LEW EL 2

LEW-Baureihe EL 2
LEW EL2 4-1070 in Klettwitz (Oktober 2010)
LEW EL2 4-1070 in Klettwitz (Oktober 2010)
LEW EL2 4-1070 in Klettwitz (Oktober 2010)
Anzahl: 1384
Hersteller: LEW
Baujahr(e): 1952–1988
Achsfolge: Bo’Bo’
Spurweite: 1435 / 1520 mm
Länge über Puffer: 13.000 mm/
13.700 mm
Breite: 3100 mm
Höhe: 4050 mm (bei gesenkten Stromabnehmern)
Drehzapfenabstand: 6250 mm
Drehgestellachsstand: 2500 mm
Gesamtachsstand: 8800 mm
Treibraddurchmesser: 1120 mm
Dienstmasse: 100 t
Reibungsmasse: 100 t
Radsatzfahrmasse: 25 t
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Stundenleistung: 1400 kW (1900 PS)
Dauerleistung: 1160 kW (1580 PS)
Anfahrzugkraft: 294 kN
Stromsystem: 1200 V, 1500 V, 2400 V =
Stromübertragung: Ober- und Seitenfahrleitung
Fahrmotoren: 4
Lokomotivbremse: Druckluftbremse, elektrische Widerstandsbremse
Zugbremse: Druckluftbremse
Kupplungstyp: Bolzenkupplung mit seitlichen Puffern
Zugheizung: nicht vorhanden

Die elektrische Grubenlok EL 2 wurde bei LEW Hennigsdorf von 1952 bis 1988 für Normalspur entwickelt und in 1384 Exemplaren gefertigt. Die schweren Lokomotiven kamen in den Tagebaubetrieben für den Transport von Braunkohle und Abraum zum Einsatz.

Geschichte

Führerstands-Innenansicht einer Umbaulokomotive EL2m

Die auch „Hundert-Tonnen-Loks“ genannten Gleichstrom­lokomotiven gehören der am meisten gebauten Ellok-Baureihe Deutschlands an. Etwa die Hälfte, rund 700 Lokomotiven wurde an DDR-Betriebe geliefert. Abnehmer waren auch Bulgarien (206), China (186) und Polen (62). In die UdSSR wurden zwischen 1957 und 1970 245 breitspurige Lokomotiven geliefert.

In Deutschland existiert die Ursprungsausführung im Betriebsdienst im Gegensatz zu Osteuropa und China inzwischen nur noch in drei Exemplaren im Lausitzer Braunkohlerevier, wo sie insbesondere zum Enteisen der Oberleitungen im Winter eingesetzt werden. Modernisierte Lokomotiven dieser Bauart verkehren bei der MIBRAG (teilmodernisiert am Tagebau Profen bei Zeitz) und bei der LEAG im Lausitzer Braunkohlerevier, bezeichnet als EL 2m.

Am 30. April 2026 wurden die letzten Lokomotiven der Bauart EL 2 der Grubenbahn des Braunkohletagebaus KWB Konin abgestellt. Damit gingen fast sieben Jahrzehnte Einsatz dieser Lokomotiven in der polnischen Braunkohlenindustrie zu Ende.

Technik

Seitenstromabnehmer: rechts

Die Drehgestelle sind untereinander kurzgekuppelt, der Brückenrahmen überträgt keine Zugkräfte. Wegen der Kurzkupplung ist einer der Drehzapfen längsbeweglich. Durch die gekuppelten Drehgestelle und die zusätzlichen Federn an Stelle von Ausgleichshebeln zwischen den Achsen in einem Drehgestell stützt sich die Maschine auf vier Punkten ab. Die Radsätze laufen bei den Maschinen der ersten Baujahre in Gleitlagern mit Peyinghaus-Schleuderschmierung, bei den späteren Lieferungen wurden Rollenlager eingebaut. Grubenbahntypisch sind die tiefliegenden Stoßbalken an Stelle der Bahnräumer. Sie sind in beiden Drehgestellen beidseitig (also auch in Fahrzeugmitte) vorhanden und sollen bei Entgleisungen, die insbesondere auf Strossengleisen häufiger vorkommen können, das Abrutschen vom Gleisrost verhindern. Die an deutsche Betreiber gelieferten Maschinen sind in der Regel mit Grubenbahnkupplungen ausgerüstet. Seitenpuffer sind einbaubar, aber nicht immer vorhanden. In die Grubenbahnkupplung ist eine Schraubenkuppelkette einsetzbar. Damit sind Regelfahrzeuge kuppelbar, wichtig für den umladefreien Transport von Wagenzügen in das öffentliche Eisenbahnnetz. Beispielsweise in Polen laufen auch Lokomotiven mit vollständiger Schraubenkupplung mit Zughaken. Die Lokomotiven für China und die UdSSR wurden mit den dort üblichen Mittelpufferkupplungen ausgeliefert.

Die Lokomotiven sind mit Stromabnehmern für Oberleitung ausgerüstet, zusätzlich sind Seitenstromabnehmer einbaubar. Benötigt werden diese für Strossengleise und für Anlagen, in denen die Wagen von oben beladen werden. Geliefert wurden die Maschinen in der Regel mit Scherenstromabnehmern, insbesondere modernisierte laufen auch mit Einholmstromabnehmern.

Wegen der Achslast von 25 Tonnen werden die Lokomotiven bei Überführungsfahrten im Fernbahnnetz als außergewöhnliche Sendung und Schwerwagen behandelt. Durch separaten Transport des Brückenrahmens auf einem Flachwagen ist die Achslastüberschreitung vermeidbar.

Museums- und Denkmallokomotiven

Galerie

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Holger Neumann, Henry Burde: Kohlenloks, In: Modelleisenbahner 1992; S. 16
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Elektrische Industrielokomotive 100t. (PDF; 3,1 MB) Prospekt für den Exportmarkt. VEB Lokomotivbau-Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“, abgerufen am 30. November 2022.
  3. ↑ Lorenzo Pallotta: Poland’s LEW EL2 ‘Crocodiles’ reach the end of the line. In: Railcolor News. 8. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026 (britisches Englisch).
Commons: LEW EL 2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien