Laerbrock

Der Laerbrock ist eine Flurbezeichnung im Kreis Coesfeld an der Grenze der Nachbarorte Bösensell, Schapdetten und Havixbeck.

Münsteraner Landtage

Seine historische Bedeutung hat der Laerbrock als der Ort, an dem zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert Landtage des Hochstifts Münster abgehalten wurden. Er befand sich verkehrsgünstig an einem neutralen Ort. Hier trafen sich die Landstände des Oberstifts, um Entscheidungen in gemeinsamen Angelegenheiten zu treffen. Sie waren dabei in drei Gruppen (Kurien) unterteilt: das Domkapitel, die Ritterschaft und die 13 Städte des Oberstifts. Für diese stimmten in den meisten Fällen die Bürgermeister von Coesfeld und Münster ab.

Die drei Stände tagten bis 1267 ausschließlich in der Stadt Münster. Dort traf man sich in den Räumen des Domkapitels, des alten Doms oder in der Jacobikirche. Zu dieser Zeit waren die Treffen der Stände noch nicht formalisiert. Erst im 13. Jahrhundert bildeten sich die formalen Strukturen eines Landtags heraus. Hierzu gehörte, dass der Landesherr oder der ständische Ausschuss die Stände formal unter Angabe von Tag und Ort einlud. Diese Einladungen erfolgten nun nicht mehr in die Räume des Domkapitels, sondern an den Laerbrock, an dem früher Adelstage stattgefunden hatten. Ob die Tagung von 1267 bereits ein Landtag war, ist unklar. Sicher ist nur die Anwesenheit einiger Ministralen. Für 1269 sind alle drei Kurien belegt, nicht aber der Ort. Die erste Urkunde, die alle drei Kurien auf dem Laerbrock nennt, stammt vom 21. Februar 1274. Ab 1585 verlegte man die Landtage wieder in die Stadt Münster. Danach fand nur noch einmal ein Landtag auf dem Laerbrock statt. Zur Demütigung der ihm feindlich gesinnten Stadt Münster lud der Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen einen Landtag am 5. August 1668 auf den Laerbrock statt in die Stadt Münster ein. Dass Landtage unter freiem Himmel abgehalten wurden, war in der damaligen Zeit nicht ungewöhnlich. So trafen sich z. B. die Landstände der Landgrafschaft Hessen am Spießturm.

Das Laerbrockkreuz

Das Laerbrockkreuz (April 2007)

Das Laerbrockkreuz ist ein Flurkreuz auf dem Laerbrock. Das von einem modernen Wetterdach geschützte Holzkreuz ist eine Kopie. Das Original wurde in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Bösensell untergebracht.

Der Laerbrock liegt am Rand des Naturschutzgebietes Bruchwald am Femekreuz, siehe Liste der Naturschutzgebiete im Kreis Coesfeld.

Literatur

Belege

  1. 1 2 Universität Münster, Käte Hamburger Kolleg: Laerbrockkreuz. Abgerufen am 17. September 2026.
  2. ↑ Wilhelm Kohl (Hrsg.): Das Bistum Münster, 7. Die Diözese, Band 1, Teil von Germania Sacra, 1999, ISBN 3-11-016470-2, § 29 Die Landstände, S. 396 f.

Koordinaten: 51° 55′ 50,7″ N, 7° 26′ 24,5″ O