Kromhout

Museumswerft „’t Kromhout“

Die zwei alten Werfthallen: links das Museum
Daten
Ort Hoogte Kadijk 147, Amsterdam (NL) Welt-IconKoordinaten: 52° 22′ 6,3″ N, 4° 55′ 13,7″ O
Art
Eröffnung 1973
Betreiber
Leitung
Folkert Goedkoop
Website

Kromhout war ein namhaftes Unternehmen in den Niederlanden, das ursprünglich als Schiffswerft im 18. Jahrhundert gegründet worden war. Im 20. Jh. wurde es als Maschinenbauer für die Entwicklung und den Bau von Schiffsmotoren bekannt. Ab Mitte der 1930er Jahre stellte es auch komplette Lastkraftwagen und Busse auf selbstgebauten Fahrgestellen her und produzierte in Lizenz einen Sternmotor für Flugzeuge. Nach dem Krieg konnte die Produktion von Kromhout-Gardner Motoren wieder aufgenommen werden, die in Kromhout-Stadtbussen von niederländischen Großstädten verbaut waren. Der zunehmende Wettbewerb mit anderen Herstellern führte 1966 zur Übernahme von Kromhout durch die „Verenigde Machine Fabrieken Stork-Werkspoor“ (VMF). Bis dahin hatte Kromhout rund 2000 Fahrzeuge hergestellt.

Die schon 1911 verkaufte Schiffswerft schloss 1967 und wurde 1973 als Werftmuseum „'t Kromhout“ wieder eröffnet.

Geschichte

Gründung bis Übernahme

Im Jahr 1757 kaufte die Frau des Schiffszimmermanns Doede Jansen Kromhout an der Nieuwe Vaart in Amsterdam ein Grundstück, damit ihr Mann seinen Beruf ausüben konnte. Die Werft „'t Kromhout“ am IJ-Deich war eine der vielen kleinen Werften und zusätzlich im Holzhandel tätig. Nach gut einem Jahrhundert kaufte 1867 der Unternehmer Goedkoop die wenig erfolgreiche Firma. Er hatte mit vielfältigen Tätigkeiten auf dem Wasser sein Geld verdient, so mit einem Schleppbetrieb auf dem Nordhollandkanal von Amsterdam nach Den Helder, den er ab 1860 mit Dampfschiffen betrieben hatte. Er erwarb den Werftbetrieb für seinen 17-jährigen Sohn Daniel, der ihn zusammen mit dem erfahrene Schiffbaumeister Johannes Kloos zunächst als Reparaturwerft weiterführte.

Werftausbau und Motorenbau

Reklametafel Kromhout „row oil“-Motor

Unter der neuen Leitung wurde die Werft modernisiert und spezialisierte sich auf den Bau von Eisenschiffen für die Küsten- und Binnenschifffahrt, die später auch in Stahl hergestellt wurden. Dank ihrer erfolgreichen Tätigkeit konnten sie 1873 eine Helling mit Dampfantrieb errichten, deren Dampfmaschine auch zum Antrieb der diversen Werkzeugmaschinen diente. Ihr Unternehmen firmierte nun unter dem Namen "D. Goedkoop Jr." und war 1878 mit ihren 65 Arbeitern schon eine der größeren Werften in Amsterdam.

In den 1880er Jahren wurde begonnen, die Werftfläche in Teilen zu überdachen. Dazu erwarben die Eigentümer eine Halle mit genieteten Fachwerkträgern aus Gusseisen, die auf der Weltausstellung 1883 in Amsterdam genutzt worden war. Damit war sie die erste Werft mit einer überdachten Helling. Ein zweite Halle aus Gusseisen konnte 1899 auf der Ostseite daneben erstellt werden. Die zwei heute noch bestehenden Hallen erhielten dann die erste elektrische Beleuchtung.

Unter der Leitung der nächsten Generation Goedkoop beschäftigte die Werft 1898 schon 170 Arbeiter. Mit dem Eintritt von Jan Goedkoop in die Firma wurde das Geschäftsfeld Maschinenbau und Kesselbau erschlossen und in der Osthalle konzentriert. Beim Schiffsmotorenbau gelang es ihnen 1904, einen zuverlässigen Viertakt-Petroliummotor mit 12 PS auf den Markt zu bringen, der besonders als Exportprodukt erfolgreich war. Dadurch verlagerte sich der Schwerpunkt der Tätigkeit vermehrt auf den Motorenbau.

Annonce der "Deutsche Kromhout" 1913

Der erfolgreiche Absatz der Motoren machte eine Verlagerung der Produktion erforderlich. Daher zog die Motorenabteilung von Kromhout 1908 in ein neues Gebäude in der Ketelstraat auf der gegenüberliegenden Seite des IJ. Schon nach zwei Jahren war das Werk zu klein und musste 1910 vergrößert werden. Die alte Werft am Hoogte Kadijk wurde 1911 an eine benachbarte Schiffbaugesellschaft verkauft. In dem Jahr begann die Firma mit der Produktion eines neuen Zweitaktmotors: der 35 PS starke „R.O.-Kromhout-Motor“. Die Bezeichnung „R.O.“ stand für „row oil“ und bedeutete, dass der Motor mit verschiedenen Kraftstoffen (von Erdöl bis Gasöl) betrieben werden konnte. Aufgrund der hohen Nachfrage nach diesen Motoren musste das Werk nochmals erweitert werden. Die Gründung der „Deutsche Kromhout Motoren Fabrik GmbH“ in Brake (Oldenburg) erweiterte die Verbreitung auch in Deutschland; besonders in Kreisen der Fischkutter war der robuste Glühkopfmotor recht gefragt.

Aktiengesellschaft

Kromhout-Schiffsdieselmotor

Nach der 1921 erfolgten Umwandlung in eine Aktiengesellschaft konnte der wirtschaftlichen Erfolg der NV „Kromhout Motoren Fabriek D. Goedkoop Jr.“ an hohen Dividendenzahlungen abgelesen werden und die Mitarbeiterzahl musste bis Ende der 1920er Jahre verdoppelt werden. 1926 kam ein selbstentwickelter Hochdruckmotor auf den Markt. Wegen des Umsatzrückgangs in den 1930er Jahren schloss Kromhout 1932 einen Lizenzvertrag mit der englischen Firma L. Gardner and Sons in Manchester über den Bau von schnelllaufenden Viertakt-Dieselmotoren für Pkw, Schiffe und stationäre Anwendungen. Die Kromhout-Gardner-Motoren liefen unter anderem in den Bussen der Amsterdamer Verkehrsbetriebe. 1935 war der erste selbstgefertigte Lkw marktreif. Dank einer Vielzahl von Fahrgestellen und Motoren für Lkw und Busse erfreute sich Kromhout großer Beliebtheit, sodass dieser Bereich in die „N.V. Kromhout Autoindustrie“ ausgegliedert wurde.

Ein weiterer Produktionszweig kam ab 1939 hinzu. Durch den Lizenzvertrag mit dem britischen Unternehmen Armstrong Siddeley wurde die Konstruktion und der Verkauf eines „Genet Major“ Sternmotors für Flugzeuge angestoßen. Der 165 PS starke Siebenzylindermotor war für die Fokker S.IX vorgesehen, die bei der Luftfahrtabteilung der Königlich Niederländischen Armee (LVA) als Schulflugzeug beschafft werden sollte.

Nachkriegszeit und Niedergang

Leyland-Bus mit Kromhout-Motor

Nach dem Krieg nahm das Unternehmen den Betrieb mit der Reparatur von Motoren wieder auf und baute für niederländische Kunden zahlreiche Lkw und Busse mit Kromhout-Gardner-Motoren. Auch die Entwicklung eines eigenen Dieselmotors wurde begonnen und für den Bau von Bussen fertigte Kromhout auch Unterflurmotoren. 1949 folgte der Beginn einer Kooperation mit Leyland Motors zur Herstellung von Fahrgestellen. In den 1950er Jahren erzielte Kromhout gute Absatzerfolge mit seinen Lkw und Bussen, doch die Verkäufe gingen ab 1957 durch die Konkurrenz des schnell wachsenden Herstellers DAF spürbar zurück. Daher wurde die Lkw-Produktion 1958 an den Aufbauhersteller Verheul abgegeben und Kromhout produzierte nur noch Motoren.

Zusammen mit drei anderen niederländischen Motorenherstellern gründete Kromhout 1949 das Motorenwerk SAMOFA in Harderwijk, das sich auf die Produktion von Dieselmotoren im unteren Leistungssegment spezialisierte. Der Vertrieb der SAMOFA-Motoren wurde von Kromhout übernommen, das zu diesem Zweck unter anderem die Hälfte der Anteile an der „NV Hollandsche Motorboot“ in Amsterdam erwarb.

1955 war Kromhout zusammen mit Aviolanda Mitbegründer und bis 1959 Partner der niederländischen Helikopter-Industrie, die heute unter dem Dach von NHIndustries tätig ist.

Im Februar 1966 wurde die Übernahme von Kromhout durch die „Verenigde Machine Fabrieken Stork-Werkspoor“ (VMF) bekanntgegeben, die schon vor dem Krieg im Auftrag von Kromhout Teile und Karosserien angefertigt hatte. Die Produktion von Dieselmotoren, zuletzt bei Stork in Zwolle, wurde 1989 von Wärtsilä übernommen.

Kromhout Museum

Das 1973 gegründete Museum befindet sich auf dem Gelände der historischen Werft „’t Kromhout“ in Amsterdam. Das Technik- und Schifffahrtsmuseum ist ein Industriedenkmal und zeigt neben der Werftstruktur die Geschichte der niederländischen Motoren- und Schiffbauindustrie. In der Osthalle können historische Kromhout-Motoren in Augenschein genommen werden, die regelmäßig in Betrieb vorgeführt werden. In der Westhalle existiert noch die alte Helling, wo unabhängig vom Museum weiterhin Schiffe repariert werden. Das Gelände ist Teil des „Nationalen Maritimen Museums“ (Het Scheepvaartmuseum), das in der Nähe der City von Amsterdam die Geschichte der niederländische Schifffahrt vermittelt.

Kromhouthal

Kromhout-Halle am IJ

Auch die ehemalige Werkshalle für die Motorenfertigung am Nordufer des IJ an der Ketelstraat ist erhalten. Nach der 2009 gestarteten städtebaulichen Entwicklung des Amsterdamer Nordens gehört die Halle seit 2012 zu den bekanntesten Veranstaltungshallen der Stadt. Sie bietet auf einer Fläche von rund 5000 m² Platz und Gelegenheit für verschiedene Veranstaltung von Messen bis zu Kongressen und von Produktpräsentationen bis zu Galadinners. Die Halle ist Teil des kreativen Quartiers in Amsterdam-Noord mit dem Namen „De Overkant“.

Galerie Fahrzeuge

Commons: Kromhout – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Waar de wereldberoemde Kromhout motoren werden gemaakt. In: stadsherstel.nl. Stadsherstel Amsterdam, abgerufen am 3. April 2026 (niederländisch).
  2. 1 2 Museum Kromhout in Amsterdam. In: amsterdam.info. Abgerufen am 22. April 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 Scheepswerf 't Kromhout viert haar 150-jarig bestaan. In: onsamsterdam.nl. 21. Mai 2017, abgerufen am 23. April 2026 (niederländisch).
  4. ↑ BOOTSMOTORENBAU IM DEUTSCHEN KÜSTENGEBIET. In: dsm.museum. Deutsches Schifffahrtsarchiv, 1997, abgerufen am 23. April 2026.
  5. ↑ Kromhout, Amsterdam. In: conam.info. Conam – Niederländische Gesellschaft für Automobilgeschichte, 2026, abgerufen am 24. April 2026.
  6. ↑ Stermotor Armstrong Siddeley Genet Major Ia. In: collectie.nmm.nl. Nationaal Militair Museum Soesterberg, abgerufen am 24. April 2026 (niederländisch).
  7. ↑ De KROMHOUT licentie Armstrong/Siddely stermotor. In: machinekamer.nl. Abgerufen am 24. April 2026 (niederländisch).
  8. ↑ Kromhout en Verheul vrachtwagen. In: transportboek.nl. Abgerufen am 24. April 2026 (niederländisch).
  9. ↑ De Volkskrant 12.2.1966. In: delpher.nl. Abgerufen am 24. April 2026 (niederländisch).
  10. ↑ The National Maritime Museum. In: iamsterdam.com. Abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
  11. ↑ De Kromhout Hal. In: kromhouthal.com. Abgerufen am 27. April 2026 (englisch).