Krieschow

Gemeinde Kolkwitz
Wappen von Krieschow
Koordinaten: 51° 45′ N, 14° 9′ OKoordinaten: 51° 45′ 17″ N, 14° 8′ 51″ O
Höhe: 65 m ü. NHN
Fläche: 9,84 km²
Einwohner: 480 (15. Mai 2022)
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1928
Eingemeindet nach: Krieschow-Wiesendorf
Postleitzahl: 03099
Vorwahl: 035604
Blick auf den Ort
Blick auf den Ort

Krieschow, niedersorbisch Kśišow, ist ein Ortsteil der Großgemeinde Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Bis zur Eingliederung nach Kolkwitz am 6. Dezember 1993 war Krieschow ein Ortsteil der damaligen Gemeinde Krieschow-Wiesendorf.

Geographie

Krieschow liegt in der Niederlausitz, rund 14 Kilometer westlich von Cottbus und sieben Kilometer südöstlich von Vetschau. Zum Ortsteil gehören die Wohnplätze Feldmühle und Schneidemühle sowie die ehemalige Ortschaft Rübnick. Krieschow grenzt im Norden an Babow und Milkersdorf, im Nordosten an Kunersdorf, im Osten an Limberg, im Südosten an Kackrow, im Süden an Wiesendorf und im Westen an Eichow. Krieschow zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden.

Nördlich von Krieschow liegt die Landesstraße 49 zwischen Lübben und Cottbus, südlich des Ortes befinden sich die Bundesautobahn 15 sowie die Bahnstrecke Halle–Cottbus. Durch Krieschow selbst führt die Kreisstraße 7132 nach Brodtkowitz.

Geschichte

Verkaufsurkunde der Ersterwähnung

Bei Ausgrabungsarbeiten im Jahre 1988 an der Niederung der Kzschischoka wurden ein Gräberfeld sowie zerstörte Grabanlagen gefunden, die darauf schließen lassen, dass eine Besiedlung dieses Fleckens schon 1000 v. Chr. vorhanden gewesen war. Am 29. September 1315 wurde Krissow auf einer Verkaufsurkunde das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Ortsname geht auf einen slawischen Personennamen zurück, der sich mit „Krummnase“ übersetzen lässt und auf einen ehemaligen Besitzer oder den Gründer des Ortes hindeutet.

Krieschow zählte zur kurfürstlich-brandenburgischen Herrschaft Cottbus, die als Exklave vom sächsischen Gebiet umgeben war und seit 1701 zum Königreich Preußen gehörte. Das Gut mit dem Schloss wechselte mehrfach die Besitzer, gehörte einige Generationen der Familie von Loeben. Letzter Vertreter vor Ort war der Landesdirektor des Kreises Cottbus Adam Jobst von Loeben, er war zweimal verheiratet. Um 1733 erwarb der Baron François Mathieu Vernezobre de Laurieux das Gut und vererbte es 1748 seinem Sohn Friedrich Wilhelm Baron von Vernezobre. Nach dessen Tod wurde das Gut 1781 zwangsversteigert. Im Jahr 1868 ging der Gutsbesitz Krieschow mit Wiesendorf in das Eigentum der Herren von Winterfeld über.

An das Stromnetz wurde Krieschow im Jahre 1917 angeschlossen. Am 1. Januar 1928 vereinigten sich die Gemeinden Krieschow und Wiesendorf zur Landgemeinde Krieschow-Wiesendorf. Auch die Rittergüter Wiesendorf und Krieschow waren zu diesem Zeitpunkt bereits vereinigt. Eigentümer war die Familie von Winterfeld-Vahrnow, deren Reihe mit dem Premierleutnant und Johanniterritter Hugo Wichard (1824–1894) vor Ort begann. Dessen Nachfolger wurde Dr. jur. Hans von Winterfeld und dann der Enkel Hans Wichard von Winterfeld (1895–1947), u. a. Kreisjägermeister.

Die Nationalsozialisten erließen 1934 Gesetze zur Änderung der wendischen Flur- und Ortsnamen. Die Kzschischoka wurde in Greifenhainer Fließ umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Krieschow zur Sowjetischen Besatzungszone. Die Gutsbesitzer wurden enteignet und das Land an Neubauern verteilt. Bei der Kreis- und Gebietsreform in der DDR am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Krieschow-Wiesendorf dem Kreis Cottbus-Land im Bezirk Cottbus zugeordnet. Am 1. Januar 1972 wurden die beiden bis dahin eigenständigen Gemeinden Kackrow und Brodtkowitz nach Krieschow-Wiesendorf eingemeindet. Seit der Wiedervereinigung liegt Krieschow im Land Brandenburg. Bei der Kreisreform in Brandenburg am 6. Dezember 1993 wurde Krieschow-Wiesendorf in die neu gebildete Großgemeinde Kolkwitz eingegliedert, die dem neu gebildeten Landkreis Spree-Neiße zugeordnet wurde.

Mit Wirkung zum 26. November 2022 wurde der Wohnplatz Krieschow Vorwerk politisch in den Ortsteil Milkersdorf umgegliedert. Begründet wurde die Umgliederung damit, dass sich die Einwohner der Siedlung eher dem Ortsteil Milkersdorf zugehörig fühlen und in das dortige Dorfleben eingebunden sind. Krieschow Vorwerk liegt rund zweieinhalb Kilometer Luftlinie vom Ortszentrum Krieschows entfernt, während es mit dem benachbarten Milkersdorf beinahe eine zusammenhängende Siedlungsfläche bildet. Die Gemarkungsgrenzen wurden nicht verändert.

Bevölkerung

Anzahl Einwohner
Jahr 18751890191019251933193919461950196419711981198519891992
Einwohner 467458493470580542925796687636686694731742
Gebietsstand des jeweiligen Jahres. Ab 1933 mit Wiesendorf, ab 1981 mit Brodtkowitz, Kackrow und Wiesendorf.

Krieschow liegt im sorbischen Siedlungsgebiet und war lange Zeit ein überwiegend sorbischsprachiges Dorf. Der Volkskundler Arnošt Muka zählte für seine Statistik über die Sorben in der Lausitz im Jahr 1884 insgesamt 497 Einwohner, von denen 457 Sorben waren und von denen auch die deutschen Einwohner überwiegend die sorbische Sprache verstanden. Gottesdienste fanden damals sowohl in deutscher als auch in sorbischer Sprache statt, der Schulunterricht war bereits rein deutschsprachig. Im Jahr 1956 hatten in der gesamten Gemeinde Krieschow-Wiesendorf nur noch 3,4 Prozent der Einwohner Sorbischkenntnisse.

Sehenswürdigkeiten

Dorfkirche Krieschow
Schloss Krieschow um 1875/77, Sammlung Alexander Duncker

Wirtschaft und Infrastruktur

Nördlich von Krieschow befindet sich größeres ein Industriegebiet. Dort betreiben unter anderem die Großbäckerei Harry-Brot und der Lebensmittelgroßhändler BÄKO Vertriebsstellen, zudem sind dort die Lindner Group und Zeppelin Baumaschinen mit Standorten vertreten.

In Krieschow gibt es eine öffentliche Grundschule und ein Hort.

Sport

Sportpark Krieschow

Der größte Verein in Krieschow ist der VfB Krieschow, der seit der Saison 2017/18 in der fünftklassigen Fußball-Oberliga Nordost spielt und 2026 den Brandenburgischen Landespokal gewann. Der VfB qualifizierte sich damit für den DFB-Pokal 2026/27 und traf in der ersten Runde am 23. August 2026 auf den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05; die Mannschaft schied durch eine 0:9-Niederlage aus dem Wettbewerb aus. Mit etwas unter 500 Einwohnern ist Krieschow der kleinste Ort, in dem jemals ein DFB-Pokalspiel ausgetragen wurde.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Krieschow/Kśišow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Zensusatlas 2022. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, abgerufen am 20. August 2026. Inklusive dem im November 2022 nach Milkersdorf umgegliederten Krieschow Vorwerk (38 Einwohner).
  2. ↑ Auflistung als Ortsteil von Kolkwitz im Kommunalverzeichnis Brandenburg. Abgerufen am 12. Mai 2026.
  3. ↑ Arnošt Muka: Serbski zemjepisny słowničk. Nakł. Maćica Serbska, Budyšin 1927, S. 99 (Online).
  4. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1905. In: „Der Gotha“, publiziert bis 1942. Sechster Jahrgang Auflage. Adelige Häuser nach alphabetischer Ordnung, Loeben. Justus Perthes, Gotha 5. November 1904, S. 460–462 (uni-duesseldorf.de).
  5. ↑ Hugo Rachel, Johannes Papritz, Paul Wallich: Die Zeit des Merkantilismus. De Gruyter, 2019, S. 93, 95. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. ↑ Geschichte des Geschlechts von Winterfeld(t). In: Erich Wentscher (Hrsg.): Familienchronik/Genealogie. 4. Teil, 5. Band. C. A. Starke, Damerow / Görlitz 1937, DNB 368700399, S. 55–126.
  7. ↑ Ernst Seyfert, Hans Wehner: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, VII, Provinz Brandenburg. 1923. Verzeichnis der Rittergüter, Güter und Höfe über 20 ha, nach amtlichen Angaben. In: Adressbuch-Reihe Niekammer. 3. Auflage. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1923, S. 136 (martin-opitz-bibliothek.de).
  8. ↑ Hans Friedrich v. Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel) 1955. In: Ausschuss für adelsrechtliche Fragen / Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.): Gesamtreihe GHdA von 1951 bis 2015. II der Reihe A, Nr. 11. C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1955, DNB 451802470, S. 527–529.
  9. ↑ Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz v. Groß-Zauche u. Camminetz, Frhr. Klaus v. Andrian-Werburg, Dorothee de la Motte-Müller: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel) 2001. In: Deutsches Adelsarchiv e. V. (Hrsg.): Gesamtreihe GHdA von 1951 bis 2015. Band XXVI, Nr. 126. C. A. Starke, 2001, ISBN 3-7980-0826-4, ISSN 0435-2408, S. 664–668.
  10. ↑ Amtsblatt für die Gemeinde Kolkwitz. 29. Jahrgang, Kolkwitz, 26. November 2022, abgerufen am 20. August 2026.
  11. ↑ Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. (PDF; 331 KB) Landkreis Spree-Neiße. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Dezember 2006, abgerufen am 20. August 2026.
  12. ↑ Arnošt Muka: Statistik der Lausitzer Sorben. Hrsg. und dt. Übersetzung von Robert Lorenz, Domowina-Verlag, Bautzen 2019, ISBN 978-3-7420-2587-6, S. 103.