Cumulonimbus

Cumulonimbuswolke (auch Ambosswolke) über dem fernen Jena im Abendlicht

Der Cumulonimbus oder Kumulonimbus, (lat. cumulus „Anhäufung“ und nimbus „Regenwolke“; Abkürzung: Cb, bei Wegener auch Cumulo-Nimbus oder cu-ni), deutsch: Gewitterwolke, ist eine Wolkengattung, die zu den vertikalen Wolken gezählt wird. Aus ihr fällt Niederschlag in Form von Regen, Hagel, Schnee und sie geht oft mit Gewittern einher. Man unterscheidet Cumulonimbus calvus, Cumulonimbus capillatus, Cumulonimbus incus, Cumulonimbus pileus und weitere Formen.

Abmessungen

In Mitteleuropa kann man sich einen Cumulonimbus als Zylinder mit 10 km Durchmesser vorstellen, der sich von der etwa 500 m hohen Wolkenbasis bis etwa 11 km Höhe erstreckt. Die Oberseite des Schirms kann Durchmesser von über 150 km erreichen. In den Tropen liegt die Gipfelhöhe bei etwa 18 km.

Aufbau

Entstehung einer Cumulonimbuswolke

Diese Wolkenform besteht in den unteren Schichten hauptsächlich aus Wassertröpfchen (Regen) oder in späteren Entwicklungsstadien aus Hagelkörnern, die sich in einigen Kilometern Höhe gebildet haben. Stößt die Wolke weiter in die Höhe vor, bilden sich Eiskristalle, die Wolke bekommt dort unscharfe Umrisse.

Cumulonimbuswolken entstehen zunächst aus kleinen, „harmlosen“ Cumulus Congestus- oder Castellanus-Wolken. Besteht bei bedingt labiler Luftschichtung ausreichendes Feuchteangebot und Hebungsantrieb, wachsen sie zusehends (Feuchtekonvektion), bis sie ein Gleichgewichtsniveau, meist in der Nähe einer Sperrschicht (Temperaturinversion) oder gar der Grenzschicht der Troposphäre (Tropopause), erreichen und sich dort horizontal ausbreiten. Dadurch entsteht, von Weitem von schräg seitlich unten betrachtet, ihre typische Ambossform, weshalb sie auch Ambosswolken genannt werden. Wie man auf den Fotos von Wettersatelliten gelegentlich erkennen und ermitteln kann, reicht der an einer Sperrschicht flach pilzhutförmig sich ausbreitende Incus-Schirm eines großen Cumulonimbus, einer Superzelle über dem Oberrheingraben gelegentlich vom Rheinknie bei Basel bis zur Südostspitze der Pfalz, kann also einen Durchmesser von fast 200 km erreichen. Im Aufwindbereich schießt die Konvektion je nach verfügbarer Labilitätsenergie mehr oder weniger weit über das Gleichgewichtsniveau hinaus (overshooting top) – sie durchstößt die Sperrschicht und trägt dann oft kurzfristig eine „Pileus-Begleitwolkenkappe“.

Im ausgewachsenen Stadium bringt diese klassische Gewitterwolke massive Schauer und Hagel. Sie ist auch die Wolkenform von Wirbelstürmen und kann 20 bis 100 Millionen Tonnen Wasser enthalten. Unter- und innerhalb dieser Wolken ist mit starken Winden zu rechnen. Die vertikalen Geschwindigkeiten können 120 km/h erreichen, bei Superzellen auch darüber hinaus. Auf- und Abwinde liegen hier dicht beieinander.

Entlang von Kaltfronten oder in deren Vorfeld (präfrontale Konvergenz) können Cumulonimben in linienhafter Anordnung auftreten. In Warmluftmassen bilden sie auch größere Cloud Cluster, während in hochreichenden labilen Kaltluftmassen vor allem über See ein zelluläres Muster aus einer großen Zahl einzelner Cumulonimbuswolken zu beobachten ist. Darüber hinaus sind Tropische Wirbelstürme überwiegend aus Cumulonimben aufgebaut.

Die Meteorologie unterscheidet der Größe nach folgende Arten:

Für Sonderformen, Begleit- und Mutterwolken siehe den Artikel Wolke.

Gefahren für die Luftfahrt

Luftaufnahme eines Cumulonimbus mit Pileus, etwa 11.000 Meter über Brasilien

Wegen der extremen Strömungsverhältnisse in ihrem Inneren sind Cumulonimbuswolken selbst großen Flugzeugen gefährlich und werden gemieden, also um- bzw. überflogen. Es liegen Berichte von Piloten über unfreiwillige Gewitterdurchquerungen vor. Mit einem Radiokompass kann ein aktives Gewitter anhand seiner elektrischen Entladungen auch bei schlechten Sichtverhältnissen lokalisiert werden.

Langzeitaufnahme Gewitterzelle

Von drei Personen ist bekannt, dass sie ohne schützendes Fluggerät eine Gewitterzelle lebend durchquert haben:

Galerie

In der Popkultur

Im Jahr 2012 schuf der niederländische bildender Künstler Berndnaut Smilde eine Serie selbst erzeugter Wolken, von denen Nimbus II, 2012 erstmals in der Lady Chapel von Hoorn aufgeführt – in der Saatchi Gallery in London ausgestellt wurde. Er wählt dafür Orte aus, die alt und feucht sind und an denen keine Luftzirkulation herrscht. Das Time-Magazin bezeichnete diese Technik als eine der fünfzig besten Erfindungen des Jahres 2012. In Zusammenarbeit mit dem Fotografen Simon Procter schuf Smilde seine charakteristischen Wolkenlandschaften mit den Modeikonen Karl Lagerfeld, Dolce & Gabbana, Donatella Versace und Alber Elbaz. Die Bilder erschienen in einem Sonderbeitrag in der Septemberausgabe 2013 ICONOCLOUDS der US-Ausgabe der Modezeitschrift Harper’s Bazaar. Für das Cover-Artwork der Single I Belong to the Sky des Albums o\i, die am 30. Juni 2026 erschien, verwendete der britische Singer-Songwriters und Rockmusiker Peter Gabriel ein Foto des Fotografen Cassander Eeftinck Schattenkerk einer Wolke von Smilde innerhalb eines Gebäudes mit dem Namen Nimbus de Toekomst 1, 2019.

Commons: Cumulonimbus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Wind reißt Mann in 8.600 Meter Höhe bei t-online.de, eingefügt 28. Mai 2025
  2. ↑ Berndnaut Smilde. In: saatchigallery.com. Saatchi Gallery, 2026, abgerufen am 6. Juli 2026 (britisches Englisch, Bilder einer Wolke).
  3. ↑ Rosie Flanagan: Berndnaut Smilde, The Man Who Creates Clouds. In: ignant.com. Ignant, 2026, abgerufen am 6. Juli 2026 (britisches Englisch, Bilder verschiedener Wolken).
  4. ↑ Best Inventions of the Year 2012 - Indoor Clouds. In: techland.time.com. Time, 1. November 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. April 2026; abgerufen am 6. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. ↑ Viktor Venson: Artist creates clouds indoors. Named one of Time magazine's 'Best Inventions of the Year 2012'. In: good.is. GOOD, 14. November 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. Dezember 2013; abgerufen am 6. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).
  6. ↑ A. Moret: Berndnaut Smilde: ICONOCLOUDS x Harper's Bazaar. In: installationmag.com. Installation Magazine, September 2013, abgerufen am 6. Juli 2026 (amerikanisches Englisch, Bilder verschiedener Wolken).
  7. ↑ Rob Alderson: Art: Berndnaut Smilde's indoor clouds meet fashion icons for Harper's Bazaar. In: itsnicethat.com. It’s Nice That, 19. August 2013, abgerufen am 6. Juli 2026 (amerikanisches Englisch, Bilder verschiedener Wolken).
  8. ↑ Peter Gabriel Ltd.: I Belong to the Sky - 30th June, 2026. PeterGabriel.com, 30. Juni 2026, abgerufen am 30. Juni 2026 (britisches Englisch).
  9. ↑ Thomas Schrage: Peter Gabriel – o\i: Intro. Nach nur drei Jahren veröffentlicht Peter Gabriel wieder ein neues Album. o\i wird ebenfalls über 12 Vollmonde hinweg erscheinen. Wir begleiten den Reigen erneut. Deutscher Genesis Fanclub 'it' / Genesis News Com - Christian Gerhardts, 2. Januar 2026, abgerufen am 6. Juli 2026 (deutsch).
  10. ↑ Cassander Eeftinck Schattenkerk: Cassander Eeftinck Schattenkerk. In: schattenkerk.nl. 2026, abgerufen am 29. Juni 2026 (englisch, Website des Fotografen).
  11. ↑ Berndnaut Smilde: Nimbus. In: berndnaut.nl. 2026, abgerufen am 6. Juli 2026 (englisch, Website des Künstlers).