Freistaat Anhalt

Anhalt
Wappen Flagge
Wappen von Anhalt
Flagge von Anhalt
Lage im Deutschen Reich
Entstanden aus Herzogtum Anhalt
Heute (Teil von): Sachsen-Anhalt
Daten aus dem Jahr 1925
Landeshauptstadt Dessau
Regierungsform Republik
Staatsoberhaupt Ministerpräsident
Verfassung Verfassung vom 18. Juli 1919
Bestehen 1918–1945
Fläche 2314 km² (1939)
Einwohner 351.045
Bevölkerungsdichte 152 Einwohner pro km²
Religionen 91,4 % Ev.
4,0 % Römisch-katholische
0,1 % andere Christen
0,3 % Juden
4,2 % Sonstige
Hymne Anhalt-Lied
Reichsrat 1 Stimme
Kfz-Kennzeichen A
Verwaltung 5 (ab 1932: 4) Kreise
Karte
Anhalt 1863–1942
Physikalisch-politische Karte des Freistaates Anhalt, undatiert

Der Freistaat Anhalt, ab 1934 Land Anhalt, bestand von 1918 bis 1945 als Land des Deutschen Reiches. Es war in der Weimarer Republik Nachfolger des Herzogtums Anhalt im Deutschen Kaiserreich. 1945 wurde das Land Anhalt mit Teilen Braunschweigs und Thüringens der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen, ab 1947 bildete diese das neue Land Sachsen-Anhalt.

Entwicklung

Am 12. November 1918 wurde aus dem Herzogtum Anhalt eine Republik, da Prinzregent Aribert von Anhalt nach Straßendemonstrationen im Namen des noch minderjährigen Herzogs Joachim Ernst von Anhalt und der gesamten anhaltischen Fürstenfamilie auf den Thron verzichtete. Die Abdankung folgte der Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrats in Dessau unter dem Vorsitz von Bürgermeister Fritz Hesse am 9. November 1918. Am 14. November kam es zur Bildung einer vorläufigen Regierung aus SPD und DDP unter Führung von Wolfgang Heine (SPD).

Bei der Wahl zur konstituierenden (= verfassunggebenden) Landesversammlung am 15. Dezember 1918 erhielt die SPD eine absolute Mehrheit (58,03 %) der Wählerstimmen, setzte die Koalition mit der DDP aber fort. Die von der Landesversammlung erarbeitete Verfassung für Anhalt wurde am 18. Juli 1919 beschlossen.

Bei den Landtagswahlen am 24. April 1932 wurde die NSDAP mit 15 Mandaten (sechs Mandatsträger waren aus Dessau) stärkste Fraktion. Mit Hilfe der bürgerlichen Rechten wurde am 21. Mai Alfred Freyberg (NSDAP) zum Ministerpräsidenten einer NSDAP/DNVP-Koalition gewählt. Freyberg war der erste nationalsozialistische Ministerpräsident in Deutschland. Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft musste unter anderem das Bauhaus in Dessau seinen Lehrbetrieb einstellen. De facto büßten alle Länder des Deutschen Reiches ihre Eigenständigkeit bereits mit dem Gleichschaltungsgesetz vom 31. März 1933 ein. Mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reichs vom 30. Januar 1934 gingen die Hoheitsrechte aller deutschen Länder auf das Reich über.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Anhalt seine Eigenständigkeit und wurde am 20. Oktober 1946 mit der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen zur Provinz Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen.

Nach der deutschen Wiedervereinigung führte die Kreisreform 1994 innerhalb des Landes Sachsen-Anhalt zur Einrichtung des Landkreises Anhalt-Zerbst, so dass der historische Name „Anhalt“ nicht nur im Landesnamen, sondern auch in einem Kreisnamen weiterlebte; in einer neuerlichen Kreisreform wurde dieses Gebiet am 1. Juli 2007 dem neu gebildeten Landkreis Anhalt-Bitterfeld zugeschlagen, wodurch Anhalt als Bestandteil auch dieses neuen Kreisnamens weiterlebt (obwohl Teile des Landkreises, wie etwa Bitterfeld, nie zum historischen Anhalt gehörten). Das Gebiet der Evangelischen Landeskirche Anhalts entspricht noch heute dem ehemaligen Herzogtum bzw. Freistaat Anhalt.

Politik

Landtag

Der Landtag des Freistaates Anhalt hatte seinen Sitz in Dessau. Dessen konstituierende Sitzung war am 20. Februar 1919. Die Legislaturperioden dauerten ab 1923 vier Jahre, davor nur drei Jahre. Es gab als Wahlsystem ein Verhältniswahlrecht, jedoch mit geschlossenen Listen. Als Rechenverfahren wurde das Hare/Niemeyer-Verfahren benutzt. Im Reichsrat hatte das Land eine Stimme.

Ministerpräsident

Die Präsidenten des Staatsrates 1918–1922 bzw. Ministerpräsidenten des Freistaates Anhalt 1922–1933 bzw. des Landes Anhalt 1933–1945:

Ministerpräsident Partei Amtsbeginn Amtsende
Wolfgang Heine SPD 14.11.1918 23.07.1919
Heinrich Deist 23.07.1919 09.07.1924
Willy Knorr DNVP 09.07.1924 25.11.1924
Heinrich Deist (zweite Amtszeit) SPD 25.11.1924 21.05.1932
Alfred Freyberg NSDAP 21.05.1932 08.01.1940
Rudolf Jordan 08.01.1940 April 1945

Reichsstatthalter

Mit dem Gleichschaltungsgesetz verloren die Länder ihre Souveränität und es wurden folgende Reichsstatthalter für Anhalt und Braunschweig mit Sitz in Dessau eingesetzt:

Reichsstatthalter Amtsbeginn Amtsende
Wilhelm Friedrich Loeper 06.05.1933 23.10.1935
Fritz Sauckel November 1935 20.04.1937
Rudolf Jordan 20.04.1937 April 1945

Demographie

Der Freistaat zählte im Jahre 1925 351.045 Einwohner auf einer Fläche von 2299 km². 1939 waren es 436.213 Einwohner bei einer Fläche von 2314 km².

Territoriale Gliederung

1942 wurden die preußischen Gemeinden Löbnitz a. d. Linde, Repau, Pösigk, Schierau, Priorau, Möst und Goltewitz in das Land Anhalt eingegliedert sowie die Gemeinden Tilkerode, Unterwiederstedt und Wadendorf in die Provinz Sachsen des Landes Preußen ausgegliedert.

Verwaltungsgliederung

Karte von Anhalt (1897) aus Meyers, alle zu Anhalt gehörigen Gebiete sind schwarz umrandet

Anhalt 1918–1945:

Literatur

Commons: Freistaat Anhalt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ www.verfassungen.de: Verfassung für Anhalt vom 18. Juli 1919
  2. ↑ Ralf Regener: Der Sturz der Askanier 1918 in Anhalt. Bedingungen, Verlauf und Nachwirkungen des Untergangs einer kleinstaatlichen deutschen Monarchie, Dessau-Roßlau 2013, S. 63–90.
  3. ↑ Tabelle
  4. ↑ Die Verfassung für Anhalt (Volltext)
  5. ↑ Tabelle: Wahlen zum 6. Landtag
  6. ↑ Der Freistaat Anhalt. Ereignisse 1918–1933 (Chronologie)
  7. ↑ Ralf Regener: Die Ministerpräsidenten des Freistaates Anhalt. Biogramme zu Wolfgang Heine, Heinrich Deist, Willy Knorr und Alfred Freyberg. Magdeburg 2026, doi:10.25673/124151.