Radmelden

Radmelden

Bassia indica

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Camphorosmoideae
Tribus: Camphorosmeae
Gattung: Radmelden
Wissenschaftlicher Name
Bassia
All.

Die Radmelden (Bassia), teilweise auch Dornmelden genannt, sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Camphorosmoideae innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Die etwa 20 Arten sind ursprünglich vom westlichen Mittelmeerraum bis nach Ostasien beheimatet.

Beschreibung

Illustration der Sand-Radmelde (Bassia laniflora)
Stängel und Laubblätter Halbstrauch-Radmelde (Bassia prostrata)
Früchte der Sand-Radmelde (Bassia laniflora)

Vegetative Merkmale

Die Radmelden wachsen als einjährige krautige Pflanzen oder ausdauernde Halbsträucher mit aufsteigenden oder aufrechten Stängeln. Häufig sind die Pflanzenteile behaart, seltener kahl.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind mehr oder weniger sitzend. Die einfachen Blattspreiten können einen flachen oder halbstielrunden Querschnitt besitzen und sie sind sehr variabel geformt sowie ganzrandig.

Blütenstände und Blüten

Die Blüten sitzen in ährenartigen Blütenständen einzeln oder zu mehreren in der Achsel der Tragblätter. Vorblätter (Brakteolen) fehlen.

Die unscheinbaren, oft fast kugelförmigen Blüten sind meist zwittrig, gelegentlich kommen auch rein weibliche Blüten vor. Die Blütenhülle besteht aus fünf (selten vier) häutigen, oft behaarten Tepalen, die in der unteren Hälfte miteinander verbundenen sind und deren obere Zipfel zusammenneigen. Es sind fünf (selten vier) Staubblätter vorhanden, deren längliche Staubbeutel aus der Blüte herausragen. Der eiförmige Fruchtknoten trägt oben einen sehr kurzen Griffel mit zwei fadenförmigen papillösen Narben.

Früchte und Samen

Zur Fruchtzeit entwickeln die Blütenhüllblätter auf dem Rücken meist flügelartige oder hornförmige bis dornförmige Anhängsel. Auf die Gestalt dieser Anhängsel bezieht sich der deutsche Gattungsname Radmelden (beziehungsweise Dornmelden). Wenige Arten bilden keine Anhängsel. Die Frucht ist flach kugelig mit häutiger Fruchtwand. Sie enthält einen horizontalen (gelegentlich auch vertikalen) Samen mit häutiger, kahler Samenschale. Der ringförmige oder hufeisenförmige Embryo umgibt das Nährgewebe.

Chromosomensätze

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt meist Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 18 vor.

Physiologie

Photosyntheseweg

Die Radmelden sind C4-Pflanzen mit unterschiedlichen „Kochioiden“-Typen der Blattanatomie.

Vorkommen und Evolution

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung Radmelden (Bassia) reicht vom westlichen Mittelmeerraum bis nach Ostasien. Einige einjährige Arten sind auch in andere Kontinente eingeführt worden, beispielsweise nach Nordeuropa, Nordamerika und Süd-Indien. In Deutschland kommen zwei Arten vor, die Besen-Radmelde und die Sand-Radmelde. In Österreich tritt zusätzlich zu den zwei für Deutschland genannten Arten die Halbstrauch-Radmelde auf.

Die Radmelden-Arten besiedeln trockene Steppen und Halbwüsten, einige Arten wachsen auf Ruderalflächen oder auf salzigen Böden. Sie gedeihen vom Tiefland bis in subalpine Höhenstufen.

Nach phylogenetischen Untersuchungen von Kadereit und Freitag 2011 ist die Gattung Bassia im Miozän entstanden.

Nutzung

Mehrere Radmelden-Arten sind wertvolle Futterpflanzen mit hohem Proteingehalt. In Asien wird die Besen-Radmelde (Bassia scoparia) auch zur menschlichen Ernährung verwendet. Außerdem kann sie zur Phytosanierung überweideter oder mit Schadstoffen verunreinigter Böden eingesetzt werden.

Einige einjährige Bassia-Arten sind stellenweise zum „Unkraut“ in der Landwirtschaft geworden.

Bassia eriophora
Habitus von Bassia hyssopifolia
Habitus von Bassia muricata
Besen-Radmelde (Bassia scoparia)
Bassia tomentosa

Systematik

Die Erstveröffentlichung der Gattung Bassia erfolgte 1766 durch Carlo Allioni unter dem Namen Bassia aegyptiaca in Mélanges de Philosophie et de Mathématique de la Société Royale de Turin, 3, S. 177, Tafel 4. Typusart ist Bassia muricata L. Der Gattungsname Bassia ehrt den italienischen Naturforscher Ferdinando Bassi (1710–1774). Ihm zu Ehren wurde 1771 noch eine zweite Gattung benannt, Bassia K.D.König ex L. (veröffentlicht in Carl von Linné: Mantissa Plantarum, 2, 1771, S. 555, 563) aus der Familie der Sapotaceae; damit es diesen Gattungsnamen nicht zweimal gab, wurde die später beschriebene Sapotaceae-Gattung in Illipe J.Koenig ex Gras umbenannt.

Synonyme von Bassia All. sind Kochia Roth, Willemetia Maerklin, Echinopsilon (Moq.) Hook. f., Chenoleioides (Ulbr.) Botsch., Kirilowia Bunge, Londesia Fisch. & C.A.Mey. sowie Panderia Fisch. & C.A.Mey.

Die Gattung Bassia zählt zur Bassia/Camphorosma-Clade in der Tribus Camphorosmeae innerhalb der Unterfamilie Camphorosmoideae der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Früher gehörte sie zu den Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae), diese sind inzwischen in den Fuchsschwanzgewächsen enthalten.

Die Gattung Bassia umfasst etwa 20 Arten:

Mehrere Arten, die früher zu Bassia beziehungsweise Kochia gehörten, werden als eigene Gattungen aufgefasst, siehe im Hauptartikel Camphorosmeae.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Gudrun Kadereit, Helmut Freitag: Molecular phylogeny of Camphorosmeae (Camphorosmoideae, Chenopodiaceae): Implications for biogeography, evolution of C4-photosynthesis and taxonomy. In: Taxon, Volume 60, Issue 1, 2011, S. 51–78.
  2. ↑ Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5, doi:10.3372/epolist2018.
  3. ↑ Gelin Zhu, Sergei L. Mosyakin, Steven E. Clemants: Chenopodiaceae Ventenat. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 5: Ulmaceae through Basellaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2003, ISBN 1-930723-27-X. Bassia Allion. S. 386–387 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
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Wikispecies: Bassia – Artenverzeichnis