Kraftwerk Union

Kraftwerk Union AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1969
Auflösung 1987
Auflösungsgrund Verschmelzung mit Siemens
Sitz Mülheim an der Ruhr, Deutschland
Mitarbeiterzahl 14.000
Branche Kraftwerksbau

Die Kraftwerk Union AG (KWU) war ein gemeinsames Tochterunternehmen von Siemens und AEG. Es betrieb den Bau von Kraftwerken, insbesondere Kernkraftwerken. Standorte waren Mülheim an der Ruhr, Erlangen, Berlin-Moabit, Karlstein am Main und im Stadtviertel Kaiserlei, Offenbach am Main. Die KWU stand später synonym für das Kraftwerksgeschäft von Siemens und ist 1987 im Siemenskonzern aufgegangen.

Ehemaliges Verwaltungsgebäude der KWU in Mülheim an der Ruhr

Geschichte

Weitere Entwicklung ehemaliger KWU-Unternehmensteile

Ehemaliger KWU-Standort in Offenbach-Kaiserlei (1970 bis 2004) während der Konversion zum mischgenutzten Quartier.

Kernkraftwerke (kommerzielle Leistungsreaktoren)

Die folgenden Kernkraftwerke bzw. Reaktorblöcke wurden von der KWU geplant, gebaut und errichtet.

Siedewasserreaktoren (SWR)

Reaktorblock Bezeich-
nung
Land Status Betreiber
KKW WürgassenKWWDeutschlandZwischenlagerbetrieb, nuklearer Teil zurückgebautPreussenelektra
KKW BrunsbüttelKKBDeutschlandAußer BetriebVattenfall
KKW Zwentendorf/TullnerfeldGKTÖsterreichnicht in Betrieb genommenGemeinschaftskernkraftwerk Tullnerfeld GmbH
KKW Philippsburg 1KKP-1DeutschlandAußer BetriebEnBW
KKW Isar 1KKI-1DeutschlandAußer BetriebPreussenElektra
KKW KrümmelKKKDeutschlandAußer BetriebVattenfall
KKW Gundremmingen BKRB-BDeutschlandAußer BetriebRWE
KKW Gundremmingen CKRB-CDeutschlandAußer BetriebRWE

Druckwasserreaktoren (DWR)

KKW Brokdorf vom Typ „Vor-Konvoi“, einer Reaktorbaulinie von KWU
Reaktorblock Bezeich-
nung
Land Status Betreiber
KKW ObrigheimKWODeutschlandim Rückbau (bis 2030)EnBW
KKW StadeKKSDeutschlandim Rückbau (bis 2026)PreussenElektra
KKW BorsseleKCBNiederlandeBetriebsführungEPZ
KKW Biblis AKWB-ADeutschlandAußer BetriebRWE
KKW Biblis BKWB-BDeutschlandAußer BetriebRWE
KKW Neckarwestheim 1GKN-1DeutschlandAußer BetriebEnBW
KKW Neckarwestheim 2GKN-2DeutschlandAußer BetriebEnBW
KKW UnterweserKKUDeutschlandAußer BetriebPreussenElektra
KKW Trillo 1CNT1SpanienBetriebsführungENDESA
KKW Trillo 2CNT2Spanien1981/82 bestellt, nicht errichtetENDESA
KKW RegodolaCTSpanien1981/82 bestellt, nicht errichtet
KKW GösgenKKGSchweizBetriebsführungGösgen-Däniken AG
KKW BrokdorfKBRDeutschlandAußer BetriebPreussenElektra
KKW GrohndeKWGDeutschlandAußer BetriebPreussenElektra
KKW Philippsburg 2KKP-2DeutschlandAußer BetriebEnBW
KKW GrafenrheinfeldKKGDeutschlandAußer BetriebPreussenElektra
KKW EmslandKKEDeutschlandAußer BetriebRWE
KKW Isar 2KKI-2DeutschlandAußer BetriebPreussenElektra
KKW Angra 2ANGBrasilienBetriebsführungEletrobrás
KKW Angra 3 ANG Brasilien In Bau Eletrobrás bzw. Konsortium Electronuclear
KKW Buschehr 1BNPP IranBetriebsführung seit ca. 2012, modifiziert zu WWER-1000/446Nuclear Power Production and Development Company of Iran (NPPD), ein Teil der Iranische Atomenergieorganisation
KKW Buschehr 2BNPP IranBau abgebrochenNPPD

Weitere ehemals für Deutschland geplante Anlagen vom Typ Konvoi waren die Kernkraftwerke Wyhl (Süd), Hamm, Borken, Pfaffenhofen und der Reaktor Biblis C.

Der Reaktor Buschehr 1 wurde durch Atomstroiexport fertiggestellt und entspricht im technischen Aufbau nun der russischen Baulinie WWER-1000/446, nicht den KWU-Druckwasserreaktoren.

Schwerwasserreaktoren

Im Gegensatz zu den oben genannten Kraftwerken, die allesamt mit normalem „leichten“ Wasser gekühlt bzw. moderiert werden, ist bei Schwerwasserreaktoren mindestens der Moderator (in diesem Fall auch das Kühlwasser im Primärkreislauf) schweres Wasser. Dies hat den Vorteil, dass aufgrund des niedrigeren Wirkungsquerschnitts für Neutroneneinfang in Deuterium gegenüber „normalem“ Wasserstoff, Kritikalität, und damit eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion, bereits mit nicht-angereichertem Uran erreicht werden kann. Der kanadische CANDU-Reaktor ist im Funktionsprinzip ähnlich und stand während der Phase, als KWU Schwerwasserreaktoren anbot, bei Auslandsaufträgen in Konkurrenz zu dieser Baulinie der KWU. Letztlich erwies es sich als nicht durchführbar, die „Kleinserie“ weiterzuentwickeln und zu vermarkten, sodass dieses Marktsegment den Kanadiern, welche ausschließlich CANDUs bau(t)en, überlassen wurde. Die beiden Blöcke am Standort Atucha arbeiten inzwischen mit geringfügig (0,85 % U-235 anstelle der natürlichen 0,72 %) angereicherten Uran, da dies sich im Betrieb als vorteilhaft erwiesen hat. Am Standort Embalse betreibt Argentinien auch einen CANDU, was die damalige Konkurrenz zwischen KWU und AECL (dem damaligen Eigentümer der CANDU-Technologie) in diesem Marktsegment weiter verdeutlicht.

Reaktorblock Bezeich-
nung
Land Status Betreiber
KKW NiederaichbachKKNDeutschlandrückgebaut → grüne WieseKernkraftwerk Niederaichbach GmbH
KKW Atucha 1CNA1ArgentinienBetriebsführungNucleoeléctrica Argentina S.A.
KKW Atucha 2CNA2ArgentinienBetriebsführungNucleoeléctrica Argentina S.A.

Kernbrennstoffkreislauf

In Hanau-Wolfgang waren verschiedene Firmen angesiedelt, die für den Kernbrennstoffkreislauf Produkte lieferten, z. B. Brennelemente.

Forschungsreaktoren

Weiterhin betrieb die Kraftwerk Union in den 1960er und 1970er Jahren in Karlstein am Main zwei Forschungsreaktoren, den AEG-Prüfreaktor (PR-10) und den AEG-Nullenergiereaktor (TKA), die von der AEG übernommen wurden. Weitere Forschungsreaktoren sind die Siemens-Unterrichtsreaktoren (SUR).

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Kraftwerk Union A. G. and its service system. In: ETDEWEB World Energy Base. U.S. Department of Energy, abgerufen am 11. August 2024 (englisch).
  2. ↑ H. Frewer: Technology and economics of the nuclear power plants constructed by Kraftwerk Union in Germany and abroad. In: Nor-Power '70 (Hrsg.): International Power System Fair and Symposium. Oslo, Norwegen 1970 (englisch, iaea.org [abgerufen am 14. August 2023]).
  3. ↑ Handelsregistereintrag HRB 499, Amtsgericht Mülheim/Ruhr.
  4. ↑ Udo Leuschner: Aufstieg und Niedergang der nukleartechnischen Kompetenz von Siemens. In: ENERGIE-CHRONIK. Abgerufen am 21. November 2024.
  5. ↑ Es geht ums nackte Überleben – In Wackersdorf kämpft die Atomindustrie um ihre Existenz. In: taz. 17. April 1989, abgerufen am 11. August 2024.
  6. ↑ KWU: Weniger Arbeit wegen Ende der WAA. In: taz. 22. Juli 1989, abgerufen am 11. August 2024.
  7. ↑ Jakob Felsberger: Die Kraftwerk Union AG. In: Tschernobyl in Erlangen - Reaktionen und Dynamiken im lokalen Umfeld 1986–1989. FAU University Press, Erlangen 2020, S. 130.
  8. ↑ Ende der Atomwirtschaft. FAZ, 6. Oktober 2023, abgerufen am 21. November 2024.
  9. ↑ Geschichte eines Quartiers: KWU Offenbach. In: SKYLINE ATLAS. Abgerufen am 21. November 2024.
  10. ↑ J. Hartmann, G. Wüpper: Siemens steigt aus französischem Atomkonzern aus. In: Welt Online. 10. April 2011, abgerufen am 31. Mai 2011.
  11. ↑ Signing of definitive binding agreements for the sale of AREVA NP’s activities. In: edf.fr. 22. Dezember 2017, abgerufen am 10. Januar 2019 (englisch).
  12. ↑ Übereinkommen über nukleare Sicherheit (Memento vom 22. März 2011 im Internet Archive) (PDF; 3,79 MB). Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Vierte Überprüfungstagung im April 2008.
  13. ↑ Kernkraftwerk Würgassen. In: preussenelektra.de. Abgerufen am 11. August 2024.
  14. ↑ S. W. R. Aktuell: 20 Jahre nach der Abschaltung: Wie geht es im Kernkraftwerk Obrigheim weiter? 29. April 2025, abgerufen am 11. Juni 2025.
  15. ↑ Stade: AKW-Rückbau dauert länger als geplant. In: Norddeutscher Rundfunk, 19. März 2017. Abgerufen am 20. März 2017. (Archivlink)
  16. 1 2 3 Die letzten Atommeiler sind abgeschaltet. In: tagesschau.de. 16. April 2023, abgerufen am 16. April 2023.
  17. 1 2 Roland Kollert: Die Politik der latenten Proliferation: militärische Nutzung „friedlicher“ Kerntechnik in Westeuropa. DUV, Wiesbaden 1994, ISBN 3-8244-4156-X (Zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss., 1992).
  18. ↑ Christian Sebald: 33 Jahre Betrieb, 20 Jahre Abbruch. In: sueddeutsche.de. 20. Juni 2015, abgerufen am 7. Juli 2017.
  19. ↑ Contract signed allowing resumption of Angra 3 works. In: World Nuclear News. World Nuclear Association, 10. Februar 2022, abgerufen am 4. November 2024 (englisch).
  20. ↑ caroline: Eletronuclear signs a contract to resume construction of Angra 3. In: Nuclear Engineering International. 15. Februar 2022, abgerufen am 4. November 2024 (amerikanisches Englisch).
  21. ↑ Historiker erforscht Geschichte des Atomdorfs Hanau: „Hat die Menschen politisiert“. FR, 28. Oktober 2024, abgerufen am 21. November 2024.
  22. ↑ Erich R. Merz: Options for MOX Fuel Utilization, Interim Storage, and Disposition in Germany. In: Nuclear Materials Safety Management. Springer Netherlands, Dordrecht 1998, ISBN 94-010-6129-7, S. 155–168, doi:10.1007/978-94-011-5070-5_22 (englisch, springer.com [abgerufen am 21. November 2024]).
  23. ↑ Jürgen Krellmann: Plutonium Processing at the Siemens Hanau Fuel Fabrication Plant. In: Nuclear Technology. Band 102, Nr. 1, April 1993, ISSN 0029-5450, S. 18–28, doi:10.13182/NT93-A34799 (englisch, tandfonline.com [abgerufen am 21. November 2024]).