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Virion der Autolykiviridae, Querschnitt | ||||||||||||||
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| Autolykiviridae | ||||||||||||||
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Die Autolykiviridae sind eine im Jahr 2021 vom International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) offiziell bestätigte Familie von dsDNA-Viren, deren Wirte Bakterien sind (was sie als Bakteriophagen klassifiziert), die aber im Gegensatz zu den Caudoviricetes keinen Kopf-Schwanz-Aufbau, sondern nur ein Kapsid mit ikosaedrischer Geometrie. Sie sind Mitglieder der Viruslinie, deren Hauptkapsidprotein (MCP) eine DJR-Faltung (englisch double jelly roll fold-Struktur) zeigt. Zu ihren nächsten Verwandten gehören die Corticoviridae. Zu ihren näheren Verwandten gehören unter anderem die Turriviridae, Chaacviridae und Skuldviridae.
Die ersten Hinweise auf Vertreter der neuen Familie fanden sich 2018 bei Metagenomanalysen von Kathryn M. Kauffman, Natalya Yutin, Disa Bäckström und Kollegen. Bis zur offiziellen Bestätigung der Familie gelang es aber bereits, von einzelnen Vertretern TEM-Aufnahmen zu machen (siehe §Bildergalerie).
Die Familie ist benannt nach der Figur des Autolykos (altgriechisch Αὐτόλυκος, latinisiert Autolycus) aus der griechischen Mythologie, einem Meister der Diebesfertigkeit, der als schwer zu fangen galt. Genauso schwer waren die Vertreter dieser Familie zu fassen, was ihre Entdeckung lange verzögert hatte, trotz ihrer ubiquitären Verbreitung in den Ozeanen (siehe §Ökologie).

Die Autolykiviridae gehören zu den zuvor schlecht untersuchten nicht-taxonomischen Gruppe der Bakteriophagen ohne Kopf-Schwanz-Aufbau (d. h. nicht zu den Caudoviricetes), sind aber auch nicht filamentös (wie etwa die Tubulavirales). Sie zeigen ein isometrisches (gleichförmiges) ikosaedrisches Kapsid. Seltene Aufnahmen zeigen eine Art Schwanz oder Röhrchen, ähnlich wie bei den Tectiviridae, wenn sie an der Zellmembran der Wirtszelle anliegen (d. h. zu Beginn der Infektion).
Die Autolykiviridae haben ein lineares ssDNA-Genom (unsegmentiert, d. h. monopartit) mit einer Länge von grob 10 kbp (Kilobasenpaare).
Die Autolykiviridae kodieren neben dem DJR-MCP eine Verpackungs-ATPase (en. packaging ATPase, für die Assemblierung d. h. den Zusammenbau der Viruspartikel) der FtsK-HerA-Superfamilie (vgl. Monodnaviren, Yaravirus) sowie für eine DNA-Polymerase mit Protein-Primer, bezeichnet als pDNApol. Diese Eigenschaften sind ähnlich wie bei der Klasse Tectiliviricetes (in die sie früher klassifiziert wurden), das pDNApol unterscheidet sie aber von ihren nächsten Verwandten, den Corticoviridae. Sie enthalten wie Mitglieder der Tectiliviricetes Lipidmembranen in ihren Kapsiden, zudem sind wie bei den Tectiviridae terminale Proteine kovalent an ihr Genom gebunden.
Die derzeit (Mitte 2021) bekannten Autolykiviridae wurden in küstennahen marinen heterotrophen Bakterien der Gattung Vibrio (Vibrionen) isoliert. Tests zeigten aber, dass einige Arten der Autolykiviridae in der Lage sind, sich in mindestens 6 verschiedenen Spezies der Bakterienfamilie Vibrionaceae zu replizieren.
Die Systematik (Stand ICTV Mai/Juni 2024) und Wirte sind wie folgt (auf NCBI sind derzeit (13. Juni 2021) die einzelnen Stämme noch jeweils eigenen provisorischen Spezies zugeordnet und nicht in die ICTV-bestätigten offiziellen Spezies gruppiert.):
Klasse: Tectiliviricetes
Obwohl die Autolykiviridae offenbar eine Schwesterfamilie der Corticoviridae darstellen, hat das ICTV die neue Familie nicht in deren Ordnung Vinavirales aufgenommen. Die Autolykiviridae verbleiben daher zunächst ohne Ordnungszuweisung, und die Corticoviridae monotypisch in ihrer Ordnung Vinavirales. Als provisorische Bezeichnung für eine beide Familien umfassende Klade wurde PM2-Gruppe (en. PM2 group) vorgeschlagen, benannt nach der Corticoviridae-Spezies Pseudoalteromonas-Phage PM2.
Die Autolykiviren wurden als Hauptvernichter (en. principal killers) der marinen Vibrionaceen identifiziert, was auf einen viel größeren ökologischen Einfluss der schwanzlosen Bakteriophagen hinweist, als bisher angenommen.
Offenbar gibt es zur Zeit (14. Juni 2021) noch keine gemeinfreien Bilder oder Schemazeichnungen von Autolykiviridae. Eine Reihe von TEM-Aufnahmen und Genomkarten finden sich bei den folgenden Quellen: