Lajos Steier

Lajos Steier

Lajos Steier (geb. 2. März 1885 in Sankt Nikolaus in der Liptau; gest. 3. Jänner 1938 in Wien) war ein ungarischer und slowakischer Historiker und Publizist.

Sein Vater, Ignác Steier, war ursprünglich Lehrer und Drucker. Nach der Matura am Gymnasium von Zipser Neudorf studierte er Ingenieurwesen, später Rechtswissenschaften und schloss sein Studium an der Universität Budapest ab.

Nach seinem Studium arbeitete er als Journalist und spezialisierte sich auf nationale Themen, insbesondere die slowakische Frage. Er betonte die Notwendigkeit einer effektiveren staatlichen Förderung der slowakischen Standardsprache und der Entwicklung einer eigenständigen slowakischen Identität als Gegengewicht zu tschechischen Bestrebungen.

Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 war er der Hauptgegner der tschechoslowakischen offiziellen Geschichtsschreibung und erregte Aufsehen mit seinem umfangreichen Werk Ungarns Vergewaltigung. Oberungarn unter tschechischer Herrschaft, das 1929 in Wien (im Amalthea-Verlag, 1040 Seiten) auf Deutsch veröffentlicht wurde.

Professor Albert Pražák meint in seinen Memoiren: Steier veröffentlichte slowakische autonomistische Stimmen gegen uns in einem großen, in München erschienenen Buch. Die ausländische Presse sprach täglich über die slowakische Frage, dass sie gelöst werden müsse, und die slowakische autonomistische Presse lieferte ihm immer mehr schamloses Material.

Václav Chaloupecký rezensiert in seinem Werk Zápas o Slovensko 1918 Steiers Werk wie folgt: Lajos Steier schreibt in seinem Werk "Ungarns Vergewaltigung" ebenfalls aus einer feindseligen Perspektive über die revolutionären Ereignisse. Trotz seines Umfangs ist Steiers Werk völlig wertlos. Er ist nicht nur tendenziös und greift unkritisch auf die dubiosesten Quellen zurück, sondern lügt schamlos und dreist, um die Tschechen bloßzustellen und zu zeigen, wie sie ein angeblich gut gemeintes Abkommen tatsächlich gebrochen und hintergangen hätten.

Im Auftrag der Ungarischen Historischen Gesellschaft (Történelmi Társulat) durchsuchte Steier die Wiener Archive und veröffentlichte 1937 slowakische Dokumente aus den Jahren 1848/1849. Als Vorsitzender der Oberungarischen Wissenschaftlichen Gesellschaft (Felvidéki tudomány társaság) stellte er 1937 unter dem Titel Czambel emlékkönyv eine Sammlung von Werken des bedeutenden Linguisten Samuel Czambel zusammen.

Das Slowakische Biographische Wörterbuch charakterisiert ihn als Gegner der slowakischen Nationalbewegung, Verteidiger der Unversehrtheit Ungarns und nach 1918 als einen der führenden Vertreter des Irredentismus.

Seit 1920 war Steier verheiratet.

Werke

Quellen

Commons: Lajos Steier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Anzeige im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel - Nr. 259, 6. November 1928, S. 35: hier wird dieses Buch regelrecht angepriesen als hochaktuelles Werk und wertvolle Quelle.
  2. ↑ Im Original: Steier uveřejnil slovenské autonomistické hlasy proti nám ve velké knize vydané v Mnichově. Cizí tisk mluvil denně o slovenské otázce, že musí být řešena, a slovenský autonomistický tisk dodával mu čím dále tím nestoudnější materiál. - Albert Pražák: Politika a revoluce. Paměti, Verlag Academia, Prag 2004, S. 48.
  3. ↑ Im Original: Hlediska nám nepřátelského píše o převratových událostech též Lajos Steier v své práci Ungarns Vergewaltigung. Přes svoji rozsáhlost je práce Steierova úplně bezcenná. Nejenom, že je tendenční a že nekriticky čerpá z nejkalnějších pramenů, ale Steier lže bez studu a zahanbení, aby jen ty Čechy zostudil a ukázal, jak prý vlastně dobromyslnou Dohodu klamali a podvedl. - Václav Chaloupecký: Zápas o Slovensko 1918, Verlag Čin, Prag 1930, S. 10.
  4. ↑ Slovenský biografický slovník, Matica slovenská, Martin 1986–1994