Kopfpilz ist ein im Jahr 1986 erschienener Gedichtband des Publizisten und späteren deutschen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer. Das lange kaum bekannte Frühwerk rückte 2025 nach dem Fund eines Exemplars in einem öffentlichen Bücherschrank in München ins mediale Interesse. Seit Juni 2026 ist eine Digitalisierung des zuvor vergriffenen Bandes frei zugänglich.
Weimer veröffentlichte die Sammlung 1986 im Alter von 21 Jahren; sie trägt die Überschrift „Für mich“. Der Band enthält 42 Gedichte und erschien als Eigendruck. Auf dem roten Umschlag sind drei schreiende Figuren dargestellt, die mit dem Motiv von Edvard Munchs Gemälde Der Schrei verglichen wurden.
Die meist kurzen Gedichte behandeln Sexualität, Körperlichkeit, Gewalt, Tod und Alltagsbeobachtungen wie das Fahrradfahren. Charakteristisch sind drastische Körperbilder, Wortspiele und Wortneubildungen; zu den häufig besprochenen Texten gehören Unglück und Vorfreude. Mehrere Medien verglichen die derbe Bildsprache mit Texten von Till Lindemann und Rammstein. Janis El-Bira deutete den Band dagegen als „hyper-expressionistisch“ und sah stilistische Spuren von Gottfried Benn, Günter Eich und Rolf Dieter Brinkmann.
Der Literaturkritiker Knut Cordsen stellte ein Exemplar im Mai 2025 in sozialen Medien vor, verzichtete aber auf Zitate, nachdem Weimer ihm mitgeteilt hatte, die Gedichte seien nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Im November 2025 lasen Moritz Hürtgen und Dax Werner in ihrem Podcast Bohniger Wachmacher aus dem von Hürtgen nach eigener Aussage gefundenen Band vor. Kurz darauf griff Jan Böhmermann Kopfpilz im ZDF Magazin Royale auf; das zuständige Kulturressort erklärte auf Nachfragen, es kenne die Gedichte nicht und könne ihre Echtheit nicht beurteilen. Gerrit Bartels kritisierte die vorwiegend spöttische Aufnahme als unverhältnismäßig und ordnete die Texte als unappetitliche Jugendlyrik ohne größere literarische Qualität ein.
Im März 2026 befand sich Kopfpilz noch nicht unter den 20 Werken Weimers im Bestand der Deutschen Nationalbibliothek. Dies änderte sich, nachdem die Hacktivistin Martha Root der Bibliothek im Mai 2026 ein Exemplar übergab und eine Digitalisierung über das Internet Archive bereitstellte. Die Aktion war auch als Kritik an Weimers zunächst bekanntgewordener Entscheidung angelegt, den geplanten Erweiterungsbau der Nationalbibliothek in Leipzig zu stoppen. Root kündigte zudem die Versteigerung eines gedruckten Exemplars zugunsten der Initiative „Lesen hilft“ an.