Sergei Anatoljewitsch Torop, auch bekannt als Vissarion oder Wissarion (russisch Сергей Анатольевич Тороп beziehungsweise Виссарион, wissenschaftliche Transliteration Sergej Anatol'evič Torop) (* 14. Januar 1961 in Krasnodar), ist der Gründer einer synkretistischen religiösen Bewegung namens „Gemeinde des einheitlichen Glaubens“, später „Kirche des Letzten Testaments“, aktuell „Weltfriedenspol“ mit Siedlung in der sibirischen Taiga. Er wird von seinen Anhängern als Wiederkunft Jesu von Nazaret betrachtet. In der Siedlung siedeln ungefähr 4000–5000 Anhänger, die Angaben zu den weltweiten Anhängerzahlen schwanken zwischen 10.000 und 50.000. In Deutschland verbreitet der Verein Ökopolis e.V. seit 2000 die Lehren Torops.
Von manchen Medien wird Torop auf Grund seiner äußeren Erscheinung auch als „Jesus Sibiriens“ oder „Messias der Taiga“ bezeichnet.
Sergei Anatoljewitsch Torop kam 1961 als Sohn Nadeschda Torops und des Bautechnikers Anatoli Torop zur Welt. Später leistete er seinen Wehrdienst bei einem Bautrupp ab. Er arbeitet als Schlosser, später als Verkehrspolizist und lernte die zu jenem Zeitpunkt vierundzwanzigjährige Ljuba (* 1960) kennen. Am 24. November 1984 heiratete das Paar. 1989 verlor er seine Stelle als Verkehrspolizist, da er nach eigener Aussage "den Menschen zu oft vergeben wollte". Laut anderen Quellen war Alkoholmissbrauch der Grund für die Entlassung.
Torop verdiente sich neben seiner beruflichen Tätigkeit noch als Maler und Zeichner Geld zum Lebensunterhalt. Im Frühling 1990 erhielt er vom Kirchenvorsteher der Gemeinde in Nikolo-Petrowka den Auftrag, die dortige Kirche mit Malereien auszuschmücken, woraufhin er zwei überlebensgroße Gemälde von Maria und von Nikolaus von Myra anfertigte, die an der Eingangspforte befestigt werden sollten. Da diese nicht gefielen, kam die Familie in finanzielle Schwierigkeiten.
Im Mai 1991 hatte Torop nach eigener Aussage eine spirituelle Erfahrung, nannte sich in der Folge Wissarion und sieht sich seither als Reinkarnation Jesu Christi. Wenige Monate später, am 18. August 1991, hielt er im Dorf Gorodok unweit von Minussinsk seine erste Predigt vor 33 Zuhörern. Später siedelte er mit seinen Anhängern in der Taiga (sh. unten)
In den 90ern und frühen 2000ern unternahm Torop zahlreiche Auslandsreisen und warb für seine Gemeinschaft, vor allem in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, aber auch in Deutschland.
Am 22. September 2020 wurde Torop in seinem Domizil vom russischen Geheimdienst verhaftet und in ein Gefängnis überführt. Die Anklageschrift wirft ihm finanzielle und seelische Ausbeutung vor. Am 30. Juni 2025 wurde er zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt.
Torop lebte mit seiner Frau Ljuba und Sofia, einer damals 19-Jährigen, in einer Dreiecksbeziehung, woraufhin sich Ljuba von ihm trennte. Er hat 7 Kinder.

Gemeinsam mit seinen Anhängern siedelte sich Torop ab 1993 in der Taiga in der Region Krasnojarsk an. In der Gegend gab es bereits Personengruppen, die sich mit Ufologie und Esoterik beschäftigten. Torop forderte seine Anhänger auf, sich bei Minussinsik niederzulassen. Dabei wurden teils vorhandene Dörfer weiter besiedelt, aber auch eine neue Siedlung gegründet. Die Siedlung hieß nach dem benachbarten See zuerst "Öko-Siedlung Tiberkul", später "Ökopolis". Andere Bezeichnungen sind "Sonnenstadt". In den folgenden Jahren kauften die Mitglieder der Gemeinschaft die Flächen umliegender Dörfer auf, um zu expandieren, und die ursprünglichen Bewohner zogen in andere Gebiete. Als Hauptorte etablierten sich die vier Dörfer Petropawlowka, Tscheremschanka, Scharowsk und Guljajewka. Auf einem Berg in der Siedlung findet sich das Wohnhaus Torops, darum Häuser von engen Vertrauten. Das Plateau ist nicht zugänglich. Die Gemeinschaft lebt als Selbstversorger, Gäste sind willkommen. Heute leben ungefähr 4000–5000 Anhänger in der Siedlung.

Die Gemeinschaft „Weltfriedenspol“ führt auch ein eigenes Symbol. Es handelt sich um ein christliches Kreuz, eingefasst in einen aus Blüten zusammengesetzten Kreis.
Bei den Anhängern wird von gesundheitlichen Problemen und mangelnder medizinischer Versorgung berichtet. Ebenso gab es Berichte über Todesfälle durch Suizid. Die Gemeinschaft zog im Jahr 2000 durch den Tod von zwei Kindern durch mangelnde medizinische Versorgung Aufmerksamkeit auf sich.
Die Lehre Torops werden in der Schrift "Das Letzte Testament" zusammengefasst. Das letzte Testament ist eine Sammlung der Schriften Torops und der "Jahresberichte Vadims", die vom Wirken Torops erzählen. Der Name bezieht sich auf die Hebräische Bibel als erste Offenbarung an das Judentum und das Neue Testament als Offenbarung an das Christentum. Nach Torops Verkündigung überbot die neuere Offenbarung jeweils die ältere. Das Letzte Testament ist die Offenbarung durch Vissarion. Es soll die Bibel ergänzen und konzentriert sich unter anderem auf Selbstverbesserung, Selbstverwaltung und die Gemeinschaft.
Die Lehre Torops beinhaltet apokalyptische Gedanken. Diese verbinden sich mit der Vorstellung einer ökologischen Katastrophe, eines tödlichen Virus oder eines Atomkriegs. Vorausgesagt war dies beispielsweise für 2003. Dahinter steckt das mythisch-personale Verständnis einer Mutter-Erde, die sich für die Umweltsünden der Menschheit rächen wird.
Laut Interpretation seiner Anhänger geht es dabei jedoch nicht um den Untergang, sondern um die Umwandlung der Welt.
Torop übernahm Liturgien der orthodoxen Kirche. Jedoch werden dabei andere Symbole und Inhalte verwendet. Zumindest als Torop noch nicht verhaftet war, stand er als Zeremonienmeister und geistliches Oberhaupt im Mittelpunkt. Die orthodoxe Kirche lehnt er ab.

Zwei der drei Hauptfeste der Glaubensgemeinschaft drehen sich um Torop: Am 14. Januar, dem Geburtstag Wissarions, wird das Neujahrsfest zelebriert. Weihnachten wird dafür nicht gefeiert. Das Sommerfest fällt auf den 18. August, den Jahrestag seiner ersten Predigt. Die Zeitrechnung richtet sich nach seiner Geburt. Während seine Anhänger in relativer Armut leben, lebte er selbst wesentlich wolhhabender. Bei der Durchsuchung des Hauses durch den FSB im Jahr 2020 wurden allerdings nicht mehr als 700 Rubel (ca. 9 €) gefunden.
Torop wird von seinen Anhänger als Inkarnation Christi oder lebender Gott angesehen. Er bezeichnet sich selbst als Christus und behauptet sich an Gegebenheiten aus dem Leben Jesu zu erinnern, die biblisch nicht berichtet sind. Nach anderen Aussagen sieht er sich als Krönung einer Reihe von Religionsstiftern: Buddha, Moses, Jesus Christus, Mohammed und schließlich er selbst. Gebete finden vor Bildern Torops statt.
Torop lehnt die Medikamente und Schulmedizin ab. Im Krankheitsfall solle man sich an der Schönheit der Natur erfreuen. Krankheiten sind als Glaubensprüfung zu sehen. Der Tod eines Kindes sei "eine Prüfung für die Eltern und eine Strafe für ihre Sünden".
In der Gemeinschaft herrscht ein konservatives Verhältnis von Mann und Frau. Der Mann gilt als das Oberhaupt der Familie, der diese auch ernähren und körperlichen Arbeiten nachgehen soll. Frauen sollen den Mann unterstützen und nur leichtere körperliche Arbeiten ausführen. Torop sagte 2017 zur BBC, Frauen sollen schüchtern und schwach sein. Torop ordnet der Frau das Natürliche zu und dem Mann das Geistige. Kein Geschlecht kann die Eigenschaften ohne das andere erreichen. Gibt es keine "Entwicklung in Harmonie" so entstehen laut seiner Lehre gesellschaftliche und private Probleme.
Polygamie ist erlaubt, wenn die Ehefrau eine zweite Frau erlaubt. Diese Art der Beziehung wird „Dreiecksfamilie“ genannt. Die Anhänger betonen jedoch, dass Torop die Monogamie bevorzuge.
Die Gemeinschaft lebt vegan, weitere Essensregeln sind lediglich zwei Mahlzeiten am Tag, der Verzicht auf Salz, Pfeffer und Lebensmittel, die mit Hefe, Zucker und Honig hergestellt wurden. Alkohol und Rauchen sind ebenso verboten wie Autos, Shampoo, Make up, Bargeld oder Waffen. Tauschgeschäfte sind ebenso untersagt. Geld wird in eine Gemeinschaftskasse eingezahlt, es gibt kein Hab und Gut. Spenden sind nicht verpflichtend, aber es wird dazu gedrängt.
Hansjörg Hemminger und Joachim Keden erkennen in den Thesen und Aussagen Torops neohinduistische Züge und Lehren. So spreche Torop in seinen Reden und Predigten von Seelenwanderungen, die mit Reinkarnationen gleichzusetzen seien. Ferner verfüge Torop über sehr gute Kenntnisse der neohinduistischen Guru-Szene um die Gurus Haidakhan Babaji und Sathya Sai Baba. Dieser könnte Torops Vorstellungen beeinflusst haben, da auch er eine einheitliche Weltreligion propagiert. Ferner vermuten die beiden Autoren, dass in dem Glaubensgefüge des Letzten Testaments auch Aspekte der in den 1970er Jahren aufgekommenen New-Age-Esoterik gebe. Zu guter Letzt nimmt Tropos Gedanken aus der Theosophie auf. Zwar rät er seinen Anhängern davon ab, die Bücher Helena Petrovna Blavatskys, der Mitbegründerin der Theosophischen Gesellschaft, zu lesen, gleichzeitig enthalten seine Verlautbarungen aber oftmals theosophisches Gedankengut. Diese erheben ebenfalls den Anspruch, einen gemeinsamen, wahren Kern in allen Religionen aufzuzeigen.
Auch an Außerirdische glaubt Torop.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Torop, Sergei Anatoljewitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Wissarion (Pseudonym); Тороп, Сергей Анатольевич (russisch); Torop, Sergej Anatol'evič (wissenschaftliche Transliteration); Виссарион (Pseudonym, russisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | russischer Gründer der Kirche des Letzten Testaments |
| GEBURTSDATUM | 14. Januar 1961 |
| GEBURTSORT | Krasnodar |