Levantehaus

Das Levantehaus
Eingangsportal an der Mönckebergstraße mit Zentaurenfigur von Barry Baldwin

Das Levantehaus ist ein Kontorhaus in der Hamburger Altstadt, Mönckebergstraße 7. Der Name Levante verweist auf den ersten großen Mieter der Geschäftsräume, der Deutschen Levante Schifffahrts-Linie, sowie weitere hier ansässige und auf den östlichen Mittelmeerraum ausgerichtete Reedereien. Ein stilisiertes Sonnensymbol (neun gelbe Strahlen im Halbkreis angeordnet) ist das eingetragene und geschützte Warenzeichen des heutigen Eigentümers, der GbR Levantehaus.

Lage

Skizze des Grundrisses/Lageplans

Das Levantehaus liegt in der Innenstadt nahe dem Hauptbahnhof. Die beiden straßenparallelen Baukörper befinden sich südlich der Einkaufsmeile Mönckebergstraße zur Bugenhagenstraße hin (siehe Skizze). Die U-Bahn-Station Mönckebergstraße ist wenige Meter entfernt, die Buslinien 3, 5, 19 halten direkt vor dem Levantehaus, Autofahrer können die nahe gelegenen Parkhäuser nutzen.

Geschichte und Architektur

Im Rahmen des Durchbruchs der Mönckebergstraße zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Hubertushof von den Hamburgern Franz Bach (Architekt, Bauunternehmer) und Carl Bensel (Architekt, maßgeblich bei der Fassadengestaltung) als Stahlbetonskelett mit Backsteinfassade entworfen und 1911/1912 erbaut. Beide Gebäudeteile hatten einen Keller, fünf Voll- und zwei Staffelgeschosse und umschlossen zwei große Innenhöfe. Es gab ein zentrales, gemeinsames und für repräsentative Zwecke ausgeschmücktes Treppenhaus. Das Erdgeschoss auf der Seite zur Mönckebergstraße hatte Läden, alle übrigen Räumlichkeiten waren für Kontore bestimmt.

Den Namen Levantehaus bekam das Gebäude spätestens 1925.

1943/1944 wurde es durch Bomben zerstört, konnte jedoch von 1948 bis 1950 durch Bach & Wischer weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut werden.

Fassadenstruktur auf Seiten der Mönckebergstraße

Das breit angelegte Kontorhaus (siehe Fassadenstruktur) mit symmetrischem Aufbau wird vertikal von durchlaufenden, kannelierten Mauerpfeilern untergliedert, Akzente setzen im Mittelfeld drei hervorspringende Erker und das zweigeschossige Portal. Die Sockelzone mit hochformatigen Fenstern ist zweigeschossig mit einem Gesims als Abschluss, im ersten Obergeschoss reihen sich, getrennt durch Lisenen, breitgelagerte Korbbogenfenster. An der Mönckebergstraße ist die Backsteinfassade teilweise mit Muschelkalk verkleidet, Brüstungselemente und -bänder sind mit verschiedenen Ornamenten versehen, an der Bugenhagenstraße besteht die schlichte Fassade aus Klinkern.

Bis 1995 wurde das Levantehaus als Bürogebäude mit Einzelhandel im Erdgeschoss genutzt, 1946 bis 1971 war es die Hauptverwaltung der Deutschen Philips. In dieser Zeit war es auch als Philips-Haus bekannt und ein Mosaik mit dem Firmenlogo schmückte den Eingang.

Umbau und Kunst

Deckenkonstruktion im Passagenflügel
Vorne: Fries von Barry Baldwin, Hintergrund: Paternosterinstallation
Deckenöffnungen mit Bleiglasfenster von Ida Isensee

1995 bis 1997 wurde das Kontorhaus in eine Einkaufspassage und ein 5-Sterne-Hotel umgebaut. Gründe dafür waren das Überangebot an Büroflächen in der Hamburger Altstadt, die übergroßen und daher schwer zu vermietenden Räume im Kontorhaus sowie der Auszug der Verwaltungsberufsgenossenschaft, die den größten Teil der Büroflächen belegt hatte.

Im Jahre 2000 erhielt das Levantehaus vom Denkmalschutzamt Hamburg und der LGH den Preis „Hamburgs schönste Fassade“. 2007 wurde auf dem Dach des Gebäudes eine Fotovoltaikanlage installiert.

Heutige Nutzung

Einzelhandel, Gastronomie

Über 40 Einzelhandelsgeschäfte, Dienstleistungsbetriebe, Restaurants und Cafés nutzen derzeit die Passage. Das Warensortiment ist im oberen Preissegment angesiedelt und handwerklich-künstlerisch ausgerichtet. Weit verbreitete Ladenketten sind eher selten. Man findet dort die erste Steiff-Galerie der Welt, Märklin Store Levantehaus Hamburg, Birgit und Arne Probst – Handarbeitskunst aus dem Erzgebirge, Juweliere und Uhrenhandel, Schreibwaren, Maßschneiderei und Maßschuhmacherei, eine Goldschmiede, die Sushifactory und weitere Firmen aus den Bereichen Fashion, Beauty, Accessoires und Lifestyle.

Hotel

Das 5-Sterne-Hotel Park Hyatt Hamburg war seit 1998 Teil des Levantehauses, es hatte ein Angebot von rund 252 Gästezimmern und Suiten, ein Schwimmbad mit Spa-Bereich und einen Fitnessclub. Ende 2022 wurde das Hotel nach 24 Jahren geschlossen. Die Munich Hotel Partners (MHP Hotel AG), ein deutsches Unternehmen für Hotelinvestment, hat den Betrieb anschließend übernommen. Nach umfangreicher Renovierung fand im September 2025 die Neueröffnung statt. Das Hotel wird seitdem unter der Marke „Conrad Hotels & Resorts“ geführt, einer Tochterfirma der US-amerikanischen Gruppe Hilton Hotels.

Kultur und Marketing

Etwa 10 bis 20 kulturelle und Marketing-Veranstaltungen finden jedes Jahr im Levantehaus statt. Gefördert werden sie durch die GbR Levantehaus, die Mietparteien (Einzelhändler, Hotel, Gastronomie) und weitere Nutzer des Gebäudes. Geboten werden im Besonderen Kunst – z. B. von Caspar David Friedrich, Jan Jastram, Heinz Felbermair, Eberhard Oertel, Jan Siebert oder „Starken Frauen“ –, Fotografie – z. B. von Henning von Berg, Klaus Kammerichs, Manfred Vollmer oder Angela Roy – und Literatur – z. B. von Anton Tschechow, Chuck Palahniuk, Poetry Slamern oder den Hamburger Lesetagen. Daneben gibt es Präsentationen von Handwerkern und Produkten. Gepflegt werden Kooperationen mit dem Deutschen Schauspielhaus, der Hamburger Kulturamt, der Hamburger Kunsthalle, dem Literaturhaus Hamburg und weiteren Verbänden bzw. Organisationen.

Die GbR Levantehaus vergibt in unregelmäßigen Abständen einen Förderpreis für kreatives Design (Levantehaus Design Award, 2000 und 2005 vergeben).

Das Levantehaus wurde 2004 für sein kulturelles Engagement mit dem „KulturMerkur“ der Handelskammer Hamburg und der Hamburgischen Kulturstiftung ausgezeichnet.

Siehe auch

Quellen

  1. ↑ Homepage von Barry Baldwin (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  2. ↑ http://www.architekten-portrait.de/carl_gustav_bensel/index.html
  3. ↑ Levantehaus Park Hyatt-Hotel – Baudokumentation. SUSA-Verlag, Dezember 1998, archiviert vom Original am 12. September 2005; abgerufen am 26. Mai 2023.
  4. ↑ Architekturführer Hamburg, Ralf Lange, Edition Axel Menges, 1995, Seite 37
  5. ↑ Hamburg, Mönckebergstraße – Zum denkmalpflegerischen Umgang mit den Kontorhäusern des Architekten Carl Bensel (1878-1949). In: Jahrbuch MSD 2005-07, Berlin 2007, S. 86. FG Historische Bauforschung, Masterstudium Denkmalpflege, TU Berlin, 2007, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 26. Mai 2023.
  6. ↑ Gestaltungsrahmen Mönckebergstraße–Spitalerstraße. Freie und Hansestadt Hamburg – Baubehörde, 1987, archiviert vom Original am 18. März 2005; abgerufen am 26. Mai 2023.
  7. ↑ Architektur: Die Passage – Die Konstruktion – Die Materialien. In: levantehaus.com. Archiviert vom Original am 24. August 2007; abgerufen am 26. Mai 2023.
  8. ↑ Richard Haimann: Viel Prominenz im Levantehaus – Wo einst der Handel mit Asien blühte, sitzt jetzt das Hyatt. In: Hamburger Abendblatt. 3. Dezember 2003, archiviert vom Original am 2. Dezember 2003; abgerufen am 26. Mai 2023.
  9. ↑ Levantehaus: Fotovoltaikanlage. In: Hamburger Abendblatt. 3. November 2007, abgerufen am 2. Juli 2023.
  10. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2024. Suche im Internet Archive) In: abendblatt.de
  11. ↑ Sarah Hoffmann: Conrad Hamburg eröffnet. 18. September 2025, abgerufen am 22. September 2025 (deutsch).
  12. ↑ Übernahme: Vom Kissen bis zur Designer-Lampe - Luxushotel-Inventar wird verkauft. In: tophotel.de. 25. Mai 2023, abgerufen am 25. Mai 2023.
  13. ↑ Homepage von Barry Baldwin (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  14. ↑ http://www.levantehaus.de
  15. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2024. Suche im Internet Archive) In: abendblatt.de
  16. ↑ KulturMerkur – Preis für unternehmerische Kulturförderung. Hamburgische Kulturstiftung, 2014, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 26. Mai 2023.

Literatur

Commons: Levantehaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 33′ 4,3″ N, 10° 0′ 10,5″ O