Miss Austria ist ein jährlicher nationaler Schönheitswettbewerb für unverheiratete Frauen in Österreich. Er fand erstmals einige Male um das Jahr 1930 statt und wurde ab Ende der 1940er-Jahre zu einer regelmäßigen Veranstaltung.
Hintergrund
1928 wurde im Wiener Neuigkeits-Welt-Blatt berichtet, dass ein Agent aus den USA von der „International Beauty Tour“ in europäischen Hauptstädten wie Paris, Berlin und Wien nationale Misswahlen organisierte, deren Gewinnerinnen an einer internationalen Misswahl in den USA teilnehmen sollten. Ein früher Veranstalter war 1929–1931 das Neue Wiener Tagblatt. Bereits nach wenigen Jahren fand der Wettbewerb letztmals vor dem Zweiten Weltkrieg statt, wenngleich in den 1930er Jahren noch regionale Schönheitskonkurrenzen um Titel wie Miss Tirol, Fräulein Wien und Donaukönigin stattfanden. In Zeiten der Großen Depression in den USA erschienen Misswahlen nicht mehr angemessen. Kommentatoren in der heimischen Presse zeigten sich erleichtert, dass der „Unfug“ aus Amerika ein Ende hatte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst unterschiedliche Veranstalter. Ab 1958 führte der Linzer Bühnenschauspieler Erich Reindl (31. August 1931–17. Oktober 2016) den Wettbewerb durch und gewann im Folgejahr den Kosmetikkonzern Max Factor als Sponsor. Unter Reindl wurde die Misswahl im Hotel zur Tenne in Kitzbühel zum jährlichen Fixpunkt. Er moderierte das Finale und regionale Vorentscheide wie Miss Vienna und Miss Styria jahrzehntelang. Seine Miss Austria Corporation verkaufte Reindl 1994. Ab 1999 war das Casino in Baden regelmäßiger Veranstaltungsort des Finales. Geschäftsführer sowie fünfzigprozentiger Teilhaber war lange Zeit Emil Bauer, der nach zwei Jahrzehnten seinen Anteil an Franz Josef Schachermayer verkaufte. Ernst Kirchmayr behielt seine 50 Prozent an der Firma. Neue Geschäftsführerin wurde Silvia Schachermayer. 2018 übernahm Jörg Rigger die Miss Austria Corporation. Die Geschäftsführung der nunmehr Mission Austria genannten Marke liegt 2026 bei seiner Frau Kerstin Rigger.
An der Wahl zur Miss Austria nehmen die zwei Erstplatzierten jedes Bundeslandes teil. In der Endausscheidung treten 18 Kandidatinnen aus den neun Bundesländern, zudem die „Miss Online“ und ihre Vize, vor einer Live-Jury gegeneinander an. Die gekürte Miss Austria soll dann Österreich bei der Miss World vertreten und die Zweitplatzierte bei der Miss Europe. Dies wird für die Miss World aber erst seit 1997 konsequent umgesetzt.
Übrigens tragen auch die Gewinnerinnen einzelner Bundesländer einen englischen Titel: Miss Vienna (Wien), Miss Styria (Steiermark) und in den 1950er-Jahren auch Miss Carinthia (Kärnten).
Manche Frauen wurden in Medien als Miss Austria bezeichnet, ohne es offiziell gewesen zu sein. Das gilt etwa für Frauen, die bei einer Miss-Austria-Wahl nicht gewannen, aber Österreich bei internationalen Bewerben vertreten durften, oder für Gewinnerinnen anderer nationaler oder regionaler Schönheitswettbewerbe. Beispiele dafür sind Hilde Ptack (Betty Bird, 1927 bei Miss Europe ohne vorhergehenden Miss-Austria-Bewerb), Mary Weinlich (1932 zum Fräulein Wien 1933 gewählt), Ingrid Jonasz(in) (war bei Miss Europe 1948 und gewann 1949 einen inoffiziellen Miss-Austria-Bewerb in Paris; später: Baroness Inge von Reith), Hannerl Melcher (Miss Vienna 1957, 2. bei Miss Austria 1957; bei Miss Universe 1957), Inge Jaklin (Miss Vienna 1962, bei Miss World 1962), Christa Linder (bei Miss Universe 1962), Brigitta Cimarolli (Miss Salzburg 1977 und 3. bei Miss Austria 1977), Evelyn Rillé (Miss Vienna 1983, 4. bei Miss Austria 1983) und Nelly Baumann (als Nelly Sperl Miss Vienna 1992 und 2. bei Miss Austria 1992).
Titelaberkennung 2018
Daniela Zivkov wurde 2018 zur Miss Oberösterreich gewählt und gewann am 1.September 2018 die Wahl zur Miss Austria und hatte einen entsprechenden Vertrag mit der Miss Austria Corporation.
Jörg Rigger, Geschäftsführer dieser Firma, erläuterte laut orf.at vom 7.Oktober 2018: „Einer amtierenden Miss Austria muss klar sein, dass sie nicht machen kann, was sie will.“ Erstmals in der Geschichte der Organisation müsse einer Miss der Titel aberkannt werden. Er führte an, dass Zivkov mit der Miss-Oberösterreich-Schärpe bei Veranstaltungen aufgetreten sei und für ein anderes Produkt geworben habe als vertraglich vereinbart. Konkret wäre sie in einer Zeitschrift mit einem Kraftfahrzeug abgebildet worden, das nicht der Marke eines Werbevertragspartners entsprach. Rigger hätte sie wiederholt abgemahnt, doch – laut seiner Aussage – hätte sie beschwichtigt, „nur privat unterwegs gewesen zu sein“.
Laut orf.at strebte Daniela Zivkov eine Offizierslaufbahn im Bundesheer an. Die auf den Titel Nachrückende war die 24-jährige Einzelhandelskauffrau Izabela Ion aus Lauterach (Vorarlberg).
Ende der 1980er wurde einige Jahre lang vom ehemaligen Model Lilo Hoffmann ein eigener Bewerb um die Miss World Österreich veranstaltet, dessen Delegierte bei der Miss World antraten.
↑Wenige Tage nach Mareks Sieg wurde bekannt, dass sie aktuell bereits verheiratet war. Ledigkeit war damals aber nur Voraussetzung dafür, an der Miss Europe teilzunehmen. Die Zweitplatzierte Hanni Schall vertrat Österreich bei der Wahl der Miss Europe, Marek reiste außer Konkurrenz mit. Ingeborg Marek wurde in Zeitungen noch Jahre später als Miss Austria 1950 bezeichnet.
↑Die Wahl fand in der Wiener Börse noch vor dem Brand vom 13. April 1956 statt.
↑Ihr Nachname schrieb sich laut ihrer Parte eigentlich Ehrenstraßer.
↑Oft als Spazier benannt. In Teilnehmerlisten internationaler Wettbewerbe ist die Schreibweise Spatzier häufig. – Miss Vienna Sissy Hodacs durfte nur außer Konkurrenz teilnehmen, da sie erst 17 Jahre alt war, und erhielt bei der Miss-Austria-Wahl die meisten Punkte. Sie wurde von der Jury ehrenhalber auf den zweiten Platz gesetzt. (Illustrierte Kronen-Zeitung, 24. Mai 1959, S. 1.)
↑Bei internationalen Bewerben als Victoria Lazek benannt.
↑Bei Miss Europe 1965 als Carin Ingberg Schmidt benannt.
↑In Medien nach der Wahl als Brigitte Kröger benannt.
↑Pacher in den Teilnehmerlisten von Miss World, Universe und Europe; laut Miss Austria Bacher. In Zeitungsberichten nach der Wahl als Ursula Macher benannt.
↑So in allen vorgenannten Listen. Die Miss Austria Corporation schreibt Roswita.
↑In österreichischen Quellen auch als Elfriede Heindl.
↑Der Veranstalter Erich Reindl erkannte Mock den Titel ab und ernannte die Miss Vienna Nelly Sperl (später: Nelly Baumann) zur Miss Austria 1992; Tamara Mock zog daraufhin vor Gericht und gewann. Nicht die erste entthronte Miss Austria, tips.at, 10. Oktober 2018, abgerufen am 22. Februar 2026.
↑S. 101: „In Zusammenhang mit Tillers Wahl zur Miss Austria hält sich nach wie vor das hartnäckige Gerücht, sie hätte den Titel zweimal gewonnen. Seit Jahren versucht die Schauspielerin dieses von Journalisten tausendfach kolportierte Missverständnis auszuräumen – ohne Erfolg. Das Internet ist schneller. Nadja Tiller nimmt es mit Humor. Mit der Presse ist sie stets gut ausgekommen.“
↑S. 124 ff. (dort Schüblauer geschrieben; vgl.: Geschichte (Memento vom 15. Februar 2015 im Internet Archive) In: Heuriger Schübel-Auer, 2009); abgerufen am 9. März 2025.
↑S. 177: „die Miss Austria 1980, die 16-jährige Helga Scheidl aus dem Waldviertel“
↑Zur Schönsten präpariert. In: Wiener Wochenblatt, 28. April 1962, S. 7 und 14.: „Margit Nünke, die im Sommer 1956 [bei Miss Europe] die knapp 18jährige blonde Traudl Eichinger mit dem richtigen Wiener Biedermeierg’sichterl glatt überrundet hatte“
↑Oostenrijkse werd Miss Europa(deutsch: Österreicherin wurde Miss Europa)In: Leeuwarder Courant, 7.September 1959, S.3.Abgerufen am 12.März 2026(niederländisch).
↑Karriere, die nicht stattfand. In: Wiener Wochenblatt, 14. April 1962, S. 7f.: „Er ersparte sich im darauffolgenden Jahr [1960] eine durch Juroren zu entscheidende Wahl vor der Öffentlichkeit und delegierte selbstherrlich Sissy Hodacz und ein anderes Mädchen zur Teilnahme an internationalen Mißwahlen.“
↑Bunte Österreich, Nr. 31/1971, 27. Juli 1971, Seite 30–35: „,Miß Austria 1971‘, die blonde Sonja Milnaric aus Tirol, hatte keine so große Lust auf das Amerika-Abenteuer. Ihr waren Liebe und Eheglück wertvoller: Die 19-jährige Sonja hat noch vor Ablauf ihrer ,Regentschaft‘ geheiratet. Damit wurde aus der ,Miß‘ eine Frau – und automatisch kann sie nicht mehr in Miami dabei sein. Doch ihr Heimatland Österreich wird würdig vertreten sein, wenn die selbstbewußte Edeltraud Neubauer im Bikini über den Laufsteg schreitet.“