| Kochs-Graben | |
|---|---|
| Lage | Unterharz, Sachsen-Anhalt |
| Länge | 9,5 km |
| Erbaut | Mitte der 1720er Jahre – 1736, 1745 |
| Beginn | obere Lude |
| Ende | Ludenrösche (oberhalb Möllerteich) |
| Herausragende Bauwerke | Rösche Heißes Land, Ludenrösche |
| Funktion: Sammelgraben, Zuführgraben | |
Der Kochs-Graben (eigentlich Langen-Luden-Breitensteiner Graben), auch Ludengraben oder Rieschengraben, ist ein Kunstgraben im Unterharz und das ursprüngliche Herzstück des Silberhütter Kunstgrabens.
Das Wasser im Straßberger Revier erwies sich, trotz ausgeklügelter Trassierung und des Baus von zehn neuen Teichen, als nicht ausreichend für die aufwendige Wasserhaltung. Daher wollte Christian Zacharias Koch Wasser aus dem Flusssystem der Thyra heranführen. Dafür wurde der Ludengraben errichtet. Da die 1724 erbetene Genehmigung zum Bau zunächst nicht erteilt wurde, erfolgte der Bau ohne gräfliche Genehmigung. Bis 1736 war der Graben, der den Oberlauf der Lude und die schmale Lude anschnitt, fertiggestellt. Mit der Erteilung der gräflichen Genehmigung konnte 1745 der Graben seinen Betrieb aufnehmen.
Der oberste und westlichste Hauptzuleitungsstrang des Gesamtsystems (historisch als Langer-Luden-Breitensteiner Graben geführt) bildete das energetische und administrative Einlauf-Herzstück des gesamten Wasserregals. Um dieses Teilstück gegen den erbitterten Widerstand der Stolberger Forstbehörden und Bürger durchzusetzen, führte Bergdirektor Christian Zacharias Koch ab Mitte der 1720er Jahre einen langjährigen Rechtsstreit, da durch den Graben das Aufschlagwasser aus dem stolbergischen Kernland über die natürliche Wasserscheide nach Osten abgeleitet wurde. Der exakte, markscheiderisch und geländetechnisch nachweisbare Verlauf dieses ersten obertägigen Abschnitts gestaltete sich in Fließrichtung wie folgt:
Das dortige Wasser wurde über ein zweites, kleineres Abschlagbauwerk zu großen Teilen aufgenommen und mit der Fracht der großen Lude gebündelt, um die quantitative Mindestfracht des Grabens zu sichern.
Um das auf maximalem Höhenniveau herbeigebrachte Aufschlagwasser aus dem Quellgebiet der Lude durch den unwegsamen, steilen Felsriegel des Flurstücks „Heißes Land“ zu leiten, musste die Grabentrasse erstmals unter die Erde verlegt werden. Dieser extrem schwierige untertägige Abschnitt wurde unter der Leitung von Bergdirektor Koch in der ersten geheimen Bauphase des westlichen Reviers vorgetrieben und bereits im Jahr 1736 erfolgreich vollendet.
Der exakte Durchlauf des Wassers gestaltete sich im Gelände wie folgt:
Um das im oberen Quellgebiet der Lude gefasste Aufschlagwasser über die markante Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Thyra und Selke zu leiten, konzipierte Bergdirektor Koch eine untertägige Tunnelverbindung zum bestehenden Schindelbrücher Kunstgraben. Da die stolbergischen Behörden, die Forstbeamten und die Bürger von Stolberg das gräfliche Bergbauprojekt im eigenen Land blockierten und aus Angst um die eigene Haus- und Brauchwasserversorgung an Lude und Thyra die Genehmigung verweigerten, begann Koch den Vortrieb im Jahr 1726 als unautorisierten „Schwarzbau“.
Während das obertägige Grabensystem bis zum Jahr 1736 weitgehend fertiggestellt war, sabotierte die sture stolbergische Lokalverwaltung durch andauernde interne Rechtsstreitigkeiten und Bauverbote fast zwei Jahrzehnte lang den finalen Zusammenschluss der Wasserleitungen. Erst im Jahr 1745 konnte die Ludenrösche gegen die innerstädtischen Widerstände bergmännisch aufgefahren und das Gesamtprojekt vollendet werden.
Der hydrotechnische Durchlauf gestaltete sich fortan wie folgt:
Der exakte historische Verlauf und die ingenieurtechnische Komplexität des Kochs-Grabens (historisch als Langer-Luden-Breitensteiner Graben bezeichnet) sind durch die zeitgenössische Dokumentation von 1810 detailliert überliefert. Das System war so konzipiert, dass es das im Einzugsgebiet von Breitenstein gesammelte Aufschlagwasser über kilometerlange Kunstgräben am Hang entlang-führte und nacheinander gezielt an die verschiedenen Radstuben der Hauptgruben im Tal leitete.
Der wesentliche wasserwirtschaftliche Durchbruch dieser Anlage bestand darin, dass Koch sämtliche bis dahin isolierten Stauteiche des Straßberger Reviers direkt an den Hauptstrang dieses Grabens anschloss. Dadurch entstand ein hochflexibles, geschlossenes Verbundsystem, welches es erlaubte, das zugeführte Kunstwasser je nach betrieblichem Bedarf in die unterschiedlichen Teiche einzuleiten, diese synchron aufzufüllen oder das Wasser zur Energiegewinnung gezielt abzurufen.
Die heutige Bezeichnung „Kochs-Graben“ für den Langen-Luden-Breitensteiner Graben geht direkt auf einen offiziellen Benennungsvorschlag Keßlers zurück, womit der Erbauer Christian Zacharias Koch geehrt wurde.