Faltung (Mathematik)

Faltung der Rechteckfunktion mit sich selbst ergibt die Dreiecksfunktion.

Die Faltung, auch Konvolution (von lateinisch convolvere „zusammenrollen“), beschreibt im mathematischen Teilgebiet der Analysis einen Operator, der für zwei Funktionen f und g eine dritte Funktion f∗g liefert.

Eine anschauliche Deutung der eindimensionalen Faltung ist die Gewichtung einer von der Zeit abhängigen Funktion mit einer anderen. Der Funktionswert der Gewichtsfunktion f an einer Stelle τ gibt an, wie stark der um τ zurückliegende Wert der gewichteten Funktion, also g(t−τ), in den Wert der Ergebnisfunktion zum Zeitpunkt t eingeht. Die resultierende Überlagerung kann zum Beispiel verwendet werden, um einen gleitenden Durchschnitt zu bilden.

Die Faltung ist ein geeignetes Modell zur Beschreibung zahlreicher physikalischer Vorgänge. Die Kreuzkorrelationsfunktion ist identisch mit der komplex konjugierten Faltung f(−τ)‾. Insbesondere im Fachgebiet Maschinelles Lernen, in dem man mit Convolutional Neural Networks arbeitet, wird aufgrund dieser Identität meistens die Kreuzkorrelation verwendet, diese aber als Faltung bezeichnet, weil sie leichter zu implementieren ist.

Definition

Faltung für Funktionen auf Rn

Die Faltung f∗g zweier Funktionen f,g:ℝn→ℂ ist definiert durch

(f∗g)(x):=∫ℝnf(τ)g(x−τ)dτ.

Um die Definition möglichst allgemein zu halten, schränkt man den Raum der zulässigen Funktionen zunächst nicht ein und fordert stattdessen, dass das Integral für fast alle Werte von x wohldefiniert ist. Eine äquivalente Definition ergibt sich durch die Kommutativität der Faltung.

Im Fall f,g∈ℒ1(ℝn), also für zwei integrierbare Funktionen (insbesondere bedeutet das, dass das uneigentliche Betragsintegral endlich ist), kann man zeigen, dass diese Voraussetzung immer erfüllt ist, siehe Satz von Fubini.

Faltung periodischer Funktionen

Für periodische Funktionen f und g einer reellen Variablen mit Periode T>0 definiert man die Faltung als

(f∗g)(t)=1T∫aa+Tf(τ)g(t−τ)dτ,

wobei sich die Integration über ein beliebiges Intervall mit Periodenlänge T erstreckt. Es ist f∗g wiederum eine periodische Funktion mit Periode T.

Faltung für Funktionen auf Intervallen

Im Fall eines beschränkten Definitionsbereichs 𝔻 setzt man f und g auf den gesamten Raum fort, um die Faltung ausführen zu können. Hierzu gibt es je nach Anwendung mehrere Ansätze.

Fortsetzung durch Null
Man setzt die Funktionen per Definition außerhalb des Definitionsbereiches durch die Nullfunktion fort: f|ℝn∖𝔻≡0.
Periodische Fortsetzung
Man setzt die Funktionen außerhalb des Definitionsbereiches periodisch fort und verwendet die für periodische Funktionen definierte Faltung.

Im Allgemeinen ist die Faltung für derart fortgesetzte Funktionen nicht mehr wohldefiniert. Eine oft auftretende Ausnahme bilden stetige Funktionen mit kompaktem Träger f∈Cc(𝔻)∩ℒ1(𝔻), die durch Null zu einer integrierbaren Funktion in ℒ1(ℝn) fortsetzbar sind.

Glättungskern

Faltung mit der Gauß-Funktion.

Eine Methode, eine Funktion f zu „glätten“, besteht darin, sie mit einem so genannten Glättungskern j zu falten. Die entstehende Funktion F=j∗f ist glatt, also unendlich oft stetig differenzierbar, ihr Träger ist nur etwas größer als der von f und die Abweichung in der L1-Norm lässt sich durch eine vorgegebene positive Konstante beschränken. Ein d-dimensionaler Glättungskern oder Mollifier ist eine unendlich oft stetig differenzierbare Funktion j:ℝd→ℝ, die nichtnegativ ist, ihren Träger in der abgeschlossenen Einheitskugel B(0,1) hat und das Integral den Wert 1 besitzt (sonst betrachte stattdessen die Funktion (∫ℝdj(x)dx)−1⋅j).

Die Faltung mit einem Glättungskern kann dabei als ein linearer Operator aufgefasst werden, dessen Schwartz-Kern durch K(x,y)=j(x−y) gegeben ist. Dieser Operator ist ein Beispiel für einen glättenden Operator, da er lokal integrierbare Funktionen (und allgemeiner Distributionen (siehe unten)) auf glatte Funktionen abbildet.

Ein Beispiel ist der Glättungskern

j(x)={c⋅exp⁡(−11−|x|2),|x|<10sonst,

wobei c=[∫B(0,1)exp⁡(−11−|x|2)dx]−1<∞ eine Normierungskonstante ist, also so gewählt wird, dass das Integral von j 1 ergibt.

Aus dieser Funktion kann man weitere Glättungskerne bilden, indem man für e∈(0,1] setzt:

je(x)=1ed⋅j(xe);

damit gilt je(x)=0 für |x|>e.

Die sich ergebenden Glättungskerne für e=1 und e=12 sind im Folgenden dargestellt:

Glättungskerne j und j½
Glättungskerne j und j½

Eigenschaften

Beispiele

Rechteckfunktion

Sei

f:ℝ→ℝ,x↦{1−1≤x≤20sonst.

Durch Faltung von f (rot dargestellt) mit dem Glättungskern j1/2 entsteht eine glatte Funktion F=f∗j1/2 (blau dargestellt) mit kompaktem Träger, die von f in der L1-Norm um etwa 0,4 abweicht, d. h.

∫ℝ|F(t)−f(t)|dt<0,4.

Glaettung durch Faltung

Bei der Faltung mit je für e kleiner 1/2 erhält man glatte Funktionen, die in der Integralnorm noch dichter bei f liegen.

Normalverteilung

Wird eine Normalverteilung mit dem Mittelwert μ1 und der Standardabweichung σ1 gefaltet mit einer zweiten Normalverteilung mit den Parametern μ2 und σ2, so ergibt sich wieder eine Normalverteilung mit dem Mittelwert μ=μ1+μ2 und der Standardabweichung σ=σ12+σ22.

Beweis
∫−∞∞12πσ1e−(𝝃−μ1)22σ12⋅12πσ2e−(x−𝝃−μ2)22σ22d𝝃 =12πσ1σ2∫−∞∞e−𝝃2+μ12−2𝝃μ12σ12−𝝃2+(x−μ2)2−2𝝃(x−μ2)2σ22d𝝃

=12πσ1σ2e−μ122σ12−(x−μ2)22σ22∫−∞∞e−𝝃2σ22−2𝝃μ1σ22+𝝃2σ12−2𝝃(x−μ2)σ122σ12σ22d𝝃=12πσ1σ2e−μ12σ22+(x−μ2)2σ122σ12σ22∫−∞∞e−σ12+σ222σ12σ22[(𝝃−μ1σ22+(x−μ2)σ12σ12+σ22)2−(μ1σ22+(x−μ2)σ12σ12+σ22)2]d𝝃=12πσ1σ2e−μ12σ22+(x−μ2)2σ12−(μ1σ22+(x−μ2)σ12)2σ12+σ222σ12σ22∫−∞∞e−(𝝃−μ1σ22+(x−μ2)σ12σ12+σ22)22σ12σ22σ12+σ22d𝝃=12πσ1σ2e−μ12σ24+μ12σ12σ22+(x−μ2)2σ14+(x−μ2)2σ12σ22−(μ12σ24+(x−μ2)2σ14+2μ1σ22(x−μ2)σ12)2σ12σ22(σ12+σ22)2πσ1σ2σ12+σ22=12πσ12+σ22e−μ12+(x−μ2)2−2μ1(x−μ2)2(σ12+σ22)

=12πσ12+σ22e−[x−(μ1+μ2)]22σ12+σ222__

Damit lässt sich die Gaußsche Fehleraddition (Fehlerfortplanzungsgesetz) begründen: Gegeben seien zwei Stäbe mit fehlerbehafteten Längen L1=(1±0,03)m und L2=(2±0,04)m. Will man nun wissen, wie lang der zusammengesetzte Stab ist, dann kann man die beiden Stäbe als zufallsverteiltes Ensemble betrachten. Das heißt, die Messungen von Stab 1 und Stab 2 unterliegen jeweils einer Streuung, welche der Normalverteilung folgt. Es kann z. B. sein, dass Stab 1 in Wirklichkeit 1,01m lang ist. Dieses Ereignis tritt mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auf, die man aus dem Streumaß der Normalverteilung σ1=0,03m um den Mittelwert μ1=1m ablesen kann. Für dieses Ereignis ist dann die Gesamtlänge der beiden Stäbe normalverteilt, und zwar mit der Normalverteilung des 2. Stabes multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit, dass der 1. Stab 1,01m lang ist. Geht man dies für alle Stablängen für Stab 1 durch und addiert die Verteilungen des zusammengesetzten Stabes, dann entspricht dies der im Beweis angegebenen Integration, welche äquivalent zu einer Faltung ist. Der zusammengesetzte Stab ist also auch normalverteilt und L3=μ1+μ2±σ12+σ22=1+2±0,032+0,042=(3±0,05)m lang.

Eigenschaften der Faltung

Algebraische Eigenschaften

Die Faltung von L1(ℝn)-Funktionen erfüllt zusammen mit der Addition fast alle Axiome eines kommutativen Rings mit Ausnahme dessen, dass diese Struktur kein neutrales Element besitzt. Man spricht scherzhaft auch von einem „Rng“, weil das i für "Identität" fehlt. Im Detail gelten also die folgenden Eigenschaften:

f∗g=g∗f
f∗(g∗h)=(f∗g)∗h
f∗(g+h)=(f∗g)+(f∗h)
  • Assoziativität mit der skalaren Multiplikation
a(f∗g)=(af)∗g=f∗(ag)
Wobei a eine beliebige komplexe Zahl ist.

Young’sche Ungleichung

Sei 1≤p≤∞. Ist f∈L1(ℝn) und g∈Lp(ℝn), so existiert die Faltung (f∗g)(x) für fast alle x∈ℝn (im Fall p=∞ sogar für alle x). Ferner gilt dann f∗g∈Lp(ℝn) und

‖f∗g‖Lp≤‖f‖L1‖g‖Lp.

Dies ist die Young'sche Ungleichung.

Aus der Hölder’schen Ungleichung folgt die verallgemeinerte Young’sche Ungleichung

‖f∗g‖Lr≤‖f‖Lp‖g‖Lq

für 1p+1q=1+1r und p,q,r≥1.

Ableitungsregel

D(f∗g)=(Df)∗g=f∗Dg

Dabei ist Df die distributionelle Ableitung von f. Falls f (total) differenzierbar ist, so stimmen distributionelle Ableitung und (totale) Ableitung überein. Zwei interessante Beispiele dazu sind:

  • D(f∗δ)(x)=(f∗Dδ)(x)=Df(x), wobei Dδ die Ableitung der Delta-Distribution ist. Die Ableitung lässt sich also als Faltungsoperator auffassen.
  • (f∗Θ)(x)=∫−∞xf(t)dt, wobei Θ die Sprungfunktion ist, ergibt eine Stammfunktion für f.

Integration

Sind f und g integrierbare Funktionen, so gilt

∫ℝn(f∗g)(x)dx=(∫ℝnf(x)dx)(∫ℝng(x)dx).

Dies ist eine einfache Folgerung aus dem Satz von Fubini.

Faltungstheorem

Nach Fourier-Transformation

ℱ(f)(t)=1(2π)n2∫ℝnf(x)e−it⋅xdx,f∈L1(ℝn)

stellt sich die Faltung zweier Funktionen als Produkt der einzelnen Fouriertransformierten dar:

ℱ(f∗g)=(2π)n2ℱ(f)⋅ℱ(g),f,g∈L1(ℝn)

Ein ähnliches Theorem gilt auch für die Laplacetransformation. Die Umkehrung des Faltungssatzes besagt:

ℱ(f)∗ℱ(g)=(2π)n2ℱ(f⋅g)

Dabei ist ⋅ das punktweise Produkt der beiden Funktionen, f=g⋅h ist also gleichbedeutend mit f(x)=g(x)⋅h(x) an jeder Stelle x.

Spiegelungsoperator

Es sei S der Spiegelungsoperator mit Sf(t)=f(−t) für alle t, dann gilt:

  • (Sf∗g)(t)=∫ℝnf(−τ)g(t−τ)dτ=∫ℝnf(τ)g(τ+t)dτ=S(f∗Sg)(t) und
  • (Sf∗Sg)(t)=∫ℝnf(−τ)g(−t+τ)dτ=S(f∗g)(t).

Faltung dualer Lp-Funktionen ist stetig

Sei f∈Lp(ℝn) und g∈Lq(ℝn) mit 1≤p,q≤∞ und 1p+1q=1. Dann ist die Faltung f∗g eine beschränkte stetige Funktion auf ℝn. Ist p≠∞≠q, so verschwindet die Faltung im Unendlichen, ist also eine C0-Funktion. Diese Aussage ist ebenfalls richtig, wenn f eine reelle Hardy-Funktion ist und g in BMO liegt.

Faltung als Integraloperator

Sei h∈L2([0,2π]), dann kann man die Faltung auch als Integraloperator mit dem Integralkern h auffassen. Das heißt, man kann die Faltung als Operator Th:L2([0,2π])→L2([0,2π]) definiert durch

Thf(s):=12π∫[0,2π]f(t)h(s−t)dt

auffassen. Dies ist ein linearer und kompakter Operator, der außerdem normal ist. Sein adjungierter Operator ist gegeben durch

Th∗f(s)=12π∫[0,2π]f(t)h(t−s)‾dt.

Außerdem ist Th ein Hilbert-Schmidt-Operator.

Diskrete Faltung

In der digitalen Signalverarbeitung und der digitalen Bildverarbeitung hat man es meist mit diskreten Funktionen zu tun, die miteinander gefaltet werden sollen. In diesem Fall tritt an die Stelle des Integrals eine Summe und man spricht von der zeitdiskreten Faltung.

Definition

Seien f,g:D→ℂ Funktionen mit dem diskreten Definitionsbereich D⊆ℤ. Dann ist die diskrete Faltung definiert durch

(f∗g)(n)=∑k∈Df(k)g(n−k).

Der Summationsbereich ist der gesamte Definitionsbereich D beider Funktionen. Im Fall eines beschränkten Definitionsbereichs werden f und g meist durch Nullen fortgesetzt.

Ist der Definitionsbereich endlich, so können die beiden Funktionen auch als Vektoren f→∈ℂnf, respektive g→∈ℂng verstanden werden. Die Faltung ist dann gegeben als Matrix-Vektor-Produkt:

(f∗g)(n)=𝐆f→

mit der Toeplitz-Matrix

𝐆=[g[0]00⋯0g[1]g[0]0⋯0g[2]g[1]g[0]⋯0⋮⋮⋮⋱⋮g[ng−1]g[ng−2]g[ng−3]⋯g[0]0g[ng−1]g[ng−2]⋯g[1]00g[ng−1]⋯g[2]⋮⋮⋮⋱⋮000⋯g[ng−1]]

mit 𝐆∈ℂm×nf und m=nf+ng−1.

Wenn man die Spalten von 𝐆 unter und über den Elementen von g→ periodisch fortsetzt, statt mit Nullen zu ergänzen, wird 𝐆 zu einer zyklischen Matrix, und man erhält die zyklische Faltung.

Anwendungen

Das Produkt zweier Polynome f und g ist zum Beispiel die diskrete Faltung ihrer mit Nullen fortgesetzten Koeffizientenfolgen. Die dabei auftretenden unendlichen Reihen haben stets nur endlich viele Summanden, die ungleich Null sind. Analog definiert man das Produkt zweier formaler Laurentreihen mit endlichem Hauptteil.

Ein in Bezug auf die Rechenleistung effizienter Algorithmus für die Berechnung der diskreten Faltung ist die Schnelle Faltung, die sich ihrerseits auf die Schnelle Fourier-Transformation (FFT) zur effizienten Berechnung der diskreten Fourier-Transformation stützt.

Distributionen

Die Faltung wurde von Laurent Schwartz, der als Begründer der Distributionentheorie gilt, auf Distributionen erweitert.

Faltung mit einer Funktion

Eine Verallgemeinerung ist die Faltung einer Distribution T mit einer Funktion φ∈Cc∞(ℝn). Diese ist definiert durch

(T∗φ)(x):=T(τxφ)=T(φ(x−⋅)),

wobei τx ein Translations- und Spiegelungsoperator ist, welcher durch τxϕ(y)=ϕ(x−y) definiert ist.

Faltung zweier Distributionen

Seien u1 und u2 zwei Distributionen, wobei eine einen kompakten Träger habe. Dann ist für alle φ∈Cc∞(ℝn) die Faltung zwischen diesen Distributionen definiert durch

(u1∗u2)∗φ=u1∗(u2∗φ).

Eine weitergehende Aussage stellt sicher, dass es eine eindeutige Distribution u∈𝒟′ gibt mit

u1∗(u2∗φ)=u∗φ

für alle φ∈Cc∞(ℝn).

Algebraische Eigenschaften

Seien u1, u2 und u3 Distributionen, dann gilt

u1∗u2=u2∗u1
u1∗(u2+u3)=(u1∗u2)+(u1∗u3)
  • Assoziativität mit der skalaren Multiplikation
a(u1∗u2)=(au1)∗u2=u1∗(au2)
Wobei a eine beliebige komplexe Zahl ist.

Faltungstheorem

Mit ℱ werde die (unitäre) Fourier-Transformation von Distributionen bezeichnet. Sei nun u1∈S′(ℝn) eine temperierte Distribution und u2∈ℰ′(ℝn) eine Distribution mit kompaktem Träger. Dann ist u1∗u2∈S′(ℝn) und es gilt

ℱ(u1∗u2)=(2π)n2ℱ(u1)⋅ℱ(u2).

Topologische Gruppen

Faltung auf topologischen Gruppen

Die beiden Faltungsbegriffe können gemeinsam beschrieben und verallgemeinert werden durch einen allgemeinen Faltungsbegriff für komplexwertige m-integrierbare Funktionen auf einer geeigneten topologischen Gruppe G mit einem Maß m (z. B. einer lokalkompakten hausdorffschen topologischen Gruppe mit einem Haar-Maß):

(f∗g)(x)=∫Gf(t)g(xt−1)dm(t)

Dieser Faltungsbegriff spielt eine zentrale Rolle in der Darstellungstheorie dieser Gruppen, deren wichtigste Vertreter die Lie-Gruppen bilden. Die Algebra der integrierbaren Funktionen mit dem Faltungsprodukt ist für kompakte Gruppen das Analogon zum Gruppenring einer endlichen Gruppe. Weiterführende Themen sind:

Beispiel: Cauchy-Produkt

Sei G eine diskrete Gruppe zusammen mit dem Zählmaß, so wird die Faltung zu

(f∗g)(s)=∑t∈Gf(t)g(t−1s).

Im Spezialfall G=ℤ erhält man für Folgen (an), (bn) die Darstellung

(a∗b)n=∑k∈ℤakbn−k.

Gilt weiterhin an=bn=0 für n<0, dann folgen aus der Faltung auf ℤ die Koeffizienten des Cauchy-Produktes

(a∗b)n=∑k=0nakbn−k.

Da ℕ keine Gruppe ist, muss die Faltung zunächst auf ℤ betrachtet werden und die entsprechenden Folgeglieder als null gewählt werden.

Die Faltungsalgebra endlicher Gruppen

Für eine endliche Gruppe G mit g:=ord⁡(G) wird die Menge L1(G):={f:G→ℂ} mit der Addition und der skalaren Multiplikation ein ℂ-Vektorraum, isomorph zu ℂg. Mit der Faltung f∗h(s)=∑t∈Gf(t)h(t−1s) wird L1(G) dann zu einer Algebra, genannt die Faltungsalgebra.
Die Faltungsalgebra besitzt eine Basis indiziert mit den Gruppenelementen (δs)s∈G, worin

δs(t):={1,falls t=s0sonst.

Mit der Faltung gilt δs∗δt=δst.
Wir definieren eine Abbildung von L1(G) nach ℂ[G], indem wir für Basiselemente definieren δs↦es und linear fortsetzen. Diese Abbildung ist offensichtlich bijektiv. Man erkennt an obiger Gleichung für die Faltung zweier Basiselemente aus L1(G), dass die Multiplikation in L1(G) der in ℂ[G] entspricht. Damit sind die Faltungsalgebra und die Gruppenalgebra als Algebren isomorph.

Mit der Involution f∗(s)=f(s−1)‾ wird L1(G) zu einer ∗-Algebra. Es gilt δs∗=δs−1.
Eine Darstellung (π,Vπ) einer Gruppe G wird zu einem ∗-Algebrenhomomorphismus π:L1(G)→End(Vπ) durch π(δs)=π(s) fortgesetzt.
Da π als ∗-Algebrenhomomorphismus insbesondere multiplikativ ist, erhalten wir π(f∗h)=π(f)π(h). Falls π unitär ist, gilt außerdem π(f)∗=π(f∗). Die Definition einer unitären Darstellung findet sich im Kapitel Eigenschaften der Faltung. Dort wird auch gezeigt, dass wir eine lineare Darstellung ohne Einschränkung als unitär annehmen können.

Im Rahmen der Faltungsalgebra kann man auf Gruppen eine Fouriertransformation durchführen. In der Harmonischen Analyse wird gezeigt, dass diese Definition mit der Definition der Fouriertransformation auf ℝd konsistent ist.
Seien ρ:G→GL⁡(Vρ) eine Darstellung und f∈L1(G), dann definiert man die Fouriertransformierte f̂(ρ)∈End(Vρ) durch die Formel

f̂(ρ)=∑s∈Gf(s)ρ(s).

Dann gilt f∗g^(ρ)=f̂(ρ)⋅ĝ(ρ).

Anwendung

Literatur

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. 1 2 3 4 Adrian Hirn, Christian Weiß: Analysis – Grundlagen und Exkurse: Mehrdimensionale Integralrechnung und ihre Anwendungen. Springer-Verlag, 2018, ISBN 978-3-662-55536-1, S. 129 (google.de [abgerufen am 27. März 2026]).
  2. ↑ Ian Goodfellow, Yoshua Bengio und Aaron Courville: Deep Learning. Hrsg.: MIT Press. S. 329 (deeplearningbook.org).
  3. ↑ Allgemeiner kann auch f∈ℒp(ℝn) für ein p∈[1;∞] und g∈ℒ1(ℝn) vorausgesetzt werden. Vgl. Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis III. 1. Auflage. Birkhäuser-Verlag, Basel/Boston/Berlin 2001, ISBN 3-7643-6613-3, Abschnitt 7.1.
  4. 1 2 Adrian Hirn, Christian Weiß: Analysis – Grundlagen und Exkurse: Mehrdimensionale Integralrechnung und ihre Anwendungen. Springer-Verlag, 2018, ISBN 978-3-662-55536-1, S. 134 (google.de [abgerufen am 27. März 2026]).
  5. ↑ Beweis mittels Einsetzen der inversen Fouriertransformierten. Z. B. wie in Fouriertransformation für Fußgänger, Tilman Butz, Ausgabe 7, Springer DE, 2011, ISBN 978-3-8348-8295-0, S. 53, Google Books
  6. ↑ Weisstein, Eric W. "Cross-Correlation." From MathWorld--A Wolfram Web Resource. https://mathworld.wolfram.com/Cross-Correlation.html
  7. ↑ http://www.dt.e-technik.uni-dortmund.de/lehre/tgit/documents/tgit_folien2010.pdf (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  8. ↑ Dirk Werner: Funktionalanalysis. 6., korrigierte Auflage, Springer-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-540-72533-6, S. 447.
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