Kostebrau

Kostebrau
Koordinaten: 51° 32′ N, 13° 50′ OKoordinaten: 51° 31′ 33″ N, 13° 49′ 35″ O
Höhe: 141 m
Fläche: 18,56 km²
Einwohner: 458 (31. Dez. 2024)
Bevölkerungsdichte: 25 Einwohner/km²
Eingemeindung: 6. Dezember 1993
Postleitzahl: 01979
Vorwahl: 03574
Ortsansicht im Oberdorf
Ortsansicht im Oberdorf

Kostebrau (obersorbisch Kósćerjow) ist ein Ortsteil der südbrandenburgischen Stadt Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Kostebrau. Er hat entsprechend der brandenburgischen Kommunalverfassung und der Hauptsatzung einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher. Im Zuge des Braunkohleabbaus wurden Teile Kostebraus devastiert.

Geographie

Kostebrau war umgeben von den Spitzen Bergen, den Dubrauschen Bergen und den Ochsenbergen. Der Ort besteht aus dem Oberdorf und im Tal dem Unterdorf. Im Osten schloss sich Friedrichsthal an, eine Siedlung, die sich um die Glashütte entwickelte.

Zu Kostebrau gehörten die durch den Braunkohletagebau devastierten Orte Römerkeller und Wischgrund.

Geschichte

Namensentwicklung

Der Name Kostebrau leitet sich vom sorbischen Wort für Trespe (niedersorbisch: kóstrjawa) beziehungsweise Trespenfeld ab.

Ortsgeschichte

Als Costebrau wurde der Ort 1421 erstmals urkundlich erwähnt. Er gehörte zum Amt Senftenberg. In der Zeit von 1440 bis 1474 war Kostebrau Teil der Herrschaft Mückenberg.

Im Jahr 1551 gab es in Kostebrau zwanzig Haushaltungen, davon zwei Müller in der angrenzenden wasserreichen Pommelheide. Im selben Jahr wurde der Gutshof in Kostebrau erstmals erwähnt. Der erste namentlich bekannte Besitzer war Thomas Bohdan.

Aufgrund des Holzreichtums sowie des reichlichen Glassandvorkommens vor allem bei Hohenbocka und Hosena genehmigte 1709 der sächsische Kurfürst Friedrich August I. einem böhmischen Hüttenbaumeister den Bau der Spiegelglashütte Friedrichsthal. Sie war die erste Glashütte in der Niederlausitz.

Anfang des 19. Jahrhunderts war Johann Christian Oestreich Besitzer des Gutshofes. Er ließ ein neues Gutsgebäude nach seinen eigenen Plänen errichten. Dabei handelte es sich um den ersten Backsteinbau mit Ziegeldach im Ort. Auf dem Gutshof wurde Landwirtschaft und Viehhaltung sowie Imkerei betrieben. Des Weiteren gehörten zum Gut ein Weinberg und eine Windmühle. Der Gutshof besaß Brannt- und Braurecht. Das Schankrecht wurde um das Jahr 1850 an einen Gastwirt im Ort übertragen.

Im Jahr 1896 wurde in Kostebrau die Braunkohlegrube Unser Fritz eröffnet. Bald darauf wurden eine Brikettfabrik mit drei Pressen und die Grube Alwine durch den Gutsbesitzer Alwin Oestreich eröffnet. Die Fabrik verfügte über eine Anschlussbahn an den Bahnhof Römerkeller und über die Nebenstrecke Sallgast-Lauchhammer an die Schipkau-Finsterwalder Eisenbahn. Zur Fabrik gehörte die gleichnamige Wohnsiedlung Unser Fritz. Um den Bahnhof Römerkeller entwickelte sich ab dem Jahr 1902 der gleichnamige Ortsteil.

Im Rahmen einer preußischen Reform wurde der Gutsbezirk 1928 in die Landgemeinde Kostebrau eingegliedert. Ab 22. Juni 1941 wurden in Kostebrau, in einem vom Sicherheitsdienst der NSDAP eingerichteten Internierungslager, ein großer Teil der bei der Erstürmung der sowjetischen Botschaft und der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin festgesetzten diplomatischen Mitarbeiter und das Personal der Handelsmission interniert. Von hier aus traten sie nach ca. einer Woche mit einem Sammeltransport die Fahrt zu dem Übergabeort an der türkisch-bulgarischen Grenze an.

Tagebau­folgelandschaft in Kostebrau

Durch das Fortschreiten des Tagebaus Klettwitz wurde die gesamte Umgebung überbaggert und Kostebrau wurde zu einer Tagebauinsel. Ebenfalls devastiert wurden die beiden Ortsteile Wischgrund und Römerkeller. Für die Überbaggerung von Römerkeller um das Jahr 1980 wurden nach amtlichen Angaben 29 Einwohner umgesiedelt. Von der Überbaggerung von Wischgrund 1983 waren 183 Menschen betroffen. Im Jahr 1974 wurde die Spiegelfabrik stillgelegt. Das ehemalige Inspektorenwohnhaus wurde 1979 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Am 6. Dezember 1993 wurde Kostebrau gemeinsam mit dem benachbarten Grünewalde nach Lauchhammer eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

Einwohnerentwicklung in Kostebrau von 1875 bis 1992
JahrEinwohner JahrEinwohner
1875 883 1890 1 047
1910 2 287 1925 2 349
1933 2 366 1939 2 050
1946 1 764 1950 1 756
1964 1 502 1971 1 348
1981952 1985773
1989712 1990701
1991658 1992657

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Commons: Kostebrau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Gemarkung GKostebrau, Stadt Lübbenau/Lauchhammer. In: GEOindex. Abgerufen im Oktober 2026.
  2. ↑ Gemeinde- und Ortsteilverzeichnis des Landes Brandenburg am 31. Dezember 2024 Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB), abgerufen im September 2026. (saved in Webarchiv)
  3. ↑ Filip Rězak: Deutsch-sorbisches enzyklopädisches Wörterbuch der Oberlausitzer sorbischen Sprache (Němsko-serbski wšowědny słownik hornjoserbskeje rěče (1920), Fotomechaniski nowoćišć (1987), Ludowe nakładnistwo Domowina, ISBN 3-7420-0176-0)
  4. ↑ Lauchhammer. In: service.brandenburg.de. Service Brandenburg, abgerufen im August 2026.
  5. ↑ Brandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; Abschnitt 2, Ortsteile In: bravors.brandenburg.de.
  6. ↑ Hauptsatzung. (PDF; 4,31 mB) §§ 1 und 9. In: Webauftritt. Stadt Lauchhammer, abgerufen im Oktober 2026.
  7. ↑ Deutsch-Niedersorbisches Online-Wörterbuch (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. 1 2 Petra Maser: Kein Schatz unter der Türschwelle – der Gutshof lebt trotzdem weiter. In: Lausitzer Rundschau. 23. Oktober 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Juni 2015; abgerufen am 10. Juni 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. ↑ Glashütte Friedrichsthal von mehreren Pleiten durchgeschüttelt. In: Lausitzer Rundschau. 21. Juli 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Juni 2015; abgerufen am 10. Juni 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. ↑ Autorenteam: Historischer Führer-Bezirke Dresden, Cottbus. Urania-Verlag, Leipzig, Jena, Berlin 1982, S. 286.
  11. 1 2 Frank Förster: Verschwundene Dörfer – Die Ortsabbrüche des Lausitzer Braunkohlereviers bis 1993. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, ISBN 3-7420-1623-7.
  12. ↑ Reges Treiben in «Unserem Fritz». In: Lausitzer Rundschau. 6. September 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Juni 2015; abgerufen am 10. Juni 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  13. ↑ Findhilfsmittel des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes Berlin
  14. ↑ Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1993 StBA
  15. ↑ Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. (PDF; 331 kB) Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Dezember 2006, abgerufen am 10. Juni 2015.