Loco ist mit den Ortsteilen Niva und Rossa eine Ortschaft in der Gemeinde Onsernone im Schweizer Kanton Tessin. Bis April 2001 bildete es eine eigene politische Gemeinde.
Geographie
Luftbild (1963)
Das Dorf liegt im Onsernonetal auf einer Terrasse an der Strasse, die einerseits nach Vergeletto, andererseits nach Spruga führt. Zugehörig sind auch die Weiler Niva und Rossa.
Geschichte
1224 findet sich Loco oder Luogo erstmals erwähnt. Im Ancien Régime bildete es zusammen mit den anderen Dörfern des Tals mit Ausnahme von Auressio den Hauptort der Talgemeinde Onsernone. Im 19.Jahrhundert war Loco ein Zentrum der Strohflechterei, wobei die dazu verwendeten Strohzöpfe auch in den anderen Dörfern des Onsernonetals hergestellt wurden. Neben den typischen Häusern mit Loggien, deren Schmuck sich teilweise erhalten hat, prägen eine Reihe stattlicher Herrschaftshäuser das Dorf.
Von 2001 bis 2015 bildete Loco zusammen mit Berzona und Auressio die Gemeinde Isorno. Hier war Loco der Verwaltungssitz. 2016 schloss sich Isorno der Gemeinde Onsernone an.
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung Loco seit 1600
2.000
1.500
1.000
500
0
1.620
1600
1.140
1683
1.217
1719
1.500
1769
781
1799
689
1808
692
1836
745
1860
628
1880
556
1888
402
1900
335
1910
306
1920
289
1930
247
1941
258
1950
204
1960
210
1970
224
1980
254
2000
Quelle: Bundesamt für Statistik
1600: inkl. Auressio, Berzona, Gresso, Mosogno, Russo und Vergeletto 1683/1719/1769: inkl. Auressio und Berzona
Wirtschaft
In Loco befinden sich die Primarschule, das 1966 gegründete Museo Onsernonese und das Altersheim des Onsernonetals. In einer restaurierten Mühle ist eine Dauerausstellung über das Getreidemahlen zu sehen. Die Casa Schira aus dem 19.Jahrhundert ist im Besitz der Gemeinde, sie beherbergt eine kleine öffentliche Bibliothek und eine Herberge.
Nach dem Niedergang der Landwirtschaft pendelt heute die Mehrheit der erwerbstätigen Einwohner nach Locarno.
Pfarrkirche San Remigio mit Cappella del Crocefisso, erstmals 1228 erwähnt. Der aktuelle Bau stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist das Ergebnis mehrerer Anbauten. Vom örtlichen Maler GiovanniMeletta wurde sie 1902 mit Fresken dekoriert und enthält Gemälde des 17. Jahrhunderts.
Casa ai Mulini (alte Mühle) ist die ehemalige Zollstation (Brückenzoll); auf der Westseite des Hauses findet sich ein restauriertes Fresko von Giovanni Samuele Meletta von 1900; der heutige Bau stammt aus dem Jahre 1626 und wurde 2002 renoviert.
Mühle aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurde sorgfältig restauriert und wieder in Betrieb genommen.
Brücke bei Niva, entworfen von Christian Menn, wurde 2016 fertig gestellt, um die alte Brücke aus dem 16. Jahrhundert zu ersetzen, die 1978 zerstört wurde.
Loco, San Remigio
Kirche San Remigio
Oratorium San Giovanni Nepomuceno
Alte Mühle
Niva
Nivabrücke
Pöstler und zwei Strohflechter vor der Post (1933)
Siro Borrani: Il Ticino Sacro. Memorie religiose della Svizzera Italiana raccolte dal sacerdote Siro Borrani prevosto di Losone. Tipografia e Libreria Cattolica di Giovanni Grassi, Lugano 1896.
Guglielmo Buetti: Note Storiche Religiose delle Chiese e Parrocchie della Pieve di Locarno, (1902), e della Verzasca, Gambarogno, Valle Maggia e Ascona (1906). 2.Auflage. Pedrazzini, Locarno 1969.
Riccardo Carazzetti: La Francia, la fame e l’Onsernone. Gli emigranti, la libertà e le rivoluzioni. (Mostra temporanea allestita al Museo Onsernonese in occasione del bicentenario dell’indipendenza del Ticino). In: Bollettino della Società Storica Locarnese. Nr.2, Tipografia Pedrazzini, Locarno 1999, S.142–144.
Luciano Chiesa und andere: Onsernone: das Tal und sein Museum. Museo Onsernonese, Loco 2012.
Elfi Rüsch: Loco. In: Distretto di Locarno IV. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2013, ISBN 978-3-03797-084-3, S.301–321.
↑Loco (Isorno).In:ISOS - Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung.Bundesamt für Kultur BAK,Juni 2009,abgerufen am 21.Januar 2025(italienisch).
12345Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S.222–223.
12345Elfi Rüsch: Distretto di Locarno IV. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2013, ISBN 978-3-03797-084-3, S.301–321.