Geobra Brandstätter

Horst Brandstätter Holding GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1876
Sitz Zirndorf, Deutschland Deutschland
Leitung
  • René Feser
  • Marianne Albert (BR-Vors.)
Mitarbeiterzahl 3.198 (2023/24)
Umsatz 449 Mio. Euro (2023/24)
Branche Spielzeug, Pflanzgefäße, Gartenmöbel
Website www.horst-brandstaetter-group.com, www.playmobil.de, www.lechuza.de
Stand: 31. März 2024

Die Horst Brandstätter Holding GmbH ist die Obergesellschaft des Horst Brandstätter Konzerns, zu dem auch die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG gehört. Bekannteste Marke von geobra Brandstätter ist Playmobil. Der Sitz des Unternehmens ist im fränkischen Zirndorf.

Geschichte

Brandstätter-Unternehmenszentrale (links) und Playmobil FunPark in Zirndorf

Der Schlosser Andreas Brandstätter machte sich 1876 mit sechs Mitarbeitern selbstständig. Sein Unternehmen produzierte Beschläge für Schatullen und Schlösser. Sein Sohn Georg Brandstätter (* 3. August 1868 in Cadolzburg, † 11. Januar 1935 in Nürnberg) übernahm das Unternehmen im Jahr 1908 und prägte den Firmennamen geobra. Nach diesem Wechsel wurde es in Metallwarenfabrik Georg Brandstätter umbenannt. Das Unternehmen zog nach Zirndorf um, wo es 1926 als offene Handelsgesellschaft eingetragen wurde. Produziert wurden Kaufladenartikel, Spielzeuge, Telefongeräte und Spardosen. Zu Beginn der 1930er Jahre wurde der Unternehmensname um das Markenzeichen geobra ergänzt.

Georgs Enkel Horst Brandstätter trat 1952 in das Unternehmen ein und wurde zwei Jahre später Gesellschafter, nachdem er die Volljährigkeit erreicht hatte. Auf ihn geht die Umstellung der Produktpalette auf Kunststoff zurück. Es wurden Hula-Hoop-Reifen, lenkbare Sitztraktoren und Sparschweine produziert. Aufgrund der starken Konkurrenz im Spielwarengeschäft wurde die Produktpalette stetig erweitert und auch Wasserski, Kunststoff-Sportboote, Öltanks und Plattenspieler hergestellt. 1964 wurde die HOB GmbH & Co. KG (Horst Brandstätter) zum Bau von Plattenspielern und Wechselsprechanlagen gegründet. 1981 trat Klaus Brandstätter in das Unternehmen ein und wendete die Produktion in Richtung Software, insbesondere für Remote Access. 1969 wurden in Dietenhofen neue Fabrikgebäude gebaut, 1971 auf Malta die erste Auslandsproduktion begründet. Zu Beginn der 1970er Jahre wurden auch Einrichtungsgegenstände wie Deckenpaneele und Möbel als Produkte ins Auge gefasst, jedoch mit Beginn der Ölkrise nicht weiterverfolgt. Das Unternehmen hatte Probleme, genügend Rohstoffe zu bekommen und geriet in die roten Zahlen.

In dieser Situation wurde die Entwicklung eines kleineren Systemspielzeugs forciert, das auf von Hans Beck entwickelten Figuren basierte. 1972 wurde die Figur in Deutschland patentiert. 1973 folgten Patente in den USA, Frankreich, Italien und im Vereinigten Königreich. Im Februar 1974 wurde dann erstmals Playmobil vorgestellt und bereits im Herbst des Jahres in den Markt eingeführt. Anfangs konnte die Nachfrage kaum gedeckt werden. Bis heute ist Playmobil das wichtigste Produkt von geobra Brandstätter.

1990 zog die Firma in die heutige Firmenzentrale um. 1995 wurde die Stiftung „Kinderförderung von Playmobil“ von Firmeninhaber Horst Brandstätter gegründet. Im Jahr 2000 wurde mit der Marke Lechuza-Pflanzsysteme das Geschäftsfeld der Pflanzgefäße und Zubehör erschlossen. Die Lechuza-Pflanzsysteme bestehen aus Kunststoff und sind mit einem Erdbewässerungssystem ausgestattet.

Am 3. Juni 2015 starb der Playmobil-Unternehmensinhaber Horst Brandstätter. Er hinterließ seine beiden Kinder Klaus und Conny sowie vier Enkel. Er wurde zweimal geschieden. Nach seinem Tod ging das Unternehmen in eine Doppelstiftung über: eine gemeinnützige Stiftung und eine Unternehmensstiftung, in der die wichtigsten Mitarbeiter vertreten sind. An der offiziellen Geschäftspolitik der Firma änderte sich kaum etwas, doch intern entstand ein Führungsproblem; Insider berichteten in der Süddeutschen Zeitung von einem Machtvakuum: „Keiner der drei neuen Vorstände darf allein entscheiden, man belauere sich.“

Im März 2016 wurde erklärt und danach bestätigt, dass Judith Weingart, eine der Vorsitzenden, die Firma wegen Problemen mit ihren Vorsitzpartnern verlassen habe. Im November 2016 erklärte das Unternehmen, dass mit Steffen Höpfner ein bisheriges Mitglied des Stiftungsrates den Vorsitz des Vorstands übernehmen soll und sowohl die Unternehmensgruppe als auch die Stiftung führen werde. Die faktische Entscheidungsgewalt liegt laut Recherchen des Manager Magazins allerdings bei Marianne Albert. Die langjährige Chefsekretärin steht nicht nur der gemeinnützigen Stiftung vor, sondern leitet auch den Beirat. Und dieser „kann den Vorstand nicht nur abberufen, sondern auch Entscheidungen jederzeit an seine Zustimmung binden, wovon Albert regen Gebrauch macht. (…) Nun zweifelt kaum noch jemand daran, wer die Herrin im Haus ist.“

Anfang Oktober 2023 gab die Horst Brandstätter Group bekannt, aufgrund von Umsatz- und Gewinneinbußen insgesamt rund 700 Stellen zu streichen, davon etwa 370 in Deutschland. Dies entspreche einem Anteil von 17 Prozent der Gesamtbelegschaft und von 16 Prozent in Deutschland. Tage zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Gruppe den nicht mehr als Kernkompetenz erachteten Formenbau auslagert und 74 Stellen streicht. Nach Verhandlungen zwischen Betriebsrat und dem Unternehmen konnte im Rahmen einer Einigungsstelle eine einvernehmliche Lösung gefunden werden, wie im September 2024 bekannt gemacht wurde. Die Personalabbaumaßnahmen im Zuge der Restrukturierung sind damit abgeschlossen und der Stellenabbau sei demnach deutlich geringer als ursprünglich geplant, wie die Nürnberger Nachrichten berichten.

Sonstiges

Anlässlich des 50. Geburtstags der Marke Playmobil haben zehn Künstler je eine 1,50 Meter große Playmobil-Figur künstlerisch gestaltet. Die Kunstwerke werden im September 2024 zugunsten von Save the Children Deutschland e. V. versteigert.

Standorte und Unternehmen

Das Werk in Dietenhofen wird Ende Juni 2026 geschlossen, die Produktion nach Malta und Tschechien verlagert.

Ehemalige und aktuelle Produktpalette

(Quelle:)

Umsatzentwicklung

Geschäfts-
jahr
Umsatz (in Mio. €) Mitarbeiter-
zahl
Quelle
Brandstätter
Gruppe
Playmobil
weltweit
Lechuza
2023/24 449 381 46 3.198
2022/23 532 467 45 3.906
2021/22 692 614 62 4.089
2020/21 721 653 54 4.133
2019/20 687 636 41 4.547
2018/19 719 669 40 4.519
2017/18 715 k. A. k. A. 4.528
2017741679–4.443
2016671611––
2015616558––
201459553546,44.166
201361255247,54.069
201259153146,93.701
201156450545,63.520
2010560507333.250
2009518474393.060
2008496452223.000
2007459427202.861
2006402379122.721
20053773612.591
20043703592.500
2003331,43242.428
20023012602.267
2001292,92682.318

Etwa 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Es gibt Playmobil-Vertriebsstätten in vielen Ländern Europas und in den USA, Kanada und Mexiko.

„Der Spiegel“ stellte 2013 die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG als Musterbeispiel heraus. Ihr Alleineigentümer weigere sich, „seine Spielzeugfiguren in Asien produzieren zu lassen. Weil er mit seinen Männchen lieber Land um Land mit eigenem Geld erobert, statt an die Börse zu gehen, nach einem Fusionspartner zu suchen oder was wild gewordene Investmentbanker um die Jahrtausendwende sonst noch alles so forderten. Einen Lehman-Crash, eine Schuldenkrise und eine europäische Rezession später stehen Unternehmer vom Schlage Brandstätters plötzlich für Zukunft.“

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Bundesanzeiger: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.04.20233 bis zum 31.03.2024, abgerufen am 8. Oktober 2025.
  2. 1 2 Standorte, auf company.playmobil.com
  3. 1 2 3 4 5 PLAYMOBIL - Unternehmensgeschichte, auf company.playmobil.com
  4. ↑ Chaos im Spielzeugladen. In: Süddeutsche Zeitung vom 27. November 2015, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  5. ↑ Gezänk im Playmobil Land. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. März 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  6. ↑ PLAYMOBIL: Führungswechsel, auf dasspielzeug.de
  7. ↑ Playmobil hat neuen Chef. In: Spiegel Online vom 1. Dezember 2016, abgerufen am 16. Mai 2017.
  8. ↑ Martin Mehringer: Die will nicht nur spielen. In: Manager Magazin, Ausgabe 12/2016, Seite 48 ff.
  9. ↑ Amy Walker: Krise bei Playmobil: Hunderte Stellen werden in Deutschland gestrichen. In: merkur.de. 2. Oktober 2023, abgerufen am 28. Februar 2024.
  10. ↑ Stellenabbau bei Playmobil in Zirndorf und Dietenhofen: Einigung nach zähem Kampf. Abgerufen am 11. September 2024.
  11. ↑ Playmobil 50th Anniversary Artist Project. In: Kabinett Online. 22. August 2024, abgerufen am 11. September 2024 (deutsch).
  12. ↑ Werben & Verkaufen: Playmobil-Figuren als Kunstwerke: Paradebeispiel für eine Win-win-Situation | W&V. 21. August 2024, abgerufen am 11. September 2024.
  13. 1 2 3 4 Standorte, auf company.playmobil.com
  14. ↑ PLAYMOBIL Distributors, auf company.playmobil.com
  15. ↑ Playmobil-FunStores, auf funstores.playmobil.com
  16. ↑ PLAYMOBIL - FunStore, auf company.playmobil.com
  17. 1 2 Lechuza Stores, auf lechuza-stores.de
  18. ↑ PLAYMOBIL FunParks International, auf company.playmobil.com
  19. ↑ https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/playmobil-werk-in-mittelfranken-soll-ende-juni-schliessen,VGT5IGN
  20. ↑ LECHUZA Design, Innovation und Qualität (Memento des Originals vom 13. Juni 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., auf lechuza.de/
  21. 1 2 3 4 5 6 7 Horst Brandstätter Holding GmbH, Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.04.2023 bis zum 31.03.2024. Abgerufen am 2. Juli 2025.
  22. ↑ Brandstätter-Gruppe Zahlen und Daten (via WebArchive) | Company. Archiviert vom Original am 9. Juni 2018; abgerufen am 7. August 2018 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  23. 1 2 Brandstätter-Gruppe Zahlen und Daten, company.playmobil.com, abgerufen am 31. Januar 2018.
  24. ↑ geobra Brandstätter: Playmobil-Umsatz wieder über halbe Milliarde – Rekordinvestitionen von 81,5 Mio. vor allem in Deutschland geplant (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im September 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.), k-online.de, abgerufen am 25. Februar 2018
  25. ↑ Playmobil auf Siegeszug in den Kinderzimmern (Memento vom 28. Januar 2011 im Internet Archive), tagesschau.de, abgerufen am 25. Februar 2018
  26. ↑ Playmobil erzielt erneut Umsatzrekord
  27. ↑ Playmobil Fakten 2007 (Memento des Originals vom 26. Dezember 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  28. ↑ Brandstätter-Gruppe – die wichtigsten Daten (Memento des Originals vom 20. Februar 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (MS Word; 23 kB)
  29. ↑ IHK Nürnberg: Hohe Investitionen in Deutschland, abgerufen am 25. Februar 2018
  30. ↑ IHK Nürnberg: Brandstätter Gruppe: Neue Arbeitsplätze durch Kapazitätserweiterung, abgerufen am 25. Februar 2018
  31. ↑ IHK Nürnberg: Mit Playmobil zweistelliges Umsatzplus, abgerufen am 25. Februar 2018
  32. ↑ IHK Nürnberg: Wieder Rekordergebnis eingefahren, abgerufen am 25. Februar 2018
  33. ↑ Christian Rickens: Mittelstand. Die Besessenen. Der Spiegel, Heft 39/2013, 21. September 2013