Lernraumgestaltung bezeichnet die zielgerichtete Planung und Ausgestaltung von Lernräumen bzw. Lernumgebungen in Bildungseinrichtungen. Im deutschsprachigen hochschuldidaktischen Diskurs wird der Begriff häufig weit gefasst: Er umfasst neben der physischen Raum- und Möblierungsplanung auch didaktische, organisatorische und technische Aspekte sowie die Gestaltung virtueller und hybrider Lernsettings.
Lernraumgestaltung ist von Lernort und Lernraum zu unterscheiden. Lernraum wird in der Hochschuldidaktik als Oberbegriff für Umgebungen verstanden, in denen Lernen ermöglicht wird; diese können materiell (physisch), digital (virtuell) oder als Kombination (hybrid) vorliegen. Lernraumgestaltung bezieht sich demnach nicht nur auf Bau- oder Einrichtungsfragen, sondern auch auf die bewusste Auswahl und Konfiguration von Lernumgebungen, die bestimmte Lehr- und Lernformate unterstützen sollen.
In der Hochschuldidaktik wird Lernraumgestaltung häufig im Zusammenhang mit kompetenz- und studierendenorientierten Lehr-/Lernformaten diskutiert. Der digitale Wandel beeinflusst dabei sowohl die Nutzung als auch die Gestaltung physischer Räume; traditionelle Lehrflächen werden u. a. zu multifunktionalen Lernflächen weiterentwickelt, für hybride Szenarien technisch ausgerüstet und durch neue Raumtypen (z. B. Makerspaces) ergänzt. In einschlägigen Beiträgen wird betont, dass räumliche Entscheidungen didaktische Optionen mitbestimmen und Lernräume daher auf Basis pädagogischer Überlegungen geplant werden sollten.
Die Hochschulforschung und hochschulnahe Fachinitiativen (z. B. Bibliotheken, Rechen- und Medienzentren) behandeln Lernraumgestaltung zudem als Teil strategischer Infrastruktur- und Organisationsentwicklung, etwa im Kontext von Lernarchitekturen, Service-Kooperationen oder der Verschränkung physischer und virtueller Angebote.
In der Literatur werden mehrere Dimensionen unterschieden, die in der Praxis häufig zusammen geplant werden:
Die physische Dimension umfasst u. a. Architektur, Raumzuschnitt, Möblierung, Zonierung (Einzel-/Gruppenarbeit, Präsentation, Rückzug), Akustik, Beleuchtung und Barrierefreiheit. In der Diskussion um „zukunftsfähige Lernräume“ werden insbesondere flexible, umnutzbare Raumstrukturen hervorgehoben, die unterschiedliche Lernaktivitäten unterstützen.
Zur technischen Dimension zählen mediale und informationstechnische Infrastrukturen (z. B. Präsentations- und Kollaborationstechnik, Konnektivität, Aufzeichnung/Streaming) sowie die Einbettung digitaler Lernumgebungen, etwa Lernplattformen, Kollaborationstools und hybride Raumkonstellationen.
Unter didaktischen und organisatorischen Aspekten werden u. a. die Passung zu Lehrformaten, Unterstützungsangebote (z. B. Tutorien, Medien-/Schreibberatung), Nutzungsregeln, Öffnungszeiten, Zugänge, Service- und Betreuungskonzepte sowie die Einbindung in hochschuldidaktische Qualifizierung betrachtet. In Leitlinien zur Lernraumentwicklung werden außerdem Nutzerorientierung und Partizipation als zentrale Prinzipien betont.
Als Dimension der Lernraumgestaltung umfasst Barrierefreiheit sowohl die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit physischer Lernräume (z. B. stufenfreie Erreichbarkeit, geeignete Wegeführung, Leitsysteme, Akustik und Beleuchtung, anpassbare Möblierung) als auch die barrierearme Gestaltung digitaler Lernumgebungen (z. B. zugängliche Dokumente und Medien, Untertitel und Transkripte, Tastaturbedienbarkeit, ausreichende Kontraste sowie kompatible Lernplattformen und Tools). Ziel ist es, Lernräume und Lernangebote so zu gestalten, dass sie von Studierenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen möglichst selbstständig genutzt werden können.
Lernraumgestaltung wird in unterschiedlichen Kontexten umgesetzt, darunter:
In Empfehlungen und Leitlinien wird Lernraumgestaltung häufig als iterativer Prozess beschrieben, der Bedarfsanalysen, partizipative Planung mit unterschiedlichen Akteuren (z. B. Studierende, Lehrende, Bibliothek/IT, Hochschulleitung), Pilotierungen und kontinuierliche Weiterentwicklung umfasst. Hochschulinterne Konzeptpapiere konkretisieren dies teils über Leitlinien und organisatorische Rahmenbedingungen (z. B. Zugang, Beschilderung, Serviceangebote).
Empirische Forschung zu Zusammenhängen zwischen Raumgestaltung, Lehrgestaltung und Lernergebnissen gilt in Teilen als ausbaufähig; für den Hochschulbereich wurde bereits auf einen Bedarf an weiterer Forschung zu Nutzung und Wirkung von Lernräumen hingewiesen. In der Praxis wird Lernraumgestaltung daher häufig durch Nutzungsanalysen und Evaluationen begleitet (z. B. Befragungen zur Raum- und Servicequalität).
Als kritischer Punkt wird genannt, dass räumliche Modernisierung ohne didaktische bzw. organisatorische Einbettung begrenzte Wirkung entfalten kann; daher wird teilweise eine pädagogische Fachplanung neben der baulichen und technischen Planung gefordert. Zudem wird Lernraumgestaltung im Hochschulbereich mit Fragen der Infrastrukturfinanzierung und der Weiterentwicklung von Flächen, Räumen und Ausstattung verknüpft.