| Operndaten | |
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| Titel: | Kopernikus |
| Form: | „Opéra rituel de mort“ in zwei Akten |
| Originalsprache: | Französisch, Fantasiesprache |
| Musik: | Claude Vivier |
| Libretto: | Claude Vivier |
| Uraufführung: | 8. Mai 1980 |
| Ort der Uraufführung: | Théâtre du Monument National, Montreal |
| Spieldauer: | ca. 70 Minuten |
| Personen | |
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Kopernikus ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Opéra rituel de mort“) in zwei Akten für sieben Sänger, sieben oder acht Spieler und Tonband von Claude Vivier. Sie entstand in den Jahren 1978/1979 und wurde am 8. Mai 1980 von Studenten der Universität Montreal im Théâtre du Monument National in Montreal uraufgeführt.
Die Oper besitzt keine traditionelle fortlaufende Handlung. Sie besteht aus einer Abfolge von Szenen um ein nach dem griechischen Wort für „Reinheit“ und der hinduistischen Feuergöttin Agni benanntes Kind, dessen Seele nach seinem Tod mit Hilfe verschiedener Personen aus seinen Träumen geistig gereinigt wird. Agni begegnet im „Zwischenreich“ neben vielen anderen Gestalten auch dem Entdecker Nikolaus Kopernikus, dessen Namen die Oper trägt. Dadurch verliert sie letztlich die Furcht vor dem Leben nach dem Tod und kann ins Jenseits eingehen.
Der Komponist selbst beschrieb den Inhalt mit folgenden Worten:
„Die zentrale Figur ist Agni; um sie kreisen mythische Wesen (dargestellt von den sechs anderen Sängern) aus der Geschichte: Lewis Carroll, Merlin, eine Hexe, die Königin der Nacht, ein blinder Prophet, ein alter Mönch, Tristan und Isolde, Mozart, der Herr der Wasser, Kopernikus und seine Mutter. Diese Wesen sind vielleicht Agnis Träume, die sie begleiten bei ihrer Initiation und schließlich bei ihrer Entmaterialisierung.“
Louise Bail zufolge besitzt die Oper die folgende Struktur:
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„Prélude“ – Vorspiel
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I. „La Salution“ – Die Begrüßung
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II. „L’agrégation d’Agni“ – Die Vereinigung Agnis
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III. „La Méditation“ – Die Meditation
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I. „Préparation et l’Ultime èpreuve“ – Vorbereitung und der letzte Beweis
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II. „Les Étoiles“ – Die Sterne
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III. „La Sortie : vers la démáterialisation“ – Der Abgang: zur Entmaterialisierung
Das von Vivier selbst verfasste Libretto ist stark verrätselt und voller Anspielungen. Darin erinnert es an Alice im Wunderland von Lewis Carroll, der in der Oper auch zitiert und namentlich erwähnt wird. Die Textsprache ist hauptsächlich Französisch, aber auch Sätze in anderen europäischen Sprachen wie Deutsch kommen vor. Für das „Unaussprechliche“ verwendet Vivier eine unverständliche Fantasiesprache, die hauptsächlich auf der „tonalen Farbe“ basiert.
Vivier zufolge repräsentiert das Kind Agni ihn selbst bzw. das Unschuldige, das trotz seines wilden Lebensstils in ihm überlebt habe. Agni wird in der Oper nicht vor dem Tod selbst gerettet, sondern davor, in Furcht oder Einsamkeit mit unbeantworteten Fragen zu sterben. Es gibt hier keinen Zweifel an einem Leben nach dem Tod. Der Trost, den Agni erhält, verleiht dem Tod geradezu Schönheit.
Für die Instrumentalbesetzung und die rhythmischen Strukturen seiner Oper verwertete Vivier Kenntnisse, die er auf einer langen Reise durch Ostasien erworben hatte. Georg Rudiger beschrieb die verschiedenartigen Techniken in seiner Opernwelt-Rezension folgendermaßen: „Schwebende, tonale Klangflächen [treffen] auf glissandierende Solostimmen, kantable Phrasen auf kindliches Gebrabbel, impulsive Attacken auf meditative Nachklänge.“ Weitere Anklänge gibt es an die Musik Olivier Messiaens oder die frühbarocke Madrigaloper. Die Gesangspartien sind ebenso abwechslungsreich und wirken manchmal geradezu „verspielt“, wenn beispielsweise einer der Darsteller zum Vortrag eines anderen „respektlos“ pfeift. Die weder dissonante noch tonale Musiksprache Viviers wurde von seinem Lehrer Karlheinz Stockhausen gelobt. Der Schwerpunkt liegt auf Melodie und Tonfarbe. Es gibt lange melodische Linien ohne Verzierungen. Auf polyphone Strukturen verzichtet der Komponist weitgehend. Auch die Harmonie dient offenkundig nur der Farbgebung und nicht dem Erzeugen funktionsharmonischer Zusammenhänge.
Die Oper beginnt einem in französischer Sprache gesprochenen Zitat von Lewis Carroll:
“Surely your gladness need not be the less for the thought that you will, one day see a brighter dawn than this – when lovelier sights will meet your eyes than any waving trees or rippling waters – when angelhands shall undraw your curtains, and sweeter tones than ever loving Mother breathed shall wake you to a new and glorious day – and when all the sadness, and the sin, that darkened life on this little earth, shall be forgotten like the dreams of a night that is past!
Your affectionate friend,
Lewis Carroll”
„Sicher braucht Deine Freude nicht unter dem Gedanken zu schwinden, dass Du eines Tages einen hellere Morgenröte sehen wirst als diese – wenn lieblichere Aussichten Deine Augen treffen als winkende Zweige oder sich kräuselnde Wasser – wenn Engelshände Deine Vorhänge beiseite ziehen und lieblichere Töne als jemals eine liebende Mutter sprach Dich erwecken werden zu einem neuen und herrlichen Tag – und wenn alle Traurigkeit und die Sünde, die das Leben auf dieser kleinen Erde verdüsterten, vergessen sein werden wie die Träume einer Nacht, die vergangen ist!
Dein Dir zugeneigter Freund
Lewis Carroll“
Die klein besetzte Kammeroper benötigt die folgenden Instrumente:
Zusätzlich werden technische Komponenten und/oder Verstärker eingesetzt.
Claude Viviers Kopernikus entstand in den Jahren 1978/1979. Es handelt sich um ein Auftragswerk des Conseil des Arts du Canada und der Musikfakultät der Universität Montreal. Vivier widmete es „mon maître et ami Gilles Tremblay“ („meinem Lehrer und Freund Gilles Tremblay“).
Die Uraufführung fand am 8. Mai 1980 im Théâtre du Monument National in Montreal statt. Die Ausführenden waren Studenten der Universität Montreal unter der musikalischen Leitung von Lorraine Vaillancourt. Regie führte Pierre Godin, die Inszenierung stammte von Marthe Forget, die Dekorationen von Jacinthe Vézina und die Kostüme von Meredith Caron. Am nächsten Tag gab es eine Folgeaufführung. Vaillancourt führte das Werk auch 1986, 1988 und 1989 in Montreal und 1989 in Paris auf.
Seitdem wurde Kopernikus mehrfach gespielt: