Daodejing

Dàodéjīng (道德經) – Kleine Siegelschrift

Das Daodejing oder Daudedsching (auch Tao-te-king; chinesisch 道德經 / 道德经, Pinyin Dàodéjīngⓘ/?, IPA (hochchinesisch) [tâʊ tɤ̌ tɕíŋ], W.-G. Tao4 Te2 Ching1, Jyutping Dou6dak1ging1) ist eine Sammlung von Spruchkapiteln, die der chinesischen Legende nach von einem Weisen namens Laozi (auch bekannt als Laotse) stammt, der nach Niederschrift des Daodejing in westlicher Richtung verschwunden sei. Er hinterließ die Gründungs­schrift des Daoismus mit einer umfassenden Weltsicht, die durch praktisch anwendbare Weisheit geprägt ist. Obwohl der Daoismus verschiedene Strömungen umfasst, die sich von den Aussagen des Daodejing erheblich unterscheiden können, wird dieses Werk von den Anhängern aller daoistischen Schulen als kanonischer, maßgebender Text angesehen. Es beinhaltet eine humanistische Staatslehre, die die Befreiung von Gewalt und Armut und die dauerhafte Etablierung eines harmonischen Zusammenlebens und letztlich den Weltfrieden zum Ziele hat. Der größte Teil des Textes entstand vermutlich im oder vor dem 4. Jahrhundert v. Chr., wobei seine Entstehungsgeschichte ungewiss und weiterhin Gegenstand sinologischer Forschung ist.

Grundbegriffe

Vereinfacht formuliert bezeichnet der Leitbegriff Dao (道) den Weg, in aktiver Form „lenken, in Verbindung setzen (regulieren)“. Übertragen bedeutet es hier den Ursprung und „Fluss“ des Universums, das Eine als (noch-)nicht-dualistisches Prinzip, mit der Fähigkeit des vielfältigen Werdens; es ist die ewige, höchste Wirklichkeit, die das Nicht-Sein (無 / 无, wú) ebenso wie das Dasein (有, yǒu) umfasst und „ohne Handeln“ (wúwéi) letztlich ein natürliches, dynamisches Gleichgewicht zwischen dem bildet, was als Gegensätzliches erscheint (und sich dabei bedingt). Das De (德) entspricht der Verwirklichung, der Tugend (im Erkennen und Folgen des Dao), der Integrität und der inneren Stärke (des ursprünglichen Charakters). Beide namensgebende Zeichen werden abweichend vom konfuzianischen Verständnis verwendet, sie beziehen sich auf die gesamte, nicht nur die menschliche Welt und stehen für etwas nicht letztgültig Bestimmbares, auf dessen eigentliche Bedeutung das Werk hindeuten möchte. Trotz mancher Nähe zu westlichen Vorstellungen (etwa dem Einen in der griechischen Philosophie) gibt es nur teilweise Überschneidungen, so dass beide Begriffe oft unübersetzt belassen werden. Mit Jing (經 / 经), „Klassiker“, als Schriftzeichen gleichbedeutend mit einer „(Gewebe-)Kette“, wird ein kanonisches Werk benannt. Der offizielle Ehrentitel bezog sich zuerst im engeren Sinn auf sechs alte „heilige Schriften“. Der verbindliche Kanon wurde seit der Han-Dynastie erweitert und dabei unterteilt. Die Kategorie Jing enthielt danach zusätzlich konfuzianische Standardtexte, die des Shi (史) hauptsächlich Werke der Geschichte und des Landes, Zi (子) die Werke der „Meister“ bzw. Philosophen und Jí (集) die „schöne Literatur“ (Poesie und Prosa), jeweils inklusive interpretierender Schriften. Der Buddhismus in China übernahm den Begriff Jing für seine heiligen Texte, die Sutras (सूत्र sūtra = „Faden“, „Kette“).

Das Buch

Schreibweisen

In der chinesischen Schrift existieren neben verschiedenen Rechtschreib- auch verschiedene Schriftsysteme. Außer diversen Schriftarten unterscheidet man heute allgemein schon im Kaiserreich benutzte Langzeichen, die nur noch in Hongkong, Macau und Taiwan amtlich sind, und in der Volksrepublik geschaffene Kurzzeichen, welche in Festlandchina, Singapur und Malaysia als offizieller Standard gelten. In älteren historischen Quellen wird das Daodejing in Langzeichen wiedergegeben, neuere Quellen geben es auch in Kurzzeichen wieder. Auch für die Umschrift der Zeichen in das lateinische Alphabet gibt es verschiedene Systeme; das für Hochchinesisch am weitaus häufigsten benutzte und inzwischen in allen Staaten mit chinesischer Amtssprache offizielle ist das Hanyu-Pinyin-System (meist kurz: Pinyin).

Zeichen Couvreur Lessing-Othmer Pinyin Schwarz Stange Tongyong Pinyin Unger Wade-Giles Wilhelm Yale
道道taodaudàodautaodàotaotaotaodau
德德tédedédetêdétêhtêtede
經经king/tsingdjingjīngdschingking/tsingjingkingchingkingjing

Quellen zur Tabelle:
Anmerkung: „經 / 经“ auch möglich als Ging

Sprachhistoriker des Sinitischen sind sich erstaunlich einig, dass es in der altchinesischen Sprache noch gar keine Töne (d. h. Toneme), sondern nur segmentale Phoneme (Konsonanten und Vokale) gab. Nach der StarLing-Datenbank von Sergei und George Starostin wurde 道德經 im vorklassischen Altchinesischen „lhūʔ tǝ̄k kēŋ“ ausgesprochen und im klassischen Altchinesischen „lhū́ tǝ̄k kēŋ“.

Urheberschaft

Lǎozǐ (老子) ist ein Ehrentitel und heißt sinngemäß der alte Meister und bezeichnet den vermeintlichen Verfasser des Daodejing, gelegentlich aber auch das Buch selbst. Außer dem Werk selbst liegen uns über die als Autor vorgestellte Person nur eine kurze Legende und einige Erwähnungen durch den späteren Geschichtsschreiber Sima Qian sowie mehrere fiktive Gespräche (geschrieben von Schülern des Konfuzius und des Zhuangzi) vor. Dass es den „Beamten“ Li Er (李耳), Höflichkeitsname Bo Yang (伯陽, Herr von/Ältester/Onkel Yang), später Lao Dan (老聃, Altes Langohr), der posthum mit dem Ehrennamen Laozi bezeichnet worden sei, so wirklich gegeben hat, gilt heute als unwahrscheinlich. In Bezug auf die Urheberschaft wurde dies erstmals durch H. A. Giles (1886) stark angezweifelt. „Und doch spricht aus den vor uns liegenden Aphorismen eine originale und unnachahmliche Persönlichkeit an, unseres Erachtens der beste Beweis für ihre Geschichtlichkeit.“ (R. Wilhelm) Allerdings kann der Text sicherlich nicht aus einer Feder und auch nicht aus der Lebenszeit eines einzelnen Menschen stammen, da die einzelnen Kapitel des Daodejing erhebliche Unterschiede im Sprachstil aufweisen. Daher widersprach schon 1910 Julius Grill der Theorie eines Autors: „Hätte Lao-tse selbst seine Ansichten niedergeschrieben, so würden die einzelnen Teile des Werks wohl mehr logisch zusammenhängen. Daher ist es wahrscheinlicher, daß das Buch wie alle ähnlichen Werke aus jener Zeit erst von seinen Schülern oder Verehrern zusammengestellt wurde, welche die Aussprüche des Meisters gesammelt hatten. Es ist möglich, daß Lao-tse selbst seine Gedanken wenigstens teilweise aufgezeichnet hatte, in zwangloser Reihenfolge wie Pascals Pensees, und daß sie von den Schülern ergänzt und in die endgültige Form gebracht wurden.“ Da die chinesische Sprache allgemein nicht zwischen Singular und Plural unterscheidet, könnten mit der Bezeichnung Laozi aber auch einfach die alten Meister gemeint sein, diese z. B. von Hermann Gipperich vertretene These lehnte Richard Wilhelm jedoch als „sprachlich unmöglich“ ab. Während Victor H. Mair der Titel-These „Alte Meister“ erneut zustimmte, hält Viktor Kalinke dies für „letztlich unüberprüfbar“. Denkbar wäre nach Hans-Georg Möller, dass etabliertes mündliches Spruchgut aus Gründen des zeitgemäßen Prestiges nachträglich zu einem Buch samt einem Verfasser geformt wurde. Es bleibt der Schluss, „die Analekten, Guanzi, Mozi, Zhuangzi und Laozi sind fraglos Kompendia heterogenen Ursprungs, die erst mit dem hanzeitlichen Bedürfnis nach textlicher Ordnung und Kategorisierung zu »Büchern« zusammengefaßt wurden“ (Martin Kern). Eine Übersicht zum Stand der wissenschaftlichen Diskussion bietet Xiaogan Liu in seinem Beitrag zum „Gründer-Mythos“ des Daoismus von 2015.

Der chinesischen Tradition zufolge soll Laozi zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben. Die Zeit war von Unruhen und Kriegen geprägt und eine Blütezeit der chinesischen Philosophie, da viele Gelehrte sich Gedanken machten, wie wieder Frieden und Stabilität erreicht werden könnten. Der Legende nach war Laozi ein kaiserlicher Archivar und Bibliothekar. Es wird etwa von Zhuangzi erzählt, dass Konfuzius ihn aufsuchte, um von ihm zu lernen. Der Wirren der Zeit müde, soll Laozi sein Amt niedergelegt haben um nach Westen auszureisen. Der Philosoph und Astronom/Astrologe Yin Xi (尹喜, auch: Guanyinzi 關尹子) sei der Wächter am Hangu-Pass (函谷關), der damaligen Westgrenze des Reiches, gewesen und habe ihn dort aufgefordert, der Welt seine Weisheit nicht vorzuenthalten, woraufhin Laozi das Daodejing schrieb und dem Grenzwächter überreichte. Diese Geschichte wird heute ebenso wie die anderen Teile der Biographie des „alten Meisters“ von den meisten als Legende betrachtet. Sima Qian selbst, der in Kap. 63 seines Shiji (ca. 91 v. Chr.) die ältesten Beschreibungen von Laozi lieferte: „So weiß denn niemand in der Welt, was richtig ist und was falsch.“

„doch wachse ich an wert
je weniger mich kennen“

– Laozi: Kap. 70
(Übers.: E. Schwarz)

Textgestalt

Daodejing (道德經) – Mawangdui-Seidenbuch „Fassung B“ (馬王堆帛書乙本)

Entstehungszeit

Da die Autorschaft unklar ist, gehen die Meinungen der Forschung über die genaue Entstehungszeit des Daodejing sehr auseinander: Die Schätzungen reichten von 800 bis 200 v. Chr.; nach heutigen Erkenntnissen (linguistisch, Zitierbelege etc.) ist der Text vermutlich um (oder vor) 400 v. Chr. entstanden. Zwar finden sich Aussprüche des Daodejing in vielen anderen Überlieferungen dieser Epoche, es lässt sich aber nicht mit Sicherheit klären, wer wen zitiert hat. Das Daodejing seinerseits enthält eine Handvoll expliziter Zitate, doch nicht die Namen der Urheber und keinerlei historische Bezüge. Man nimmt an, dass ältere mündliche und schriftliche Quellen aufgegriffen und integriert wurden. „Die modernen Maßstäbe geistigen Eigentums lassen sich nicht auf ältere Literatur und schon gar nicht auf die chinesische der vorchristlichen Zeit anwenden.“ (Debon) Den „Versuch einer Chronologie der Entstehung des Daodejing“ (von der Shang-Dynastie bis zu Wang Bi), bewusst als „eine vorläufige Skizze“ bezeichnet, bietet Viktor Kalinke in „Nichtstun als Handlungsmaxime“ (2011). Allerdings erscheint die Zeitbestimmung des Textes wenig bedeutsam für die „zeitlose“ Lehre darin.

Überlieferungsformen

Den Titel Daodejing bekam das Werk erst in der Herrschaftszeit des Han-Kaisers Jing (157–141 v. Chr.). Die heute verwendete Einteilung in die magische Zahl von 81 Abschnitten (ohne Titel) wird dem Kommentator Liu Xiang (1. Jahrhundert v. Chr.) zugeschrieben; sie wurde seit dem 3. Jahrhundert hauptsächlich durch die 5280 Zeichen umfassende „Wang Bi“-Version bekannt und seit der Tang-Zeit allgemein akzeptiert. Während man heutzutage meist auf Wang Bi zurückgreift, dessen Text und Erläuterungen nur in wesentlich späteren Abschriften vorliegen, existieren noch ältere Manuskripte.

Das Heshang Gong (河上公), dem „alten Mann vom Ufer des (Gelben) Flusses" zugeschriebene, bis heute vielfach herangezogene Laozi zhangju (老子章句) wird auf ca. 130 n. Chr. datiert. Während der Laozi-Text weitgehend mit dem von Wang Bi übereinstimmt, sind die angefügten Interpretationen deutlich abweichend. Die Verbreitung von Werken wie denen des Wang Bi und Heshang Gong wurde durch die Erfindung des Papiers und die Schaffung von Büchersammlungen bzw. Bibliotheken seit der Han-Zeit begünstigt.

Die dem Gelehrten Yan Zun (嚴遵 / 严遵, auch: Zhuang Zun, 莊遵, 80 v. Chr.–10 n. Chr.) zugeordnete Kommentar-Ausgabe, genannt Laozi zhigui (老子指歸), wurde zum Ende der Westlichen Han-Periode geschrieben; von dieser Version mit einer 72-Kapitel-Aufteilung (aus den magischen Zahlen 8 und 9 abgeleitet) ist nur der „De“-Abschnitt erhalten geblieben.

Die Beida-(Bambus-)Laozi-Ausgabe der Han-Dynastie (北大漢簡老子, Běidà Hànjiǎn Lǎozǐ), die 2009/10 der Pekinger Universität gespendet wurde, wird grob (da nicht durch eine archäologische Ausgrabung verifiziert) auf etwa 100 v. Chr. datiert. Die nach der Universität kurz „Beida“ genannte Handschrift (北大老子, Běidà Lǎozi) gilt als älteste (fast) vollständig erhaltene Fassung des Daodejing.

In einem Grab in Mawangdui wurden 1973 Seidenbücher mit zwei parallele Fassungen (ca. 206 v. Chr. und 179 v. Chr.) gefunden, die inhaltlich erstaunlich wenig (z. B. grammatikalisch) vom bekannten Text abweichen. Die Fassung A – Jiaben (甲本) ist in einer Schriftform zwischen der Siegelschrift und Kanzleischrift abgefasst, während die Fassung B – Yiben (乙本) in reiner Kanzleischrift niedergeschrieben wurde.

Ähnliches gilt für den erst 1993 entdeckten, nach dem Fundort benannten Guodian-Text, der in drei Bambusbündeln etwa zwei Fünftel des Umfanges gegenüber dem traditionell bekannten Text enthält. Inhaltlich entsprechen die lose gebündelten Streifen ganz oder teilweise 31 Kapiteln, aber ohne deren heute verwendete „feste“ Unterteilung. Die Entstehungszeit wird auf Mitte des 4. bis frühes 3. Jahrhundert v. Chr. eingegrenzt, womit diese Fassung auf ca. 100 Jahre an das vermutete Original heranführt.

Hans-Georg Möller sieht in Form und Inhalt der Seiden- und der Bambus-Texte eine Bestätigung der Meinung von Din Cheuk Lau (1921–2010), das Daodejing sei „eine Art Anthologie […] aus mündlich überliefertem Spruchgut“, welches hier jetzt in frühen schriftlichen Versionen gefunden wurde.

D. C. Lau (1982) und der amerikanische Sinologe Robert G. Henricks (1989) schufen vielbeachtete Übersetzungen einer (rekonstruierten) Mawangdui-Version, die sie der tradierten Version gegenüberstellten. Seiner zeichen- und zeilenweise kommentierten Analyse ließ Henricks 2000 eine ebensolche Untersuchung des Guodian-Textes folgen. Eine detaillierte Arbeit in deutscher Sprache wurde von Ansgar Gerstner erstellt. Selbige vergleicht (je nach Vorhandensein) bis zu fünf Versionen direkt nebeneinander: den Wang-Bi-Text als Standard, die Jiaben- und Yiben-Seidentexte sowie die Guodian-Bambusstreifen A/B/C. Herangezogen wurden zusätzlich in Teilen mehrere englische Übersetzungen (wie die von Lau und Henricks). Neuere Untersuchungen zur Guodian-Version wurden 2019 von Shirley Chan herausgegeben.

Mit Unterstützung von Chen Hongxin (陳紅星) erstellte Xiong Tieji (熊铁基, 1933–2025) innerhalb eines chinesischen Wissenschaftsprojektes von 2008 bis 2011 mit dem Laozi Jicheng (老子集成) eine 15-bändige Sammlung von Daodejing-Editionen und -Kommentaren. Sie beinhaltet 265 Versionen aus der Zeit der Streitenden Reiche bis 1949.

Merkmale

Das Daodejing beinhaltet zunächst eine Kosmologie (Prinzip der Welt-Ordnung), zugleich eine Art Leitfaden zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung wie auch einen politischen Leitfaden zur Haltung des Herrschers und der Entwicklung des Staates (unter dem „Kaiser der Klarheit“ Tang Xuanzong wurde das Werk ab 719 sogar – für eine kurze Periode – zu einem Teil der Beamten-Prüfung). In auffälligem Unterschied zu den üblichen frühen Texten der chinesischen Philosophie gibt es zwar einige Passagen in (anonymer) Ich-Form, ansonsten fehlen aber alle Bezüge auf konkrete Personen, Orte, Zeiten oder Ereignisse. In der tradierten Fassung wird der erste Teil (Kap. 1–37) gemäß seiner Ausrichtung als Daojing, der zweite (Kap. 38–81) als Dejing bezeichnet (diese Reihenfolge ist in der Mawangdui-Fassung umgekehrt). Stil und Wortschatz sind zwar typisch für die klassische chinesische Literatursprache, werden hier jedoch prägnant reduziert angewandt, was die Deutungsspielräume der Schriftzeichen-Kombinationen komplexer werden lässt. Zur aufgrund der linguistischen Struktur des klassischen Chinesisch bereits vorhandenen Informationsdichte kommt die Form des Textes als zu ca. 80 % gereimtes Gedicht, was einen wortspielerischen Moment verstärkt. Die Reim- und Rhythmus-Schemen ergeben im Chinesischen nicht nur einen poetisch-melodischen Aspekt, sondern sind zusätzlich für das rituelle Rezitieren (das der Meditation und der Liturgie dient) geeignet. Damit kann sich aber ein ursprünglicher, „prosaischer“ Textlaut und die Spruchfolge (bis hin zur Kapiteleinteilung) verändert haben.

Tatsächlich entsteht in allen bekannten Überlieferungen keine systematische, sich logisch aufbauende, sondern eine mosaikartige Argumentation, die sich verschiedener Metaphern („der Geist des Tals“, „das geheimnisvolle Weibliche“, mehrfache Bezüge auf die Eigenschaften des Wassers usw.), der Dialektik („als gegenteil ist oft das wort erst wahr") und rhetorischer Stilmittel (wie den „Verknüpften Perlen“, 联珠 = Anadiplose) bedient. Auffällig ist an manchen Stellen wie den Eingangsversen eine Art von graphischer und semantischer Symmetrie.

Die Interpretation des Textes erweist sich als extrem kontextabhängig. Einige Passagen sind nicht nur auf den ersten Blick rätselhaft und schwer verständlich, sondern wurden immer wieder debattiert und sind bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Ergründungen.

Übersetzungen

„Man schaut danach und sieht es nicht,
sein Name ist: Ji (gleich) [夷, yí].
Man horcht danach und hört es nicht,
sein Name ist: Hi (wenig) [希, xī].
Man faßt danach und greift es nicht,
sein Name ist: Weh (fein) [微, wēi].
Diese Drei können nicht ausgeforscht werden,
darum werden sie verbunden und sind Eins.“

– Daodejing: Kap. 14
Übers. Victor von Strauß (& W. Y. Tonn)

Das Daodejing gilt als der meistübersetzte Text nach der Bibel – im Jahr 2010 registrierte die Chinesische Nationalbibliothek allein 193 Übersetzungen ins Englische, 140 ins Deutsche und 94 ins Französische. Misha Andrew Tadd verzeichnet mit dem Stand von 2019 mehr als 1500 Versionen, davon mehr als 450 auf Englisch, mit dem Stand von 2022 insgesamt sogar 2052, davon 178 im Deutschen. Die immer noch rasch steigende Menge an Publikationen umfasst sowohl gute wissenschaftliche Arbeiten als auch rein interpretierende Fassungen durch Amateure, wobei die Zählweise aufgrund abgewandelter und „nachgedichteter“ Versionen (und sogar Comics wie von Cai Zhizhong) weiterhin schwierig bleibt.

Erste europäische Arbeiten

Die älteste bekannte Übertragung des Daodejing in eine westliche Sprache wurde wahrscheinlich um 1721–1729 ins Lateinische vorgenommen – es ist ein Manuskript, welches dem belgischen Jesuiten Jean-François Noëlas (1669–1740) zugeschrieben wird. Für das Verständnis grundlegende vollständige Übersetzungen wurden seit dem 19. Jahrhundert veröffentlicht, dazu zählten die ins Französische von Stanislas Julien (1842), ins Deutsche von Victor von Strauss (von Strauß und Torney) (1870) sowie ins Englische von James Legge (1861 und 1891) und John Chalmers (1868), an der 1893/94 entstandenen ins Russische von Daniil Petrowitsch Konissi war Lew Tolstoi beteiligt. Die ersten dieser Arbeiten wurden überwiegend von christlichen Missionaren, Theologen und Theosophen erstellt, was sich oft in der Wortwahl und Textdeutung niederschlug.

Sprachliche Probleme in Text und Übersetzung

Mit (je nach Fassung) rund oder über 5000 Zeichen insgesamt bzw. nur ca. 800 verschiedenen chinesischer Schriftzeichen ist das Werk von lapidarer, oft aphoristisch wirkender Kürze. Der Umgang mit Übertragungen dieses Textes ist problematisch: Schon im Chinesischen bereiten Überlieferungsschäden und die inhaltliche Vieldeutigkeit der Schriftzeichen den Interpreten Schwierigkeiten, weshalb mehrere hundert Kommentare zum Text entstanden. Durch die Übersetzung in eine andere Sprache verliert die Schrift nochmals an Klarheit und schließlich lässt es sich kaum vermeiden, dass der Übersetzer in dem Bestreben, einen lesbaren Text zu liefern, mit seiner Arbeit zugleich nur eine von mehreren möglichen Interpretationen vorlegt, oder aber in dem Bestreben, unterschiedliche Deutungsansätze in einen Ausdruck zu fassen, dann kaum mehr flüssig lesbare Wortschöpfungen entstehen.

Erfahrene Sinologen wie Ernst Schwarz betonen dabei, dass sich „die klassische chinesische Sprache von der Umgangssprache schon sehr früh loslöste und sich auch wesentlich von ihr unterscheidet […]. Kenntnis des modernen Chinesisch – und das gilt auch für Chinesen – verleiht keineswegs zugleich die Fähigkeit, alte Texte zu begreifen. Dafür ist ein sehr mühsames Spezialstudium erforderlich.“ Zusätzlich wurde die im Daodejing verwendete Terminologie in den folgenden Jahrhunderten von legalistischen Denkern, Konfuzianern und insbesondere chinesischen Buddhisten neu interpretiert und ausgearbeitet.

Hinzu kommt: „Der Erhaltungszustand des Werkes ist kein guter. Zum Teil ist er desolat. Oft genug muß der Philologe zwischen mehreren gleichberechtigten Lesarten wählen; oft genug muß er sich einer Kommentatoren-Auslegung anvertrauen. Mißdeutungen älterer Schriftzeichen, Auslassungen, irrtümliche Aufnahme von Glossen in den Text […] und andere Fehler verunklären das Werk. So mancher geheimnisvolle Satz beruht auf der Nachlässigkeit abschreibender Generationen. Begünstigend wirkt hier der Umstand, daß ein chinesisches Literaturwerk ›behalten‹ werden kann, ohne letztlich verstanden zu sein. Die mangelnde Scheidungsmöglichkeit der Sprache zwischen Hauptwort und Tätigkeitswort, Hauptsatz und Nebensatz, Aussage und Hypothese, Einzahl und Mehrzahl, zwischen dem Handelnden und der Handlung; die mangelnde Kennzeichnung der Zeitstufen und Aspekte, der persönlichen Fürwörter, der direkten Rede bzw. der Zitate, das Fehlen der Satzzeichen überhaupt – all dies erschwert das Verständnis chinesischer Schriften und im besonderen des Tao-Tê-King, das zwar nicht betont dunkel – auch dies eine Fabel –, aber betont kurz sein will. So differieren selbst die Übersetzungen der Fachleute zum Teil erheblich, von jenen wohlmeinenden Nachschöpfungen ganz abgesehen, die, ohne Sprachkenntnis geschaffen, dem Gedankengut des ›Übersetzers‹ nur allzu weiten Spielraum lassen.“ (Günther Debon)

Bereits die erste vollständige deutsche Ausgabe, die Reinhold von Plaenckner (1820–1884) verfasste, verdeutlichte exemplarisch die Vielzahl der möglichen Auslegungsprobleme, so dass sie von Zeitgenossen als bewusst zu subjektiv kritisiert und daher ablehnt wurde. Neben einer gewollt christlichen Ausrichtung und politisch willkürlichen Parallelen sind immer wieder auch „Übersetzungs“-Einschübe vorhanden, die kein Pendant im originalen Text haben, wie z. B.: „Denn das Volk im allgemeinen ist ja doch moralisch blind, unselbständig und verworren in seinen Begriffen. Ja! So ist es heutzutage, so war es seit Menschengedenken.“ Während er selbst 1875 „freudig [...] die ausnehmend wohlwollende Beurtheilung“ seines Buches registrierte, hatte Victor von Strauss 1870 ganz anders geurteilt: „Es entfernt sich zu sehr von Allem, was der Ernst deutscher Wissenschaft sowol für die Übersetzung als für die Auslegung bisher als Ziel aufgestellt hat.“ Mit der in der Folgezeit zunehmenden Anzahl von Veröffentlichungen kam Alexander Ular (1876–1919) zu dem Schluss: „Das Schlimmste aber für Lao-Tse war die vielfache Überarbeitung der falschen philologisch sezierten Übertragungen des Tao-Te-King durch Juristen, Philosophen, Orientalisten und Schriftsteller, die das Chinesische nicht beherrschten. Solche Bearbeitungen, Kritiken und Darstellungen gibt es fast nur in Deutschland. Wir haben Lao-Tses in volkstümlichen gereimten Versen, ja wir haben sogar einen in Knittelversen, dessen sich einer der berühmtesten deutschen Juristen schuldig gemacht hat.“ Seine eigene Veröffentlichung sei „der chinesischen Urschrift des Lao-tse in deutscher Sprache nachgedacht“ – was den Sinologen Otto Franke zu der Bemerkung brachte: „Ular ist ein mit hervorragender Phantasie ausgerüsteter Journalist; er erscheint deshalb besonders geeignet, Gedanken aus einer Sprache ‚nachzudenken‘, die er nicht kennt!“ Tatsächlich fehlte es (nicht nur) an Texttreue, was dem Erfolg von Ulars Buch keinen Abbruch tat. Ähnliche Beispiele lassen sich bis in die Gegenwart finden.

Beispiele der Auslegungen

Aber auch im Detail zeigen sich Kontroversen der Fachleute. Dies kann Fragen des historisch korrekten Sprachgebrauches im Chinesischen und der Wichtung des bekannten Kontextes betreffen, wie die der eigenen Weltanschauung oder der gewünschten Wirkung, einschließlich interreligiöser Beziehungen.

Am Beispiel des Textauszuges von Kapitel 14: Victor von Strauß lehnte – gut begründet – simple Übertragungen der hier im Kontext seltsam verwendeten Zeichen 夷 [yí], 希 [xī] und 微 [wēi] ab (wie etwa mit „unsichtbar, farblos“, „unhörbar, lautlos“, „unfassbar, gestaltlos“). Umgekehrt sorgte seine hieran anschließende, damals durchaus verbreitete Ji-Hi-Weh = JHWH-Deutung (nach Abel-Rémusat, 1823) für einige Diskussion. Noch weiter war Joseph Edkins gegangen, der in diesen Zeichen die Dreieinigkeit alter babylonischer Götter identifizierte, die für Himmel, Erde und Hölle standen. Schon der Missionar John Chalmers hatte 1868 hierfür keinen Anlass gesehen, ebenso James Legge (1883). Im deutschen Sprachraum lehnte der Theologe Julius Grill (1885) dies als unwissenschaftlich ab, wie später auch z. B. Richard Wilhelm (1911) und Hans Haas (1920). Eine weitere Theorie wollte in den drei Zeichen wiederum das Wort für den Hindu-Gott Ishvara sehen – Wing-tsit Chan urteilte zu all diesem: „any idea of a god is alien to it.“ Für Viktor Kalinke ergibt dieser Text „die Einleitung zu einer meditativen Übung“, für Erwin Rousselle „die Weisheit des Dau der Großen Göttin Mutter“. Laut Richard Wilhelm geht es hier um eine Ur-„Einheit“, in der „selbst schon eine Mannigfaltigkeit angelegt ist, ohne daß sie jedoch in ihrem Keimzustand in die Erscheinung zu treten fähig wäre“, mit deren Entfaltung (nicht zu verwechseln mit der einmaligen historischen Weltschöpfung) würde das Dao dann zur Wirklichkeit. Für Lin Yutang bleibt „ein Gefühl ehrfürchtigen Schauerns vor dem Geheimnis und der Schönheit des Alls und seiner schweigenden, ewigen Wandlung“, was „nicht nur von den Mystikern, sondern auch von allen denkenden Wissenschaftlern geteilt wird“. Lakonisch kommentiert Günther Debon Kap. 14 (§ 31): „Es werden eingangs zum Verdruß aller Übersetzer drei Begriffe definiert, die an anderer Stelle als selbstverständlich definiert sind“ – und führt für diese neun weitere Kapitel an.

In Kapitel 50 wiederum werden die Schriftzeichen 十有三, shí yŏu sān, meist als „drei von zehn“ (Zehntel-Anteile bzw. „eine nur annähernd bestimmte Quantität“) verstanden, was der Lesart von Wang Bi entspricht. Sie können aber auch „dreizehn“ bedeuten und – wie bei Heshang Gong – klassisch begründet werden, also eine Art magische Zahl darstellen: nämlich als Anzahl der Körper-/Sinnesöffnungen und Gliedmaßen, mit denen ein Mensch aktiv am Leben teilnimmt / zum Tode kommt, so bei Han Fei. Bei Yan Zun sind die innerlichen „dreizehn Gefährten des Lebens“: Leere/Offenheit (虛, xū), Nichts (無, wú), Klarheit/Reinheit (清, qīng), Ruhe (靜, jìng), Feinheit/Unscheinbarkeit (微, wēi), Wenigkeit/Zurückhaltung (寡, guǎ), Sanftheit/Nachgiebigkeit (柔, róu), Schwäche/Zartheit (弱, ruò), Demut (卑, bēi), Reduktion (損, sǔn), Rechtzeitigkeit (時, shí), Harmonie/Milde (和, hé) und Genügsamkeit (嗇, sè); zu den „dreizehn Gefährten des Todes“ gehört jedes Übermaß, denn (das Begehren nach) Fülle, Stärke usw. führt letztlich zum jeweiligen Gegenteil. Nach weiteren Interpretationen sind es die sieben Gefühlszustände (Freude, Ärger, Trauer, Angst, Liebe, Haß und Begehren) und sechs Bedürfnisse des Menschen (für die Augen, Ohren, Nase, Zunge, den Körper und den Geist) – oder die Summe der zehn Himmelsrichtungen und drei Zeitformen – oder die zwölf (Doppel-)Stunden des Tages zuzüglich ihres Gesamtzyklus etc. Du Guangting führt in seiner Kommentar-Sammlung als Variante die zehn Dämonen und drei Karmas des Buddhismus an. Bei D. P. Konissi sind es symbolische dreizehn Entwicklungsstufen, womit er sich auf Bai Yuchan (白玉蟾, 1194–1229?) bezieht, für den es eine Ableitung aus dem Mondzyklus war (zwischen Neu- und Vollmond ist er je dreizehn Tage sichtbar zu- bzw. abnehmend) – denn jedes Geschöpf entwickelt sich bis zu einer bestimmten Grenze, und wenn es die Fülle der Entwicklung erreicht, beginnt es zu schwächen und wird schließlich vernichtet.

Kontextabhängigkeiten

Zu beachten bleibt auch bei historischen Erläuterungen der gesellschaftliche und weltanschauliche Hintergrund: Der erste Kommentator z. B., der Prinz und Jurist Han Fei, war ein überzeugter Legalist; der Herausgeber der heute meistbenutzten Textfassung und zugleich wichtige Kommentator Wang Bi verstand sich als konfuzianischen Beamten und lebte erst mehrere Jahrhunderte nach Erstellung des Daodejing. Beide wollten als Staatsdiener das errichtete soziale und politische System festigen bzw. regenerieren – womit der „rechte Weg“ und die „Tugend“ leicht zur Bestimmung von „Recht“ oder „Unrecht“ werden kann. Eine praktische Umsetzung bestimmter, zweckdienlich gedeuteter Passagen im Sinne eines diktatorischen Herrschaftssystems fand nicht nur unter dem Begründer des Kaiserreiches China, Qin Shi Huangdi, sondern auch unter dem der Volksrepublik, Mao Zedong statt. Tsung-Tung Chang warf Laozi 1982 vor, der „Antiintellektualismus“ würde „zur expliziten Politik der Volksverdummung“ gesteigert. Eine Ideologie und Praxis, die kurz zuvor (1975–1979) im „Steinzeitkommunismus“ der Roten Khmer ihren radikalen und tragischen Höhepunkt fand.

Zu den alten esoterisch ausgerichteten Kommentaren gehört das im Himmelsmeister-Daoismus elementare, wahrscheinlich von Zhang Lu verfasste Xiang'er (想爾 / 想尔); Zhang Lu war ein Enkel von Zhang Daoling, dem im Jahr 142 Laozi (als Gottheit Taishang Laojun, 太上老君) erschienen sein soll und der ihm Anweisungen zur Gründung dieser Bewegung gab. Als Leitfaden u. a. zur Meditation bzw. zum Qigong wurde der Heshang Gong (2. Jahrhundert n. Chr.) zugeordnete Laozi zhangju betrachtet; in diesem bis heute einflussreichen Text finden sich Theorien von Yin und Yang, den fünf Elementen und zum Qi (氣, qì, Ch'i), einem „Uratem“ (Pneuma) des Universums.

Ein entgegengesetzter Kommentar, in dem die wesentlichen Prinzipien der Kriegsführung anhand des Daodejing erläutert wurden (道德(真)經論兵要義述, Dàodé (zhēn) jīng lùn bīng yàoyì shù), stammt von dem Gelehrten, Gouverneur und General Wang Zhen (王真). Samt Widmung 809 dem Tang-Kaiser Xianzong überreicht, richtete er sich gegen Eitelkeiten, Eigen- und Gewinnsucht, Fahrlässigkeit und Leichtsinn, Arroganz und Streitsucht, Wut und Zorn, denn aus alldem resultierten nur Unheil und Chaos; der weise Herrscher sei also vorsichtig, sorgsam und respektvoll, halte sich an die alte Methode des „Nicht-Handelns“ – so ließen sich Kriege vermeiden. Herren und Könige sollten sich nicht auf ihren hohen Status verlassen, denn: „das Fundament liegt in der Demut“ (zu Kap. 39).

Gedankliche Verbindungen zu Laozi in einem militärstrategischen Zusammenhang wies zuvor „Die Kunst des Krieges“ von Sunzi auf.

Mit Hanshan Deqing (憨山德清, ca. 1546–1623) erfuhren Laozi und Zhuangzi Deutungen durch einen der bedeutendsten Mahayana- und Chan-Mönche seiner Zeit. Deqing war ein Befürworter einer Integration wie in den Drei Lehren, so dass er in seinem Daodejing-Kommentar (老子道德經憨山注, Lǎozi Dàodé jīng Hānshān zhù) selbstverständlich Konfuzius (als eine Inkarnation von Buddha) zur Unterstützung von Laozis Gedanken anführt – mit dem ehrlichen und ernsthaften Befolgen nur einer der drei Lehren sei man weiterhin eingeschränkt, leichtsinnig und engstirnig, es gehe in Wirklichkeit um die Fähigkeit, jegliche Selbstbindung zu durchbrechen.

Weitere Beispiele divergierender Lesarten und Auslegungen, wobei hier Philologie und Philosophie (und bisweilen Politologie und Phantasie) dicht beieinander liegen, ließen sich anführen.

„Die Ambivalenz ist seit Wang Bi bekannt. Daher gibt es so viele Kommentare und so viele Übersetzungen. Jeder hofft, etwas klarer machen zu können, was sich letzten Endes gar nicht endgültig erklären lässt. Mit der Offenheit des Textes mag jedoch kaum jemand leben.“ (Wolfgang Kubin)

Generell können daher Angaben zur Vorgehensweise, Erläuterungen zu den Quellen sowie die Abwägung neuer Erkenntnisse ein wichtiger Anhaltspunkt für Leser und westliche Daoisten sein. Stets zu hinterfragen sind „Laotse“ zugeordnete „Sinnsprüche“ in Zitatsammlungen (typischerweise ohne Daodejing-Kapitel-Angaben), da diese Kollektionen ein Kaleidoskop von kurzen Ausschnitten aus klassischen Übersetzungen wie auch fraglichen oder verfälschenden Wiedergaben und sogar falsche Autorenschaft bieten können.

Der Inhalt

Dao und De

Der heutige Titel des Werks – „Das Buch vom Dao und vom De“ – verweist auf die beiden zentralen Begriffe der Weltanschauung Laozis. Es gibt verschiedene Übersetzungen dieser beiden Worte; relativ verbreitet (zum Beispiel bei Debon) sind „Weg“ und „Tugend“, die seit dem 19. Jahrhundert Verwendung fanden. Richard Wilhelm hielt das moralisierende „Tugend“ für unpassend und versuchte eine Dao- und De-Umschreibung mit den (in Großbuchstaben gefassten) Begriffen „SINN“ und „LEBEN“; ungeachtet seiner speziellen Anmerkungen brachte ihm dies einige Kritik ein. Die Bezeichnungen Dào und Dé werden in allen Richtungen chinesischer Philosophie verwendet, erhalten im Daodejing aber eine besondere Bedeutung, wo sie erstmals im Sinne einer höchsten oder tiefsten Wirklichkeit und eines umfassenden Prinzips gebraucht wurden. Das Daodejing nähert sich dem Dao nicht definitorisch, sondern grenzt es durch Verneinungen ein: Wenn es schon nicht möglich ist, positiv anzugeben, was es ist, so kann man doch aussagen, was es nicht ist. Als Ursprung, durch Wandel gestaltende Urkraft und immanenter Zusammenhang allen Seins durchzieht das Dao alle Erscheinungen der Welt, es durchdringt als sich durch die tiefe Einsicht in die Erscheinungen erschließendes Prinzip alles, was es gibt und was geschieht. Dadurch, dass es anders als partielle Gedanken und Vorstellungen allem Sein zugrunde liegt, ist es immerwährend. Dies veranschaulicht das Daodejing anhand von Gleichnissen.(1, 4, 8, 9, 14, 15, 16, 18, 21, 23, 25, 32, 34, 41, 53, 77)

„In des Menschen Tiefe ruht die Möglichkeit eines Mitwissens mit dem Ursprung. Ist die Tiefe verschüttet, gehen die Wogen des Daseins darüber hin, als wenn sie gar nicht wäre.“

– Karl Jaspers: München 1957, S. 910

Auf die wesentlichen Aussagen in diesem weit verbreiteten Werk gibt es bereits unzählige weitere Reflexionen aus den Bereichen der Sozial- und Naturwissenschaften in der westlichen Welt. Der Mensch vermag sich mit dem Dao in der Stille und Selbstbesinnung zu verbinden. Dann offenbaren sich ihm alle Erscheinungen in ihrem wahren, unverfälschten Wesen.

Der Ursprung des Lebens wird bei Laozi als weiblich oder mütterlich umschrieben. Der Religionswissenschaftler Friedrich Heiler vermutet, dass Laozi aus einem mutterrechtlichen Kulturgebiet stammte.

Indem ein Mensch sein Leben nach dem Dao ausrichtet, erhält er sein De. Das De geht in der Sprache des klassischen Chinesisch ursprünglich wahrscheinlich auf Vorstellungen einer Kraft zurück, wie sie im China der Shang-Dynastie mit der Gestalt der Schamanen assoziiert war, die eine magische Kraft besaßen, die mit der Vorstellung des Qi (氣 qì, ch’i) verbunden ist. Der erste Teil des Schriftzeichens 德 dé, 彳 chì mit der ursprünglichen Bedeutung „Wegkreuzung“, deutet darauf hin, dass es sich auf die Art und Weise bezieht, wie man auf Menschen und Dinge zugeht, welchen „Weg“ man nimmt. 直 zhí bedeutet „auf geradem Wege“; es kommen auch die Augen in diesem Zeichen vor, sich also nach dem richtigen Weg zu orientieren. Das ausführende Organ ist das Herz 心 xīn, was alle Funktionen der Geist-Seele (Verstand, Bewusstsein, Wahrnehmung, Empfindung) umfasst. Das alte Wörterbuch Shuowen Jiezi erklärt die Bedeutung so: „Im Äußeren den (anderen) Menschen erreichen, im Inneren das eigene Selbst erreichen“. Gemeint ist also der angemessene, aufrichtige, gerade, direkte Weg, zum eigenen Herzen und dem anderer, die Fähigkeit, sich selbst und anderen begegnen zu können und eine echte Berührung zu ermöglichen.

Der Weise

Ein Gutteil des Daodejing befasst sich mit der Figur des Weisen, Heiligen (Shengren, 聖人, shèngrén) oder Berufenen, der die Berücksichtigung des Dao in seinem Wirken zur Meisterschaft gebracht hat. Zahlreiche Kapitel enden damit, welche Lehren er aus den gemachten Beobachtungen ziehe.(2, 7, 22, 49, 58, 64) Natürlich möge sich gerade ein Regierungsoberhaupt an diesem Vorbild orientieren, da seine Entscheidungen die Geschicke Vieler beeinflussen.

Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Zurückstellen seines Selbst bis hin zur Selbstentäußerung. Gerade, dass er nichts Eigenes wolle, bedinge die Vollendung seines Eigenen.(7) Er beanspruche seine Erzeugnisse und Werke nicht für sich. Vielmehr ziehe er sich anschließend zurück (weshalb er nicht verlassen bleibe).(2) Eben das Nicht-Verharren bei dem vollbrachten Werk sei das Dao des Himmels, womit die positive Wirksamkeit dieser Vorgehensweise noch unterstrichen ist.(9) Diese stelle sich ganz von selbst ein, ohne Streiten, ohne Reden, ohne Winken.(73) Der Weise verweile im Wirken ohne Handeln (Wu Wei). Dessen Wert liege in der Belehrung ohne Worte, die besonders schwer zu erreichen sei.(43) Sie wird nicht weiter erläutert, man muss also seine eigene Vorstellungskraft benutzen, um diesen Ausdruck mit Bedeutung zu versehen.

Wu Wei

Zeichen Pinyin Jyutping Bedeutung
無無无wúmou4ohne, nicht, kein
爲為为wéiwai4(zu)tun, (zu)handeln

Quelle: Siehe Unten

Eine Grundlage, die sich aus der Kenntnis um das Dao ergibt, ist das Nicht-Handeln (Wu Wei). Dieses Nicht-Eingreifen in allen Lebensbereichen erscheint dem westlichen Leser zunächst utopisch und weltfremd. Es beruht auf der Einsicht, dass das Dao, welches aller Dinge Ursprung und Ziel ist, von selbst zum Ausgleich aller Kräfte und damit zur optimalen Lösung drängt. Tun ist für Laozi ein (absichtliches) Abweichen vom natürlichen Gleichgewicht durch menschliche Maßlosigkeit. Jede Abweichung hat darum eine (absichtslose) Gegenbewegung zur Folge, die das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen sucht.

„Die eigentliche Unabsichtlichkeit, die in ihrer Einfachheit das Rätsel ist, ist vielleicht niemals im Philosophieren so entschieden zur Grundlage aller Wahrheit des Handelns gemacht worden wie von Laotse.“

– Karl Jaspers: München 1957, S. 908

Wessen Regierung still und unaufdringlich ist, dessen Volk ist aufrichtig und ehrlich. Wessen Regierung scharfsinnig und stramm ist, dessen Volk ist hinterlistig und unzuverlässig. Das Unglück ist’s, worauf das Glück beruht, das Glück ist es, worauf das Unglück lauert. Wer erkennt aber, dass es das Höchste ist, wenn nicht geordnet wird? Denn sonst verkehrt die Ordnung sich in Wunderlichkeiten, und das Gute verkehrt sich in Aberglaube. Und die Tage der Verblendung des Volkes dauern wahrlich lange.(58)

Indem der Mensch tut, was spontan den natürlichen Gegebenheiten entspricht, greift er nicht in das Wirken des Dao ein und wählt damit den segensreichen Weg. Ein Mensch, so Laozi, der von gewolltem Tun ablässt, wird nachgiebig und weich. Er stellt sich an die unterste Stelle und erlangt dadurch den ersten Platz. Weil er weich und biegsam ist wie ein junger Baum, überlebt er die Stürme der Zeit. Weil er nicht streitet, kann niemand mit ihm streiten.(66) Auf diesem Wege lebt ein Mensch in Übereinstimmung mit dem Ursprung des Lebens. Doch das Leben schließt auch den Tod in sich ein. Und doch heißt es bei Laozi, wer gut das Leben zu führen weiß habe keine sterbliche Stelle.(50)

Des Wassers Güte

Das Daodejing erkennt im Wasser Eigenschaften des Dao wieder. Es gebe nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser. Doch dem Harten setze es unvergleichlich zu.(78) Das Weiche und Schwache siege über das Harte und Starke.(36) Ein neugeborenes Lebewesen sei weich und schwach, doch wenn es sterbe, sei es hart und stark.(76) Das Starke und Große sei unten. So auch das Wasser: Weil es sich gut unten halten könne, ergössen sich Bergbäche und Talwasser in Ströme und Meere. So verhalte sich auch das Dao zur Welt.(66, 32) Das Dao sei immer strömend,(4) ja überströmend,(34) und verleihe den stets aufstrebenden Wesen Harmonie.(42) Höchste Güte sei wie das Wasser: Es nütze allen Wesen ohne Streit.(8) Auch das Dao verweigere sich ihnen nicht;(34) auch der Weise nicht.(2)

Moral ist Dürftigkeit

Ein Mensch des Dao lässt sowohl von persönlichen Wünschen und Begierden, als auch von gesellschaftlich anerkannten Zielen und Regeln ab. Insofern versucht er auch nicht mehr, moralisch gut zu sein. Moral ist bei Laozi bereits die Endstufe des Verfalls der Motive: Ist der SINN [Dao] verloren, dann das LEBEN [De]. … dann die Liebe. … die Gerechtigkeit. … die Sitte. Die Sitte ist Treu und Glaubens Dürftigkeit und der Verwirrung Anfang.(38) Erst wenn das Dao verloren sei, erfänden die Menschen Sitten und Gebote, was sie noch weiter vom natürlichen Tun entferne. Die Regierung soll dem nicht Vorschub leisten: Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht, so wird das Volk zurückkehren zu Kindespflicht und Liebe.(19)

Hiermit steht Laozi in starkem Gegensatz zu der einflussreichen Sittenlehre des Konfutse, der Sitte und Gesetz als Ausformungen der letzten Wahrheit hochhielt und pflegte. Desgleichen spricht Konfutse davon, bei der Regierungskunst seien zunächst die „Namen“ (Worte) richtigzustellen, von denen Laozi wiederum sagt, sie seien nicht zu entbehren, um zu überschauen alle Dinge,(21) aber sie träfen nicht deren ewiges Wesen.(1) Er empfiehlt den Verzicht: Macht selten die Worte, dann geht alles von selbst.(23) Der SINN als Ewiger ist namenlose Einfalt.(32) Aber viele Worte erschöpfen sich daran. Besser ist es, das Innere zu bewahren.(5)

Menschenliebe

Das Daodejing fordert aber nicht nur das Nicht-Eingreifen, sondern auch das Eintreten für den Mitmenschen, die Güte und Nachsicht, ähnlich der christlichen Nächstenliebe und Feindesliebe. Dazu das Kapitel 49 (in der Übersetzung von Viktor Kalinke):

„Herz und Geist des Weisen sind nicht dauernd gleich
Herz und Geist des Volkes erhebt er zu seinem
Dem Guten begegne ich gut
dem Üblen ebenfalls gut
Wirkkraft / Tugend ist Güte
Dem Aufrichtigen begegne ich aufrichtig
dem Unaufrichtigen ebenfalls aufrichtig
Wirkkraft / Tugend ist Aufrichtigkeit
Regiert der Weise unterm Himmel:
zurückhaltend hält er zurück
greift ein, sich Herz und Geist nach
mit allen unterm Himmel zu einigen auf Einfaches
Im Volk strengen alle ihre Ohren und Augen an
Der Weise begegnet ihnen wie Kindern“

Regierung

Beinahe die Hälfte der 81 Kapitel des Daodejing beziehen sich in irgendeiner Form explizit auf das Volk, die Folgen verschiedener Weisen des Regierens und das Verhältnis zum Militär. Es folgt daher eine Zusammenstellung von zentralen politischen Positionen, ohne die sie stützenden Argumente im Einzelnen zu erläutern, und Einsichten und Empfehlungen für den potenziellen Herrscher (oder die Herrscherin, König, Regierungschef …), der sich eben derartige Informationen von diesem Buch erhoffen mag.

Herrschaftsweisen

Tüchtige nicht bevorzugen, schwierig zu erhaltende Güter nicht wertschätzen, keine Begehrlichkeiten wecken, und das Volk streite (wetteifere), stehle und rebelliere nicht. Eine weise Regierung stärke Leib und Vitalität des Volkes, welches aber, ganz im Sinne des Wu Wei, ohne Kenntnis und ohne Wünsche bleibe, zur Schwächung des Willens und der Begierden.3 Das Daodejing lehnt Aufklärung und Klugheit ab. Durch Klugheit den Staat ordnen ist des Staates Raub.65 Die Handlungsweise der Obersten (太上 tàishàng) sei kaum bekannt. Vertrauen gegen Vertrauen. In äußerster Verschwiegenheit würden Werke vollbracht, und niemand sehe darin irgendeine Fremdeinwirkung.

Mindere Herrschaftsweisen riefen dagegen Nähe und Ruhm, Furcht oder gar Verachtung hervor.17 Und mit dem Niedergang der harmonischen Verhältnisse würden eigentlich selbstverständlich scheinende Dinge plötzlich wichtig, um damit der großen Falschheit, uneinigen Verwandten und rebellierendem Unwesen zu begegnen.18 Umgekehrt habe das Volk hundertfachen Nutzen bei Aufgabe aller Paradigmen, wie Weisheit, Klugheit, Wohlwollen, Rechtschaffenheit, Geschicklichkeit und Nutzen. Doch

bewirkt, etwas Verbindendes zu haben.
Seht die Einfachheit, umfasst die Schlichtheit (樸 pǔ)
des geringen Eigeninteresses, der wenigen Wünsche.19

Schlichtheit und dem Volk sich unterordnen

Je mehr Verbote, Werkzeuggebrauch, Kunstfertigkeiten, Richtlinien und Verordnungen, desto ärmer sei das Volk, und in Staat und Heimat wuchert das Unwesen. Die Stille lieben, nichts unternehmen, keine Wünsche haben, und das Volk entwickle sich von selbst, richte sich auf, werde reich und dennoch schlicht.57 Ganz unaufdringlich solle man regieren, nicht seine Ordnung aufzwingen, sonst verkehrten die Ordnung und das Gute sich in ihr Gegenteil, und die Tage der Menschen Verblendung werden erst recht fortgesetzt.58 Des Namenlosen Schlichtheit bewirke Wunschlosigkeit, und die Welt würde sich selbst beruhigen.37 Ein großer Staat sei äußerst behutsam zu leiten, wie man kleine Fische brät, um die Toten nicht zu beunruhigen und den Lebenden nicht zu schaden.60 Ein großer Staat, eine Regionalmacht, sollte sich unten halten, um die Menschen vereint großzuziehen.61 Der Weise ordne sich unter das Volk, und die Welt werde es nicht müde, ihn mit Freude zu unterstützen.66

Verteilungsfrage

Man bilde sich nur nichts ein: In prächtigen Palästen Kostbarkeiten im Überfluss horten, üppig leben und Waffen tragen, aber die Felder sind verwahrlost und die Getreidespeicher leer – das heißt Diebstahl (盜 dào), nicht Dao!53 Das Volk solle nicht in Armut und Enge leben müssen. Es wird eindringlich vor Rebellion gewarnt.72 Das Volk hungert, sei schwierig zu ordnen und sterbe leichtfertig, weil seine Oberen der Steuern Fülle verzehren (Umverteilung nach oben) und übertrieben ehrgeizig und verschwenderisch seien.75 Des Menschen Weg vermindere, was nicht genügt, um es dem darzubringen, das Überfluss hat. Wer aber vermag auszugleichen in der Welt? Nur, wer den Weg hat.77

Konflikte und Militär

Der Gebieter der Streitkräfte dürfe keinesfalls um seiner selbst willen die Welt leichtnehmen oder die Ruhe verlieren. Leichtfertigkeit, dann verliert man die Basis. Erregung, dann verliert man die Souveränität.26 Ein Helfer des Weges zwingt nicht durch Waffen die Welt. Deren Angelegenheiten belieben, zurückzukehren. Gesucht ist eine friedliche Konfliktlösung, fern von Zwang und den Gräueln des Krieges.30 Schwerter zu Pflugscharen entspreche dem Dao. Kein Verhängnis größer, als Genügen nicht zu kennen.46 Gegenüber Feinden wird eine militärische Deeskalations-Strategie empfohlen. Die Schwermütigen siegen, wohlgemerkt.69 Selbstjustiz sei eine gefährliche Anmaßung.74 Versöhne man große Feindseligkeit, wie bereinige man auch noch das Übrige? Wer Wirkkraft habe, halte die Verträge ein und verlangt doch nichts von den Menschen.79

Sparsamkeit, Weichheit und Gesellschaftsvision

Ohne innere Einheit müsste ein Jegliches zugrunde gehen. Das Geringe sei die Grundlage noch des Höchsten, gerade Königen sei das bewusst.39 Kein Mittel sei besser, als Sparsamkeit, dadurch frühes Vorsorgen und Sammeln der Kräfte, dann ist nichts, das nicht gelänge, und die Menschen und ihr Staat mögen lange bestehen.59 Der Herrscher sei Schutzmacht aller Menschen, auch der „Unguten“.62 Fehlentwicklungen begegne man mit viel Geduld, wissend, dass sie ihren Zenit überschreiten werden. Weich und Schwach überwinden Hart und Stark. Fisch kann nicht aus der Tiefe entrinnen. Die Instrumente des Staates könne man daher nicht den Menschen zeigen.36 Des Weichen und Schwachen Überwindung des Harten und Starken, niemand kenne das nicht, niemand vermöge, es anzuwenden. Ein Weiser habe einmal gesagt: Wer des Staates Unglück auf sich nimmt, dies ist der Welt König.78 Kleine Staaten mögen nur weniges Volk haben. Doch niemand entfalte Rüstung, Wissen und Technik. Süß sei [der Menschen] Speise, schön ihre Kleidung, friedlich ihre Wohnung, fröhlich ihre Sitten. Bis ins höchste Alter möge niemand in die Ferne reisen.80

Das Daodejing und der Daoismus

In diesem initialen Text des Daoismus gibt es keine prophetische oder religiöse Offenbarung und keinen Wahrheits- oder Ausschließlichkeitsanspruch gegenüber anderen philosophischen oder Glaubensrichtungen, aber dafür eine „grandiose Vielfalt an Deutungsmöglichkeiten, die allein durch die Macht der chinesischen philologischen Wissenschaft bestimmt und begrenzt werden“. Ebenso gibt es im Daodejing keine Erwähnung von Medizin, von Unsterblichkeit oder gar davon, am helllichten Tag in den blauen Himmel aufzusteigen.

Philosophisch-poetische Fortsetzungen, mit Gleichnissen und bisweilen Laozi in anekdotischen Dialogen, fanden sich in den später unter den Autorennamen Zhuangzi und Liezi kompilierten Werken, mit einer deutlichen Abkehr vom Anhaften an der materiellen Existenz und der bloßen menschlichen Wahrnehmung, einschließlich solcher Ziele wie Ruhm, Macht und Reichtum.

Im Laufe der Jahrhunderte erwuchs in China eine große Anzahl von Erläuterungen zum Daodejing und korrespondierenden Schriften, dann von Kommentaren zu den Kommentaren, so dass hierfür mehrere Sammlungen zusammengestellt wurden. Zu den bekanntesten gehört der in der Ming-Dynastie (zur Regierungszeit von Zhengtong, 1436–1449) erneuerte „Daoistische Kanon“, das Zhengtong Daozang (auch: 大明道藏經, Dà Míng Dào cáng jīng), 1607 ergänzt durch das (Wanli) Xu Daozang ((萬曆) 續道藏 / (万历) 续道藏).

Neben dem philosophischen, sozialkritischen und pragmatischen Gehalt des Daodejing erlaubten dessen geheimnisvoll erscheinende (oder nicht eindeutige) Passagen die verschiedensten Auslegungen, Ergänzungen oder Überdeckungen durch Mystifikationen. Der Inhalt verweist z. T. auf alte schamanistisch-religiöse Traditionen Chinas (siehe Fangshi) und den Bereich der chinesischen Naturphilosophie, deren Weisheiten und Vokabular wahrscheinlich auch im Daodejing zitiert werden. In dem sich entwickelnden religiösen Daoismus wurde dem „spirituellen Ahnherrn“ durch den Han-Kaiser Huan 165 n. Chr. offiziell der Status einer Gottheit zugesprochen (siehe Drei Reine). Zunehmend knüpften sich religiöse Legenden an, so dass mit der Apotheose eine weitreichende Hagiographie entstand. „Laozi“ wurde hierfür nun (entgegen der üblichen Leseweise „Alter Meister“) als „Altes Kind“ übersetzt, da er, so Ge Hong (283–343 o. 363), erst nach 72-jähriger jungfräulicher Schwangerschaft seiner Mutter und dann bereits als weiser Greis geboren wäre – nach Heshang Gong sogar erst nach 81 Jahren. Er galt als unsterblich bzw. mehrfach wiedergeboren, war nunmehr „das zur »Person« gewordene überpersönliche Dao“. Das Buch selbst wurde in diesem Kontext einerseits als Anweisung zur Verinnerlichung des Dao verstanden, andererseits wurde es zu einem heiligen Text, dessen Rezitieren bereits heilsbringend sein konnte. Der Tang-Kaiser Li Yuan (Tang Gaozu) erkannte Laozi als seinen eigenen Vorfahren und göttlichen Beschützer des Staates an, womit der Daoismus zur Staatsreligion wurde. Der Übergang zwischen philosophischem Daoismus (Daojia, 道家) und religiösem Daoismus (Daojiao, 道教), daoistischer Mystik und Volksreligion war fließend.

In der Lesart einer Staats- und Gesellschaftslehre wurde der Text als Anleitung für den Heiligen, Weisen oder wahrhaft Berufenen verstanden, womit man den Herrscher meinte, der durch seine Rückbesinnung auf den Weg (Dao) und die Ausstrahlungskraft seiner Tugend (De) zum Wohl der Welt beiträgt. Der Aufstand der Gelben Turbane, ein religiös-sozialer Bauernaufstand der daoistischen Taiping-Bewegung, forderte dies 184 n. Chr. mit militärischer Gewalt ein, um ein Zeitalter des „Großen Friedens“ (Taiping) anbrechen zu lassen. Die Revolte wurde zwar niedergeschlagen, beschleunigte aber den Niedergang der Han-Dynastie und den Aufstieg des Himmelsmeister-Daoismus.

Für den Prinzen Han Fei, der zur Zeit der Streitenden Reiche lebte und auch mit dem Huang-Lao-Daoismus in Verbindung gebracht wird, waren die politischen Aspekte des Daodejing wichtig, welches er als ein intellektuelles Werkzeug innerhalb der Staatsphilosophie des Fa (法, Gesetze, Standards), auch bekannt als Legalismus, begriff. Sein Deutungsanspruch war totalitär, auf die herrschende Schicht bezogen: „Im Staat eines klugen Königs werden keine Bücher geduldet. Zur Erziehung dient das Gesetz. Die Aussprüche der Herrscher des Altertums kennt man nicht mehr. Als Erzieher dienen die Beamten …“, „De ist das Ergebnis von Strafmaßnahmen“.

Eine völlig andere Auffassung vertraten Gelehrte wie Wang Bi und Guo Xiang (郭象, 252–312), die die Werke von Laozi und Zhuangzi redigierten. Sie wurden zu Vorreitern des neodaoistischen „Dunklen Lernens“ (Xuanxue, auch „Mystische Lehre“ genannt), einem Synkretismus, in dem sich wesentliche daoistische, aber ebenso konfuzianische Elemente und Anklänge an die buddhistische Meditation bzw. Philosophie fanden. In seinem bedeutenden Kommentar zum I Ging (Yijing, „Buch der Wandlungen“) schlägt Wang Bi eine Brücke zu Laozi und Zhuangzi wie auch zum Buddhismus: Man müsse die „Worte und Erscheinungen vergessen, um die [wahren] Zeichen und die [wahre] Bedeutung zu finden“.

Durch chinesische Kommentatoren wie Ge Xuan (葛玄, 164–244) und Heshang Gong sowie das Xiang'er (想尔) um 200 bis 400 n. Chr. wurde systematisch eine Sicht formuliert, die den Text als mystische Lehre zur Erlangung von Weisheit, Zauberkräften und Unsterblichkeit auffasst, und eng verbunden ist mit den alchemistischen Versuchen, ein Elixier der Unsterblichkeit zu finden.

Der „Weg“ zum Buddhismus

Mit der Ausbreitung des Buddhismus in China entstand nicht nur eine Konkurrenz zum Daoismus (der nun z. T. behauptete, Buddha sei „nur eine“ Wiedergeburt von Laozi), sondern gleichfalls eine sprachliche Synthese und ein inhaltlicher Vergleich. Es war verbunden mit einer Rückbesinnung auf ursprüngliche Werte beider Richtungen. Zu diesen zählten über die (disputierten) weltanschaulichen Fragen hinaus Selbstdisziplin, Uneigennützigkeit, Meditation und eine spekulative bis kritische Erkenntnistheorie. „Daß der indische Buddhismus in China Eingang finden konnte, beruht offensichtlich darauf, daß er sich in späteren Zeiten als bessere Ausarbeitung der Dao 道-Philosophie des Lao Zi 老子 darstellen konnte.“ (L. Geldsetzer & Hong H.-d.) Die eigenständige Entwicklung, die der Buddhismus in China nahm, „zählt zu den spannendsten Ereignissen der Religionsgeschichte“ (H. Dumoulin) – in entscheidendem Zusammenhang mit dem philosophischen Daoismus. Letzterer erlebte wiederum „eine einzigartige Renaissance“ (W. Y. Tonn). Auf der daoistischen, zur Mystik neigenden Seite resultierten daraus im Laufe der Zeit verschiedene Strömungen wie z. B. die Lingbao-Schule und der Quanzhen.

Eine besondere Bedeutung und Nachwirkung kam zwei Lehrern des 4./5. Jahrhunderts zu, die beide der Nāgārjuna-Tradition des indischen Buddhismus entstammten: Kumārajīva, dem damals bedeutendsten Sutren-Übersetzer, und dem halblegendären Bodhidharma. Der beidseitige Einfluss wurde in der frühen Tang-Dynastie deutlich.

Kumārajīvas Mädhyamika-Schule hatte eine daoistische Denkrichtung mitgeprägt, die unter dem Namen Chongxuan (重 玄, Zhòng xuán, etwa „Doppeltes Dunkel“ oder „Zweifaches Geheimnis“) bekannt wurde. Diese stützte sich wieder stärker auf das Daodejing, aus dessen letztem Vers im 1. Kapitel (玄之又玄, xuán zhī yòu xuán) sie ihren Namen abgeleitet hatte. Umgekehrt wurden Kumārajīvas Adepten Sengzhao und Daosheng (道生 – „Der Weg entsteht“, ca. 360–434) von den Werken Laozis und Zhuangzis inspiriert.

Die von Bodhidharma entwickelte Richtung strebte die unmittelbare Erkenntnis der Wirklichkeit (im Alltäglichen und der eigenen Natur als „Buddha-Natur“) an. Sie bediente sich dafür einer strengen Logik und oft paradox erscheinenden Rhetorik, mit vielen Parallelen zum eigentlichen Laozi-Text. Dem Karma könne man ein Ende setzen, „wenn man handelt, ohne zu handeln, und nach keiner besseren Geburt strebt“. Diese Linie nannte sich „Buddha-Herzgeist-Schule“ (佛心宗, Fóxīn zōng) und erhielt nach der zwar wichtigen, aber nicht vordergründigen Meditation den Namen „Chán“ (禪, als Pendant zum indischen Dhyāna). Sie agierte eher zurückgezogen und hatte anfangs kaum Anhänger, überstand jedoch relativ gut die große antibuddhistische Verfolgung 845 (会昌毁佛 – „Die Huichang-Ära zerstört den Buddhismus“) unter dem Tang-Kaiser Wuzong, der als fanatischer Daoist und Nationalist galt. Die Chan-Fraktion verbreitete sich weiter in Ostasien und wurde in der Neuzeit international unter dem (japanischen) Namen Zen bekannt.

Bodhidharma zugeschrieben (aber wahrscheinlich später verfasst) wurde das folgende Zitat:

„Der Weg (Tao) ist prinzipiell vollkommen. Man braucht ihn nicht zu vervollkommnen. Er hat weder Form noch Klang. Er ist subtil und schwer zu begreifen. […] Die letzte Wahrheit befindet sich jenseits von Worten. Jede Doktrin besteht aus Worten. Worte sind nicht der Weg. Der Weg hat nichts mit Worten zu tun.“

– Über die Weitergabe der Lehre (血脈論, Xuèmài lùn)

Legende von der Entstehung des Daodejing

Zu den deutschsprachigen Dichtern, die sich im Laufe der gesellschaftlichen Umbrüche nach dem Ersten Weltkrieg immer mit wieder daoistischem Gedankengut beschäftigten und dessen Ideen und Metaphern in ihr eigenes Werk integrierten, um es mal für Legenden, mal für Zeitkritik zu verwenden, gehörte u. a. Bertolt Brecht. Berühmt ist sein Gedicht zur Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration, das mit den folgenden Worten beginnt:

Als er Siebzig war und war gebrechlich
Drängte es den Lehrer doch nach Ruh
Denn die Güte war im Lande wieder einmal schwächlich
Und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.
Und er gürtete den Schuh.

Es heißt dann weiter, dass Laozi von einem Grenzposten aufgehalten wurde, der ihn bat, seine Lehre niederzuschreiben. Nach sechs Tagen war der Autor damit fertig. Brechts Gedicht endet mit den Worten:

Darum sei der Zöllner auch bedankt:
Er hat sie ihm abverlangt.

Literatur

Deutsche Übersetzungen und Kommentare (Auswahl)

Weiterführende Werke

Commons: Daodejing – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Zu dem philosophischen Begriff vgl. Wolfgang Ommerborn: Absolute Leere, leerer Raum zwischen den empirischen Dingen oder Bereich des Nichtsichtbaren im Seinskontinium? Zur Konzeption des Wu im Daoismus und Konfuzianismus. – In: Oriens extremus, 39. Jg., Heft 1, 1996, S. 69–95.
  2. ↑ Aus früher animistischer Sicht: „Im Dau [Dao] ruhen und wirken die Yin- und Yang-Kräfte, die als Wärme und Kälte, Regen und Trockenheit für das Gedeihen der Saat, das Reifen des Getreides, kurz: das das Werden der Dinge aus dem ‚Nichtseienden‘ ausschlaggebend waren.“ Ernst Schwarz „Einleitung“ zu Laudse: Daudedsching (1978) S. 22.
  3. ↑ Es ist „immanent und doch transzendental […] unteilbar, und doch […] die Quelle aller Dualität und Vielfalt […] die Mutter der Welt, alldurchdringend und allumfassend, unveränderlich und unaufhörlich […].“ „In ihm sind Formen, Dinge, Wesenheit latent enthalten, es selbst jedoch ist ohne Form und Abbild. Wir können es nur durch unmittelbare Intuition, nicht mit dem Verstand begreifen.“ – Chang Chung-yuan: Tao, Zen und schöpferische Kraft. Aus dem Englischen von Stephan Schumacher. Eugen Diederichs, Düsseldorf – Köln 1980; Lizenzausgabe: Buchclub Ex Libris, Zürich 1983, S. 32–33, 92–93. (Original: Creativity and Taoism. The Julian Press, New York 1963)
  4. ↑ Lutz Geldsetzer, Hong Han-din: Grundlagen der chinesischen Philosophie. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1998 (= Universalbibliothek 9689), S. 216–-236.
  5. ↑ Institut für Sinologie und Ostasienkunde, Universität Münster: Tabelle zur Konvertierung verschiedener Transkriptionen. [Memento vom 22. August 2016 im Internet Archive] In: uni-muenster.de (alternativer Quellenlink), abgerufen am 4. November 2024.
  6. ↑ A Non-Exhaustive Euro-Hannic Transcription Engine – English, French, German and Chinese Romanisations of Chinese. Umschrifttabelle. In: sinistra.net. Abgerufen am 29. Juli 2023 (englisch).
  7. ↑ Hanyu Pinyin romanization system for Mandarin Chinese. Umschrifttabelle. In: pinyin.info. Pinyin Info – 拼音, 2004, abgerufen am 20. Juli 2023 (englisch).
  8. ↑ StarLing-Datenbank chinesischer Schriftzeichen (Hinweis: Tragen Sie einzelne Schriftzeichen in das Feld „Character“ ein.)
  9. ↑ Im Buch der Riten (Liji) wird bei den Fragen von Zengzi viermal Laozi bzw. Lao Dan speziell zu Riten zitiert.
  10. ↑ Bó kann einen Adelstitel, den älteren Onkel oder den Senior bezeichnen.
  11. ↑ Yáng bezeichnet das Helle, die sonnige Anhöhe oder auch das Positive als Teil des Yin und Yang. Daher die „Graf Sonne“-Herleitung für den Namen Bo Yang bei R. Wilhelm (1911).
  12. ↑ Quellen für diesen (nachträglich ge- oder erfundenen) Namen sind die die Biografien der Unsterblichen (列仙傳, Lièxiān zhuàn) von Liu Xiang (77 v. Chr.–6 v. Chr.) und die Laozi-Inschrift (老子銘, Lǎozǐ míng) von Bian Shao (邊韶, 100–165 n. Chr.), siehe 列仙傳 - 维基文库,自由的图书馆 und 老子銘 - 维基文库,自由的图书馆 auf der chinesischen Wikisource-Seite, abgerufen am 6. Juli 2026.
  13. ↑ Herbert A. Giles: The Remains of Lao-tse. – In: China Review vol. XIV, 1885/86, S. 232–280. Zugleich hielt er das Buch aufgrund offenkundiger Widersprüche für eine Fälschung aus der späten Han-Dynastie (S. 256).
  14. ↑ „Einleitung“ zu Laotse: Tao te king. Das Buch des Alten vom Sinn und Leben (1911), S. VI (1978: S. 12)
  15. ↑ Vgl. auch D. C. Lau: “the Lao tzu is an anthology in which are to be found passages representing the views of various schools.” Lao tzu: Tao Te Ching. Penguin Books, London, 1963 (Penguin Classics), Introduction, S. xliv.
  16. ↑ Julius Grill: Lao-tszes Buch vom höchsten Wesen und vom höchsten Gut (Tao-tĕ-king). Aus dem Chinesischen übersetzt, mit Einleitung versehen und erläutert. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1910, S. 34ff.
  17. ↑ Zusammenfassung durch Alfred Forke in: Geschichte der alten chinesischen Philosophie. Friederichsen, Hamburg, 1927 (Abhandlungen aus dem Gebiet der Auslandskunde Bd. 25, Reihe B. Völkerkunde, Kulturgeschichte und Sprachen Bd. 14). Reprint: Cram, de Gruyter & Co., Hamburg 1964, S. 257.
  18. ↑ Laotse: Tao te king. Das Buch des Alten vom Sinn und Leben. Eugen Diederichs, Jena 1911, S. IV, Fußnote 1.
  19. ↑ „As such, the real title of this book should be something like Sayings of the Old Masters.“ „Preface“ in Lao Tzu: Tao Te Ching. The Classic Book of Integrity and the Way. Translated, annotated, and with an afterword by Victor H. Mair. Bantam Books, New York 1990 („Quality Paperbook Club“-Ausgabe 1998 S. xxi). Siehe auch „Einführung“ in Zhuangzi. Das klassische Buch daoistischer Weisheit. Aus dem Amerikanischen von Stephen Schumacher. Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main 1998, S. 26–28.
  20. ↑ 莊子 – Zhuangzi. Der Gesamttext und Materialien. Aus dem Chinesischen übertragen und kommentiert von Viktor Kalinke. 2., verbesserte Auflage, Leipziger Literaturverlag, Leipzig 2022, S. 40.
  21. ↑ „Indem im Zuge der allgemeinen Verdrängung der mündlichen Überlieferung durch die Schriftkultur auch der Laozi zunehmend verschriftlicht wurde, sah man sich offenbar gezwungen, eine Entstehungsgeschichte des Laozi als Buch zu konstruieren.Jetzt besaß die Schrift mehr Prestige als die mündliche Überlieferung, und deshalb konnte ein angesehener Text nicht länger ohne einen eigentlichen Schriftsteller bleiben. Indem man den Autor und die Geschichte der Niederschrift erfand, war der Laozi als Text und als Person etabliert.“ – Hans-Georg Möller: In der Mitte des Kreises. Daoistisches Denken. Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, Berlin 2010, S. 16. (Original: Insel Verlag, Frankfurt am Main – Leipzig 2001)
  22. ↑ Martin Kern: Die Anfänge der chinesischen Literatur, in: Reinhard Emmerich (Hrsg.): Chinesische Literaturgeschichte. J.B. Metzler, Stuttgart – Weimar 2004, S. 51.
  23. ↑ School Of Philosophy BNU - 北京师范大学哲学学院. Abgerufen am 2. September 2025.
  24. ↑ Xiaogan Liu: Did Daoism Have a Founder? Textual Issues of the Laozi. – In: Xiaogan Liu (Hrsg.): Dao Companion to Daoist Philosophy. Springer Science+Business Media, Dordrecht 2015, S. 25–45.
  25. ↑ Zhuangzi, Buch XIII, 7; Buch XIV, 5, 6 und 8
  26. ↑ Ulrich Theobald: Guanyinzi 關尹子 (www.chinaknowledge.de). Abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
  27. ↑ Der Hanggu-Bergpass (Hángǔ guān) wird traditionell östlich des Hua(n) Shan verortet, er ist einer der fünf heiligen Berge des Daoismus in der Provinz Shaanxi, er galt damals westlicher Eckpunkt Chinas; vgl. Livia Kohn (2000), S. 285. Nach einer anderen Version war die Grenzstation in Zhouzhi, am Fuß des Zhongnan-Gebirges (Zhongnan Shan); siehe Vincent Goossaert: Louguan in: Fabrizio Pregadio (Hrsg.): The Encyclopedia of Taoism. Routledge, London 2008, S. 708–709.
  28. ↑ Lao-tse: Tao-Tê-King. Das Heilige Buch vom Weg und von der Tugend. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1979; Einleitung S. 14–15.
  29. ↑ Nichtstun als Handlungsmaxime (2011), S. 36–38.
  30. ↑ Wolfgang Kubin: Lao Zi (Laotse). Der Urtext. Herder, Freiburg – Basel – Wien 2011, S. 11.
  31. ↑ Anzahl der Zeichen nach Günther Debon. Es gibt verschiedene, erst Jahrhunderte später datierte Abschriften des Wang Bi-Textes, daher können die Zählungen je nach Ausgabe voneinander abweichen. Inhaltliche und kritische Aufarbeitungen der Wang Bi-Überlieferungen bietet Rudolf G. Wagner in The Craft of a Chinese Commentator, Wang Bi on the Laozi, State University of New York Press, Albany 2000, und in A Chinese Reading of the Daodejing, Wang Bi’s Commentary on the Laozi with Critical Text and Translation, State University of New York Press, Albany 2003 (jeweils SUNY series in Chinese Philosophy and Culture).
  32. ↑ Die älteste überlieferte „Wang Bi“-Version stammt aus der Ming-Dynastie, der Zhengtong-Ära (1436–1450), siehe Daozang.
  33. ↑ Auch als „Flussältester“, 河上丈人, Héshàng Zhàngrén, bezeichnet. Seine Existenz als Person ist nur durch das Vorwort zu seinem Werk von Ge Xuan (葛玄, 164–244) belegt.
  34. ↑ Donald Sturgeon: 老子河上公章句 - 中國哲學書電子化計劃. Abgerufen am 1. September 2026 (chinesisch (Taiwan)).
  35. ↑ Auch Laozi Daodejing Heshang Gong Zhangju (老子道德經河上公章句, Lǎozi Dàodé jīng Héshàng gōng zhāngjù) oder Laozi Heshang Gong Zhu (老子河上公注, Lǎozi Héshàng gōng zhù) betitelt. Zum Inhalt siehe The Heshang Gong Commentary on Lao Zi’s Dao De Jing. 老子河上公章句 by Heshang Gong, and Lao Zi. Second Edition. Translations and additional commentary by Dan G. Reid. Center Ring Publishing, Montreal 2019.
  36. ↑ 老子指歸 - 维基文库,自由的图书馆. In: https://zh.wikisource.org/wiki/Wikisource:%E9%A6%96%E9%A1%B5. Abgerufen am 6. Juli 2026 (chinesisch).
  37. ↑ Siehe auch die kritische Ausgabe von Fan Bocheng (樊波成) (Hrsg.): The Purport of the Laozi, Collated and Annotated 老子指歸校箋老子指歸校箋. Shanghai Guji, Shanghai 2013.
  38. ↑ 北京大学竹簡 | 中国出土文献研究会. 中国出土文献研究会 (Chinesische Gesellschaft für Forschung zu ausgegrabenen Dokumenten, www.shutudo.org), abgerufen am 6. Juli 2026 (chinesisch).
  39. ↑ 221 Bambusstreifen mit über 5300 Zeichen, von denen nur etwa 60 fehlen, unterteilt in 77 Kapitel. Yan Weiqi & Cao Jijun im Guangming Daily vom 25. Februar 2013, “北大简”《老子》卷首发 系迄今保存最完整古本—新闻—科学网
  40. ↑ Siehe auch die Analyse von Viktor Kalinke: Tiraden der Vieldeutigkeit (Sprachkritische Anmerkungen) in Studien zu Laozi – Daodejing. Bd. 2 (2000), S. 7–77.
  41. ↑ „Comprising 1,750 characters – no more than forty percent of the transmitted counterpart […].“ Shirley Chan: Introduction: The Excavated Guodian 郭店 Bamboo Manuscripts. – In: S. Chan (Hrsg.): Dao Companion to the Excavated Guodian Bamboo Manuscripts, Springer Nature Switzerland, Cham 2019, S. 9.
  42. ↑ The Guodian Laozi (Dao De Jing). Abgerufen am 30. Juni 2026.
  43. ↑ „Introduction“ in Lao Tzu: Tao Te Ching. Translated with an introduction by D. C. Lau, Penguin Books, Harmondsworth 1963 (Ausgabe Penguin Classics, London [u. a.] [o. J.], S. xiii–xiv). Ausführlicher ebenda im Kapitel Appendix 2: The Nature of the Work.
  44. ↑ Laotse: Tao-Te-King. Frankfurt a. M. 1995, S. 293
  45. ↑ „Ein großer Teil der Sprüche ist gereimt, und die Sprache hat einen eindeutig formelhaften Charakter. Mal wirken die Sentenzen wie Orakelsprüche, mal wie ein Rätselreim, mal wie eine rituelle Formel. Offenkundig war war der Laozi zum Auswendiglernen bestimmt, wurde laut gesprochen und mündlich weitergegeben. Es ist wahrscheinlich, dass die schriftliche Niederlegung des Textes, wie sie die in den Gräbern erhaltenen Manuskripte bezeugen, eher die Ausnahme als die Regel war. Wenn man den Laozi den Toten mitgeben wollte, musste man ihn als Schriftstück beilegen. Im Leben aber bedurfte es dessen nicht.“ Hans-Georg Möller: In der Mitte des Kreises. Daoistisches Denken. Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, Berlin 2010, S. 15.
  46. ↑ Chinese Classics: Tao Te Ching. Chinese University Press, Hongkong 1982. (D. C. Laus „Wang-Bi“-Übersetzung von 1963, erweitert um die Interpretation des Mawangdui-Seidentextes)
  47. ↑ Lao-Tzu Te-Tao Ching. A New Translation Based on the Recently Discovered Ma-wang-tui Texts. Translated, with an introduction and commentary. Ballantine Books, New York 1989.
  48. ↑ Robert G. Henricks: Lao Tzu’s Tao Te Ching. A Translation of the Startling New Documents Found at Guodian. Columbia University Press, New York 2000.
  49. ↑ Ansgar M. Gerstner: Eine Synopse und kommentierte Übersetzung des Buches Laozi sowie eine Auswertung seiner gesellschaftskritischen Grundhaltung. Dissertation. Universität Trier, 2004, doi:10.25353/ubtr-xxxx-3a9f-564d (hbz-nrw.de [PDF; 36,2 MB; abgerufen am 3. Juli 2024]).
  50. ↑ Shirley Chan (Hrsg.): Dao Companion to the Excavated Guodian Bamboo Manuscripts. Springer Natural Switzerland, Cham 2019. Siehe auch den Abschnitt I zu Laozi und den Bambus-Texten in Xiaogan Liu (Hrsg.): Dao Companion to Daoist Philosophy. Springer Science+Business Media, Dordrecht 2015, S. 25–126.
  51. ↑ 《老子集成》总目录-华中师范大学道家道教研究中心. In: https://daoism.ccnu.edu.cn/. Central China Normal University (CCNU), 1. November 2022, abgerufen am 1. September 2026 (chinesisch).
  52. ↑ Robert des Rotours: Le traité des Exames Traduit de la Nouvelle Histoire des T'ang (Chapitres XLIV, XLV). Librairie Ernst Leroux, Paris 1932, S. 173f.
  53. ↑ Vgl. Günther Debon (1961 u. 1979).
  54. ↑ Kapitel 78, Wortlaut nach Ernst Schwarz. Siehe z. B. auch Kapitel 2: „alle wissen, daß schön das schöne / so gibt es das häßliche / alle wissen, daß gut das gute / so gibt es das böse“ (Ü.: E. Schwarz)
  55. ↑ Siehe Kap. 1: 道可道 / 非恆道 / 名可名 / 非恆名, dào kě dào / fēi cháng dào / míng kě míng / fēi cháng míng.
  56. ↑ Vgl. Günter Wohlfart: Der Philosophische Daoismus. Philosophische Untersuchungen zu Grundbegriffen und komparative Studien mit besonderer Berücksichtigung des Laozi (Lao-tse). Edition chōra, Köln 2001 (= Reihe für Asiatische und Komparative Philosophie, Bd. 5), S. 49.
  57. ↑ „Nach einem aktuellen Forschungsergebnis der Staatsbibliothek der Volksrepublik China (NLC) ist diese Date jedoch noch unkomplett. Bis zum 30.04.2010 haben 93 Übersetzer insgesamt 140 Versionen des Textes in deutscher Sprache geliefert, die in 229 Ausgaben zu finden sind. Englischsprachige Übersetzungen zählen 193 Versionen (in 238 Ausgaben), während 94 französische Versionen in 118 Ausgaben vorhanden sind. S. Lei, Liang et al. Jiehe Guojia Tushuguan Guancang Fenxi Sibu Zhonghua Jingdian Zhuzuo zai Xifang de Chuanbo. (结合國家图书馆馆藏分析四部中华經典著作在西方的傳播) Beijing 2010. S. 7.“ Chen Zhiwei: Darum sei der Übersetzer auch bedankt – Richard Wilhelms Übersetzung des Dao De Jing und deren Rezeption bei Bertolt Brecht. Dissertation, Bonn 2020, Fußnote S. 70. bonndoc.ulb.uni-bonn.de (PDF; 2,0 MB).
  58. ↑ The Complete Bibliography of Laozi Translations 《老子》譯本總目. – In: Guoji Hanxue 國際漢學 1 (2019), S. 7–122.
  59. ↑ The Complete Bibilography of Laozi Translations: A Global Laozegetics Reference《老子》译本总目:全球老学要览 – 《Lǎozǐ》Yìběn Zǒngmù: Quánqiú Lǎoxué Yàolǎn. Nankai University Press, Tianjing 2022. Misha Tadd 邰谧侠 - Nankai University
  60. ↑ Vgl. z. B. das freimütige Vorwort von Carl Dallago in Laotse: Der Anschluss an das Gesetz oder Der grosse Anschluss. Versuch einer Wiedergabe des Taoteking, Brenner Verlag, Innsbruck 1921 (S. 6–7): „Das Chinesische zu erlernen hatte ich weder Lust noch Möglichkeit; es fehlten alle äußeren Behelfe und, bei meinem Mangel an Sprachtalent, auch alle inneren Voraussetzungen zu einem solchen Entschluß. […] ohne weitere Hilfe, des Chinesischen also ganz und gar unmächtig, gestaltete ich die nachstehende Arbeit. Mein Bestreben war, alles, was mir verfehlt schien, nach Vermögen richtig zu stellen und in die Tiefe des fremden Vorwurfs meine eigene Klarheit zu legen, sodaß ich keinen Satz zuließ, dessen Sinn mir nicht, wenigstens in der Vorstellung, völlig deutlich und lebendig geworden. […] Dieses mein Beginnen mag nun freilich befremden. Dagegen kann ich nur anführen, daß es so in mir auskam. Das Leben lehrte mich denken. Denkkraft ist die Fähigkeit, das Stoffliche eines Vorwurfs so zu durchdringen, daß dieses gleichsam durchsichtig wird, und so seinen Grund, da und dort wenigstens, zu erhellen. An diese belichteten Stellen hält sich sodann das Gefühl. Auch im vorliegenden Fall war ich häufig nur auf mein Gefühl angewiesen […].“ Von größerer interpretatorischer Freiheit zeugt auch etwa Elisabeth Hahn (1886–1955) mit ihrer Auswahl Laotse: Wollen ohne Wahl. Die Grundweisheit des Tao-Te-King in freier Umschöpfung vergegenwärtigt, Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.) 1924: „ohne alle Absicht entstanden aus einer tiefen Liebe zu Laotse und einer völligen Durchdrungenheit von seiner Weisheit, die ihn mir so zu eigen gab, daß er wiedergeboren in meinem Herzen neu entstand in deutschem Wort […]“ (S. 55).
  61. ↑ Helga Scherner: Der Karikaturist Cai Zhizhong und seine Interpretation des Daodejing. Archiviert vom Original am 5. Oktober 2006; abgerufen am 1. September 2026.
  62. ↑ Uroffenbarung und Daoismus. Jesuitische Missionshermeneutik des Daoismus. Herausgegeben, aus dem Latein übersetzt und erläutert von Claudia von Collani, Harald Holz und Konrad Wegmann. Europäischer Universitätsverlag, Bochum [u. a.] 2008, ISBN 978-3-89966-263-4. (= Daodejing-Forschung Bd. 1)
  63. ↑ Claudia von Collani: The Manuscript of the Daodejing in the British Library. – In: Lawrence Wang-chi Wong, Bernhard Fuehrer (Hrsg.): Sinologists as Translators in the Seventeenth to Nineteenth Centuries. Research Centre for Translation/Institute of Chinese Studies, The Chinese University of Hong Kong, Hongkong 2015, S. 39–86.
  64. ↑ Le Livre de la Voie et de la Vertu, composé dans le VIe siècle avant l'ère chrétienne, par le philosophe Lao-Tseu, traduit en français et publié avec le texte chinois et un commentaire perpétuel. Imprimerie Royale, Paris 1842. (Jahrzehntelang von vielen hptsl. europäischen Sinologen als maßstabsetzend betrachtet und zum Vergleich herangezogen.)
  65. ↑ Eine Vereinheitlichung der „ß“-Schreibweise fand erst mit der Rechtschreibreform von 1901 statt. Das Text-Original von 1870 wird deshalb hier folgend mit „von Strauss“ zitiert.
  66. ↑ The original Chinese texts of the work of Laou-tsze, the Great learning, the Doctrine of the mean. With their Japanese translations & notes by O. Shimizu & M. Hirose. At the Author’s, Hongkong 1861. (Erste vollständige, chinesisch-japanisch-englisch verfasste Ausgabe.)
  67. ↑ The Texts of Tâoism. Part I: The Tâo Teh King. – In: F. Max Müller (Hrsg.): The Sacred Books of the East, Second Series – The Sacred Books of China, Bd. XXXIX:5. Oxford at the Clarendon Press, London 1891. (gegenüber 1861 als Neuausgabe einsprachig, aber mit zusätzlicher Einführung durch Legge)
  68. ↑ Die erste in Großbritannien erschienene Ausgabe stammte von dem protestantischen Missionar John Chalmers (1825–1899): Tau Těh King. The Speculations on Metaphysics, Polity, and Morality of the "Old Philosopher" Lau-tsze. Trübner, London 1868. (James Legge gewidmet)
  69. ↑ Д. П. Конисси: «Тао-те-кингъ» Лаоси. (пер. с кит.) – In: Вопросы философiи и психологiи [Fragen der Philosophie und Psychologie] 1894. № 3 (23), S. 380–408. Der aus Japan stammende, zur russisch-orthodoxen Kirche konvertierte Übersetzer (zuvor: Конисси Масутаро, jap. 小西増太郎 Konishi Masutarō, transkribiert auch Konisi oder Konishi; 1862–1940) verglich eine alte chinesische mit mehreren japanischen Ausgaben und der Arbeit von Stanislas Julien. Lew Tolstoi redigierte den entstandenen russischen Text und fungierte bei der erweiterten Neuausgabe 1913 auch offiziell als Herausgeber (Лао Си. Тâо-Те-Кингъ, или Писанiе о нравственности / Подъ редакцiей Л. Н. Толстого, перевeлъ съ китайскaго Д. П. Конисси, примѣчанiями снабдилъ С. Н. Дурылинъ. Тип. Т/Д. «Печатное Дѣло», Москва 1913. Siehe Тао-Те-Кинг (Лао-цзы; Конисси) — Викитека (wikisource.org)), https://ru.wikisource.org/
  70. ↑ Daher traditionell oft als Wuqian wen (五千文, auch: Wuqian ziwen, 五千字文), „Text der fünftausend Worte“ bezeichnet. Sima Qian bezifferte es im Shiji auf „5000 plus“ (五千與言, wǔqiān yǔ yán) = mehr als 5000, weniger als 6000. Bei Heshang Gong sind es (je nach Fassung) 5090 oder 5355, bei Han Fei 5722 und bei Wang Bi 5610 / 5683. Siehe Rudolf G. Wagner: A Chinese Reading of the Daodejing. Wang Bi’s Commentary on the Laozi with Critical Text and Translation. State University of New York Press, Albany 2003 (SUNY series in Chinese Philosophy and Culture), S. 10.
  71. ↑ Inklusive der weitverbreiteten traditionellen Dialekte wie Mandarin oder der lokalen wie z. B. in Shanghai, aber auch der heutigen Jugendsprache.
  72. ↑ Ernst Schwarz: So sprach der Weise. Chinesisches Gedankengut aus drei Jahrtausenden. Rütten & Loening, Berlin 1981, S. 671.
  73. ↑ Lao-tse: Tao-Tê-King. Das Heilige Buch vom Weg und von der Tugend. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1979; Einleitung S. 16–17.
  74. ↑ Reinhold von Plaenckner: Lao-tse Táo-tĕ-king. Der Weg zur Tugend. Aus dem Chinesischen übersetzt und erklärt. F. A. Brockhaus, Leipzig 1870.
  75. ↑ „Ich hätte es nicht über mich vermocht, Ansichten niederzuschreiben, oder auch nur andern nachzuschreiben, die so schnurstracks den meinen […] zuwider sind." Plaenckner, S. 147f.
  76. ↑ Ernst Faber: „Die deutsche Bearbeitung von R. v. Plaenkner bietet wohl Herrn v. Pl.‘s Ideen, doch kaum etwas von Lao Tan’s.“ Eine Staatslehre auf ethischer Grundlage oder Lehrbegriff des chinesischen Philosophen Mencius. Aus dem Urtexte übersetzt, in systematische Ordnung gebracht und mit Anmerkungen und Einleitungen versehen. Verlag R. L. Fridrichs, Elberfeld 1877, S. 29, Anm. 2.
  77. ↑ Wilhelm Grube: „Die deutschen Übersetzungen des Tao-teh-king von R. v. P l ä n c k n e r und N o a c k bleiben am besten unerwähnt.“ Geschichte der chinesischen Litteratur. Leipzig: Amelang, 1902, S. 144, Anm.
  78. ↑ „Mein Traum ist der geworden, dass ungemein viel christliche Ideen in dem Táo-tĕ-king sind.“ Plaenckner, S. 219. „Der im Himmel thronende Erschaffer und Weltregierer, der im Walten der Natur sichtbar werdende Geist, und die im Ideal der Menschenwürde hervortretende Gottesdiee [sic], sind vereint in der einen Natur des Táo.“ Plaenckner zu Kap. 25, S. 115.
  79. ↑ Plaenckner findet in Kap. 30: „das wahre Prototyp eines mit Gott fechtenden Heldenkönigs, [...], ein Charakterbild, welches Jahrtausende unverstanden blieb, dann aber auch im Jahre 1866 [„Deutscher Krieg“] in vollem Lichte, in allen Einzelheiten, in jedem Gedanken genau, aus diesen, den Gedanken und Worten zur Wahrheit, zu Leben und That wurde." (S. 148; unmittelbar vor dem Deutsch-Französischen Krieg verfasst; R. v. Plaenckner war zu diesem Zeitpunkt Oberst z. D. und Kommandant von Breslau.)
  80. ↑ Plaenckner in Kap. 58, S. 284.
  81. ↑ „Vorwort“ zu Confucius. Tá-Hiŏ. Die erhabenen Wissenschaft. Aus dem Chinesischen übersetzt und erklärt von Reinhold von Plaenckner. F. A. Brockhaus, Leipzig 1875, S. V.
  82. ↑ „Vorrede“ v. Victor von Strauss in der Original-Ausgabe von 1870, S. XIII. (In der „von Strauß“-Manesse-Ausgabe nicht vorhanden.)
  83. ↑ Josef Kohler: Des Morgenlandes größte Weisheit. Laotse Tao Te King. In Versform wiedergegeben. W. Rothschild, Berlin und Leipzig 1908. (In Anlehnung an die Übertragung von Carus entstanden; Kohler erfindet hier z. B. in Kap. 20: „Woher doch weiß ich dieses Ew’gen Art? / Das Ew’ge hat’s mir selber offenbart.“)
  84. ↑ Nachwort in Die Bahn und der rechte Weg des Lao-tse. Der chinesischen Urschrift nachgedacht von Alexander Ular, Insel-Bücherei Nr. 253.
  85. ↑ Otto Franke: Die religionswissenschaftliche Literatur über China seit 1900. – In: Archiv für Religionswissenschaft XIII (1910), S. 129f.
  86. ↑ Ausführlicher zu Ular siehe Kapitel 2 Die Verfremdung einer orientalischen Tradition in Florian C. Reiter: Lao-tzu. Eine Einführung. Junius Verlag, Hamburg 1994 (Lizenzausgabe: Panorama Verlag, Wiesbaden 2005).
  87. ↑ Erste Ausgabe 1902 auf Französisch – Alexandre Ular: Le Livre de la Voie et la Lignedroite de Lao-tsé. Éditions de la revue blanche, Paris 1902. Ab 1903 auf Deutsch im Insel Verlag (zunächst als Die Bahn und der rechte Weg. Der chinesischen Urschrift des Lao-tse in deutscher Sprache nachgedacht.), 1927–1938 als Insel-Bücherei Nr. 253, 1976–1997 ebenda als Nr. 991.
  88. ↑ Vgl. Manesse-Ausgabe S. 211 ff.
  89. ↑ von Strauß: „gleich, eben, gerade, richtig, groß, ruhig, schlicht, zufrieden, ähnlich, gleichartig, gleichmachen, ordnen, ebnen, ausroden, ausrotten, verletzen, übertreten“ (Hauptbedeutungen: „gleich, gleichmachen“ oder im Kontext „gerade, eben“) / Kalinke: „sicher, glatt, eben, schleifen, hell, klar; unsichtbar; Barbar (des Ostens); E[tymologie]: Bild eines Pfeils, der mit einer Schnur verbunden ist (wurde benutzt, um Vögel zu schießen)“ (im Kontext „klar“) (Studien zu Laozi Bd. 1, Zeichenlexikon und Konkordanz, S. 132)
  90. ↑ von Strauß: „wenig, selten, leer, sich verkleinern, hoffen, erwarten, anhalten, zerteilen, ausbreiten“ (Hauptbedeutung: „wenig“, im Kontext „wenig, selten“) / Kalinke: „hoffen, sehen, streben, reiben; sehr wenig, selten, unmerklich“ (im Kontext „leise“) (Studien zu Laozi Bd. 1, S. 130)
  91. 1 2 von Strauß: „fein, zart, verborgen, allein, einzeln, wenig, dunkel, schwach, undeutlich, ausgezeichnet, höchstens, nicht, nichts“ (Hauptbedeutung: „fein“, im Kontext „fein, verborgen“) / Kalinke: „klein, winzig, schwach, zart, kaum wahrnehmbar, unterschwellig, verborgen, tiefgründig“ (im Kontext „winzig“) (Studien zu Laozi Bd. 1, S. 129)
  92. ↑ Viktor von Strauss: Das vierzehnte Kapitel des Taò-tě-kīng von Laò-tsè. – In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 23 (1869), S. 473–474 (483); wie in der originalen von-Strauss-Buchausgabe (1870, S. 60–61) heißt der Anfang von Kap. 14: „Man schaut Ihn ohne zu sehen: sein Name heisst Jî (Gleich); man vernimmt Ihn ohne zu hören: sein Name heisst Hī (Wenig); man fasst Ihn ohne zu bekommen: sein Name heisst Wêi (Fein). Diese Drei können nicht ausgeforscht werden; drum werden sie verbunden und sind Einer.“ Und im damaligen Kommentar hierzu: „Abel Rémusat hatte bereits in einem kleineren Aufsatze vom Jahre 1823, der sich im ersten Bande seiner Mélanges asiatiques S. 88f. abgedruckt findet, bemerkt, das Klarste in Laò-tsè’s Buche sey, dass ein dreifaches Wesen das Weltall gebildet habe, und dann hinzugefügt: »Das Allerseltsamste ist, er giebt diesem Wesen einen kaum abgeänderten ebräischen Namen, der in unseren heiligen Büchern Den bezeichnet, der da war, der da ist und der da seyn wird, Jehovah (I. H. W.)«.“ Als Wissenschaftler stellte von Strauss jedoch ebenso die Gegenargumente von Stanislas Julien zur Diskussion. Eine Verbindung zur „Dreieinigkeit“ wurde von französischen Missionaren schon vor Abel-Rémusat gesucht und in ihren selektiven Übertragungen erläutert. Vgl. hierzu auch Can Zhang & Pan Xie: Challenge and Revolution: An Analysis of Stanislas Julien’s Translation of the Daodejing. – In: Religions 13 (2022): 724. https://doi.org/10.3390/rel13080724
  93. ↑ Joseph Edkins: On the three Words „I, Hi, Wei,“ 夷 希 微, in the Tau Te King. – In: The Chinese Recorder XVII, August 1886, S. 306–309.
  94. ↑ „But the words are translatable, and I see no reason to think that they are not pure Chinese.“ – Tau Těh King. The Speculations on Metaphysics, Polity, and Morality of the "Old Philosopher" Lau-tsze. Trübner, London 1868, S. 9, Anm. 1.
  95. ↑ James Legge: The Tâo Teh King. – In: The British Quarterly Review vol. LXXVIII iss. 155, July – October 1883, S. 74–107.
  96. ↑ Julius Grill: Fragezeichen zum angeblichen Jahve des Lao-tse. – In: Zeitschrift für die alttestamentarische Wissenschaft 1885, S. 1–15.
  97. ↑ „Die drei Namen des SINNS: „Gleich“, „Fein“, „Verborgen“ bezeichnen seine Übersinnlichkeit. Die Versuche, aus den chinesischen Lauten I, Hi, We den hebräischen Gottesnamen herauszulesen dürfen wohl als endgültig erledigt angesehen werden. (Victor von Strauß glaubte bekanntlich noch daran; vgl. seine Übersetzung). Daß die hier gezeichnete Anschauung des SINNS (der Gottheit) manche Parallelen in der israelitischen hat, sei nicht geleugnet; vgI. bes. die Stellen II. Mos. 33 und 1. Kön. 19 zu unserem Abschnitt. Doch sind derartige Übereinstimmungen auch ohne direkte Berührung verständlich genug. Diese Anschauung von der Gottheit bezeichnet einfach eine bestimmte Entwicklungsstufe des menschlichen Bewußtseins in seiner Erkenntnis des Göttlichen. Zudem darf der fundamentale Unterschied zwischen der unpersönlich-pantheistischen Konzeption Laotses und der scharf umrissenen historischen Persönlichkeit des israelitischen Gottes nicht außer acht gelassen werden.“ (Laotse: Tao te king. Das Buch des Alten vom Sinn und Leben. Eugen Diederichs, Jena 1911, S. 94)
  98. ↑ Zur kritischen Diskussion der „Jehova“-Hypothese (und der „Dreieinigkeit“) bezügl. Kap. 14 siehe auch Hans Haas: Das Spruchgut K῾ung-tszĕs und Lao-tszĕs in gedanklicher Zusammenordnung. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1920, S. 149–155; er geht hier weiterhin auf die „Babylon“-Theorie von Joseph Edkins im China Review 1884 ein.
  99. ↑ Wing-tsit Chan: The Way of Lao Tzu (Tao-te ching). Translated, with introductory essays, comments, and notes. The Bobbs-Merill Company, Indianapolis – New York 1963, S. 125.
  100. ↑ „Um dieses Kapitel rational zu verstehen, bedarf es theoretischen Wissens über verschiedene Formen des Tranceerlebens: Dazu gehören Verwirrung, Fokussierung und Wechsel von außengerichteter Aufmerksamkeit zu innenzentrierter Konzentration. […] Vielmehr scheint es sich um die Einleitung einer meditativen Übung zu handeln, die jeweils in diesen drei Begriffen Grenzen der Wahrnehmung thematisiert […]“ (Studien zu Laozi Bd. 2, Anmerkungen und Kommentare, S. 89)
  101. ↑ „Auf dieser Stufe aber offenbart sich ihm [Lau-Dsi] gleichzeitig auch das Gefüge des Alls überhaupt. […] Dabei wird ihm auch die Weisheit der Vorzeit zum Ereignis, denn er erlebt gleich den alten Meistern die Weisheit des Dau der Großen Göttin Mutter: Man schaut nach ihr und sieht sie nicht: / Darum wird sie farblos genannt. / Man lauscht auf sie und hört sie nicht: / Darum wird sie lautlos genannt. / Man tastet nach ihr und faßt sie nicht: / Darum wird sie gestaltlos genannt. / Diese dreie kann man nicht erfragen. / Darum mische sie, und du erhältst die Eine.“ Erwin Rousselle: Lau-Dsis Weg durch Seele, Geschichte und Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987 (st 1392), S. 108. Dagegen heißt es bei von Strauss in der originalen Fassung von 1870 mit dem Bezug auf Jehova „Man schaut Ihn ohne zu sehen […] drum werden sie verbunden und sind Einer“.
  102. ↑ Laotse: Tao te king. Das Buch des Alten vom Sinn und Leben (1911), Einleitung S. XXIII u. XXIV.
  103. ↑ Laotse. Herausgegeben von Lin Yutang. Deutsche Übersetzung von Gerolf Coudenhove. Frankfurt am Main 1955 (Fischer Bücherei Nr. 89), S. 74 u. 75. (Original: The Wisdom of Laotse, Random House, New York 1948)
  104. ↑ „Dreizehn / drei von zehn sind Gefährten des Lebens // Dreizehn / drei von zehn sind Gefährten des Todes // Menschen, die ihr Leben auf den Ort des Todes zutreiben // sind auch dreizehn / drei von zehn sind // (Tödliche Stellen in Menschen, die leben // gibt es ebenfalls dreizehn)“ Übersetzung: Viktor Kalinke (2000)
  105. ↑ Ernst Schwarz (Kommentar zu Kap. 14; 1978: S. 182, 1995: S. 199)
  106. ↑ Lin Yutang: „The companions (organs) of life are thirteen; / The companions (organs) of death are (also) thirteen. / What send man to death in this life are also (these) thirteen. / How is it so? / Because of the intense activity of multiplying life.“ (Lin Yutang: The Wisdom of Laotse. Random House, New York 1948) Günther Debon: „Des Lebens Begleiter sind dreizehn. / Des Todes Begleiter sind dreizehn. / Die tödlichen Stellen in des Menschen Lebensregung sind dreizehn. / Und was ist der Grund? / Er lebt sein Leben zu völlig.“ (Lao-tse: Tao Tê-King. Phillip Reclam jun., Stuttgart 1979; siehe ebenda auch Kommentar S. 128)
  107. ↑ Donald Sturgeon: 老子指歸 : 卷三 - 中國哲學書電子化計劃. Abgerufen am 14. Juli 2026 (chinesisch (Taiwan)).
  108. ↑ Viktor Kalinke: Studien zu Laozi Bd. 2, Anmerkungen und Kommentare, S. 55.
  109. ↑ Daode zhenjing guangsheng yi, 道德真经广圣义 (Erweiterte Interpretation der kaiserlichen Exegese der authentischen Schrift des Dao und seiner Tugend). (Daozang Nr. 725, ca. 60 Kommentare zu Laozi)
  110. ↑ Bei Konissi in der Transkription „Хану-Гёку-Сенъ“, eigentl. japanisch Haku-Gyoku-Sen.
  111. ↑ Лао Си. Тао-Те-Кингъ, Moskau 1913, Anmerkungen zu Kapitel L, S. 71.
  112. ↑ Er „stößt im Kontext der Huang-Lao-Schule auf die Ideen von Dao und Wuwei und wendet sie auf die Staatslehre an, indem er fragt, welche Voraussetzungen ein Herrscher zunächst schaffen muß, um erfolgreich Wuwei zu praktizieren – Han Feizi’s Antwort lautet: Er muß ein Terrorregime errichten.“ (Kalinke: Studien zu Laozi – Daodejing, Bd. 3: Essay, S. 37) Sein Denken inspirierte die autoritäre Politik von Qin Shi Huangdi, dem „Ersten Kaiser von China“. Vgl. auch die Einleitung (S. 12) von Günther Debon zu Lao-tse: Tao-Tê-King.
  113. ↑ Ihr Augenmerk galt, wenig uneigennützig, dem „für die Praxis des zentralistischen Beamtenstaates Vorteilhaften oder Nachteiligen“, sie suchten ihre Auffassung der Dau-Ideale „durch Aggressivität, Militarismus, durch Härte und brutale Gewalt mit einem Schlage zu erreichen“, im Sinne des jeweiligen Herrschers. (Ernst Schwarz: Laudse. Daudedsching, 31978, Einführung S. 45) Arthur Waley fand 1939 (!) im Han Fei Tzu „einen modernen Totalitätsgedanken“, „eine so auffallende Parallele“, als ob dies „in Wirklichkeit Ausschnitte aus einer modernen Tageszeitung“ wären. (Vorwort zu Three Ways of Thought in Ancient China. George Allen & Unwin Ltd., London 1939 / Deutsch (von Franziska Meister-Weidner): Lebensweisheit im Alten China. Marion von Schröder Verlag, Hamburg 1952; 1974 als Suhrkamp Taschenbuch st 217).
  114. ↑ Als Anhänger des Xuanxue mehr ein Synkretist, versuchte er eine inhaltliche Verbindung mit dem sozialen und moralischen bzw. politischen Konfuzianismus herzustellen. Zu diesem „Neo-Daoismus“ siehe z. B. in der Stanford Encyclopedia of Philosophy den Beitrag von Alan Chan – https://plato.stanford.edu/entries/neo-daoism/ (Bearb.-Stand: 28. Mai 2019).
  115. ↑ Vgl. die Ausführungen zum daoistischen Widerspruch zwischen dem natürlichen „De“ und der menschlich differenzierten „Rechtschaffenheit“ in den Anmerkungen von Ernst Schwarz zu Kapitel 38 in Laudse: Daudedsching (1978, S. 171). Siehe auch die Einführung (S. 18) in Victor H. Mair: Zhuangzi. Das klassische Buch daoistischer Weisheit. Aus dem Amerikanischen von Stephan Schumacher. Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main 1998.
  116. ↑ Der „Erste erhabene Gottkaiser“ (dessen Name eine Verbindung zum mythischen Huangdi herstellte) führte umfangreiche Kriege gegen die Nachbarländer und errichtete mit seiner „Reichseinigung“ eine Gewaltherrschaft, zu der Zwangsarbeit und außer Bücherverbrennungen auch die systematische Verfolgung und Ermordung von Gelehrten als mögliche Opposition gehörte. Er verschonte dabei die Daoisten, was auch seinem Hang zu deren Alchemie entsprach. Vgl. auch Kalinke Studien zu Laozi Bd. 3: Essay, S. 95–98. Han Fei, als Spion verdächtigt, starb in seiner Gefangenschaft. Siehe auch Richard Wilhelm Die Lehren des Laotse in Laotse: Tao Te King – Das Buch vom Sinn und Leben, Eugen Diederichs 1978, S. 180 ff.
  117. ↑ In Bezug auf Kap. 80 des Daudejing: „Das von den Dauisten propagierte Konzept von der Rückkehr zu einfachen, dörflichen, von jeder Art der Bildung unbelasteten Lebensformen wurde während der »Kulturrevolution« zu geradezu kultischen Dimensionen überhöht. […] Mit der antistädtischen Einstellung der Dauisten übernahmen die »Kulturrevolutionäre« – die Ultralinken – auch eine anti-intellektuelle Haltung. Mau [Mao] sah in der Rückkehr zu dörflicher Primitivität ein Mittel zur Reinigung von den Schlacken »bourgeoiser« Verdorbenheit, die, wie es scheint, seiner Meinung nach den Intellektuellen besonders hart anhafteten.“ In Bezug auf Kap. 65: „Die von den Dauisten verlangte Nivellierung der Gesellschaft lag auch Mau am Herzen. […] Der physisch und psychisch mit aller Kraft und allen Mitteln vorangetriebene Nivellierungsvorgang trug zu einer bedenklichen Zerstörung der Persönlichkeit bei.“ Ernst Schwarz: Die Weisheit des alten China. Mythos – Religion – Philosophie – Politik. Kösel, München 1994, S. 387 u. 388.
  118. ↑ Tsung-Tung Chang: Metaphysik, Erkenntnis und praktische Philosophie im Chuang-Tzu. Zur Neu-Interpretation und systematischen Darstellung der klassischen chinesischen Philosophie. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1982, S. 346.
  119. ↑ Auch Laozi Xiang’er (老子想爾) oder Laozi Xiang’er Zhu (老子想尔注), siehe 国学网--新书推荐--《老子想尔注》.
  120. ↑ Auch Daode Tianzun (道德天尊, Dàodé tiānzūn) genannt.
  121. ↑ Vgl. u. a. Beiträge von Livia Kohn in Fabrizio Pregadio (Hrsg.): The Encyclopedia of Taoism A–Z. Routledge, London 2008.
  122. ↑ Siehe z. B. Eduard Erkes: Ho-shang-kung's commentary on Lao-tse. Artibus Asiae, Ascona 1950 (zuvor in drei Teilen 1945, 1946 u. 1949 ebenda publiziert). Weiterhin Dan G. Reid: The Heshang Gong Commentary on Lao Zi’s Dao De Jing. Second Edition. Center Ring Publishing, Montreal 2019.
  123. ↑ Nr. 713 im klassischen Daozang.
  124. ↑ Donald Sturgeon: 道德真經論兵要義述 : 道德真經論兵要義述卷三 - 中國哲學書電子化計劃. In: Chinese Text Project. Abgerufen am 6. Juli 2026 (chinesisch (Taiwan)).
  125. ↑ Henrik Jäger: Der Daodejing–Kommentar des Chan-Meisters Hanshan Deqing (1546–1623). Tectum, Marburg 1998. (Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München)
  126. ↑ 老子道德經憨山注在線閱讀 - 憨山大師 - 佛教文庫 - 菩提下繁體站(putixia.org). Abgerufen am 7. Juli 2026 (chinesisch).
  127. ↑ Vgl. Holmes Welch: „It is a famous puzzle which everyone would like to feel he had solved.“ (Taoism – The Parting of the Way. Beacon Press, Boston 21966, S. 7)
  128. ↑ Wolfgang Kubin: Lao Zi (Laotse). Der Urtext. Herder, Freiburg im Breisgau 2011 (Klassiker des chinesischen Denkens, Bd. 2), Einleitung S. 11.
  129. ↑ Ein derartiges qualitatives Nebeneinander, das aus jeweils kaum nachprüfbaren Quellen stammt, ist exemplarisch etwa im Programm Aphnguts (www.aphnguts.com) wie auch auf verschiedenen Internetseiten wie Laozi - Zitate - Gute Zitate zu finden. Eine homogenere, durch Linde von Keyserlingk aber nicht sinologisch, sondern „meditativ“ genäherte Textumformung (um „alles immer noch einfacher und ohne vorbelastete Worte zu sagen“) dient als Basis in Duden. Zitate und Aussprüche (Duden Band 12; 1. Auflage 1993, 4., überarbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag, Berlin 2017).
  130. ↑ Vgl. Ernst Schwarz: „Während der Begriff De bei den Konfuzianern immer mehr ein Synonym für Tugend und Sittlichkeit wurde, behielt er in der dauistischen Schule seine ursprüngliche Bedeutung als Wesen, Eigenart, Entelechie, als die in den Dingen und Stoffen gestaltend wirksame Kraft. Die Dauisten machten sich lustig über das Bemühen zur Selbstvervollkommnung des De bei den Konfuzianern.“ (Die Weisheit des alten China. Mythos – Religion – Philosophie – Politik. Kösel, München 1994, S. 22)
  131. ↑ „Im Grunde genommen kommt es auf den Ausdruck wenig an, da er ja auch für Laotse selbst nur sozusagen ein algebraisches Zeichen für etwas Unaussprechliches ist. Es sind im Wesentlichen ästhetische Gründe, die es wünschenswert erscheinen lassen, in einer deutschen Übersetzung ein deutsches Wort zu haben […] Das chinesische Wort geht von der Bedeutung »Weg« aus, von da aus erweitert sich die Bedeutung zu »Richtung«, »Zustand«, dann »Vernunft«, »Wahrheit«. Verbal gebraucht heißt das Wort »reden«, »sagen«, in übertragener Bedeutung »leiten«. (Von der Nebenbedeutung »Umkreis«, „»Bezirk« können wir hier absehen).“ „In den chinesischen Bibelübersetzungen ist λόγος fast durchweg mit Dau [dao] wiedergegeben.“ Laotse: Tao te king. Das Buch vom Sinn und Leben, Einleitung: Der Inhalt des Tao te king. Eugen Diederichs, Düsseldorf/Köln 1978, S. 24–25 & Fußnote S. 25.
  132. ↑ „Das chinesische Wort de, das in der Regel mit ‚Tugend‘ übersetzt wird, hat in Wirklichkeit eine weit umfassendere Bedeutung. Die chinesischen Kommentare erklären es: Was die Wesen erhalten, um zu entstehen, zu leben, heißt ‚de‘. Es schließt das ganze Wesen der Persönlichkeit und die Macht, die von einer Person ausgeht, mit ein.“ Fußnote zu Buch II.1. Der Polarstern in Kungfutse: Gespräche (Lun yü). Aus dem Chinesischen verdeutscht und erläutert von Richard Wilhelm. Eugen Diederichs, Jena; 2., durchgesehene Auflage 1921.
  133. ↑ Waldemar Schneider: Reflektionen auf das Taoistische Weltbild. LIT Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-643-14940-4
  134. ↑ Friedrich Heiler: Die Religion der Chinesen. Lao-tzŭ und der Taoismus. – In: Friedrich Heiler (Hrsg.): Die Religionen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart. Reclam, Stuttgart 1959 (= Universal-Bibliothek Nr. 8274-85), S. 119f.
  135. ↑ Begriff „wú – 無 / 无“. In: xh.5156edu.com. Zaixian Hanyu Zidian – 在线汉语字典, abgerufen am 20. Juli 2023 (chinesisch).
  136. ↑ Begriff „wú – 無 / 无“. In: leo.org. Leo GmbH, abgerufen am 20. Juli 2023 (chinesisch, deutsch).
  137. ↑ Begriff „wéi – 為 / 为“. In: xh.5156edu.com. Zaixian Hanyu Zidian – 在线汉语字典, abgerufen am 20. Juli 2023 (chinesisch).
  138. ↑ Begriff „wéi – 為 / 为“. In: leo.org. Leo GmbH, abgerufen am 20. Juli 2023 (chinesisch, deutsch).
  139. ↑ Florian C. Reiter: Laozi interkulturell gelesen. Traugott Bautz, Nordhausen 2008 (= Interkulturelle Bibliothek Bd. 122), S. 25–26.
  140. ↑ Kristofer Schipper, Franciscus Verellen (Hrsg.): The Taoist Canon. A Historical Companion to the Daozang, vol. 1–3. The University of Chicago Press, Chicago – London 2004, ISBN 0-226-73817-5.
  141. ↑ Vgl. Martina Darga: Laozi, S. 21–22. Dass nach der „magischen 72“ (Kombination von 8 und 9 bei Yan Zun) im Heshang Gong auf „81“, die magische Zahl auch der Daodejing-Kapitel, zurückgegriffen wird, dürfte kein Zufall sein. Selbst im heutigen Gebrauch sind sie wiederzufinden: Chinesische Numerologie: Glücks- und Unglückszahlen erklärt.
  142. ↑ Martina Darga: Laotse. S. 34.
  143. ↑ Zur religiösen Transformation von Laozi einschließlich der Transmission of the Daode jing siehe z. B. Livia Kohn: God of the Dao: Lord Lao in History and Myth. Center for Chinese Studies at the University of Michigan, Ann Arbor 1998 (= Michigan monographs in Chinese studies 84).
  144. ↑ Ausführlicher in: Paul R. Goldin (Hrsg.): Dao Companion to the Philosophy of Han Fei. Springer Science+Business Media, Dordrecht 2013 (= Dao Companions to Chinese Philosophy 2). Zur „Einführung“ siehe Introduction.pdf.
  145. ↑ Zitiert nach Ernst Schwarz, in Laudse: Daudedsching (1978), S. 42–43.
  146. ↑ Siehe z. B. die Beiträge Buddhism: Buddhism in China (S. 1163), Medieval confucian Traditions and the Encounter with Buddhism (S. 1898–1899), Dao'an (S. 2172), Daosheng (S. 2218), Guo Xiang (S. 3710), Huiyuan (S. 4156) in Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, Second Edition. Thomson Gale, Farmington Hills (Michigan) / Macmillan Reference USA, Detroit 2005.
  147. ↑ Ausführlicher in: David Chai (Hrsg.): Dao Companion to Xuanxue 玄學 (Neo-Daoism). Springer Nature, Cham 2020 (= Dao Companions to Chinese Philosophy 14).
  148. ↑ 忘言忘象以得象得意, wàng yán wàng xiàng yǐ dé xiàng déy. In Wang Bi: Kurzer Kommentar zum Zhou Yi (周易略例, Zhōuyì lüèlì), Kapitel 4 (明象, Míngxiàng).
  149. ↑ Zu sprachlichen Anpassungen und inhaltlichen Überschneidungen wie Differenzen (etwa beim „Wu Wei“) siehe z. B. Stephan Peter Bumbacher: Buddhismus in China, Kap. 3.2 Die Übersetzungsproblematik. – In: Manfred Hutter (Hrsg.): Der Buddhismus III. Ostasiatischer Buddhismus und Buddhismus im Westen. W. Kohlhammer, Stuttgart 2018, S. 82(86)–90.
  150. ↑ Eine Gegenüberstellung gemeinsam wichtiger Begriffe (zwischen Transliteration und Synthese) bietet Guang Xing: Indic Influence on Chinese Language. – In: Ithamar Theodor, Zhihua Yao (Hrsg.): Brahman and Dao. Comparative Studies of Indian and Chinese Philosophy and Religion. Lexington Books, Lanham [u. a.] 2014, S. 195–208.
  151. ↑ Friederike Assandri: Dispute zwischen Daoisten und Buddhisten im Fo Dao lunheng des Daoxuan (596–667). Ostasienverlag, Gossenberg 2015 (= Bibliothek der Tang und Song, Bd. 5). Erweiterte Ausgabe (englisch): Inter-Religious Court Debates in the Early Tang Dynasty. A Translation of Reports of Nine Public Debates between Buddhists and Daoists from Daoxuan’s Ji gujin Fo Dao lunheng (T 2104). Brill, Leiden 2026.
  152. ↑ Lutz Geldsetzer, Hong Han-din: Grundlagen der chinesischen Philosophie. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1998, S. 112.
  153. ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. Band I: Indien, China und Korea. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Narr Francke Attempto, Tübingen 2019, S. 64.
  154. ↑ „Die letzte Wurzel für das auffallende Phänomen der inneren Verwandtschaft zwischen den buddhistischen und taoistischen Grundideen liegt in dem naturalistischen Welt- und Lebensgefühl, das sowohl die Mahâyâna-Sutren als auch Lao-tzu, Chuang-tzu und andere chinesische Denker inspiriert. Die naturalistischen Keime des Mahâyâna-Buddhismus fanden im geistigen Klima Chinas günstigere Entfaltungsbedingungen als im indischen Mutterland. Hemmte die Inder ihr quälendes Erlösungsstreben, so fühlten sich die Chinesen, die nach nichts so sehr verlangten, als der Natur das Geheimnis des Lebens abzulauschen, der naturzugewandten Form des Buddhismus nahe. In der chinesischen Buddhismusrezeption spielt, wie die wenigen Angaben im Vorigen deutlich zeigen, der Taoismus eine entscheidende Rolle.“ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus, Band I (2019), S. 68.
  155. ↑ „Einleitung“ von W. Y. Tonn zu Victor von Strauß: Lao-Tse. Tao Tê King“, Manesse, Zürich 1995, S. 44.
  156. ↑ Karl-Heinz Pohl: Das Unsagbare sagen. Das dào 道 bei Lăozi 老子 und Zhuāngzi 莊子 und die „Leere“ bei Nāgārjuna. – In: Zeitschrift für Qigong Yangsheng XXX (2013), S. 1–18.
  157. ↑ Zur Situation in der Tang-Dynastie siehe auch The Daode jing Commentary of Cheng Xuanying. Daoism, Buddhism, and the Laozi in the Tang Dynasty. Translated by Friederike Assandri. Oxford University Press, New York 2021.
  158. ↑ Etwa „des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis“ (R. Wilhelm), „wo am tiefsten das tiefe“ (E. Schwarz) oder „des (mystischen) Dunkels abermals Dunkel“ (Daodejing (Wang Bi) – Wikisource), darin „liegt aller geheimnisse pforte" (E. Schwarz), „der zahllosen Feinheiten (Sinnes-) Tor" (Wikisource).
  159. ↑ Cuma Ozkan: A comparative analysis: Buddhist Madhyamaka and Daoist Chongxuan (twofold mystery) in the early Tang (618–720). The University of Iowa, Iowa City 2013.
  160. ↑ Bodhidharmas Lehre des Zen. Frühe chinesische Zen-Texte. Übersetzt aus dem Chinesischen und mit einer Einführung von Red Pine. Aus dem Amerikanischen von Agatha Wydler. Theseus Verlag, Zürich – München 1990. (Original mit bilingualem Text: The Zen Teaching of Bodhidharma. Empty Bowl, Port Townsend (WA) 1987)
  161. ↑ Red Pine: Bodhidharmas Lehre des Zen (1990), S. 95.
  162. ↑ Nach der für Bodhidharma wichtigen Laṅkāvatāra Sūtra: „Die Worte des Buddha und der (Herz-)Geist als Schule.“ Lankavatara-Sutra (楞伽經) - Buddha - Sutra
  163. ↑ „Bodhidharma soll diesen Begriff, statt ihn auf die Meditation auf dem Sitzkissen zu beschränken, für den alltäglichen, direkten Geist verwendet haben, den Geist, der sitzt, ohne zu sitzen, und handelt, ohne zu handeln.“ Red Pine: Bodhidharmas Lehre des Zen (1990), S. 96.
  164. ↑ Bodhidharmas Lehre des Zen. Frühe chinesische Zen-Texte. Übersetzt aus dem Chinesischen und mit einer Einführung von Red Pine. Aus dem Amerikanischen von Agatha Wydler. Theseus Verlag, Zürich – München 1990, S. 40.
  165. ↑ Yun-Yeop Song: Bertolt Brecht und die chinesische Philosophie. Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1978 (Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, Bd. 267) (Dissertation an der Universität Göttingen)
  166. ↑ Lenz Prütting: Brechts Metamorphosen. Von Jesus zu Stirner, Lenin und Lao-tse. Karl Alber, Freiburg – München 2020.
  167. ↑ Bertolt Brecht – Legende von der Entstehung des Buches „Tao Te King“ auf dem Weg des Laotse in die Emigration. (Memento vom 9. März 2008 im Internet Archive). Als Print auch in Brechts weitverbreiteten Kalendergeschichten, abgerufen am 22. Juni 2019
  168. ↑ Erste textgetreue vollständige Übersetzung ins Deutsche. Deutlich abweichend von Reinhold von Plaenckner: Lao-tse Táo-tĕ-king. Der Weg zur Tugend. F. A. Brockhaus, Leipzig 1870.
  169. ↑ Eigentl. Willy Tonn (1902–1957); dank seiner Bearbeitung ist dieses Werk auch mehr als 150 Jahre nach dem Ersterscheinen für Allgemeininteressierte lesenswert geblieben. Siehe auch Hartmut Walravens: Martin Buber und Willy Tonn und ihre Beiträge zur Kenntnis der chinesischen Literatur. – In: Monumenta Serica 42 (1994), S. 465–481.
  170. ↑ Ursprünglich Kapitel 3–7 und 9 in: Lao-tse und der Taoismus. Friedrich Frommanns, Stuttgart 1925.
  171. ↑ Ab 3. Aufl. ergänzt um: Zu zwei 1973 aufgefundenen Textvarianten des Daudedschings. Entspricht Lizenzausgabe im Deutschen Taschenbuch Verlag, diese zusätzlich mit Literaturverzeichnis. Neuausgabe im Kösel Verlag als Lao-tse (Lau Dse): Tao-te-king (Dau-De-Dsching) bezüglich Anordnung Text – Kommentar u. Layout verändert, mit Ergänzungen in Kommentaren und Literaturverzeichnis.