Les Siernes Picaz

Les Siernes Picaz

Les Siernes Picaz (auch Les Ciernes Picat geschrieben) ist eine Alpsiedlung in einer Rodungslichtung und ein archäologischer Fundort im Gebiet der Gemeinden Rougemont und Château-d’Oex im Schweizer Kanton Waadt.

Lage

Die Alpsiedlung, die zu Rougemont gehört, liegt in einem Talkessel am Bergbach Ruisseau des Siernes Picaz auf 1168 m ü. M. Der ungefähr zehn Kilometer lange Bach entwässert ein enges Tal in den Freiburger Voralpen und im Massiv des Vanil Noir an der Kantonsgrenze der Waadt mit dem Kanton Freiburg. Er mündet westlich von Rougemont, 4,5 Kilometer unterhalb von Les Siernes Picaz, in die Saane. Dem Bachbett folgt die Gemeindegrenze zwischen Rougemont und Château-d’Oex. Von Rougemont aus führt nur ein Fussweg durch die engen Schluchten zum Bergdorf. Eine Fahrstrasse nach Les Siernes Picaz verläuft auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Château-d’Oex.

Die Ortschaft befindet sich rund 500 bis 600 Meter unterhalb der Wald- und Baumgrenze in einer grossen Rodungslichtung. Der ursprüngliche Bergwald wurde wohl seit dem Mittelalter an vielen Stellen im Tal grossflächig gerodet und machte Platz für Bergweiden. Auf bestimmten Böden im Tal mit Feuchtgebieten gedeihen statt guten Futterpflanzen eher Arten der Moor- und Sumpfvegetation. Vor allem an steilen oder sonst schwer zugänglichen Bergflanken blieb der Wald erhalten, so auch am 400 Meter hohen Hang östlich von Les Siernes Picaz. Die Talstufe mit dem Offenland liegt rund 500 Meter tiefer als die hochgelegenen Alpweiden, auf welche das Vieh zur Sömmerung aufgetrieben wird. Von Les Siernes Picaz führen mehrere Alpstrassen zu den Alpsennereien auf den umliegenden Höhen.

Ortsname

Der Siedlungsname Les Siernes Picaz oder Les Ciernes Picat ist ein Lokalname von einem Typ, der gemäss den Quellen des Glossaire des patois de la Suisse romande in der Westschweiz weit verbreitet ist. Die Ortsbezeichnung ist aus einem Flurnamen und einem Personen- oder Familiennamen zusammengesetzt. Der erste Wortteil sierne oder cierne war in der frankoprovenzalischen Umgangssprache ursprünglich ein Gattungsname, der in vielen Fällen zu einem Flurnamen geworden ist. Er geht auf die Form cerne zurück und bedeutet ‹Rodungslichtung›, ‹Rodungssiedlung›, ‹umfriedete Weide› oder auch ‹schlechte Weide› und ‹sumpfiges Weideland›. Der Ausdruck kommt in unterschiedlichen Wortformen bei vielen Flurnamen und Alpsiedlungen im Westschweizer Alpenraum und auch im Juragebirge vor. In der Berglandschaft von Château-d’Oex befinden sich zum Beispiel auch die Weidegebiete Cierne au Cuir, Ciernes Charbon, La Cienre Yaux, Les Ciernes Perra und La Ciernette.

Der zweite Namensteil von Les Siernes Picaz ist der Familienname Pica. Auch solche Lokalnamen mit dem Wort cierne und einem Eigennamen kennt das Westschweizer Wörterbuch Glossaire des patois de la Suisse romande von mehreren Stellen.

Schutzgebiete

Nach dem Siedlungsnamen des Bergdorfes und dem Flurnamen «Les Bimis» bzw. dem Bergnamen «Dent des Bimis» erhielt das Jagdbanngebiet District franc fédéral Les Bimis-Ciernes Picat im Bundesinventar der eidgenössischen Jagdbanngebiete seine Bezeichnung.

Das gerodete Kulturland beim Bergdorf weist in mehreren Partien Feuchtgebiete auf, die als Naturreservate im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung eingetragen sind.

Auf den Weideflächen an den Berghängen rund um die Ortschaft sind zahlreiche Partien der Alpweiden wegen der wertvollen Vegetation geschützt und im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung verzeichnet.

Archäologie

Im Bergtal befand sich, nahe bei der heutigen Siedlung, (auf dem Gebiet von Château-d’Oex) eine mesolithische Station. Diese bestand aus einem Abri unter einem grossen Felsblock, wo steinzeitliche Nomaden Silexknollen bearbeiteten, um Werkzeug herzustellen. Die prähistorische Fundstelle ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung klassiert.

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Einzelnachweise

  1. ↑ Der Siedlungsname lautet in der Gemeinde Château-d’Oex offiziell «Les Ciernes-Picat». Die Landeskarte der Schweiz hat den Ortsnamen «Les Siernes Picaz».
  2. ↑ cerne. In: Glossaire des patois de la Suisse romande, Band 3, S. 215. Abgerufen am 5. November 2026.
  3. ↑ Ciernes Picat. In: henrysuter.ch. Abgerufen am 4. November 2026.
  4. ↑ Objektblatt «Les Bimis-Ciernes Picat (VD)» im Bundesinventar der eidgenössischen Jagdbanngebiete.
  5. ↑ Objektblatt «Ciernes Picat» im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung.
  6. ↑ Beispiel: «Planex Dessous» im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung.
  7. ↑ Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte. Band 85. 2002. S. 227.
  8. ↑ Denis Weidmann: Des cailloux et des hommes. In: Les Géotopes. Curiosités méconnues du patrimoine vaudois - De l‘inventaire à la mise en valeur. Lausanne 2007. S. 45–49.

Koordinaten: 46° 30′ 19,1″ N, 7° 10′ 15,4″ O; CH1903: 579453 / 150479