Lerntyp

Der Begriff Lerntyp bezeichnet eine wissenschaftlich abgelehnte Unterscheidung von Personen hinsichtlich besonders effizienten Lernverhaltens nach der Idee bevorzugter Wahrnehmungskanäle. Insbesondere in den Kognitionswissenschaften wird diese Typologie nicht gestützt; in der Psychologie werden Typenlehren grundsätzlich als überholt betrachtet. Ungeachtet dessen sind Lerntypologien populär, da sie vermeintlich dem „Interesse einer Effektivierung von Lernprozessen“ folgen, sie gelten daher als ein Faktoid.

Nach Pashler u. a. existieren im Jahr 2008 insgesamt 71 unterschiedliche Modelle von Lerntypologien, dabei genügten „fast alle Studien den fundamentalen Kriterien wissenschaftlicher Forschung“, gemäß der „Meshing-Hypothese“, nicht. Die Meshing-Hypothese besagt, dass Lernen dann besonders erfolgreich ist, wenn die Unterrichtsform zum bevorzugten Lerntyp einer Person passt. Um diese Hypothese bestätigen zu können braucht es einen Crossover Effekt, der in den meisten Studien nicht gezeigt werden konnte.

Von Lerntypen abzugrenzen sind personenunabhängige Lernstile. Diese beschreiben individuelle Präferenzen in verschiedenen Phasen eines Lernprozesses und können beispielsweise bei der Reflexion eigenen Lernverhaltens hilfreich sein.

Allgemeines

Lerntypologie wird in folgenden Kontexten gebraucht:

Hintergrund der theoretischen Arbeit zu Lerntypen

Eine allgemeine Vorstellung von Lehre ist, dass es sich hierbei nicht nur um die Vermittlung von Stoff und somit um das Fragmentieren und Aufbereiten von Inhalten handelt (siehe hierzu eine Vielzahl von Didaktikmodellen). Bei theoriegeleitetem Lehren sollen Lehrende vor Augen behalten, zu welchem Ziel (Lehr-/Lernziel) ein jeweiliger Inhalt vermittelt wird und welche Voraussetzungen bei der inhaltlichen und methodischen Gestaltung der Lehr-/Lernsituation berücksichtigt werden müssen.

Zu den Voraussetzungen, die von Lehrenden erhoben und berücksichtigt werden sollten, gehören unter anderem:

Zum letztgenannten Punkt haben sich verschiedene theoretische Positionen und Grundannahmen unter Überschriften mit teilweise überschneidenden Bedeutungshöfen entwickelt.

Einige der Theorien sind eher allgemein auf die Persönlichkeit ausgerichtet, andere fokussieren speziell Lernen und Denken:

Ablehnung des Begriffs und Kritik (Lernpsychologie)

Aufgrund mangelnder empirischer Belege oben genannter Ansätze bevorzugt die Lernpsychologie das Konzept der Lernstile, hier besonders die Untersuchungen von Kolb oder Honey & Mumford. Aus Sicht der Lernpsychologie werden Lerntypen im Sinne Vesters aus mehreren Gründen kritisiert:

Siehe auch

Literatur

Historische Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Erich Schäfer: Welche Mythen existieren über das Lernen im Erwachsenenalter? In: Lebenslanges Lernen. Kritisch hinterfragt. Springer, Berlin, Heidelberg, 2017, S. 1–17. doi:10.1007/978-3-662-50422-2_1; ISBN 978-3-662-50422-2.
  2. 1 2 3 4 5 Harold Pashler, Mark McDaniel, Doug Rohrer, Robert Bjork: Learning Styles: Concepts and Evidence. In: Psychological Science in the Public Interest. Band 9, Nr. 3, Dezember 2008, ISSN 1529-1006, S. 105–119, doi:10.1111/j.1539-6053.2009.01038.x (sagepub.com [abgerufen am 2. Juni 2023]). (englisch)
  3. ↑ Benedikt Wisniewski: Der Unsinn von den Sinnen in: B. Wisniewski & A. Vogel: Schule auf Abwegen - Mythen, Irrtümer und Aberglaube in der Pädagogik, Schneider Verlag, Baltmannsweiler, 2013, ISBN 978-3-8340-1256-2.
  4. ↑ Daniel T. Willingham: “Do visual, auditory and kinesthetic learners need visual, auditory and kinesthetic instruction?” in: American Educator, 29(2), 31–35, 2005 (englisch).
  5. ↑ John Hattie: Visible Learning - A synthesis of over 800 meta-analyses relating to achievement, Routledge, London, 2009, ISBN 978-0-415-47618-8 (englisch).
  6. ↑ Kenneth A. Kavale, Steven R. Forness: “Substance over style: Assessing the efficacy of modality testing and teaching” in: Exceptional Children, 54(3), 228–239, 1987, doi.org (englisch).