Kurt Parbel (* 13. Februar 1913 in Berlin; † 1995) war ein deutscher NS-Propagandist.
Parbel wuchs zunächst in Berlin und ab 1921 in Recklinghausen auf, wo er 1932 das Abitur ablegte. Bereits 1931 hatte er in Recklinghausen den NS-Schülerbund gegründet. Zum 1. Dezember 1932 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.404.354). Nach dem Abitur begann er ein Volontariat bei der Nationalzeitung, einem Organ der NSDAP in Essen. Nach dem Volontariat übernahm er im August 1933 die Leitung der Lokalredaktion der Zeitung in Recklinghausen.
Danach wurde Parbel Leiter der Presse- und Propagandaabteilung der Gebietsführung Westfalen der Hitlerjugend (HJ). Als solcher war er für die dortige HJ-Zeitschrift Unsere Fahne verantwortlich. Zwischenzeitlich leistete er Wehrdienst bei der Kriegsmarine in Wilhelmshaven. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er erneut zur Kriegsmarine eingezogen und kam zu einer Marineartillerie-Einheit auf Helgoland. Daraufhin wurde er aufgrund seiner journalistischen Erfahrung Teil einer Propagandakompanie der Marine in Wilhelmshaven. Zunächst begleitete er Minenunternehmungen an der britischen Küste. Ab April 1940 begleitete er das Unternehmen Weserübung auf dem Zerstörer Z 22 Anton Schmitt, den er kurz vor dessen Versenkung bei der Schlacht um Narvik verließ und sich mit anderen Kriegsberichtern im Hotel Phönix in Narvik niederließ. Nachdem er Narvik verlassen hatte, wurde er der 2. Schnellboot-Flottille an der Atlantikküste zugeteilt, von deren Einsätzen er berichtete. Er war zuletzt Oberleutnant zur See und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse sowie mit dem Narvikschild ausgezeichnet.
Im April 1941 wurde Parbel NSDAP-Gaupropagandaleiter in Südhannover-Braunschweig sowie Landeskulturwalter und Leiter des Reichspropagandaamtes in Hannover. Zudem fungierte er auch als HJ-Gebietsführer Hannover, seine Tätigkeit als HJ-Funktionär wurde im Dezember 1944 als Oberbannführer beendet. Ab März 1944 übernahm er von Peter Gast kommissarisch die Leitung der Filmabteilung im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Als solcher war er Leiter der Filmoberprüfstelle und politischer Zensor der Deutschen Wochenschau, wobei letztere Aufgabe de facto von Reichsminister Joseph Goebbels ausgeübt wurde. Ab Juli 1944 war Parbel dann stellvertretender Leiter der Filmabteilung und stellvertretender Reichsfilmintendant.
Im Dezember 1944 wurde Parbel vom Reichspropagandaministerium für Lehrgänge, die ab Januar 1945 stattfinden sollten, zur Partei-Kanzlei abgeordnet. Er wohnte gegen Ende des Krieges im Dienstwohngebäude von Goebbels in der Hermann-Göring-Straße 20 in Berlin, wo er das Zimmer von Goebbels’ Stiefsohn Harald Quandt bezog. Bereits ab Oktober 1944 war Parbel als Kompanieführer im Volkssturm tätig. In dieser Funktion nahm er im April und Mai 1945 an der Schlacht um Berlin teil. Gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern des Propagandaministeriums war er dem Volkssturm-Bataillon „Wilhelmplatz I“ unterstellt, das unter dem Kommando von Werner Naumann stand. Im Mai 1945 geriet Parbel in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Im August desselben Jahres gelang ihm in Frankfurt (Oder) die Flucht aus einem Gefangenentransport.
Im Herbst 1945 verlegte Parbel seinen Wohnsitz in die britische Besatzungszone und lebte dort zunächst unter falschem Namen. Nach seiner Enttarnung wurde er von März 1946 bis Juni 1948 von der britischen Militärregierung interniert. Zeitweise befand er sich im Vernehmungszentrum „Wincklerbad“ in Bad Nenndorf, wo er gefoltert wurde. Im Juni 1948 wurde Parbel vom Spruchgericht Bielefeld-Bomlitz zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, auf die die zuvor verbüßte Internierungshaft angerechnet wurde. Im Rahmen des Spruchkammerverfahrens erfolgte seine Einstufung in die Kategorie III („Minderbelastete“). Zugleich wurden gegen ihn ein Berufsverbot als Journalist sowie eine Vermögenssperre verhängt.
Im Jahr 1948 zog Parbel nach Hagen-Wehringhausen. Dort war er bis 1961 als Verkaufsdirektor der Andreas-Brauerei tätig, die außer ihm noch viele weitere ehemalige NS-Funktionäre beschäftigte. In der Karnevalssession 1953/54 war er Hagener Karnevalsprinz. 1965 zog er wieder nach Recklinghausen, wo er bereits ab 1961 Direktor der Abteilung Recklinghausen der Schlegel-Scharpenseel-Brauerei war. 1963 war er Mitbegründer der „Närrischen Gesellschaft“ in Recklinghausen.
1986 stellte sich Parbel dem Medienwissenschaftler Friedrich Knilli für mehrere Interviews zu seiner nationalsozialistischen Vergangenheit zur Verfügung. Ähnlich wie bereits während seiner Vernehmungen im britischen Internierungs- und Vernehmungszentrum Bad Nenndorf sowie im Verfahren vor dem Spruchgericht stellte er sich dabei als politisch geläutert dar. Sein eigenes Wirken und insbesondere das Handeln seiner damaligen Vorgesetzten bewertete er rückblickend teilweise kritisch, zugleich jedoch in einer Weise, die stellenweise durch Distanzierung und relativierende Darstellung eigener Kenntnisse und Handlungsspielräume gekennzeichnet war. Zu den Verbrechen des NS-Regimes äußerte er sich nicht eindeutig. Vergleichbare Darstellungsweisen finden sich auch in einer 1990 entstandenen Stellungnahme Parbels.
Parbel war verheiratet und Vater von vier Töchtern.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Parbel, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher NS-Propagandist |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1913 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 1995 |