

Das Kloster Neusatzeck ist ein im 19. Jahrhundert gegründetes Dominikanerinnenkloster und gehört zur Stadt Bühl in Baden-Württemberg. Es ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz und im Baden-Badener Denkmalverzeichnis eingetragen. Es befindet sich südlich des Ortes an der Schwarzwaldstraße im Josef-Bäder-Weg 2, 4 in Bühl, eingerahmt von Wiesen und Wald oberhalb Fischerberg.
Die Vierflügelanlage wird hauptsächlich durch die Klosterkirche St. Anna geprägt. Der stattliche Sandsteinbau besteht aus einer Hallenkirche mit Dachreiter auf dem Satteldach, hat eine Gliederung durch Rundbogenfriese an den Traufen und einen eingezogenen, niedrigeren Chor im 5/8-Schluss. Die zwei zwei- bzw. zweieinhalbgeschossigen Seitenflügel aus dem Jahr 1864/65 sind verputzte Massivbauten mit Walmdächern und Sandsteingliederung. Sie sind mit der Kirche durch eine zweigeschossige Arkadengalerie verbunden. Ein vierter Flügel entstand dreigeschossig mit Satteldach um 1900 als Kur- und Exerzitienhaus.
Pfarrer Joseph Bäder wollte in der Um- und Aufbruchzeit der beginnenden Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine neuartige Form eines Frauenklosters gründen, in dem die ständige eucharistische Anbetung Gottes und eine Arbeit in Landwirtschaft und Industrie durch zeitgemäße sowie caritative Tätigkeiten in Familien miteinander verbunden sein sollten. Unter Bischof Hermann von Vicari bildeten sich die klösterlichen Gemeinschaften Trettendorf, Egg (Neusatzeck), Gurtweil und Lindenberg. Einige junge Frauen kauften 1855 das landwirtschaftliche Anwesen Eckhof in Neusatzeck, um dort ein gemeinschaftliches, klösterliches Leben zu führen. Sie gründeten hier ein Waisenhaus, später eine Schule zur Fortbildung für Mädchen und schließlich das erste Glaubenskurs- bzw. Exerzitienhaus in der Erzdiözese Freiburg. Als erstes Gebäude dieses Komplexes entstand die Klosterkirche St. Agnes 1859 nach Plänen des Bühler Werkmeisters Ludwig Laumont im Auftrag des Pfarrers Josef Bäder, der den Bau auch selber finanzierte und nach seinem Tod auch in der Kirche begraben wurde. 1864/65 wurde die Anlage durch den Anbau von zwei Seitenflügeln an die Kirche wesentlich erweitert. Der Nordflügel war für die Wohnung des Geistlichen (Benefiziaten) bestimmt, der Südflügel als Schwesternhaus. Diese Baumaßnahme wurde gegen den Willen der Gemeinde Neusatz durchgeführt, aber mit Genehmigung des Bezirksamtes Bühl. Die zweieinhalbgeschossigen Flügel sind jeweils durch eine zweigeschossige Arkadengalerie mit der Kirche verbunden. So wurde der gesamte Komplex von Kirche, Kloster und Pfarrhaus zu einer Dreiflügelanlage im neoromanischen Stil gestaltet. Um 1900 wurde die Dreiflügelanlage durch einen vierten Flügel, der als Kur- und Exerzitienhaus diente, zum Rechteck geschlossen. Doch erst 1917 gelang es der geistlichen Gemeinschaft der Frauen, zu einer Ordensgemeinschaft des Dominikanerordens erhoben zu werden: zu den Schwestern vom III. Orden des hl. Dominikus in der Erzdiözese Freiburg. In Neusatzeck betrieben die Schwestern neben dem Kur- und Exerzitienhaus auch ein Altenheim und eine Arbeitsschule, die sich zur Dienstbotenschule und nach dem Zweiten Weltkrieg zur Haushaltungsschule, schließlich zur hauswirtschaftlichen Sonderberufsfachschule für behinderte Mädchen entwickelte.
Während zeitweise bis zu 230 Frauen der Gemeinschaft angehörten, ging ihre Zahl schließlich stark zurück. Mangels Nachwuchs wurde das Kloster 2021 aufgegeben, und die verbliebenen 16 Dominikanerinnen zogen in das Benediktinerkloster St. Lioba in Freiburg. Die Schwestern leisteten mit ihrer Bildungsarbeit und ihren Schulen Pionierarbeit in der Mädchen- und Frauenbildung. Damit hat Kloster Neusatzeck hohe Bedeutung für die jüngere katholische Bildungsgeschichte sowie die Orts- und Regionalgeschichte.
Koordinaten: 48° 39′ 51,6″ N, 8° 10′ 26,1″ O