Leo Heller

Leo Heller (* 18. März 1876 in Wien; † 30. Januar 1941 in Prag) war ein österreichischer (Kriminal-)Schriftsteller, Lyriker, Kritiker, Feuilletonist und Journalist beim Berliner 8 Uhr-Abendblatt.

Leben

Leo Heller war der einzige Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Sigismund Heller aus Teplitz in Böhmen und dessen Ehefrau Ida geb. Winternitz. Nach der Schulzeit besuchte Leo Heller zunächst auf Drängen seines Vaters die Prager Handelsakademie und wurde dann Beamter bei der Böhmischen Union-Bank. Er kündigte nach vier Jahren, um Redakteur des Deutschen Prager Abendblatts zu werden. Dort konnte er sich einen guten Ruf als Feuilletonist erwerben und vielfältige Kontakte zu literarischen Zirkeln knüpfen. 1901 verließ er Prag auf Einladung von Ernst von Wolzogen, der auf der Suche nach Textautoren für sein literarisches Kabarett „Überbrett'l“ war, und zog dauerhaft nach Berlin. Als freier Mitarbeiter von verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften verfasste er im Laufe seiner Karriere eine große Anzahl Feuilletons, Gedichte und Plaudereien. Dabei befasste er sich verstärkt mit den „sozialen Unterschichten“ der Großstadt, den kriminellen Ereignissen und dem Berliner Dirnentum (so benannt nach Hans Ostwald). 1902 konnte er sein erstes Buch veröffentlichen, eine Sammlung von "Brett'l-Lieder"-Texten, die in einschlägigen Kreisen großen Anklang fanden und auch vertont wurden. 1906 heiratete Heller die geschiedene Putzmacherin Regina Friedlaender, geb. Oppler († 1932), Inhaberin des exklusiven Hutsalons Regina Friedlaender.

Zusammen mit Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht, dem Leiter der Streif- und Fahndungsmannschaft beim Polizeipräsidium Berlin, verfasste er die Werke Berliner Razzien (1924), Verbrecher – Bilder und Skizzen aus dem Verbrecherleben (1925) und Kinder der Nacht – Bilder aus dem Verbrecherleben (1926), die im Verlag Hermann Paetel erschienen. Er war ständiger Mitarbeiter im Kabarett Die Wespen und Wilde Bühne unter der Leitung von Trude Hesterberg. Ihr übertrug er auch die Nachlassverwaltung. Sein bekanntestes Werk Aus Pennen und Kaschemmen – Lieder aus dem Norden Berlins (Delta-Verlag Berlin 1921) ist Trude Hesterberg zugeeignet.

Heller war in Vergessenheit geraten, bis er durch die Auftragsproduktion Rinnsteinlieder der Berliner Festspiele im Rahmen der Reihe Ansichten von Preußen 1981 wieder aktuell wurde. Am 25. August 2021 wurden die Berliner Razzien im Elsengold-Verlag neu aufgelegt, zusammen mit anderen, von der Herausgeberin Bettina Müller ausgewählten Texten.

Schriften

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Todesanzeige. In: Jüdisches Nachrichtenblatt. Nr. 6, 7. Februar 1941, S. 9.
  2. ↑ Bettina Müller: Leo Heller, der bestinformierte Schilderer der Berliner Unterwelt, in: Kriminalistik, Jg. 72, 2018, 2, S. 113–118
  3. ↑ Nachruf Regina Friedländer. In: Neue Hamburger Börsenhalle. 12. März 1932, abgerufen am 14. Dezember 2018.
  4. ↑ Die Rache des Konditors. Neues Deutschland, 9. März 2018, abgerufen am 7. Februar 2019.
Personendaten
NAME Heller, Leo
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller
GEBURTSDATUM 18. März 1876
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 30. Januar 1941
STERBEORT Prag