| Lone Arranger | ||||
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| Studioalbum von Manfred Mann | ||||
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Veröffent- |
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Creature Music | ||||
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Format(e) |
CD, 2 LP, Doppel-CD (Deluxe Edition) | |||
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Titel (Anzahl) |
14 | |||
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Manfred Mann | ||||
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Lone Arranger ist ein Studioalbum des aus Südafrika stammenden Keyboarders Manfred Mann. Es erschien am 17. Oktober 2014 in Europa und am 20. Oktober 2014 im Vereinigten Königreich bei Creature Music, zehn Jahre nach dem unter dem Namen Manfred Mann ’06 veröffentlichten Album 2006. Das Album besteht überwiegend aus Bearbeitungen bekannter Rock- und Popsongs sowie zweier Sätze aus Joaquín Rodrigos Concierto de Aranjuez. Hinzu kommen drei Stücke, die auf Aufnahmen anderer Künstler beruhen, in denen zuvor Musik Manns gesampelt worden war. Neben aktuellen und ehemaligen Mitgliedern der Manfred Mann’s Earth Band wirkten zahlreiche Gastmusiker mit, unter ihnen der Trompeter Till Brönner und Kris Kristofferson.
Im Begleitheft des Albums beschrieb Mann sich selbst als Arrangeur und nicht als Künstler oder Autor, als Keyboardspieler, der Dinge verändere, eine Art Handwerker. Er verstehe sich nicht als Komponisten und verbinde mit seinen Arrangements keine tiefere Bedeutung. Die von ihm ausgewählten Themen bezeichnete er als den musikalischen Soundtrack des 20. Jahrhunderts. Er habe die Stücke bewusst als Herausforderung gewählt, gerade weil sie so bekannt seien, und habe Bestandteile frei verändert und Abschnitte weggelassen, weil die Vorstellung der Hörer die fehlenden Teile ergänze und die Worte auch dort mithöre, wo sie nicht erklängen. Das Album sei eine Mischung aus allen Beteiligten, insbesondere aus Till Brönner, dessen Trompetenspiel den Charakter großer Teile bestimme. Ursprünglich seien die Stücke als Instrumentals angelegt gewesen, erst auf halber Strecke habe er Gesang hinzugenommen, was ihm Probleme bereitet und ihn zufällig in ungewöhnliche Richtungen geführt habe. Der Albumtitel ist ein Wortspiel auf die Westernfigur The Lone Ranger.
Ursprünglich wollte Mann nach eigener Darstellung Musik in der Art eines Jazztrios oder -quartetts aufnehmen, das Album sollte dabei aber bekannte Songs und nicht einfach Jazzstandards enthalten, damit sich Hörer damit identifizieren könnten. Dieser Ansatz funktionierte nach seinen Worten nicht. Mit den fertigen Arrangements plante er anschließend ein rein instrumentales Album, bis ihm der Schlagzeuger Jon Hiseman riet, Texte und Gesang hinzuzunehmen, weil es sonst niemand spielen werde. Mann probierte daraufhin zahlreiche Sänger und vor allem Sängerinnen aus, weil er keinesfalls einfach nur Coverversionen etwa von All Right Now oder We Will Rock You machen wollte.
Sein Arbeitsprinzip beschrieb Mann als „Kunst des Weglassens“. Man spiele so lange mit den Songs, bis sie zu den eigenen würden, und lasse gerade jene Elemente weg, die die Leute fast instinktiv kennen und im Kopf ergänzen. Rock You und Nothing Compares to You hätten sehr lange gebraucht, bis sie funktionierten und in der endgültigen Form vorlagen, während er bei I Came for You in der Version der Disco Boys und bei One Way Stand-Up nach Prodigy nur weitere Keyboards darübergelegt habe.
Als Arbeitstitel war bis zuletzt Rational Anthems vorgesehen, ein Wortspiel auf National Anthems und ein Hinweis darauf, dass es sich um große, allgemein bekannte Songs handele. Als Vorabsingle dieses geplanten Albums erschien am 21. April 2011 das Stück Boots als Download bei Creature Music. Das Label hatte es am Vortag angekündigt und nannte wenige Tage später Jessica Darling als Sängerin, die auf Lone Arranger auch I Heard It Through the Grapevine singt. Boots enthielt ein Stimmen-Sample von Königin Elisabeth II. Da sich die Rechte an der ursprünglichen Fassung nicht klären ließen, blieb nach dem Herausschneiden der Samples nur eine gekürzte Fassung übrig, die schließlich als Videostück mit einer Animation von Ceiren Bell auf die Bonus-CD gelangte.
Titel und Reihenfolge nach der Rückseite der Deluxe Edition, Spielzeiten nach Discogs, Angaben zu den Vorlagen nach dem Begleitheft.
Bonus-CD der Deluxe Edition:
Die zweite CD ist als Enhanced CD mit zwei Sitzungen angelegt. Die erste enthält sieben Audiotitel, die zweite eine MPEG4-Videodatei. Der Audiotitel zu Boots ist auf der gedruckten Titelliste nicht eigens ausgewiesen. Die Doppel-LP enthält dieselben vierzehn Titel wie die Einzel-CD, ordnet sie aber anders an.
Im Begleitheft kommentierte Mann jedes Stück ausführlich.
One Hand in the Air geht auf So Appalled von Kanye West zurück, der 2013 einen Titel der Earth Band gesampelt hatte. Teil der damaligen Vereinbarung war, dass Mann die Aufnahme seinerseits verwenden durfte. Da die beteiligten Rapper nahezu durchgehend zu hören sind, fand Mann nur wenige Takte ohne Stimmen und zerlegte das Stück. James Stewart steuerte ein Streichquartett-Arrangement bei, die Zeile 30 million can’t hurt me von Jay-Z wurde zu einem Sprechgesang umgeformt. Die fertige Fassung schickte Mann nach eigener Aussage nervös an West, der sie guthieß und die Verwendung genehmigte. Der Gesang von Caitlyn Scarlett kam erst in letzter Minute hinzu.
Bei Footprints griff Mann auf eine Melodie zurück, die er als Junge in Südafrika in einer Jazzfassung von Miles Davis gehört hatte und seither ungenau im Kopf trug, weshalb seine Version von Rodrigos Vorlage abweicht. Nach Aufnahmen mit Viktoria Tolstoy in Stockholm wurde das Stück halbinstrumental. Für den gesprochenen Mittelteil sprach Mann 2008 auf Burg Clam in Österreich Kris Kristofferson an, der dort auftrat, und übergab ihm eine CD. Kristofferson sagte Monate später per E-Mail zu. Der Produzent Laurie Latham zeigte sich von einer frühen Fassung wenig beeindruckt, worauf Mann das Stück deutlich bluesiger anlegte.
Aranjuez First Movement entstand aus der Idee, das Hauptthema des Concierto de Aranjuez und einen Teil des ersten Satzes gleichzeitig erklingen zu lassen. Manns Schwiegersohn Mark FitzPatrick, Geiger im Orchester des Sydney Opera House, schrieb die Stimmen aus und wies darauf hin, dass es nur funktioniere, wenn das erste Thema vor der Hauptmelodie einsetze. Den Schluss verstand Mann als Verbeugung vor Benjamin Brittens Ende von The Young Person’s Guide to the Orchestra.
Für Bang a Gong sang Mann seine damals neun- und vierzehnjährigen Enkelkinder Uli und Elliot Barry als Chor ein, was er im Begleitheft ausführlich und selbstironisch schildert. Das Bass-Solo spielte Mark King von Level 42.
Die Aufnahmen zu Nothing Compares to You begannen mit einer Trompetensession bei Till Brönner in Berlin. Mit dem Ergebnis war Mann lange unzufrieden. Nachdem Latham die zunächst rein instrumentale Fassung sinngemäß als Fahrstuhl- und Flughafenmusik abgetan hatte, übergab Mann das Stück an James Stewart, der sämtliche Akkorde änderte und auch einzelne Trompetennoten Brönners abwandelte. Mann lehnte das Ergebnis zunächst ab, hörte es einen Monat später erneut und übernahm es schließlich. Die ursprüngliche Fassung erschien auf der Bonus-CD.
Insects entstand in Helsingborg, wo Mann den Jazzpianisten Felix Tani kennenlernte, der ein Käsegeschäft führte und das Thema des Stücks schrieb. Dazu trägt der Kriminalschriftsteller Håkan Nesser eines seiner eigenen Gedichte vor. UKOR bezeichnete Mann nicht als Song, sondern als den Ausklang eines anderen Stücks, den er wegen des Spiels als eigenständiges Fragment übernahm.
The Crystal Ship geht auf eine Anfrage für ein Tributalbum an The Doors zurück, für das Mann eine Aufnahme beisteuern sollte. San Juan Music überließ ihm Bass- und Schlagzeugspuren als Grundlage. Robert Hart wies er an, ohne jede Emotion zu singen, weil das Stück mehr Intimität benötige.
Angaben nach dem Begleitheft.
Produziert wurde das Album von Manfred Mann, zusätzliche Produktion und Arrangements steuerte James Stewart bei. Die weiteren Toningenieur- und Mischarbeiten übernahmen Ian Tompson, Ian Caple, James Stewart und Maurice Penella. Das Mastering besorgte Frederik Lidin in den Apparat Studios in Göteborg. Die Gestaltung stammt von Luke Weall, das Coverfoto von Claude Piscitelli.
Das Album erschien in drei Ausgaben: als Einzel-CD (Katalognummer MMCD22), als Doppel-LP (MANNLP22) und als Deluxe Edition mit einer zweiten CD (MMCD22X) in einem dreiteiligen Digipak mit Schuber. Den Vertrieb übernahmen PIAS und Rough Trade.
Walter Sehrer bewertete das Album in der Zeitschrift eclipsed mit siebeneinhalb von zehn Punkten und nannte es alles in allem ein gewagtes Unterfangen. Habe Mann mit 2006 zuletzt noch ein halbes Earth-Band-Album vorgelegt, so tobe er sich nun alleine aus. Man glaube seinen Ohren nicht zu trauen, wenn etwa der Rapper Kanye West in One Hand in the Air zu hören sei. Rock You biete typisch sphärische Mann-Synthesizer, während diverse Stimmen Queens Paradestück dekonstruierten, und Nothing Compares to You erinnere schwer an Miles Davis. Till Brönner verleihe mehreren Stücken jazzige Eleganz, so auch dem Free-Cover All Right Now. Als Top-Track hob Sehrer One Way Stand-Up hervor. Man sei überrascht, wie sehr ein bald 74-Jähriger das Ohr am Puls der Zeit haben könne, Fans der Earth Band würden sich mit dem Album aber schwertun.
Rob Hughes urteilte in der britischen Zeitschrift Prog, man könne Mann Ehrgeiz und Mut nicht absprechen, insgesamt falle das Album jedoch flach aus. Die Bearbeitungen von We Will Rock You und Light My Fire funktionierten nicht recht, Mann sei offenbar davon ausgegangen, dass die bloße Radikalisierung altbekannter Stücke bereits für sich genommen eine Aussage sei. Als Ausnahme nannte Hughes Bang a Gong, das ohne seinen Glam-Boogie und über einem gemächlichen Groove recht gesund klinge, sowie One Hand in the Air, mit dem Mann sich Kanye Wests Sample seines eigenen Stücks You Are I Am frech zurückhole.
Ian D. Hall bewertete das Album in Liverpool Sound and Vision mit vier von fünf Sternen. Er verteidigte das Neuarrangieren bekannter Songs als handwerkliche Leistung und hielt dem möglichen Einwand, solche Neufassungen seien überflüssig, entgegen, ein Lied unverändert zu lassen bedeute, es verstauben zu lassen.
Dave Atkinson vergab auf Get Ready to ROCK! dreieinhalb von fünf Sternen. Mann gehe die Vorlagen ohne jede Halbherzigkeit an, die Stücke seien vollständig dekonstruiert und neu gedacht. Als herausragendes Stück nannte Atkinson Nothing Compares To You, bei dem Till Brönner und der Geiger Billy Thompson über Gesangsfragmenten und Manns zurückhaltenden Klavierakkorden eine sparsame, eindringliche Linie entwickelten. Die Fassung des Queen-Titels mit ihrem tranceartigen Rap-Vortrag werde dagegen die Meinungen teilen. Insgesamt seien ein paar zu viele sonderbare Momente für ein herausragendes Album des Jahres darunter, es bleibe aber ein interessantes, gewichtiges und kluges Werk.
Alex Driessen bezeichnete das Album auf der niederländischen Website Progwereld als Manns zweites Soloalbum und als eklektische Sammlung aus elektronischer Musik, modernem Jazz, Rock und Hip-Hop. Als Star der Platte hob er Till Brönner hervor, dessen Trompetenspiel an Miles Davis und Chet Baker erinnere. Insects und UKOR hielt er für belanglose Füllstücke, den Nutzen der zweiten CD der Deluxe Edition für fraglich. Wer eine Fortsetzung der Earth Band suche, werde enttäuscht.