Lisl Goldarbeiter

Lisl Goldarbeiter (1929)

Lisl Goldarbeiter (* 23. März 1909 in Wien als Elisabet Ernestine Goldarbeiter; † 14. Dezember 1997 in Budapest) war ein Fotomodell sowie Miss Austria 1929. Sie wurde am 11. Juni 1929 in Galveston (Texas) zur bisher einzigen österreichischen und damals ersten nicht-amerikanischen Miss Universe gewählt.

Leben

Goldarbeiter war die Tochter von Izsó (Isidor) Goldarbeiter (* 3. Mai 1877 in Szeged; ermordet am 16. Februar 1945 in Mauthausen), einem jüdischen Galanteriewarenhändler, und Aloisia geb. Schimek. Gemeldet war sie in der elterlichen Wohnung in Wien 2, Freilagergasse 5 (heute: Neubau Vivariumstraße 11, Stiege 3) bis zum 27. Juli 1937. Mit diesem Datum meldete sie sich nach Preßburg ab.

Noch vor der Miss-Universe-Konkurrenz hatte Goldarbeiter im Februar selben Jahres in Paris an der Wahl der schönsten Europäerin teilgenommen. Nachdem die Trophäe an eine Ungarin gegangen war, äußerte Goldarbeiter die Absicht, zum Film zu gehen. Ihr leidenschaftlicher Wunsch wäre es jedoch, endlich aus Armut und Enge heraus(zu)kommen.

Im Juli 1929 wurde ihr vom Direktor des Ischler Kurtheaters Josef Jarno für August des Jahres der Auftritt in einem eigens für sie geschriebenen Stück in Aussicht gestellt. Diese Ankündigung führte im Hinblick auf einen Auftritt am Linzer Landestheater zu einer erbitterten Kontroverse zwischen den Lokalblättern Tagblatt und Tages-Post. Am 7. November 1929 zeigte sich die Weltschönheitskönigin beim Lustspiel Das Geld auf der Straße am Landestheater und wurde von Direktor Albert Hugelmann bei Akklamation des Publikums nach dem ersten Akt vorgestellt. Die Gage dafür spendete Goldarbeiter dem Roten Kreuz.

Da die Siegerin des Wettbewerbs Schönste Frau Europas (Miss Europa 1929) Goldarbeiters Titel Miss Universe nicht anerkennen wollte, kam es Ende Juli 1929 in Deauville zur Wahl der Schönsten Frau der Welt. Goldarbeiter, die durch Reise- wie Terminstrapazen fünf Kilo abgenommen hatte und Erholung suchte, blieb der Konkurrenz fern: Zu gleichwertigen Siegerinnen wurden die Teilnehmerinnen Miss Europa 1929 (Ungarn) sowie Miss Amerika 1928 (Deutschland) erklärt.

In Bukarest, wo Goldarbeiter ihre Kollegin Miss Rumänien, Magda Demetrescu, besuchte, wurde sie von einer Menschenmenge am Bahnhof mit antisemitischer Hetze empfangen. Nachdem beide Schönheitsköniginnen in einer Kathedrale Zuflucht suchten, musste schließlich die Polizei eingreifen. Neben den antisemitischen Zurufen wurde auch berichtet, dass die rumänische Bevölkerung Goldarbeiter als zu dünn empfand.

Im Sommer 1930 heiratete Goldarbeiter den aus einer Wiener Fabrikantenfamilie stammenden Fritz Spielmann, den sie, noch vor ihrer Reise nach Galveston, in Paris kennengelernt hatte. Spielmann floh jedoch Jahre später ohne Lisl vor den Nationalsozialisten. Lisl und ihre Mutter, beide evangelisch, entkamen nur knapp einer KZ-Internierung und überlebten ebenfalls, während Lisls Vater und viele Angehörige im Holocaust umkamen.

Die wohl bekannteste Darstellung von Goldarbeiter stammt von dem Maler Carry Hauser. 2005 wurde ihr Leben von Péter Forgács unter dem Titel Miss Universe 1929 – Lisl Goldarbeiter. A Queen in Wien filmisch dokumentiert.

Sie heiratete 1949 in zweiter Ehe ihren Cousin Marczell (Marci) Tenczer. Lisl Goldarbeiter-Tenczer starb 1997 in Budapest und ist auf dem Farkasréti temető beerdigt.

Quellen

Literatur

Commons: Lisl Goldarbeiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Taufbuch Wien Lutherische Stadtkirche, tom. LXVI, Nr. 67 (Faksimile).
  2. ↑ Die Oesterreicherin zur „Miß Universe“ gewählt. Der internationale Schönheitsbewerb in Galveston. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 23255/1929, 12. Juni 1929, S. 2, Spalte 2. (online bei ANNO).
  3. ↑ Isidor Goldarbeiter. In: doew.at. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, abgerufen am 31. Mai 2026.
  4. ↑ Die schönste Oesterreicherin – in Armut und Enge. In: Tages-Post, Nr. 44/1929 (LXV. Jahrgang), 21. Februar 1929, S. 3, Spalte 2. (online bei ANNO).
  5. ↑ Lisl Goldarbeiter in Linz. Herzliche Aufnahme im ausverkauften Theater. In: Tages-Post, Nr. 260/1929 (LXV. Jahrgang), 9. November 1929, S. 8. (online bei ANNO).
  6. ↑ Die Schönheitskonkurrenz in Deauville (Mit Abbildung). In: Das interessante Blatt, Nr. 32/1929 (XLVIII. Jahrgang), 8. August 1929, S. 3, Spalte 3. (online bei ANNO).
  7. ↑ 'MISS UNIVERSE' JEERED IN RUMANIA AS TOO THIN; Austrian Jewish Beauty Seeks Refuge in Cathedral and Police Rescue Her. In: New York Times. 30. August 1929, ISSN 0362-4331.
  8. ↑ Louise O. Vasvári: Böske Simon, Miss Hungaria and Miss Europa (1929): Beauty Pageants and Packaging Gender, Race, and National Identity in Interwar Hungary. In: Hungarian Cultural Studies. Band 12, 1. August 2019, ISSN 2471-965X, S. 212, doi:10.5195/ahea.2019.360 (pitt.edu [abgerufen am 4. Juni 2025]).
  9. ↑ Gestern, heute, morgen. Salzburg und Nachbarländer. (…) Lisl Goldarbeiter – Fritz Spielmann als Vermählte. In: Salzburger Chronik mit der illustrierten Beilage „Die Woche im Bild“, Nr. 180/1930 (LXVI. Jahrgang), 7. August 1930, S. 4, Spalte 2. (online bei ANNO).
  10. ↑ Vor 90 Jahren: Wienerin Lisl Goldarbeiter wird Miss Universe (11. Juni 2019)
Personendaten
NAME Goldarbeiter, Lisl
ALTERNATIVNAMEN Goldarbeiter, Elisabet Ernestine; Goldarbeiter-Tenczer, Lisl
KURZBESCHREIBUNG österreichisches Fotomodell
GEBURTSDATUM 23. März 1909
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 14. Dezember 1997
STERBEORT Budapest