch Bearbeiten mit dem Friktionskalander. So wurde, wie aus Firmenunterlagen hervorgeht, ein Sortiment von 3.420 Sorten erreicht. Mehr als 100 verschiedene Musterbücher wurden innerhalb weniger Jahrzehnte von der Papierfabrik zusammengestellt, individuell gestaltet und in den hauseigenen Werkstätten hergestellt.“
Das Veredeln von holzfreiem oder holzhaltigem Chromorohpapier zu gestrichenem Chromopapier gehörte in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den wichtigen Aufgaben der Buntpapierfabriken. Dies änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Guido Dessauer schilderte in seinen Gedanken eines alten Buntpapiermachers, wie man in einem Zweigwerk der Buntpapierfabrik A.G. Aschaffenburg, der Papierfabrik Wildbad in Bad Wildbad, eine Papiermaschine der Maschinenfabrik zum Bruderhaus mit entsprechenden Streicheinheiten versah.
„Ich selbst wurde als der Totengräber des Chromopapiers bezeichnet. Aber wenn etwas möglich wird und man es nicht selbst macht, so macht es früher oder später irgend ein anderer. [...] Mit dem Start der in einem Durchgang in die Trockenpartie der Papiermaschine erzeugten Etikettenpapiere begann der echte Konkurrenzkampf zwischen den Papierherstellern und den Bunt- und Chromopapierfabriken. Dieser Kampf ist eindeutig von den Papierfabriken gewonnen worden.“
Die Papierfabrik F. E. Weidenmüller (Dreiwerden) produzierte zweiseitig gestrichenes Kunstdruckpapier, dessen Seiten jeweils unterschiedliche Farbtöne aufwiesen. Es wurden die Farbkombination (z. B. blau/gelb, hellblau/mittelblau, gelb/weiß, hellgrün/chamois, lachs/perlgrau, orange/gelb, rosa/gelb und rosa/altgold) angeboten. Noch war die Druckindustrie nicht in der Lage, Druckerzeugnisse völlig gleichförmig in einem Farbton zu drucken. Zweifarbige Kunstdruckpapiere konnten so als Blickfang eingesetzt werden. Diese Zwischenlösung erübrigte sich, als die Drucktechnik so weit fortgeschritten war, dass man Flächen völlig gleichförmig ohne alle Streifen mit einer Schmuckfarbe bedrucken konnte.
Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts erlebten verschiedene Buntpapiertechniken ein Revival. Neben die letzten professionellen Erzeuger, die wie Lothar Reher oder die Werkstatt Hesse in Leipzig noch ganze Buchauflagen mit einzelgefertigten Originalpapieren ausstatteten, entdeckten jetzt viele Menschen das Marmorieren oder die Batiktechnik als Hobby. Dabei beschränkte man sich nicht nur auf die Gestaltung von Papier, sondern wendete die Techniken auch auf Textilien und andere Materialien wie Holz und Leder an. Verschiedene Verlage wie Maier, Frech oder der Christophorus-Verlag nahmen sich der Thematik an und veröffentlichten entsprechende Arbeitsanleitungen.
„Es ist eine große und erfreuliche Überraschung, daß das dringende Bedürfnis, echte Buntpapiere z. B. für Restaurierungen, aber auch künstlerische Gestaltungen wieder zu erhalten, dazu geführt hat, daß junge Forscher und praktizierende Kunsthandwerker sich der alten überlieferten Techniken besinnen und wieder begonnen haben, echte Buntpapiere herzustellen.“
Parallel dazu entwickelte sich eine starke Auseinandersetzung mit den alten Buntpapiertechniken, der durch den Bedarf an Materialien für die Konservierung und Restaurierung in Bibliotheken, Archiven, Museen und im Denkmalschutz, aber auch im Antiquariats- und Antiquitätenhandel entstand.
War Buntpapier bisher ein Arbeitsmaterial des Buchbinders, der seine Nutzen für Einbanddecken, Sammelmappen, Schachteln etc. nach Bedarf aus den Buntpapierbogen herausschneiden konnte, entstand jetzt immer mehr das Verständnis, dass künstlerisch gestaltete Buntpapiere eigenständige Werke sind, die entsprechend vermarktet und gesammelt werden. Wesentliche Impulse kamen dabei von amerikanischen Künstlern wie Christopher Weiman oder Ebru-Experten wie Nedim Sönmez und Hikmet Barutçugil. „Vom schmückenden Papier zum Bild“ lautet eine treffende Formulierung im Hinblick auf den jetzt erreichten Status.